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Jetzt drohen neue Wettbewerber im Ortsnetz


29.06.2001 - 

Telekom sagt dem TV-Kabelnetz ade

BONN (CW) - Die Deutsche Telekom AG hat mit ihrem seit längerem angekündigten Ausstieg aus dem TV-Kabelnetz ernst gemacht. Der Bonner Carrier wird sechs der insgesamt neun regionalen Kabel-TV-Gesellschaften zu 100 Prozent an die AT&T-Tochter Liberty Media Corp. verkaufen.

Durch den Verkauf der sechs Regionalnetze Hamburg/Schleswig-Holstein/Mecklenburg-Vorpommern, Bremen/Niedersachsen, Rheinland-Pfalz/Saarland, Berlin/Brandenburg, Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen und Bayern mit insgesamt zehn Millionen indirekt und 3,5 Millionen direkt angeschlossenen Haushalten zieht sich die Telekom komplett aus dem Betrieb der Kabelnetze zurück. Der Deal mit Liberty Media, der den Bonnern angeblich 5,66 Milliarden Euro in Form von Bargeld, festverzinslichen Schuldverschreibungen und Aktien in die Kasse bringt, umfasst nach einem vorliegenden Eckpunktepapier beider Vorstände auch die Vermarktungsgesellschaft DeTe Kabel Service GmbH (DTKS) und den Programmlieferanten Media Services GmbH (MSG).

Darüber hinaus bekräftigte die Telekom, auch ihre derzeitigen Minderheitsbeteiligungen an den TV-Kabelnetzen in Hessen (dort hält ein Konsortium unter Führung des britischen Kabelunternehmens NTL 65 Prozent) sowie in Nordrhein-Wesfalen (55 Prozent gingen dort an den US-Provider Callahan) und Baden-Württemberg (Verhandlungen mit Callahan über eine 55-Prozent-Beteiligung stehen dem Vernehmen nach kurz vor dem Abschluss) abzugeben. Gespräche hierüber fänden derzeit aber nicht statt, erklärte der für das Kabelnetz zuständige Produktions- und Technikvorstand Gerd Tenzer. Der Telekom-Verantwortliche kündigte ferner an, dass sein Unternehmen kein Interesse mehr an einer Beteiligung an dem Settop-Boxen-Anbieter Beta Research habe. Noch vor einem Jahr hatten die Bonner für einen 50-Prozent-Anteil an der Kirch-Tochter rund eine Milliarde Mark zahlen wollen.

Überraschender StrategiewechselDer Komplettausstieg aus dem TV-Kabelgeschäft und der damit verbundene Strategiewechsel kommen trotz einer entsprechenden und seit Jahren im Raum stehenden Aufforderung der EU-Kommission überraschend. Bisher hatte die Telekom entgegen offiziellen Bekundungen versucht, über Minderheitsbeteiligungen und Partnerschaften wie mit der Kirch-Gruppe ihren Einfluss und damit ihre Marktdominanz im Kabelnetz zumindest indirekt zu behalten.

Mit Spannung blicken Experten nun auf die weitere Entwicklung in Deutschland. Liberty Media und Callahan werden sich nach dem derzeitigen Stand der Dinge den deutschen Kabelmarkt annähernd paritätisch aufteilen.

Liberty-Chef Malone hat bereits angekündigt, die Kabelnetze massiv für Anwendungen wie Internet-Zugang, Video on Demand und Internet-Telefonie aufzurüsten. Dazu sind allerdings nach Ansicht von Insidern Milliardeninvestitionen nötig, da die Telekom aus nahe liegenden Gründen in den letzten Jahren keine Gelder mehr in ihr Kabelnetz, dafür aber um so mehr Mittel in die Aufrüstung ihres klassischen Festnetzes mit DSL-Technik gesteckt hat. In einigen Jahren könnte es aber zu einem Zustand in Deutschland kommen, der heute nur auf dem Papier existiert: einem massiven Wettbewerb im Ortsnetzbereich.