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16.10.1992 - 

Gerade Versicherungen fürchten um ihre Wettbewerbsfähigkeit

Telekom-Kunden: Kaum Chancen gegen die Konkurrenz in Europa

BONN (see) - "Nur träumen" können deutsche Dienstleistungsunternehmen davon, was in der Telekommunikation in anderen Ländern möglich ist. Hierzulande, so die Kritik, verhinderten Preispolitik und Sprachmonopol den Aufbau von Corporate Networks, die für die Wettbewerbsfähigkeit speziell von Versicherungen in Europa unverzichtbar seien.

"Die Musik spielt in der Telekommunikation", stellte Franz Rauch, für die Informationstechnik zuständiges Mitglied der Vorstände der Colonia-Versicherungen in Köln, fest. Auf einer Tagung mit Telekommunikationsanwendern und -anbietern in Bonn machte er die Telekom dafür verantwortlich, daß deutsche Versicherungen in

besonderem Maße unter der Deregulierung der Märkte für Kraftfahrzeug- und Lebensversicherungen und dem sich daraus ergebenden Markteintritt ausländischer Konkurrenten in Deutschland leiden würden.

Da das hiesige Angebot an Telekommunikationsleistungen monopolistisch gestaltet und entsprechend teuer sei, sieht Rauch im EG-weiten Wettbewerb ab 1993 schwarz für die Finanz- und Versicherungswirtschaft hierzulande. Die Vertriebs- und Marketing-Möglichkeiten unter den gegebenen TK-Bedingungen blieben weit hinter dem zurück, was die demnächst auf dem deutschen Markt antretenden Konkurrenten zur Verfügung hätten.

"Ratlosigkeit und Ohnmacht" befallen auch Bernd Tröndle, Vorstandsmitglied der Agrippina Versicherungs AG, Köln, beim Blick auf das Verhältnis zwischen Leistungsangebot und Preispolitik des staatlichen Carriers und Leitungsmonopolisten. Wie Rauch sieht er die Telekom-Kundschaft in einer ungleich schlechteren Position als die europäischen Wettbewerber, beispielsweise in Großbritannien. Dort werde etwa der praktische Nachweis geführt, daß signifikante Kostensenkungen möglich seien. Mit Verweis auf die Verteuerung der Nahbereichsleitungen im August dieses Jahres konstatiere er, in Deutschland finde das Gegenteil statt.

Die für den Aufbau von effizienten unternehmensweiten Netzen erforderlichen 2-Mbit-Monopolleitungen sind in Deutschland auch nach der letzten Tarifreduktion von 768 auf 241 Mark pro Monat und Leitungskilometer noch um den Faktor 2,4 beziehungsweise 3,5 teurer als in England, dort angeboten von British Telecom und Mercury. Dafür steht hierzulande nach letzten verfügbaren Angaben mit 4000 Kilometern nur ein Tausendstel der Leitungsstrecke zur Verfügung, die die Wettbewerber im Inselstaat vorhalten.

Telekom-Kunden müssen sich aus Kostengründen zu Nutzungsgemeinschaften zusammenschließen, da selbst für finanziell gut ausgestattete Unternehmen wie Versicherungen das Telekom-Pricing nicht akzeptabel ist.

Die Kosten-Nutzen-Relation von 2-Mbit-Leitungen, das ergibt sich aus Angaben des Bundes-Postministeriums, ist in Deutschland zwar zirka sechsmal so günstig wie bei 9,6-Kbit-Leitungen, aber die daraus resultierende Arbitrage-Möglichkeit reicht nach Einschätzung von Telekom-Kunden nicht aus, um die Netzkosten an den EG-Maßstab anzupassen.

Die Kölner Meganet GmbH entstand vor vier Jahren als eine gemeinschaftliche Aktivität frustrierter Post-Großkunden.

Die Zielsetzung war es laut Rauch, dessen Unternehmen Colonia zu den Gründungsmitgliedern zählt, zu akzeptablen Preisen "an die Technologie heranzukommen", die auf Dauer benötigt wird. Das Angebot ist indes noch im Aufbau begriffen: Gegenwärtig offeriert das Unternehmen 9,6- und 64-Kbit-Leitungen; ein 2Mbit-Backbone - auch für unternehmensinterne Sprachübertragung - soll 1993 in Dienst gestellt werden.

Weitere Kritikpunkte ergeben sich aus dem Sprachmonopol der Telekom: Dem Hoheitsrecht entsprechend, macht sich jeder strafbar, der auf nicht posteigenen Netzen Sprachinformationen überträgt. Zur Implementierung effizienter unternehmensweiter Netze sei aber genau das unabdingbar, betonte Tröndle. Er forderte "ganzheitliche Mehrwert-Lösungen", Angebotspakete also, mit denen Sprache, Daten, Bilder und Text kommuniziert werden können. Dabei, so der Versicherungs-Manager, sei eine konsequente Ausnutzung der Digitalisierungsmöglichkeiten dringend geboten. Diese jedoch sei "nicht absehbar".

Die Nutzung technischer Möglichkeiten außerhalb des legalen Rahmens, da sind sich die Betroffenen einig, wird die Telekom allerdings akzeptieren müssen. Ein Anwenderunternehmen, das daran gehindert werde, von Deutschland aus Sprache in seinem Netz zu übertragen, so Rauch, habe immer noch die Möglichkeit, sich von einem europäischen Land mit weiter fortgeschrittener Liberalisierung zur Sprachübertragung einzuschalten. Das ist zwar im Effekt auch illegal, aber von der grauen Post kaum zu kontrollieren und schon gar nicht sanktionierbar. Von Planungssicherheit, kritisieren die zur Pionierarbeit verurteilten Betroffenen, kann in einer solchen Grauzone indes keine Rede

sein.