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18.09.1987 - 

Geschlossene Benutzergruppen, Beispiel 1:

Telefunken schlägt Brücke zu 6000 Vertriebspartnern

Bei der Telefunken Fernseh und Rundfunk GmbH hat man schon sehr früh die Möglichkeiten von Btx als kostengünstiges Instrument der externen Kommunikation erkannt. Rainer Irrlitz. Direktor für Information Service bei der Deutschen Electronic Gruppe GmbH. berichtet über Erfahrungen, die bei der Realisierung und beim Betrieb des Telefunken-Btx-Systems gemacht worden sind. Die Deutsche Electronic Gruppe GmbH in Hannover als Management-Gesellschaft für die Firmen Nordmende, Saba und Telefunken ist unter anderem auch für die Informationsverarbeitung der genannten Firmen zuständig.

Im Jahre 1984 wurde im Hause Telefunken der Beschluß gefaßt, zur Unterstützung des Telefunken-Partner-Systems Bildschirmtext einzusetzen. Dieses System ist ein in der Unterhaltungselektronik-Branche spezifisches Vertriebs-System, das auf dem Agentur-Prinzip beruht. Der Fachhändler ("Telefunken-Partner") verkauft im Namen find auf Rechnung von Telefunken. Da bei diesem Verfahren die Ware bis zum Zeitpunkt des Verkaufs, Eigentum des Herstellers bleibt, sind an das Informations-System auch besondere Anforderungen zu stellen:

- Die Warenbestände bei allen Händlern (ca. 6000) sind zu führen.

- Monatlich müssen für alle 6000 Händler die Verkäufe erfaßt und verarbeitet werden (Bestandsüberwachung, Verkaufsabrechnung, Provisionsabrechnung).

- Auswertung der durch dieses System gewonnenen zusätzlichen Informationen.

Während im ersten Ansatz bei der Einführung des neuen Partner-Systems alle Realisierungen auf konventioneller EDV-Basis erfolgten wurde im Hause Telefunken sehr schnell die Möglichkeit erkannt, für die Meldung der Verkäufe und Bestände durch die Händler auf den Btx-Dienst zuzugreifen. Darüber hinaus ergab sich dabei noch der für den Hardware-Hersteller Telefunken nicht zu unterschätzende Nebeneffekt, daß er seine Händler überwiegend mit der eigenentwickelten Btx-Hardware ausrüsten und der Fachhandel den Umgang mit dem neuen Medium üben konnte.

Das Projekt wurde im Frühjahr 1984 gemeinsam mit der Gesellschaft für Projektmanagement (GfP) aus Hamburg gestartet. Die GfP wurde mit der Projektleitung beauftragt, da bei Telefunken damals kein ausreichendes Btx-Know-how vorhanden war. Bei der Erarbeitung der Mengengerüste, und der späteren Diskussion der damals vorliegenden Angebote zeigt es sich, daß wir dabei waren, absolutes Neuland zu betreten. Aus Akzeptanzgründen, sowohl für das Telefunken-Partner-System als auch für das neue Medium Btx, mußte das System so ausgelegt sein, daß auch voraussichtliche Spitzenbelastungen, die während der monatlichen Meldephase entstehen, die Verfügbarkeit nicht beeinträchtigen dürfen. Daraus entstand die Anforderung an das System, 450 Sessions parallel während einer Zeitdauer von 20 Minuten störungsfrei abarbeiten zu können.

Die Entscheidung fiel, insbesondere unter dem Aspekt der Sicherheit und Verfügbarkeit, zugunsten eines VAX-Cluster-Systems, bestehend aus zwei VAX-Rechnern 11/750 und der Btx-lris-Software, wobei die Firma DEC die Generalunternehmerschaft übernahm. Zum Lieferumfang gehörte auch ein SNA-Gateway, das die Übergabe der auf den VAX-Rechnern gesammelten und vorverarbeiteten Daten als IMS-Transaktionen an den IBM-Hostrechner vornimmt Dieses SNA-Gateway ist ein wesentliches Element in der Telefunken-Sicherheits-Konzeption. Dadurch ist es möglich, beide Systeme, also sowohl das IBM-Hostsystem als auch das DEC-Btx-System, autark voneinander zu betreiben, so daß Störungen auf dem einen System das andere nicht beeinträchtigen. Im Normalfall laufen jedoch beide Systeme parallel, um Kapazitätsengpässe zu vermeiden.

Die Verbindung zum Btx-Netz erfolgt über vier Datex-P-Ports ß 9600 Baud, die wiederum durch zwei Kommunikations-Controller KMS 11 gesteuert werden. Diese Datex-P-Ports sind auf der Seite der Deutschen Bundespost zu einem Sammelanschluß zusammengefaßt, der eine gleichmäßige Aufteilung der Datex-Last auf die vier Ports ermöglicht. Durch Verwendung des innerhalb des Btx-Systems der DBP angebotenen Formatservices wird darüber hinaus eine (bis zu 40prozentige) Einsparung im Übertragungsvolumen erzielt.

Während sich die Entwicklung der Software relativ problemlos gestaltete, mußte die Hardware-Kapazität in mehreren Schritten bis Anfang 1986 auf zweimal VAX 11/785 mit insgesamt 64 Megabyte Hauptspeicher aufgerüstet werden (Konfiguration siehe Bild). Hinzu kamen in der Testphase Akzeptanzprobleme mit den für den Testbetrieb ausgewählten Teilnehmern. Da es keine Simulationsmöglichkeit gab, mit deren Hilfe man alle Komponenten wie dezentrale Btx-Ports, Datex-P-Verfügbarkeit, Rechnerkapazität, Btx-Software und Anwendungssoftware unter den gegebenen Mengenanforderungen "trocken" hätten testen können, mußten umfangreiche Feldtests durchgeführt werden, mit gelegentlich negativen Ergebnissen, im allgemeinen durch das Mengenproblem verursacht.

Zu diesem Zeitpunkt zeigte sich dann übrigens auch, daß die Deutsche Bundespost die geringsten Probleme von allen Beteiligten hatte.

Alle Händler zur Nutzung des Systems vertraglich verpflichtet

Seit dem stufenweisen Start im Frühjahr 1985 ist die Btx-Durchdringung immer weiter ausgebaut worden. Heute sind alle ca. 6000 Telefunken-Partner vertraglich dazu verpflichtet, ihre Verkaufs- und Lagermeldungen über Btx zu vollziehen. Damit dürfte die Telefunken-GBG eine der größten Benutzergruppen im deutschen Btx-Netz sein.

Im Jahre 1986 erhielt das Btx-Projekt für Telefunken dann eine geradezu strategische Bedeutung, da aufgrund von Auseinandersetzungen mit dem Kartellamt der Bundesgerichtshof über die Zulässigkeit des Telefunken-Partner-Systems zu entscheiden hatte und das Btx-System eine entscheidende Stütze dieses Vertriebs-Systems geworden war.

Neben diesen Vertriebssystemspezifischen Btx-Anwendungen werden heute im Rechenzentrum der Deutschen Electronic-Gruppe für die Firmen Telefunken und Saba auch "klassische" Ersatzteil-Bestellungen über Btx abgewickelt beziehungsweise sind im weiteren Ausbau begriffen. Für die Firma Nordmende ist ebenfalls ein verstärkter Btx-Einsatz geplant.

GBG-Möglichkeiten sollten weiter ausgebaut werden

Die Erfahrungen, die inzwischen bei uns gemacht wurden, zeigen, daß das Btx-System heute stabil und zuverlässig funktioniert und die Anfangsphase als überwunden betrachtet werden kann. In dieser Anfangsphase wurde allerdings von allen am Projekt Beteiligten viel Pioniergeist gefordert - und auch erbracht. Btx in seiner kommerziellen Ausprägung, mit der Möglichkeit, für geschlossene Benutzergruppen ein wirtschaftliches, geschlossenes Kommunikationssystem zwischen unterschiedlichen Partnern abzubilden, wird in der Deutschen Electronic-Gruppe und den ihr angeschlossenen Firmen konsequent genutzt und weiter ausgebaut. Wir sind uns dabei sicher, daß wir die Möglichkeiten, die dieses Instrument bietet, noch lange nicht ausgeschöpft haben.