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26.08.1977

Telekommunikation im Büro der Zukunft

Wenig Neigung bestand bisher bei "reinrassigen" Datenverarbeitern, sich mit dem vorhandenen nachrichtentechnischen Instrumentarium als Bestandteil der Kommunikationslandschaft "Büro" auseinanderzusetzen. Ja, es kann behauptet werden, daß bis heute weder auf der Seite der Anwender noch bei den EDV-Herstellern Spezialisten mit dem erforderlichen Know-how-Mix herangewachsen sind. Wo gibt es den Fachmann, der sowohl den Computer beherrscht als auch Telefon, Fernschreiber und Fernkopierer - soweit das die Deutsche Bundespost zuläßt - im Kommunikationsverbund einsetzen kann? Doch nachrichtentechnische Kommunikationssysteme sind im Gerede, bewegen das öffentliche Interesse. So haben insbesondere die Vorschläge der "Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems" (KtK) zur Einführung neuer Formen der Daten- und Textkommunikation bei Herstellern, Anwendern und der Bundespost Bewegung ausgelöst.

Der folgende Beitrag, der im Siemens data report 12 (1977), Heft 2, erschienen Ist, behandelt Aspekte der Büro-Telekommunikation, wie sie sich aus der Arbeit in der Kommission heraus darstellen. CW gibt daraus nur die für ihren Leserkreis relevanten Passagen wieder.

Der Autor Professor Dr. Eberhard Witte, Universität München, war Leiter der KtK. de

Im Büro der Gegenwart werden die Telekommunikationsformen des Fernsprechens, des Fernschreibens, der Datenkommunikation und - in Kontakt mit beweglichen Partnern - des Mobilfunks praktiziert. Diese bewährten Dienste befinden sich auch weiterhin in quantitativem und qualitativem Aufbau. So wächst nicht nur die Zahl der erreichbaren Kommunikationspartner, sondern auch die Vielfalt der Nutzungsformen. Durch das Rechnergesteuerte Elektronische Fernsprech-Wählsystem EWS werden verschiedene zusätzliche Leistungsmerkmale realisierbar, die einem störungsfreien und informationsbewußten Arbeitsablauf zugute kommen. Der Komfort wird in Zukunft wahrscheinlich auch die Fernsprechkonferenz sowie die, Umleitung und Weiterschaltung von Anrufen und Anrufwiederholungen ermöglichen. Bereits jetzt sind Tastenwahl, Kurzrufnummern, Anrufumleitung zum Auftragsdienst, die "Ruhe vor dem Telefon" und "Anklopfen" beim besetzten Teilnehmer vorgesehen.

Neben der Sprachkommunikation gewinnt die Textkommunikation steigende Bedeutung. Die schnelle Textübertragung wird heute vor allem durch den Telexdienst und die Datenkommunikation realisiert. Jedoch bleibt hier - wie die Delphi-Studie der KtK gezeigt hat - eine Bedarfslücke offen: Alle Texte, die in Briefform und unprogrammiert ad hoc erstellt und übertragen werden sollen, wurden bisher weder vom Fernschreibdienst noch von der Datenkommunikation bewältigt. Der Kommunikationsbedarf wird insoweit noch vom traditionellen Briefdienst gedeckt. Dasselbe gilt für alle Kommunikationsinhalte, die sich in grafischer Form (Zeichnungen, Handschriften) darbieten. D er hat die Kommission das Bürofernschreiben als neue Telekommunikation zur schnellen Textübertragung vorgeschlagen.

Beim Bürofernschreiben handelt es sich nicht nur um eine nachrichtentechnische, sondern vor allem auch um eine organisatorische Innovation. Die bisher noch weitgehend getrennten Arbeitsvorgänge (Erstellen des Schriftgutes und Übermitteln zum Adressaten) werden zu einem umfassenden Kommunikationsprozeß verbunden. Dabei kann - zur Ausnutzung der Kapazität von Fernmeldenetzen während der Nachtstunden - eine Zwischenspeicherung vor dem Absender erfolgen.

Gegenüber der bestehenden Fernschreibtechnik liegt der Innovationseffekt darin, daß etwa eine vierfache reib Geschwindigkeit erreicht wird und vor allem der volle Zeichenvorrat einer Schreibmaschine zur Verfügung steht. Außerdem darf erwartet werden, daß die Bürofernschreibmaschine dezentral, also unmittelbar am Platz der Entstehung des Schriftgutes, aufgestellt wird. Fügt man die Textbearbeitung mit den Funktionen Korrigieren und Redigieren hinaus noch Textbausteine ein, so spricht man von Textverarbeitung. Geräte mit Textbearbeitungsfunktionen erfordern relativ einfache Speicher- und Steuerungszusätze zur elektrischen Büroschreibmaschine. Geräte und Textverarbeitungsfunktionen lassen sich wegen ihrer höheren Speicher- und Verarbeitungskapazität nur mit größerem Aufwand herstellen. Man wird sie vorwiegend zentral in einem Betrieb einsetzen, wobei die Möglichkeit besteht, daß von dezentralen Schreibplätzen Zugriff zu dieser Einrichtung gegeben ist.

Die zweite der vorgeschlagenen neuen Telekommunikationsformen war das Fernkopieren, also die nachrichtentechnische Übermittlung von stehenden Bildern mit Aufzeichnungen auf Papier am Empfangsort. Im Vergleich zum Bürofernschreiber eignet sich das Fernkopieren besonders für solche Vorlagen, die nicht durch codierte Textübermittlung bewältigt werden können, weil sie grafische Elemente enthalten, und für Vorlagen, die bereits in fertiger Form vorliegen. Die Übermittlung der stehenden Bilder erfolgt vorzugsweise über die vorhandenen Fernmeldenetze (Fernsprech-, Fernschreib- und Datennetz).

Als Zukunftsvision bildet das Büro eine Kommunikationslandschaft. In der Tat lassen sich die meisten Arbeitsvorgänge im Büro als Informations- und Kommunikationsprozesse verstehen.

Der Gesamtzusammenhang wird vollends deutlich, wenn man die Betrachtung nicht auf ein einzelnes. Büro, sondern auf das Zusammenspiel aller Büros innerhalb einer Institution (Unternehmen oder Behörde) richtet. Hierbei stellt sich die Frage nach dem Optimalen Zentralisationsgrad. Während in der Frühzeit der Büroautomatisierung deutliche Zentralisierungstendenzen zu beobachten waren (Fernsprechzentrale, Fernschreibzentrale Rechenzentrum), ist mit der Verbilligung der elektronischen Bauelemente wieder eine Dezentralisierungstendenz erkennbar geworden. Die beiden Entwicklungsrichtungen werden sich dann als miteinander vereinbar erweisen, wenn es gelingt, einfache und kostengünstige Peripheriegeräte der Telekommunikation zu entwickeln, die gleichzeitig zur Wahrnehmung der traditionellen Kommunikationsprozesse sind.