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11.07.1980

Telekommunikation ist kostenaufwendiger als Datenverarbeitung

Mit Erwin H. Schäfer, Vorsitzender des Beirats der Deutschen Telecom e. V., sprach Dieter Eckbauer

- Die Deutsche Telecom e. V. hat sich als Vereinigung von Großanwendern der Telekommunikation selbst den Anstrich der Exklusivität gegeben. Nun veranstalten Sie in Verbindung mit der Orgatechnik in Köln im Oktober den Fachkongreß "Telecom ´80". Glauben Sie, daß die Orgatechnik die sich als Büroausstellung überwiegend an den mittleren Anwender wendet, das richtige Forum ist?

Die Orgatechnik bietet sich für uns an, weil sie einmal die Bürowirtschaft als solche bedient, aber in den letzten Jahren auch in Richtung Daten- und Textkommunikation expandiert. Langfristig werden aus unserer Sicht Telekommunikation, Datenkommunikation und Büroorganisation zusammenwachsen. Es gibt ja bereits andere Kongresse, die die Orgatechnik diesbezüglich begleiten, und die Kölner wollen den Bereich der Telekommunikation künftig stärker in ihrem Ausstellungsangebot berücksichtigen. Insofern glauben wir, daß wir mit der Orgatechnik sehr gut liegen.

- Das Thema des Fachkongresses heißt "Informations- und Telekommunikationssysteme der achtziger Jahre - eine Herausforderung für Anwender, Hersteller, Postverwaltung und Wissenschaft". Wen wollen Sie provozieren, und wer soll sich Ihrer Meinung nach besonders herausgefordert fühlen ?

Die Herausforderung ist gemeint im Sinne der Kooperation aller Beteiligten - wie man überhaupt sagen muß, daß die Deutsche Telecom niemand provozieren will weder die Post noch die Hersteller noch die Wissenschaft. Die Deutsche Telecom ist ein reiner Benutzerverband, der den Anspruch erhebt, Betriebe zu vertreten, die Telekommunikation organisiert betreiben müssen, weil sie ein entsprechendes Ausmaß haben.

- Gehen Sie davon aus, daß sich Telekommunikation zunächst in Großbetrieben durchsetzen wird?

Telekommunikation ist natürlich auch für den Kleinbetrieb entscheidend. Nur die Großanwender haben mit der Telekommunikation Probleme eigener Qualität.

- Welche Probleme sind das?

Wenn jemand einen Laden an der Ecke betreibt, dann wird er sicherlich über die Telefonrechnung oder ähnliches jammern, während der Großanwender sich um die Kostenseite, um benutzungsrechtliche Probleme und die Organisation der Telekommunikation in seinem Haus kümmern muß: Wie ist sie besetzt, wie kann es gelingen diese Dienste und Geräte in eine Verantwortlichkeit zu bringen? Das ist ein Problem der Großanwender, das die Kleinen nicht haben.

- Wenn man die Datenkommunikation betrachtet, dann war es historisch gesehen so, daß sich die Benutzer gegen die übermächtige Post eigentlich nie so recht durchsetzen konnten. Glauben Sie, Herr Schäfer, daß der Anwender ohne das Gespräch mit Kollegen, mit anderen Anwendern nicht klarkommt in seinem Betrieb was die Telekommunikation angeht?

Man muß einmal untersuchen, wie es in größeren deutschen Gesellschaften aussieht, wenn es um Telekommunikation geht. In sehr vielen Anwenderbereichen gibt es den Leiter der Kommunikation, in dieser Funktion, noch nicht. Wenn man allerdings vom Budget ausgeht, das die Telekommunikation verbrät, und mit der Datenverarbeitung vergleicht, dann wird man feststellen, daß die Telekommunikation in vielen Bereichen kostenaufwendiger ist.

- An welcher Position im Unternehmen ist denn heute, Ihrer Erfahrung nach, die Telekommunikation aufgehängt?

Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt den Leiter der Fernmeldeabteilung, der in einer vergleichbaren Position wie der EDV-Leiter ist. Es gibt aber auch viele Unternehmen, in denen der Leiter der Telekommunikation praktisch ein Sachbearbeiter ist, der keine Entscheidungsvollmacht besitzt und Probleme hat, seine Ideen durchzusetzen, sie der nächsten Hierarchiestufe gegenüber zu vertreten, weil diese fachlich schon wieder überfordert ist. Hier liegt unserer Meinung nach sehr viel im argen. Wir müssen uns sehr genau überlegen, wie wir dem Topmanagement mit der Zeit klarmachen, welchen Rationalisierungsfaktor und welchen Bedeutungsfaktor die Telekommunikation im Unternehmen allgemein hat. Das ist eines der Hauptziele der Deutschen Telecom.

- Es wird die Datenverarbeiter freuen, zu hören, daß auch anderswo Mittel verbraten

werden . . .

. . . Sie meinen, zu Unrecht verbraucht werden?

- Nein, sondern daß man zur Zeit die EDV allzusehr unter Kostengesichtspunkten in den Mittelpunkt stellt, während es andere Bereiche gibt, in denen viel mehr zu tun ist . . .

. . . zum Beispiel in der Telekommunikation, und zwar, weil dort die Zuständigkeiten so unterschiedlich sind. Das beginnt bei der Datenverarbeitung, die natürlich für Software-Dinge der Übertragung zuständig ist, eventuell auch für die Modemseite. Dann gibt es die Betriebsorganisation, die die Endgeräte für Fernschreiben und Fernkopieren bestellt. Es gibt ferner den Einkauf, der zum Beispiel Nebenstellenanlagen beschafft. Es gibt schließlich den Telekommunikationsmann, der sich unter Umständen nur mit der Postseite des Ganzen befaßt. Und alle arbeiten vor sich hin - des Ganze ist unorganisiert und nicht effizient. Alle diese Funktionen gehören zusammen. Das ist einer unserer Ansatzpunkte.

- Welche Rolle spielt hierbei die Datenverarbeitung?

Längerfristig wird es wohl ein Zusammenwachsen der Bereiche Datenverarbeitung und Telekommunikation geben. Man hat in USA den Begriff "Communication" gefunden oder in Frankreich den Begriff der "Telematique", und man meint damit die Telekommunikation und die Datenverarbeitung oder Informationsverarbeitung insgesamt. Dieser Trend ist langfristig zu sehen, wobei wir noch nicht soweit gehen wollen zu sagen, wer der Telematik-Leiter ist. Das wird sich im Laufe der Zeit herauskristallisieren, in welche Richtung das geht, und ich glaube, die Telekommunikation hat sehr gute Chancen, neben der EDV mitzuspielen.

- Dann erwarten Sie also auch den Datenverarbeiter als Besucher der " Telecom ´80 "?

Ja, wir erwarten natürlich den Datenverarbeiter: Einmal in Richtung Berufsbild, denn der Leiter der Telekommunikation wird ein Kollege des EDV-Chefs sein; zum anderen aber auch in Richtung Datenkommunikation. Hier geht es um Netzwerke, um Protokolle, um Dienstleistungsangebote der Deutschen Bundespost. Wir können uns aber auch vorstellen, daß die Datenverarbeiter an Systemen der Textkommunikation interessiert sind, beispielsweise an Nebenstellenanlagen, die sich immer mehr in Richtung Anlagen für Text-, Bild-, Daten- und Sprachübermittlung entwickeln.

- Sie sprachen die Endgeräte-Thematik an . Hier ist es doch wohl so, daß der Bundespost vorgeworfen wird, sie handhabe die Dinge nicht überall genug. Ist das ein Thema dieser Veranstaltung?

Wir haben uns speziell dieses Thema für ein Plenumsreferat vorbehalten. Das ist eine unserer Fragen - Wem nutzt die Liberalisierung der Endgeräte? -, die wir hoffen, auf dem Kongreß klären zu können.

- Greifen wir ein konkretes Beispiel heraus: den Modem-Bereich. Wenn es so läuft wie vorgesehen, dann sperrt doch die Deutsche Bundespost die ausländische Konkurrenz á la longue vom deutschen Markt aus.

Das ist richtig - so wie es momentan aussieht. Man muß natürlich auch sehen, daß der Markt in ganz Europa nicht liberal ist, daß zum Beispiel die Franzosen die deutschen Hersteller in weiten Bereichen aussperren. Das ist ein Problem, das internationale Relevanz hat. Aber all dies wollen wir eben auf dem Kongreß erörtern.

- Wenn ein Hersteller ein Telekommunikationsangebot unterbreiten will, an wen im Unternehmen sollte er sich wenden?

Er wird sich an den Fernmeldebetriebsleiter oder Telekommunikations-Manager halten, denn die Probleme der Telekommunikation sind durchaus unterschiedlich von denen, der Datenverarbeitung. Es spielen andere Faktoren mit hinein, die in der Datenverarbeitung nicht vorhanden sind, wie zum Beispiel die fernmeldebenutzungsrechtliche Seite und Kenntnisse der postalischen Möglichkeiten, die technisch gangbar sind. Insofern glauben wir, daß sich die Hersteller, wenn es sich um Telekommunikationsanlagen dreht, an den Telekommunikations-Manager als richtige Adresse wenden sollten.

- Und wieviel muß dieser Telekommunikations-Manager von Datenverarbeitung wissen?

Das ist die Frage der Schnittstelle zwischen Telekommunikation und Datenverarbeitung. Wir sind der Meinung, daß alles, was in Richtung Fernmeldedienste der Post sowie fernmeldetechnische Anlagen und Geräte geht, Sache der Telekommunikation ist. Aber wir sind durchaus auch der Meinung, daß sich der Telekommunikations-Manager mit Protokollen auskennen muß - mit Schnittstellenproblemen sowieso. Das ist sein Geschäft, wenn er auch digitale Kommunikation betreibt. Die Nahtstelle ist hier zwar etwas fließend, aber der Telekommunikations-Manager sollte durchaus über die Vor- und Nachteile verschiedener Protokolle und Netzwerkkonzepte Bescheid wissen.

- Heißt das, Sie sehen hier ein Team wachsen, das aus Datenverarbeitern, Nachrichtentechnikern und - á la longue - aus Telekommunikations-Managern zusammengesetzt sein wird?

Ja, und dafür gibt es auch schon Beispiele in Firmen, die wir in unseren Mitgliedsreihen haben. Es gibt dort die Koexistenz zwischen der Fernmeldeseite, also der Telekommunikation und der Datenverarbeitung, die sich in übergreifenden Fällen wie Netzwerke für Datenkommunikation zusammensetzen - mit dem Ziel, am Schluß ein lauffähiges, funktionstüchtiges System zu haben.

- Stellen Sie denn fest, daß diese Problematik in den Unternehmensspitzen bereits erkannt wird?

Ja, das Problembewußtsein kommt zusehends. Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Telekommunikation aus der Sicht der Unternehmensleitung eben mehr eine Sache der Postgebühren und somit gottgegeben: Das hat man, das muß man bezahlen, wenn man es nutzen will. Zusehends wird dem Management durch die Diskussion um die Telekommunikation, um Schnittstellen mit der Datenverarbeitung und so weiter bewußt, daß ein Bereich existiert, in dem Rationalisierung und Organisation noch sehr viele kostensparende Möglichkeiten bieten. Das ist ein wichtiger Schritt für uns - und in dieser Richtung wollen wir weitermachen.