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30.10.2006

Telekom kommt nicht zur Ruhe

Der Carrier will am Personal sparen und stößt auf Widerstände.

Die jüngsten Pläne der Deutschen Telekom, rund 45000 Mitarbeiter von der T-Com in eine neue Sparte mit der Bezeichnung "T-Service" zu versetzen, haben für Unruhe im Konzern gesorgt. "Das ist mit uns nicht zu machen", schimpfte Lothar Schröder vom Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi im "Handelsblatt". Hintergrund dieser schroffen Ablehnung sind Ankündigungen des Telekom-Managements, die Löhne in der neuen Geschäftseinheit deutlich zu kürzen. Die Größenordnung deutete Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkenhammer an: Derzeit, so der Manager, bezögen die eigenen Call-Center-Mitarbeiter im Vergleich zum Marktdurchschnitt rund 30 bis 50 Prozent höhere Gehälter.

Telekom-Chef Ricke: Kritik von Arbeitnehmern und Anlegern

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke wird sowohl von Arbeitnehmern als auch von den Anteilseignern kritisiert. Die Mitarbeiter sind über drohende Lohnkürzungen erbost: Die geplante Ausgliederung des Servicepersonals soll mit Gehaltseinbußen von bis zu 50 Prozent einhergehen. Als Zeichen seiner Solidarität kündigte Ricke gegenüber der "Bild"-Zeitung einen Gehaltsverzicht des Vorstands an, ohne konkreter zu werden. Die Gewerkschaft geißelte die Ankündigung sogleich als "reine Imagegeschichte".

Die Aktionäre, allen voran die Investment-Gesellschaft Blackstone, die im vergangenen Frühjahr mit 4,5 Prozent bei der Telekom eingestiegen ist, echauffieren sich über den rasanten Wertverlust ihrer Anlage. Der heftige Gewinneinbruch im ersten Halbjahr 2006, die enorme Abwanderung der Festnetzkunden zur Konkurrenz und die dürftige Jahresprognose haben Spekulationen über eine vorzeitige Ablösung Rickes genährt. Nun scheint einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel einen Kompromiss anzustreben: Rickes Vertrag werde zwar wie üblich ein Jahr vor Ablauf vorzeitig verlängert, allerdings nicht wie vorgesehen um fünf, sondern nur um drei Jahre. Erfülle er im Jahr 2010 die Umsatz- und Renditeziele, verlängere sich der Kontrakt bis 2012. Sollte Ricke den Entwurf ablehnen, so die Zeitung, stehe mit Thomas Geitner, bis Jahresende noch Vodafone-Vorstand für Innovationen, ein Nachfolger bereit.

Damit ist klar: Mit der neuen Servicesparte möchte die Telekom vor allem Kosten senken. Konzernlenker Kai-Uwe Ricke hatte kürzlich im Rahmen eines Sieben-Punkte-Programms Einsparungen von fünf Milliarden Euro bis zum Jahr 2010 angekündigt. T-Service ist offenbar Teil des Plans. Personalchef Klinkenhammer widersprach jedoch Meldungen, wonach neben den bereits angekündigten 32000 Stellenstreichungen weitere 23000 Mitarbeiter gehen sollen. Unternehmensnahe Quellen bestätigten jedoch die letztere Zahl. Die genannten 23000 Stellen sollen aber nicht durch Entlassungen, sondern durch natürliche Fluktuation und Verkauf von Unternehmensteilen abgebaut werden.

Das wiederum dürfte die neue Einheit T-Service treffen, in der Call-Center-Agenten sowie Servicetechniker für die Infrastruktur und den Kundendiensten zusammengezogen werden sollen. Branchenbeobachter halten die Zahl der Beschäftigten, die ausschließlich Services für die Telekom betreiben, jedoch für viel zu hoch. Die Telekom plant daher, mit der neuen Dienstleistungssparte auch externes Geschäft zu gewinnen. Um wettbewerbsfähig zu sein, müsste T-Service jedoch kostengünstiger arbeiten.

Die Pläne schwächen erneut die Stellung der Festnetzsparte T-Com innerhalb des Konzerns. Die Einheit wird dem T-Com-Zugriff entzogen und organisatorisch unterhalb der Konzernleitung als Shared-Service-Center verankert. Im August hatte Ricke bereits T-Com-Chef Walter Raizner brüskiert, als er ihm die Verantwortung für den Vertrieb und den Netzbetrieb nahm, um diese Aufgaben T-Mobile-Chef René Obermann beziehungsweise T-Systems-CEO Lothar Pauly zu übertragen. Immer deutlicher zeichnet sich nun auch die Ablösung der auf drei Säulen (T-Com, T-Mobile, T-Systems) ruhenden Telekom-Organisation zugunsten eines Modells mit zwei Sparten für Privat- und Geschäftskunden ab. (jha)