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Telebox-Dienste erneuert


27.09.1991 - 

Telekom setzt bei Mailbox-Dienst auf internationalen Standard X.400

Anfang April 1991 wurde das Telebox-Dienstleistungsspektrum erweitert. Wichtigste Neuerung war dabei die Einführung des internationalen CCITT-Standards X.400, der die weltweite Zusammenschaltung unterschiedlicher Mail-Systeme erlaubt. Carl-Werner Ackermann und Reiner Jakoby* beschreiben die Leistungsmerkmale des Telekom-Dienstes "Telebox-400".

Telebox-400 ist der Nachfolger der 1986 eingeführten Telebox, die rund 3000 Teilnehmer hat. Mit dem alten System, konnten zwar auch Auslandsverbindungen hergestellt werden, aber nur zu 3Com-kompatiblen Systemen. Nun hat sich die Telekom zu dem international anerkannten herstellerneutralen Standard X.400 entschlossen. Bis jetzt haben rund 500 Anwender Gefallen an der Telebox-400 gefunden. Das Produktangebot gliedert sich in die Bereiche Telebox-400-IPM, Telebox-400-MT und in Telebox400-PC-Box-Software.

Telebox-400-IPM ist eine Art Postamt, bei dem elektronische Postfächer, Boxen, gemietet werden können. Der Benutzer sendet die Informationen von seinem Datenendgerät über das öffentliche Telekommunikationsnetz nicht an seinen Kommunikationspartner direkt, sondern an dessen Box. Hierdurch können Mitteilungen zwischen Partnern ausgetauscht werden, ohne daß diese gleichzeitig anwesend sein müssen.

Jeder Benutzer hat eine eigene Box

Jeder Benutzer des Telebox-400-IPM-Systems hat eine eigene Box. Mit seinem Benutzernamen und einem Paßwort weist er sich dem System als berechtigter Benutzer aus. Danach kann er empfangene Mitteilungen aus seiner Box abfragen und Mitteilungen an andere versenden.

Zum Dialog mit dem Telebox-400-IPM-System eignen sich Datenendgeräte mit asynchroner oder synchroner Kommunikationsschnittstelle. Der Zugang zu Telebox-400-IPM kann mittels Modem über das Telefonnetz über das Datex-P-Netz und künftig auch über ISDN erfolgen. Im Telefonnetz betreibt die Telekom am Telebox-400-System neben Modems mit fest eingestellten Übertragungsgeschwindigkeiten auch Modems vom Typ "MDG19K2-31" (sogenannte Trailblazer). Damit ist eine maximale Übertragungsrate von 19 200 Bit/s möglich. Beim Zugang über Datex-P sind Geschwindigkeiten bis zu 64 Kbit/s möglich. Dazu braucht der Anwender eine Datex-P-Teilnehmerkennung (NUI). Anfang 1992 soll der Zugang zum Telebox-400-System auch über ISDN mit 64 Kbit/s erfolgen können.

Zudem bestehen Diensteübergänge zu Telefax und Telex. Der Übergang zu Btx befindet sich zur Zeit im Testbetrieb.

In absehbarer Zeit werden darüber hinaus Übergänge nach Cityruf, Eurosignal und Teletex eingerichtet.

Der "File Transfer" ermöglicht die transparente und gesicherte Datenübertragung zwischen PC und Telebox-400. Transparent bedeutet, daß beliebig codierte Daten wie Programme, binäre Dateien oder Textdateien mit Druckersteuerzeichen unverändert übertragen werden können. Das Leistungsmerkmal "File Transfer" ist zudem die Voraussetzung für EDI (Electronic Data Interchange) oder Edifact-Anwendungen (Electronic Data Interchange for Administration, Commerce and Transport). Gerade bei EDI muß auf die Ausfallsicherheit des versendenden Zentralsystems großes Gewicht gelegt werden. Durch redundanten Aufbau der Hardware wird bei Telebox-400 gewährleistet, daß auch bei eventuell auftretenden Fehlern die Ausfallwahrscheinlichkeit sehr gering ist.

PC-Box ist ein Programm, das auf PCs mit einer grafischen Benutzeroberfläche nach SAA-Standard und auf Telebox-400 abgestimmt ist. Alle wichtigen Funktionen zum Erstellen, Versenden, Empfangen, Lesen, Bearbeiten und Verwalten von Mitteilungen können mit PC-Box-Software menügesteuert im Off-line-Betrieb ausgeführt werden. Eine Verbindung zwischen PC und Telebox-400 wird im Gegensatz zur alten Telebox nur dann aufgebaut und auch nur so lange aufrechterhalten wie unbedingt nötig. Die PC-Box-Software spart also Verbindungszeiten und damit Kosten.

Telebox-Struktur liegt das OSI-Modell zugrunde

Mit Hilfe einer in die PC-Box-Software integrierten Makrosprache können darüber hinaus beliebige Kommunikationsanwendungen (zum Beispiel EDI-Applikationen) automatisiert werden.

Der Leistungsumfang der PC-Box Software schließt auch ein Terminalprogramm ein. Damit ist die Nutzung der Software nicht nur auf die spezifischen Belange von Telebox-400 beschränkt, die PC-Box kann also auch für die Kommunikation mit anderen Rechnern eingesetzt werden. Die PC-Box-Software besitzt Pull-down-Menüs, wobei die Bedienung des Programms über Eingabefelder sowie Dialog- und Selektorboxen erfolgt. Zur Anwahl der verschiedenen Menüoptionen kann wahlweise die Tastatur oder Maus verwendet werden.

Die logischen Strukturen und Abhängigkeiten in der Programmoberfläche sind so festgelegt, daß häufig benutzte Funktionen bequem erreichbar sind. Eine Übersicht über alle Funktionen und einen Hilfstext zum augenblicklichen Programmschritt kann der Anwender jederzeit aufrufen. Die zur Zeit gültige DOS-Version 2.3 der PC-Box-Software wird um folgende Versionen ergänzt: englische Version der DOS-Version 2.3 (Ende 1991), LAN-Version (Ende 1991), MS-Windows (Anfang 1992) und Unix (Ende 1992).

Die Telekom bietet im Rahmen ihrer Telebox-400-Dienstleistungen den Mitteilungstransfer (MT) an, der weltweite Datenübertragung erlaubt. Ermöglicht wurde dies durch die Standardisierung von Protokollen und Übertragungsverfahren für die Mitteilungsübermittlung entsprechend den CCITT-Empfehlungen der Serie X.400.

X.400ff stützen sich auf das OSI-Referenzmodell und stellen damit eine wichtige Voraussetzung für eine herstellerneutrale Kommunikation zwischen verschiedenen Benutzern dar. Damit ist der Weg offen für die Anbindung von Mail-Systemen beliebiger Herkunft.

Die hierarchische Struktur von X.400ff sieht verschiedene Versorgungsbereiche vor. Es gibt öffentliche Versorgungsbereiche (ADMD) und private Versorgungsbereiche (PRMD), zu denen jeweils eines oder mehrere X.400-konforme Mitteilungssysteme gehören können.

In der Bundesrepublik Deutschland nimmt das Telebox-400-System die Funktion der ADMD wahr, über die eine Vielzahl von PRMD angeschlossen sind. Die Verbindungsmöglichkeiten der Telebox-400 Kunden zu ausländischen ADMD werden ständig ausgebaut

Zugangsvoraussetzungen für die Anbindung von PRMD, also privaten Mail-Systemen, an den Telebox-400-MT-Dienst sind ein Zertifikat über die Normenkonformität, die Verfügbarkeit dokumentiert, Namensregistrierung und ein Datex-P-10H-Anschluß.

An Telebox-400 MT angeschlossene PRMD können außerdem Mitteilungsaustausch mit Boxen der Telebox-400-IPM-Dienstleistung natürlich auch Boxen in anderen ADMD oder PRMD erreichen. Die Nutzung der Diensteübergänge sind ebenfalls möglich.

Für internationale Kommunikation geeignet

Telebox-400 soll die Kommunikation sowohl innerbetrieblich als auch gegenüber Außendienstlern und Geschäftspartnern erleichtern. Aufgrund der Zwischenspeicherung wird das Problem der unterschiedlichen Erreichbarkeit in verschiedenen Zeitzonen gelöst. Damit bietet sich Telebox-400 auch für die internationale Kommunikation an. So können beispielsweise Repräsentanten und Außendienstmitarbeiter ihre Berichte und Gesprächsnotizen abends im Hotel über die eigene Box eingeben und in die Box der Zentrale senden. Umgekehrt erfahren sie, ob die Mitarbeiter im Unternehmen eine Nachricht hinterlegt haben. Für den Verkaufsleiter sind die Mitteilungen seiner Mitarbeiter in der eigenen Box zu jeder Zeit abrufbar und zu bearbeiten.

Firmenzentralen sind in der Lage per Telebox-400 mit allen Mitarbeitern ihrer Niederlassungen zu kommunizieren auch wenn diese nicht anwesend sind. Eine wichtige Mitteilung wird in der Zentrale nur einmal erstellt und von deren Box automatisch an die Boxen der Mitarbeiter verteilt.

Telebox-400 ist für den Außendienst gut geeignet

Projektgruppen und Teams, die häufig räumlich und zeitlich getrennt an einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten, können über Telebox-400 einfach miteinander kommunizieren Journalisten und Reporter schreiben noch am Ort des Geschehens ihre Berichte und Reportagen, greifen zum nächsten Telefon, um alles per Akustikkoppler blitzschnell an die Box der Redaktion zu senden.

Auch andere Branchen benutzen das Medium Telebox-400. In Speditionen werden damit Frachtdaten auf die Reise geschickt. Zwischen Arztpraxen und Labors hat die Telebox-400 den direkten und schnellen Labordatenaustausch ermöglicht. Fast alle Speditionen arbeiten heute mit Computern. Das Problem: Oft verhindern unterschiedliche Hardware, Software und Zugangsnetze den direkten Austausch von Informationen zwischen den Beteiligten der Transportkette. Standardisierte Datensätzen und Mailbox können hier weiterhelfen.

Eine der Speditionsanwendungen ist der Frachtdatenaustausch. Früher wurden die Frachtbriefe per Hardcopy, später per Diskette dem Fahrer mit auf den Weg gegeben. Ergebnis war, daß die Frachtbriefe erst beim Eintreffen des LKW am Zielort weiterbearbeitet werden konnten. Hieraus resultierten lange Wartezeiten und somit Leerzeiten für den Spediteur.

Telefonrechnung ist über die Telebox abrufbar

Wenn die Daten eines Frachtbriefes per Telebox ausgetauscht werden, entfällt der Frachtbrief auf Papier oder Diskette. Die Frachtbriefdaten eines Lastzuges treffen lange vor dessen Ankunft am Zielort ein und können sofort bearbeitet werden. Bereits eine Vielzahl von Speditionen und Verladern arbeiten national wie auch international mit Mailboxen.

Der Datenaustausch zwischen Arztpraxen, Krankenhäusern und externen Labors läuft heute noch überwiegend auf dem Papierweg. Labordaten, die bereits elektronisch nutzbar auf der Laborseite vorliegen, müssen dort wieder ausgedruckt, einkuvertiert und per Bote oder als Briefpost versandt werden. Der schnellere Austausch von Labordaten erfolgt über Telebox-400. Die Befunde lassen sich sofort übermitteln und können kurzfristig abgerufen werden. Die Praxen und Krankenhäuser greifen auf ihre Boxen zu, um dort aktuelle Befunde abzurufen.

Die jeweilige Praxissoftware ordnet diese Informationen dann automatisch der betreffenden Patientendatei zu. Arztpraxen und Krankenhäuser, die noch nicht über eigene Systeme zur Daten- und Informationsverarbeitung verfügen, erhalten ihre Befunddaten per Telefax oder Telex. Dazu setzt das Telebox-400-System die Informationen automatisch in das Telefax- oder Telex-Format um und sendet sie an das entsprechende Empfangsgerät.

Weil jede Praxis über eine eigene Box verfügt, können Labordaten jederzeit - sogar von allen Ärzten gleichzeitig - abgerufen werden. Darüber hinaus braucht die Praxis- oder Krankenhaus-DV nicht ständig empfangsbereit zu sein. Daten lassen sich beliebig lange speichern und können zu jeder Zeit abgerufen werden.

Großanwendern, die sehr viele und umfangreiche Fernmelderechnungen erhalten, entstehen durch die manuelle Bearbeitung dieser Rechnungen erhebliche Kosten. Um eine automatisierte Rechnungsbearbeitung zu ermöglichen, versendet die Telekom seit Juni 1990 Fernmelderechnungen bei Bedarf nicht mehr in Papierform, sondern als Edifast-Nachrichten. Bei dem Dienst "Elfe" werden alle rechnungsrelevanten Daten via Telebox 400 bereitgestellt. Die Übertragung der Edifact-Nachrichten zwischen acht Postrechenzentren und den Computern der Kunden erfolgt mit Hilfe des Telebox-400-Systems.