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24.12.1999 - 

Komplette Neuordnung der IC-Gebühren verschiebt sich

Telekom verdient gut am Zankapfel Interconnection

MÜNCHEN - Die Festlegung der Interconnection-Gebühren hält den Regulierer weiter auf Trab. Da der seit 1997 gültige Vertrag zum Jahresende ausläuft und der Unmut der Telekom-Konkurrenten wächst, steht im kommenden Jahr eine Neuordnung auf dem Programm. Doch zunächst müssen sich die Wettbewerber mit marginalen Änderungen begnügen, ein an den tatsächlichen Kosten orientiertes Modell ist frühestens 2001 zu erwarten.

Der bisherige Tarif für die Nutzung des Telekom-Netzes durch Wettbewerber in Form einer Zusammenschaltung (Interconnection = IC) hat sich seit 1997 kaum verändert. Er hängt - ähnlich wie die Endkundentarife - von der überbrückten Entfernung, der Uhrzeit und der Dauer eines Telefonats ab (siehe Tabelle "Interconnection"). Im Durchschnitt beträgt das Verbindungsentgelt 2,7 Pfennig pro Minute. Wer sein Netz mit einem anderen Betreiber als der Deutschen Telekom zusammenschließen möchte, kann den Vertrag allerdings frei gestalten. Nach Auskunft von Harald Dörr, Sprecher der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) in Bonn, unterliegt lediglich das marktbeherrschende Unternehmen - sprich die Telekom - der Regulierung.

Der derzeit gültige Vertrag läuft jedoch zum Jahresende 1999 aus. Da die Regulierungsbehörde zu diesem Termin Probleme mit dem Jahreswechsel befürchtet, wurde die alte Regelung bis zunächst März nächsten Jahres verlängert. Wenn diese Galgenfrist abgelaufen ist, wird wohl niemand dem bisherigen Modell eine Träne nachweinen. Denn die jetzigen IC-Gebühren haben das Manko, daß niemand so genau weiß, wie hoch die Kosten der Telekom wirklich sind: "Wesentliche Teile der Nachweise werden von der Deutschen Telekom als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis deklariert und sind damit einer fundierten Prüfung durch die Betroffenen nicht zugänglich", moniert beispielsweise ein Vertreter von Mannesmann Arcor.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die lange Gültigkeitsdauer seit 1997. Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) aus Köln, verweist auf den seitdem erfolgten technischen Fortschritt, der sich auch in sinkenden IC-Gebühren niederschlagen müsse. Insidern zufolge liegt die Größenordnung der zu rechtfertigenden Nachlässe bei zehn bis 15 Prozent. Gefallen sind jedoch lediglich die Endkundenpreise, und zwar so dramatisch, daß zwischen Verbindungsentgelt und Endkundenpreis kaum noch Spielraum ist. Experten schätzen den Anteil der IC-Gebühren an den Kosten auf 40 bis 80 Prozent.

Böse Zungen behaupten sogar, die Umsätze der Telekom im Festnetz könnten mittlerweile gar nicht mehr sinken. Denn selbst wenn Übertragungsminuten an die Wettbewerber verlorengingen, fließe ein Großteil der Einnahmen der Konkurrenten als IC-Gebühren in die Kassen des Ex-Monopolisten. In der Tendenz bestätigt das auch Grützner: Seiner Auskunft nach beläuft sich der Umsatz der Deutschen Telekom mit Interconnection und Mietleitungen auf insgesamt fünf Milliarden Mark: "Das ist Geld, das die Telekom nicht mit ihren Kunden, sondern mit den Konkurrenten verdient."

Aufgrund der schrumpfenden Margen sieht Karlheinz Huber, Geschäftsführer von KWH Consult in Schwalbach, zudem die Gefahr, daß einige kleinere Anbieter das Handtuch werfen müssen, wenn die IC-Preise so bleiben wie bisher. "Die kleinen und mittleren Unternehmen haben den Preiswettbewerb ins Rollen gebracht. Die Großen waren dazu nicht bereit, sie wurden dazu gezwungen. Diese Triebfeder für den Wettbewerb geht jetzt verloren", ergänzt der Berater. Als Argument für die Telekom-Strategie ließe sich anführen, daß niedrigere IC-Gebühren eventuell wiederum niedrigere Endkundenpreise nach sich ziehen und somit eine ähnliche Situation entstünde wie jetzt.

Börnsen-Modell inzwischen veraltet

Aufgrund der wachsenden Kritik dachte Arne Börnsen, Vizepräsident der Regulierungsbehörde, bereits vor einem Jahr laut über ein neues Modell nach: Es handelt sich um ein gestaffeltes Preismodell, das zwischen Teilnehmernetzbetreibern, Verbindungsnetzbetreibern und Resellern unterscheidet (siehe CW 48/98, Seite 35: "Im liberalisierten TK-Markt dreht sich alles um den Preis"). Zur Definition: Betreiber von Teilnehmernetzen bauen eigene lokale Netze auf und haben den größten Aufwand. Verbindungsnetzbetreiber besitzen zwar keine eigenen Teilnehmernetze, stellen aber die Verbindung zwischen diesen her. Reseller verfügen über gar kein Netz.

Allerdings blieb von Börnsens Vorschlag nicht allzuviel übrig. Umgesetzt wurde lediglich die Ausklammerung der Reseller aus den IC-Vereinbarungen, basierend auf dem Argument, Interconnection betreffe den Zusammenschluß von Netzen, und wer kein eigenes Netz habe, könne diesen Tarif nicht für sich in Anspruch nehmen. Ein Reseller bekommt nämlich inzwischen grundsätzlich keine Interconnection-Leistungen mehr. Statt dessen hat er Anspruch auf ein besonderes Resale-Angebot der Telekom, das zwischen Endkunden- und Interconnection-Preis liegen soll.

Die Unterscheidung zwischen Teilnehmer- und Verbindungsnetzbetreiber ließ der Regulierer wieder fallen. "In den derzeitigen Verträgen mit der Deutschen Telekom gibt es diese Aufteilung nicht", bestätigte Huber. Es setzte sich die Meinung durch, eine Preisfindung danach, wo ein Anruf herkommt und wo er hingeht, sei unzulässig. Statt dessen entstand die Idee, die Wettbewerber für die jeweils genutzten Netzelemente bezahlen zu lassen.

EBC-Modell noch nicht fertig

Als Elemente im Netz, die unterschiedlich bepreist werden könnten, kommen in erster Linie Transport und Vermittlung in Frage. Ein Telefonnetz besteht aus dem Anschlußbereich und dann wechselweise Vermittlungsstelle, Transportelement und wieder einer Vermittlungsstelle. Eventuell kommen weitere Transportelemente und Vermittlungsstellen hinzu. Jede Leistung ließe sich dann berechnen, indem man die Kosten der genutzten Elemente addiert. Im Auftrag der Regulierungsbehörde hat das Wissenschaftliche Institut für Kommunikationsdienste (WIK) aus Bad Honnef ein analytisches Kostenmodell entwickelt, das einen elementbezogenen Ansatz verfolgt. Von diesem Element-based-Costing-(EBC-)Modell versprechen sich alle Beteiligten eine größere Gerechtigkeit, darum findet es bisher breite Zustimmung in allen Lagern.

Doch noch handelt es sich dabei um Zukunftsmusik. Aufgrund der Komplexität des Vorschlags rechnen Experten frühestens 2001 mit einer Umsetzung der EBC-Variante. Die Entwicklung des zugrundeliegenden Kostenmodells ist nach Angaben von Reg-TP-Sprecher Dörr noch nicht abgeschlossen. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß die benötigte Software erst entwickelt und von den Wettbewerbern im Netz implementiert werden muß. Also muß für die Zeit zwischen März 2000, dem Ablauftermin der Verlängerung für die jetzige Regelung, und der Fertigstellung des EBC-Modells eine Übergangslösung her.

Diese Übergangslösung trägt den Namen "IC 2000". Sie wird voraussichtlich im März 2000 in Kraft treten, wenn die Verlängerung der jetzigen Variante ausläuft. "IC 2000 wird sich im großen und ganzen an dem orientieren, was momentan im Markt schon gültig ist", faßt Dörr zusammen. Details will er nicht nennen, da die Entscheidung offiziell erst nach Redaktionsschluß bekanntgegeben werden soll. Insiderberichten zufolge werden sich die Preise jedoch kaum ändern, lediglich ein spezieller Wochenendtarif soll in die Interconnection-Vereinbarungen aufgenommen werden.

Diese Änderung wird von den Telekom-Konkurrenten grundsätzlich begrüßt, da auch die Endkundenpreise am Wochenende niedriger sind und daher die Margen an diesen Tagen besonders gering waren. Auch VATM-Geschäftsführer Grützner schließt sich dieser Meinung an: "Bisher hat man sich darauf geeinigt, daß in den Zeiten, in denen die Endkunden billigere Preise haben, auch die Wettbewerber in diese Tarifzone fallen müssen. Das ist schon einmal ein wichtiger Schritt." Im Gegensatz dazu erwartet Horst Schäfers, Geschäftsführer des Düsseldorfer Stadtnetzbetreibers Isis Multimedia Net GmbH, noch Ärger, bis der Vertrag unterschrieben ist. Ein Dorn im Auge ist ihm etwa ein Passus, der vorsieht, daß die Vertragspartner selbst dann IC-Gebühren an die Telekom zahlen müssen, wenn sie nichts übertragen.

Doch ob das, was danach kommt - das EBC-Modell - , besser ist beziehungsweise für wen es besser ist, steht in den Sternen. "Dieses EBC-System ist sicher vernünftig, wenn es denn funktioniert", wagt Grützner eine Prognose. "Wir haben aber bei den bisher zur Verfügung gestellten Musterberechnungen und Parametern bereits mehrere Fehler gefunden." Das Modell versuche, einen sehr komplexen Sachverhalt abzubilden. Werden falsche Parameter eingespeist, liefere das System auch völlig falsche Preise als Ergebnis.

Experten zufolge fehlen dem Modell noch die Daten, um die Unterschiede zwischen Netzen mit niedriger und hoher Teilnehmeranschlußdichte zu erkennen und nachzubilden. In einem kleinen Ortsnetz mit wenigen Anschlüssen sind die Kosten relativ hoch. Das Gegenteil gilt für ein großes Netz mit einer guten Auslastung. Letzten Endes geht es darum, festzustellen, welche Netzelemente in einem effizienten Netz überhaupt benötigt werden und was sie kosten, wenn sie gut ausgelastet sind. Solche Daten können die alternativen Carrier zur Zeit jedoch nicht zur Verfügung stellen. Nach Auskunft eines Mitarbeiters bei einem Telekom-Konkurrenten können diese allenfalls Zahlen dazu liefern, was es kostet, wenn das Netz schlecht ausgelastet ist. Daran krankt derzeit die Weiterentwicklung des EBC-Ansatzes.

Die Zeit arbeitet für die Telekom

Solange sich die verschiedenen Interessengruppen über die Parameter streiten, hat die Telekom Grund zur Freude: Die Zeit arbeitet für sie. Welche alternativen Carrier am Ende besser dastehen als mit der jetzigen Lösung und welche schlechter, bleibt vorerst ungewiß. Außerdem gibt es unterschiedliche Interessen unter den Wettbewerbern. Beispielsweise paßt es den Stadtnetzbetreibern mit eigenem Netz nicht, wenn die Interconnection-Gebühren im lokalen Bereich sinken. Denn die Nutzung ihrer Infrastruktur wird weniger wert, wenn andere eine gleichwertige Leistung von der Telekom plötzlich billiger bekommen. Weitgehend etablierte Firmen wie Mannesmann Arcor dagegen haben in manchen Bereichen eventuell schon ähnliche Interessen wie die Telekom, etwa daran, die kleineren Konkurrenten auszuschalten. Es besteht also die Gefahr, daß die zerstrittenen Carrier vom Ex-Monopolisten gegeneinander ausgespielt werden können. Zum jetzigen Zeitpunkt lehnt die Telekom jedoch eine Stellungnahme ab. "Wir wollen den Ausgang der Verhandlungen abwarten", sagte Pressesprecher Ulrich Lissek.

Interconnection

Anhand eines Beispiels läßt sich die Zusammensetzung der Interconnection-Gebühr erläutern:Ein Kunde führt am Tag ein Ferngespräch von München nach Köln über seinen Provider, der für Call-by-Call nur einen Switch in Hamburg betreibt. Für den Ortsbereich in München und Köln fallen Gebühren von 1,97 Pfennig pro Minute an sowie für die Strecken München-Hamburg und Hamburg-Köln jeweils 5,14 Pfennig pro Minute. Insgesamt hat der Provider demnach 14,22 Pfennig pro Minute für Interconnection an die Telekom zu entrichten.