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10.05.2007

Telekom-Streik trifft alle

Den drohenden Arbeitskampf sollen vor allem Geschäftskunden spüren, doch könnten auch Kunden von Telekom-Konkurrenten betroffen sein.

Nachdem Telekom-Chef Rene Obermann auf der Hauptversammlung des Unternehmens an den Plänen zum Personalumbau festhielt, stehen die Zeichen auf Streik. Mit dem Arbeitskampf will die Gewerkschaft Verdi verhindern, dass 50 000 Mitarbeiter der Telekom in den neuen Geschäftsbereich T-Service ausgelagert werden, wo sie für neun Prozent weniger Geld länger arbeiten sollen als bisher. T-Service soll, wie die Telekom im Februar mitteilte, aus den drei Einheiten "Call Center", "Technischer Kundendienst" und "Technische Infrastruktur" bestehen.

Hier lesen Sie

womit Sie im Fall eines Telekom-Streiks rechnen müssen;

welche Auswirkungen die Telekom-Konkurrenten erwarten;

wie eine Backup-Strategie aussehen könnte.

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Im Vorfeld des drohenden Streiks ließ Verdi-Arbeitskampfleiter Ado Wilhelm bereits die Muskeln spielen. Er drohte, dass "zum Beispiel keine Aufträge mehr bearbeitet, Störungen nicht beseitigt und Anschlüsse nicht eingerichtet würden. Alle Zeitpläne der Telekom kämen damit in Verzug." Zudem verkündete die Gewerkschaft, dass sie mit ihrem Streik vor allem die Geschäftskunden der Telekom treffen wolle und Privatkunden bewusst ausklammern werde. Ferner ist es nicht ausgeschlossen, dass auch die Kommunikationsinfrastruktur des G8-Gipfels Anfang Juni von dem Streik betroffen sein wird.

Notdienst kommt keiner

Will die Gewerkschaft wirklich die Telekom-Geschäftskunden treffen, dann müsste sie eigentlich die Konzerntochter T-Systems bestreiken. Aufgrund der Historie (Zukauf von Debis etc.) sind dort jedoch sehr viele Mitarbeiter in der IG-Metall organisiert. Verdi wäre hier fehl am Platz. Doch die Gewerkschaft kann die Geschäftskunden auch treffen, indem sie durch den Arbeitskampf etwa bei der T-Com Vorleistungen wie das Freischalten einer Teilnehmeranschlussleitung (TAL) oder das Zuweisen von DSL-Ports verhindert. Mit diesem Vorgehen würde Verdi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Von einer solchen Streiktaktik wären auch die Telekom-Konkurrenten betroffen, denn noch befindet sich die letzte Meile zum Telefonkunden überwiegend in der Hand des Bonner Konzerns. Und auf einen Notdienst sollten dabei weder Telekom-Konkurrenten noch Geschäftskunden hoffen im Vorfeld der Urabstimmung hatte Verdi bereits angekündigt, der Telekom nicht mit Notfallvereinbarungen entgegenkommen zu wollen.

So will Albert Fetsch, Pressesprecher bei O2/Telefonica Deutschland in München, nicht ausschließen, dass ein Streik Auswirkungen auf sein Haus haben könnte. Möglicherweise komme es zu Verzögerungen bei der Bereitstellung von DSL- Anschlüssen, da die Wettbewerber beispielsweise die Telekom-Vorleistungsprodukte TAL und Line-Sharing nutzen. "Theoretisch könnte jede unserer Schnittstellen zur Telekom, bei der Daten oder Vorgänge manuell bearbeitet werden, von einem Streik betroffen sein", führt Fetsch weiter aus. Telefonica selbst stellt wiederum Internet-Service-Providern wie Alice (Hansenet), Freenet oder 1&1 DSL-Zugänge bereit.

Ähnlich schätzt man die Situation auch bei der British Telecom ein. Das TK-Unternehmen ist wie die meisten großen Carrier zu einem Teil auf Vorleistungen der Deutschen Telekom angewiesen insbesondere auf der letzten Meile. Deshalb rechnet die BT-Netzwerkabteilung damit, dass es bei einem länger andauernden Arbeitskampf vereinzelt zu Verzögerungen beim Einrichten neuer Leitungen kommen kann. Die Auswirkungen sollen jedoch so gering wie möglich gehalten werden, verspricht BT. Auch Jörg Wassnik, Pressesprecher bei Colt in Frankfurt am Main, geht davon aus, dass seine Kunden von den Telekom-Streiks nicht stark betroffen sein werden. Allerdings schränkt er ein: "Dort, wo Colt Kunden hat, die nicht ausschließlich über unser eigenes Glasfasernetz angebunden werden können, kann es durch Streiks der Telekom sehr wohl zu Verzögerungen und Wartezeiten bei der Auslieferung oder Entstörung kommen." Dies dürfte vor allem auf die DSL-Kunden des Netzbetreibers zutreffen.

Wo sind die SChlüssel?

Schnittstellen zwischen der Telekom und den Wettbewerbern gibt es aber nicht nur auf technischer Ebene. Im Streikfall könnte selbst eine Nummernportierung, also die Übernahme der Rufnummer beim Carrier-Wechsel, zum Problemfall werden, da dieser Vorgang noch nicht automatisch funktioniert. Ein reibungsloser Netzbetrieb der Telekom-Konkurrenten könnte aber bereits an viel banaleren Fragen scheitern: Wie kommen sie in den Telekom-Hauptverteiler (HVT), wenn die Schlüsselträger im Ausstand sind? Fragen, mit denen man sich bei Arcor, der Festnetztochter von Vodafone, bis Redaktionsschluss noch nicht beschäftigte. Dem Unternehmen droht nämlich nach ersten Warnstreiks möglicherweise ein eigener Arbeitskampf.

Schutz gegen Ausfälle

Vor diesem Hintergrund und der Ungewissheit, welche Telekom-Bereiche von einem Verdi-Streik wirklich betroffen sind, dürften viele IT-Administratoren in den nächsten Wochen kaum einen reibungslosen Netzbetrieb garantieren können. Nicht betroffen sind lediglich Unternehmen, deren Infrastruktur komplett von einem der Telekom-Konkurrenten betrieben wird. Auskunft hierüber gibt meist ein Blick in die Service-Level-Agreements (SLAs), in denen Ausfallsicherheit und Entstörzeiten vereinbart sind. Um unnötigem Ärger vorzubeugen, sollten Unternehmen in den nächsten Wochen Anschlussänderungen und ähnliche Umschaltarbeiten am besten nicht in Auftrag geben. Zudem empfehlen Experten, sich nach möglichen Backup-Lösungen umzuschauen. Dies könnten bei größeren Standorten etwa mobile Satellitenanlagen sein, um die Daten auf diesem Wege zu transferieren. Für kleinere Filialen oder Außendienstler mit Heimbüro ist dagegen UMTS/HSDPA im Störungsfall eine Alternative. (hi)