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Alternative zum Sprint-Deal?


14.07.2000 - 

Telekom peilt Übernahme von Voicestream an

MÜNCHEN (CW) - In der Gerüchteküche um die Deutsche Telekom brodelt es: Als neuestes Übernahmeobjekt der Bonner wird der US-Mobilfunkanbieter Voicestream Wireless gehandelt. Der Preis für das Unternehmen soll zirka 30 Milliarden Dollar betragen.

Ron Sommer steht unter Zugzwang: Noch immer fehlt der Deutschen Telekom der dringend benötigte internationale Partner. Nach dem geplatzten Merger zwischen MCI Worldcom und Sprint kamen Gerüchte auf, die Telekom verhandle mit Sprint über eine Fusion. Zwar bestätigten die Bonner Kaufgespräche in den USA, doch wie sich nun abzeichnet, ging es dabei wohl um den Mobilfunkanbieter Voicestream.

Presseberichten zufolge hat die Deutsche Telekom ein Übernahmeangebot für das hierzulande noch wenig bekannte Unternehmen abgegeben. Der Preis für die Akquisition des Carriers könnte bis zu 30 Milliarden Dollar betragen. Das würde Ron Sommer wesentlich weniger schmerzen als die etwa 100 Milliarden Dollar, die er Schätzungen zufolge für den Kauf von Sprint auf den Tisch blättern müsste.

Voicestream bedient eigenen Angaben zufolge rund 2,3 Millionen Kunden (Stand Ende März). Es gehört zu den Nasdaq-100-Unternehmen und wurde 1998 aus dem Unternehmen Western Wireless Corp. (gegründet 1994) ausgegliedert. Mit Western Wireless und anderen US-Carriern hatte die Telekom 1998 ein Roaming-Abkommen unterzeichnet. Im Gegensatz zu anderen amerikanischen Mobilfunkanbietern betreibt Voicestream ein Netz auf Basis des auch in Europa gebräuchlichen Verfahrens Global System for Mobile Communications (GSM), allerdings im Frequenzbereich von 1900 Megahertz (in Europa sind die GSM-Varianten mit 900 und 1800 Megahertz gebräuchlich). Durch die Übernahmen der Unternehmen Omnipoint und Aerial Communications wurde Voicestream eigenen Aussagen zufolge zum größten GSM-Netzbetreiber weltweit.

Seit Anfang Mai bietet das Unternehmen einen kabellosen Internet-Dienst an, der über das Portal "Myvoicestream.com" zugänglich ist. Bereits diesen Herbst will der Anbieter deshalb das gegenüber GSM schnellere Verfahren General Packet Radio Service (GPRS) in ersten Regionen einführen. Bis Mitte 2001 soll der Highspeed-Internet-Zugang auf Basis von GPRS in allen von Voicestream bedienten Gegenden verfügbar sein.

Die Voicestream-Übernahme könnte durchaus eine Alternative zu einer wesentlich teureren Sprint-Akquisition darstellen. Die Telekom erhielte damit das seit langem gewünschte Standbein im amerikanischen TK-Markt und könnte überdies ihre finanziellen Reserven etwas schonen, die durch die bevorstehende Lizenzauktion für das Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) ohnehin noch arg strapaziert werden dürften. Allerdings wird es langsam eng: Eine weitere Übernahmeschlappe kann sich Telekom-Boss Ron Sommer kaum noch leisten, will er den Klassenerhalt in der ersten internationalen TK-Liga nicht riskieren.