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02.11.1990 - 

Lokale und überegionale TK-Entwicklung muß simultan erfolgen

Telekom beharrt trotz TK-Not im Osten auf ihr Sprachmonopol

*Dirk Nouvortne ist Leiter Bürokommunikation im Gerling-Konzern, Köln.

Beim Jahrestreffen der "Deutschen Telecom e.V." stand die Bestandsaufnahme der Telekommunikations-Infrastruktur im östlichen Teil Deutschlands im Mittelpunkt. Vertreter der Europäischen Gemeinschaften, der Deutschen Bundespost Telekom, Hersteller und private Netzanbieter sowie Anwender diskutierten, wie Dirk Nouvortne* schildert, bei der Veranstaltung Probleme und Lösungen zu diesem Thema.

Bei der Deutschen Telecom e.V. handelt es sich um eine Anwendervereinigung, die sich den Informations- und Erfahrungsaustausch zu TK-Anwendungen mit Fachverbänden der Fernmeldetechnik, den Postverwaltungen (PTTs) und den TK-Herstellern zum Ziel gesetzt hat. Die Organisation verfolgt damit die Absicht, anwenderspezifische Probleme im Meinungsaustausch einer Lösung näher zu bringen. Dazu zählt auch die Mitarbeit in internationalen

Gremien.

Wie nicht anders zu erwarten, verdeutlichte dieses Treffen die Bedeutung der Telekommunikation für den wirtschaftlichen Aufbau des östlichen Teils Deutschlands, sowohl für die Bevölkerung als auch die Unternehmen. Entsprechend dringend ist die Bereitstellung einer funktionsfähigen Infrastruktur an Netzen für die unterschiedlichsten Dienste, angefangen vom Telefon bis zu Datenverbindungen auf Satellitenbasis. Umstritten war bei den Teilnehmern jedoch der Weg für den Aufbau dieser Infrastruktur.

TK in Ostdeutschland enthält kaum Verwertbares

Natürlich ist die Deutsche Bundespost Telekom bemüht, dieser Herausforderung auf den unterschiedlichen Ebenen zu begegnen. Von der ministeriellen Ebene bis hinunter zu paritätisch besetzten Abreist-, und Coordinierungsausschüssen mit Mitgliedern der ehemaligen Deutschen Post wird der Versuch unternommen, das Problem in den Griff zu bekommen. Dabei ist der Hinweis der Telekom richtig, daß bei der Erschließung der "Ex-DDR" mit TK- Netzen keine Anpassungskosten anfallen, die mit jedem neuen Technologiesprung im Westen zu Buche schlagen.

Die Entwicklung immer neuerer Gateways zwischen Netzen und Diensten mit der Folge erheblichen Administrationsaufwands ist im östlichen Teil Deutschlands nicht notwendig. In der DDR gibt es nach allgemeiner Auffassung wenig "Verwertbares" in dieser Technik. Über 60 Prozent der installierten Vermittlungstechnik ist älter als 30.Jahre, davon sind wiederum 20 Prozent älter als 60 Jahre.

Mit 30 Milliarden Mark (Anm. der Red.: Es war auch schon von 60 Milliarden die Rede) wird das Investitionsvolumen in die Telekommunikation von bundesdeutschen Vertretern angegeben. Es handelt sich dabei vor allem um die Bereitstellung von Glasfaserverbindungen und Vermittlungseinrichtungen.

Diese Zahl wird von "Ostdeutschland-Experten" angezweifelt, da besonders Verkabelungsprojekte im lokalen Bereich noch ungeahnte Investitionen nach sich ziehen werden.

Dies ist für die Anwender Oberhaupt ein zentrales Thema. Bei allen zweifellos notwendigen Verkabelungsprojekten zur Einrichtung eines Overlay-Netzwerkes wird vergessen, daß der Anwender sein Netz erst einmal an das Overlay-Netzwerk heranführen können muß. Im Klartext: Es geht um die innerstädtische Verkabelung beziehungsweise um die Anbindung entlegener Ortschaften an die Overlay-Knoten der Deutschen Bundespost Telekom. Eine Planung der Telekom hat daher nicht nur die Großverkabelung in Glaserfaser und Netzknoten zu umfassen, sondern auch die lokale Ebene. Dabei ist es eine besondere Herausforderung, daß die lokale und überregionale Entwicklung der Infrastruktur nicht sukzessive, sondern simultan zu vollziehen ist.

Neben der Beseitigung technischer Probleme sind daher auch organisatorische Maßnahmen einzuleiten. Beide Voraussetzungen werden maßgebend für die Attraktivität eines Standorts zur Ansiedlung von Anwendern in der DDR sein. Darüber hinaus ist nicht nur die Verkabelung wichtige sondern auch der Aufbau eines "Wabensystems" für die drahtlose Kommunikation. C-Netz-Autotelefone zeigen nämlich bislang außer in Berlin, Leipzig und im Zonenrandgebiet absolute Funkstille, und in den genannten Bereichen sind die Kapazitäten ausgeschöpft.

Seit dem Tag der Vereinigung, dem 3. Oktober 1990, gilt in der ehemaligen DDR die TKO beziehungsweise die allgemeine Geschäftsbedingung der Deutschen Bundespost Telekom. Für den Anwender ist dies

eine wichtiger Orientierungpunkt, obwohl es in Teilbereichen Übergangsregelungen geben wird. Mit dieser rechtlichen Grundlage wird auch das Angebot privater Anbieter von TK-Dienstleistungen geregelt. Leider drängt sich bei den Anwendern gegenwärtig scheinbar der Eindruck auf, daß die Hilfe privater Carrier beim Aufbau einer Netz-Infrastruktur mit dem Argument, Wildwuchs zu verhindern, nicht gewünscht wird. Dieses Argument greift jedoch nicht, da sich auch die privaten Netzbetreiber an die Standards halten müssen.

Umstritten war außerdem wieder einmal die Sprachkommunikation, die weiterhin nicht durch Angebote privater Carrier unterstützt werden darf, obwohl es rechtliche und technische Möglichkeiten gibt, innerhalb einer juristischen Person Punkt-zu-Punkt-Verbindungen aufzubauen.

Auch der Vorschlag der Privaten, die Energietrassen für die Verkabelung zu nutzen, um den Netzaufbau voranzutreiben, wird seitens der Telekom mit dem Argument abgelehnt diese Trassen würden überwiegenden von der Idealführungen abweichen und so unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen.

Es ist sicher richtig, daß sich die Telekom bei der Errichtung der notwendigen Infrastruktur nicht von einem kurzsichtigen Erfolgszwang leiten läßt. Bei aller notwendigen Eile sollte die Investition in die TK-Infrastruktur einem konzeptionellen Vorgehen folgen. Es wäre verantwortungslos, wenn Entwicklungsmaßnahmen mit veralteten Techniken eingeleitet würden. Andererseits, und dies verdeutlicht, wie schmal der Grat ist, auf dem sich die Telekom bewegt, gilt es, ideologisch vorgefertigte Auffassungen besonders hinsichtlich des Monopolanspruchs und sonstiger Regulierungen abzulegen. Es stellt sich die Frage, wo betriebs- und volkswirtschaftlich , sinnvolle Entscheidungen getroffen werden und wo ideologisch durchsetzte Denkmuster zum Tragen kommen.

Bei dem hohen Nachholbedarf darf man den östlichen Teil Deutschlands nicht als einen Markt für veraltete Technologien ansehen. Vielmehr ist bereits während des Aufbaus auf zukunftsweisende Technologien zu setzen. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang die Glasfasertechnik genannt. Auch aus Anwendersicht wäre eine Investition hier wünschenswert, sie setzt aber voraus, daß über die Verkabelung in der "Ex- DDR" das westdeutsche Gebiet nicht vernachlässigt wird. Ziel muß eine Angleichung beider Teile sein.

Neben der Glasfaserte und der Funktechnik wird häufig auch der Aufbau eines Datex-P-Netzes genannt. Die Errichtung eines paketorientierten Datennetzes hat zweifache Bedeutung: Zunächst benötigen die Anwender ein leistungsfähiges paketorientiertes Netz zur Übertragung ihrer internen Daten. Daneben ist ein solches Netz die Grundlage für die Bereitstellung verschiedener Telematikdienste. Message-Handling-Systeme, also Electronic-Mail-Funktionen bauen darauf auf. Darüber hinaus wird das Datenpaket. Netz die Basis für die Verbindung der Btx-Zentralen sein. Schließlich gibt es Überlegungen, auch die anderen Telematikdienste, allen voran den Fax- und Teletex-Dienst, unter Einbeziehung von paketorientierten Datennetzen zu unterstützen. Dies alles kann nicht simultan errichtet und angeboten werden, sondern bedarf einer schrittweisen Vorgehensweise.

Private Anbieter tragen zur TK-Infrastruktur bei

Bei diesem vielfältigen Programm drängt sich wiederum die Frage nach einer sinnvollen Kooperation mit privaten Anbietern auf. Für zahlreiche Anwender ist es ohnehin eine lohnenswerte Alternative in der Datenkommunikation einen Leistungs- und Preisvergleich gegenüber der Telekom anzustellen. Durch die Möglichkeit der Kanalteilung leisten private Anbieter bereits einen wesentlichen Beitrag zur Erschließung des östlichen Teils Deutschlands. Je nach Basistechnologie installieren unterschiedliche Carrier bereits Multiplexersysteme oder X.25-Knoten, um ihrer Klientel via terrestrischer Verbindungen Netzservices in Ostdeutschland anzubieten. Auch Satellitenkommunikation wird eingesetzt.

Mit Ausnahme der Satellitenkommunikation, wo die Empfangsstation in der Regel auf dem Dach der Anwenderlokation installiert ist, bleibt die innerörtliche Verbindung zwischen Netzknoten und Anwenderlokation ein Problem. Ohne innerstädtische Netz-Infrastruktur ist auch der preisgünstigste Carrier keine Alternative. Hier hilft dann nur noch Improvisation professioneller Carrier.

Die Kanalteilung kann aber auch zu einer Beeinträchtigung führen. Sie geht nämlich zu Lasten der Bandbreite, das heißt, eine zunehmende Frequentierung einer Verbindung wirkt sich nachteilig auf die Übertragungsgeschwindigkeit aus. Im gegenwärtigen Stadium des Aufbaus in Ostdeutschland mag es für die Unternehmen nicht von hoher Priorität sein, flächendeckend schnelle Datenleitungen zur Verfügung zu haben. Über die Unterscheidung in Unternehmen, die die DDR vor allem entweder als Produktionsstätte oder aber als Absatzmarkt sehen, zeigt sich aber, wo die Interessensschwerpunkte liegen. Wohlwissend, daß bei aller Abstraktion eine Reihe von Nuancierungen und Mischformen möglich sind, soll diese Unterscheidung beibehalten werden, um auf einen wesentlichen Aspekt des TK-Aufbaus aus Anwendersicht hinzuweisen.

Digitale Technologien erfordern Schulungsaufwand

Während die erste Kategorie ein großes Interesse an schnellen Datenverbindungen hat, reichen, zumindest für absatzorientierte Unternehmen für einen begrenzten (Aufbau-)Zeitraum Datenverbindungen mit geringeren Übertragungsraten aus. Da moderne Produktionsverfahren beispielsweise für CAD-Anwendungen schnelle Übertragungsraten benötigen, die Unternehmen darüber hinaus eine eminente volkswirtschaftliche beschäftigungs- und strukturpolitische Bedeutung haben, verdeutlicht sich nochmals die Notwendigkeit, eine entsprechende Infrastruktur zu errichten. Wird diese Infrastruktur nicht bereitgestellt, können jene Unternehmen nicht produktiv arbeiten. Die Folge ist, daß investitionswillige Firmen Gefahr laufen, in Schwierigkeiten zu geraten. Viele Unternehmen werden sich deshalb von vornherein Investitionen überlegen. Folge: Es bleibt bei dem beschäftigungspolitischen Problem im Osten der Republik.

Bei der Auswahl zum Beispiel von Telefon-Nebenstellenanlagen oder DV-Equipment sollten Anwender beachten, wie das Kundendienstnetz des Herstellers im östlichen Teil Deutschlands aussieht. Es ist für DDR-Anwender zwingend erforderlich, nicht nur die technische Qualität und Funktionalität von Informations- und Kommunikationsprodukten zu betrachten, sondern auch den Wartungsdienst des Herstellers.

Um nun auf Herstellerseite einen entsprechenden Service aufzubauen, bedarf es qualifzierten Personals. Bezogen auf die Nachrichtentechnik gibt es Potentiale im Osten, die sich jedoch ausschließlich auf netznahe Arbeiten, also die, klassische Nachrichtentechnik, beziehen. In der Regel ist dieser Personenkreis sehr qualifiziert, weil Techniker in der DDR gezwungen waren, wegen der Materialknappheit zu improvisieren. Betrachtet man aber, daß im westlichen Deutschland heute vor allem digitale Technologien eingesetzt werden, wo die Mechanik durch softwarebezogene Elektronik ersetzt wird, läßt sich dieses Potential ohne Schulungsaufwand nicht nutzen. Hersteller, die Telekom, private Netzbetreiber und Anwender sind gezwungen, Schulungsaufwand zu betreiben.