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20.12.1996 - 

Intralink-Testphase startet im Januar 1997

Telekom testet Netzservice für Netware-Anwender

Steht anfangs bei dem Dienst das Bereitstellen von Remote Access im Mittelpunkt, sollen später LAN-LAN-Koppelung und System-Management angeboten werden. Anwender sehen den Service mit Interesse, möchten aber konkrete Testergebnisse abwarten.

"Das Intralink-Angebot besitzt einen gewissen Charme", liebäugelt Jörg Depping, verantwortlicher IT-Manager bei der Aachener und Münchener Versicherungsgesellschaft AG, Aachen, mit dem neuen Service der Deutschen Telekom. Trotzdem will er aber erst einmal abwarten, welche Erfahrungen andere Anwender mit dem Service machen: "Blind kaufen würde ich einen solchen Dienst nicht - da müssen Preis, Qualität und Service stimmen. Wichtig ist auch, daß ein solcher Service flächendeckend verfügbar ist", fügt der Manager hinzu. Ist das alles gewährleistet, sieht Depping für Unternehmen gerade im Hinblick auf das eigene Personal interessante Perspektiven, da ein Dienst wie Intralink unter Umständen auch eine Möglichkeit zur Kostensenkung darstellt.

Intralink geht auf eine Idee von Novell zurück: Dabei werden Teile des auf den Novell Directory Services (NDS) aufsetzenden Verzeichnisdienstes von Unternehmen öffentlich zugänglich gemacht, so daß beispielsweise kooperierende Firmen auf bestimmte Ressourcen des Partners zugreifen können. AT&T hat mit "Worldnet Intranet Connect Service" den Dienst bereits eingeführt, seit kurzem bietet auch Japans Nippon Telephone & Telegraph Corp. (NTT) mit "NTT Network Connect" einen ähnlichen Service an. Bis März 1997 testet jetzt die Telekom mit Intralink als erster europäischer Carrier einen Service auf NDS-Basis. Pilotkunden der Telekom sind hierbei an die zehn Unternehmen, die aus verschiedenen Wirtschaftszweigen wie beispielsweise der Medizin- oder Versicherungsbranche stammen. Natürlich hofft der TK-Riese aus Bonn darauf, beim erfolgreichen Verlauf des Testprojekts möglichst große Teile der jeweiligen Branche für die Nutzung des Intralink-Dienstes gewinnen zu können.

Voraussetzung für die Teilnahme ist Netware in der Version 4.1. Die Außendienstmitarbeiter benötigen natürlich ein Modem oder eine ISDN-Karte für ihren PC, die allerdings auch von der Telekom geliefert werden können.

Innerhalb der Telekom ist Intralink an die "Internet Value Added Services" angegliedert und wird in drei Stufen eingeführt. Die erste trägt, so Hary Lange, Produkt-Manager Intralink-Services bei der Deutschen Telekom, den Arbeitstitel "Remote Access". Hierbei soll den Unternehmen eine Möglichkeit zur Anbindung von Teleworkern an das Unternehmensnetz bereitgestellt werden. "Im Grunde ist das wie ein Online-Dienst für eine Firma, nur wird hier auf Inhalte des Unternehmens zugegriffen", erklärt Lange das Prinzip.

In der Praxis sieht das dann so aus, daß Nutzer von Intralink zum Fernzugriff auf ein LAN keine Modempools oder ISDN-Kartensammlungen mehr benötigen. Statt dessen, so Lange, bekommen diese Firmen eine Verbindung zur "Intralink-Wolke" der Telekom, also einen ISDN-Anschluß, eine Standleitung oder einen Frame-Relay-Link. Die Einwahl der Außendienstmitarbeiter in das Unternehmensnetz erfolgt über bestimmte Knoten in Deutschland, die Points of Presence (POPs). POPs werden beispielsweise über 0130-Rufnummern zur Verfügung gestellt, wobei diese Nummern so geschaltet sind, daß dem Benutzer automatisch der am nächsten liegende PoP zugewiesen wird (siehe Abbildung).

Derzeit gibt es Einwählknoten in München, Hamburg, Stuttgart und Frankfurt am Main. Weitere sollen in Berlin, Saarbrücken, Dresden, Nürnberg, Hannover und Köln folgen, so daß dann insgesamt zehn Referenz-POPs in Betreib sind. Ende 1997 soll in Deutschland eine Flächendekkung von 80 Prozent erreicht sein.

Der Kunde braucht dazu einen von der Firma ITK entwickelten Software-Client, der auf einem "Mobile Client" von Novell aufsetzt und um bestimmte, für Deutschland notwendige ISDN-Funktionalitäten erweitert ist. Beim Einwählen muß sich der Anwender per Paßwort identifizieren, ebenso beim Zugang zum Unternehmensnetz. Diese "Single-access"-Methode prüft gleich beim POP, zu welchen Diensten Zugangsberechtigung besteht.

Derzeit ist Intralink nur für Netware-Anwender nutzbar, doch hat die Telekom laut Lange "noch sehr viel mehr damit vor". Schon jetzt kann der Kunde nach Angaben der Telekom entscheiden, ob der Datenaustausch über das Protokoll IPX oder IP laufen soll. Langfristig ist jedoch geplant, so der Bonner Projektverantwortliche, das Angebot auf IP zu beschränken.

Die Client-Software wird von der Telekom kostenlos zur Verfügung gestellt, abgerechnet werden soll der Dienst über eine monatliche Gebühr pro User. Der genaue Betrag, den Unternehmen in dieser ersten Phase von Intralink zahlen müssen, ist aber noch nicht bekannt. Lange teilt lediglich mit, der Preis sei "knapp oberhalb von dem angesiedelt, was ein öffentlicher Online-Dienst kostet".

Mitte 1997 soll die zweite Intralink-Stufe eingeführt werden. Die Telekom will dann im Kundenauftrag LAN-to-LAN-Verbindungen realisieren. Die Bonner hoffen, die Kunden der ersten Testphase auch für diese Stufe gewinnen zu können. Während dies jedoch noch ein Planspiel ist, sammelt die Telekom konkrete Erfahrungen auf diesem Gebiet: Im Rahmen des Projektes "Schulen ans Netz" wird beispielsweise die LAN-LAN-Kopplung im Zusammenhang mit Novell-Netzen untersucht.

In der dritten Phase schließlich sollen Unternehmen Teile ihres internen Verzeichnisses in einen öffentlichen Verzeichnisbaum integrieren können. Laut Lange entwickelt Novell den entsprechenden Dienst unter dem Namen "Federated Partitions". Dies soll kooperierenden Unternehmen völlig neue Formen der Interaktion erlauben, so daß beispielsweise Mitarbeiter einer Firma bei einer Partnerfirma per Web-Browser einkaufen können. Das ist deshalb möglich, weil jeder Nutzer über die NDS eindeutig identifizierbar ist, also auch eine gewisse Verbindlichkeit erreicht wird. Es ist außerdem geplant, zu diesem Zeitpunkt - die Verfügbarkeit der Phase drei von Interlink ist laut Lange nicht vor 1998 zu erwarten - neben Druckern, Festplatten etc. auch andere, komplexere Objekte in die Verzeichnisdienste zu integrieren.

Als "reine Zukunftsmusik" bezeichnet der Telekom-Manager zur Zeit die Überlegungen, später auch System-Management-Dienste für Betreiber von Netzen anzubieten. Er nennt drei Stufen, in deren Verlauf ein solcher Service entwickelt werden könnte (siehe Kasten).

Die Telekom ist der erste Carrier, der Dienste auf Basis der NDS in Europa anbietet und spielt daher eine gewisse Vorreiterrolle. Internationale TK-Konzerne, so Lange, beobachten genau, wie das Angebot der Telekom aufgenommen wird. Auf lange Sicht besteht daher die Chance, die beschriebenen Dienste weltweit anzubieten.

Eine Vermutung, die auch durch eine Ankündigung der Deutschen Telekom genährt wird, derzufolge das Unternehmen gemeinsam mit France Télécom und Sprint im ersten Quartal 1997 ausgewählten Unternehmen den Service "Global Intralink" anbieten will, der ab Mitte 1997 dann in vollem Umfang zur Verfügung stehen soll. Unter anderem versprechen die TK-Anbieter folgende Dienste: Zugriff auf Informationen via Internet-Standards mit Web-Browsern, Bereitstellung von Mitteilungsdiensten via Mail-, Internet- oder Faxservices und Integration von Groupware-Leistungen.

Ein Anwender bei einer großen deutschen Bank, der anonym bleiben möchte, äußert sich gegenüber den fortgeschritteneren Aspekten des Telekom-Service Intralink jedoch kritisch: "Ich kann mir einen Einsatz im Moment nur schwer vorstellen. Die Administration der Netze ist eine intime Angelegenheit. Bei Intralink ist externen Netz-Managern im Prinzip doch alles geöffnet, ohne daß ich es verhindern könnte." Bei entsprechend attraktiven Vertragskonditionen aber wäre er, ähnlich wie andere Anwender, bereit, seine zurückhaltende Position noch einmal zu überdenken. Schließlich sind Netzadministratoren teuer - der Gedanke, die Telekom mit der Verwaltung der Installation zu betrauen, um Personalkosten zu reduzieren, ist daher durchaus verlockend.

Weg zum System-Management

1. Ferndokumentation:Ein "Explorer" wird durch das Netz des Kunden geschickt und sammelt Daten über die einzelnen Komponenten, die der Kunde ausgedruckt erhält.

2. Dokumentation und remotes Management:Daten werden gesammelt und von der Telekom Konfiguration, Management etc. übernommen.

3. Dokumentation, remotes Management und Troubleshooting vor Ort:Zusätzlich zu den oben genannten Leistungen könnte die Telekom auch Vor-Ort-Dienste übernehmen, zum Beispiel Reparaturen oder den Austausch von Geräten.

Die drei Intralink-Phasen

1. Remote AccessKoppelung von geografisch entfernten Arbeitsplätzen mit dem Unternehmensnetz.Beginn der Testphase Anfang 1997, breite Verfügbarkeit voraussichtlich ab März 1997.

2. LAN-to-LAN-KoppelungVerbindung von Teilnetzen eines Unternehmens mit Novell-Netzen. Beginn der Testphase wahrscheinlich März 1997, Verfügbarkeit möglicherweise ab Mitte 1997.

3. Federated PartitionsErweiterung der Objekte in den Verzeichnissen der Novell Directory Services und Integration von Teilen der Unternehmens-Directories in einen öffentlichen Verzeichnisbaum. Ziel: erweiterte Interaktion und Kooperation. Tests ab Mitte 1997, breite Verfügbarkeit nicht vor 1998.