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25.07.1980

Telekommunikation: Pflicht- oder Wahlfach für DV-Leiter?

25.07.1980

Werden automatisierte Textverarbeitung, Datenverarbeitung und Telekommunikation zusammenwachsen? An dieser Frage scheiden sich die DV-Geister: "In größeren Unternehmen werden die DV-Manager versuchen, den bisherigen Büro-Organisatoren in die Suppe zu spucken", orakelt Eugen Pansow von der Max Lips GmbH in München. Eine Gefahr sieht er darin, daß heute große Losungen aufgebaut werden, die mit dem Organisator leben und sterben. Kündige dieser, sei das gesamte Konzept in Frage gestellt. Rolf Söllner, Leiter der Zentralen Systementwicklung bei der Alcan Aluminiumwerke GmbH, warnt vor einem Unterschätzen der neuen Kommunikationsmittel: "Die Betriebe wären gut beraten, wenn sie sich bereits heute mit dieser Problematik auseinandersetzen würden." ha

Günter Ebersberger Leiter der Datenverarbeitung, Elektrizitätswerke Rheinhessen AG, Worms (Univac 90/30, OS 3)

Wir sind ein Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl von etwa 350. Meine Anmerkungen zu der Frage, wie die Kommunikationssysteme der Zukunft im Unternehmen zusammenwachsen werden, bezieht sich auf Betriebe unserer Größenordnung.

Generell sollte man sich die Frage stellen, ob die Kommunikationssysteme wie Textverarbeitung, Teletext oder Bildschirmtext überhaupt zusammenwachsen müssen. Die Beantwortung erfordert grundsätzlich die Beachtung von drei Kriterien:

- Die Problem- oder Aufgabenstellung, die innerhalb der einzelnen Systeme entweder gleich, ähnlich oder verschieden gegeben sein kann.

- Die in den verschiedenen Systemen vorhandenen oder benötigten Dateien beziehungsweise Datenbestände.

- Die in den verschiedenen Systemen benötigten Produkte (sowohl Hard- als auch Software).

Bei näherer Betrachtung dieser Punkte kommt man zu der Überlegung, daß es sicherlich bereits Probleme gibt, die aufgrund einer vorgegebenen Aufgabenstellung eindeutig nur einem Bereich zuzuordnen sind, sei es der Datenverarbeitung oder beispielsweise der Textverarbeitung. Dazwischen gibt es wiederum Aufgabenstellungen, die sowohl ein DV- als auch ein TV-System lösen konnte.

Dort, wo beide Systeme mit den gleichen Datenbeständen arbeiten, wird es in Zukunft sinnvoll sein, auch beide Systeme zusammenzuschließen, damit ein Zugriff auf einen gemeinsamen Datenbestand ermöglicht wird. Zwangsläufig werden die Kommunikationssysteme allerdings nicht zusammenwachsen. Der Grund hierfür liegt darin, daß heute sowie auch morgen die meisten Datenbestände nach wie vor innerhalb der Datenverarbeitung gespeichert und gepflegt werden. Die Probleme der Textverarbeitung zum Beispiel, die einen Zugriff auf die klassische Datenverarbeitung erfordern, müssen weiterhin DV-Leute lösen.

Da wegen dem Speicherplatzbedarf und der zusätzlichen Datenschutzprobleme, vor allem der erhebliche Aufwand der Datenverwaltung beachtet werden muß, werden auch die Planer der Zukunft nicht dazu übergehen, gleiche Dateien in beide (TV- und DV-) Systeme zu integrieren. Andererseits dürften künftig selbständige Textverarbeitungssysteme mehr und mehr an Bedeutung zunehmen. Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, daß die Systeme tatsächlich wesentlich mehr leisten, als wir von ihnen verlangen - ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Also muß ich einem Textverarbeitungssystem nicht gleichzeitig Aufgaben der Datenverarbeitung übertragen (oder umgekehrt), nur weil dieses technisch machbar ist. Es werden getrennte Bereiche entstehen, zwischen denen es in Grenzfällen bei der Wahl der einzusetzenden Mittel zu Streitigkeiten kommen kann. Zu Konkurrenzkämpfen wird es jedoch im großen Umfang zwischen den Abteilungen selten kommen, da in den meisten Fällen sachbezogen entschieden werden kann.

Rolf Söllner Leiter der Zentralen Systementwicklung, Alcan Aluminiumwerke GmbH, (Systeme IBM 13,132,134, 370/145, 4331)

Ich bin der Meinung, daß die Kommunikationsmittel innerhalb eines Unternehmens immer mehr zusammenwachsen werden. Das Büro der Zukunft wird sich der neuen Mittel bedienen müssen, um den stetig wachsenden Anforderungen (Umfang und Termin) gewachsen zu sein. Das bedeutet aber auch, daß hohe Anforderungen an die Organisation gestellt werden und hier auch letztlich die Schwachstelle im Augenblick zu suchen ist. Der technologische Fortschritt im Hinblick auf

- Bildschirme am Arbeitsplatz

- Textverarbeitung

- Telekopierer

- "Message-Switching"

- "Electronic Mail"

hat die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Einsatz der einzelnen Mittel geschaffen.

In der Vergangenheit sind in den meisten Fällen die Anwendungen getrennt von einander gewachsen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Einerseits gab es überhaupt nicht die Möglichkeit der Integration in technischen Belangen, andererseits hat man nur spezifische Anwendungen gesehen und die Gesamtbeurteilung außer acht gelassen. Vielfach gibt es in den Betrieben auch keinen verantwortlichen Koordinator. Die EDV betrieb bisher ihre Entwicklungen, und die Organisatoren setzten für die Fachbereiche und deren Anwendungen unterschiedliche Mittel ein. In den meisten Fällen war der DV-Leiter alter Prägung mit seinen eigenen Problemen so stark belastet, daß er die Verbindungen nicht sehen wollte.

Außerdem ist es außerordentlich schwer und es nimmt viel Zeit in Anspruch, den Wissensstand über Methoden, Software und Hardware auf dem Laufenden zu halten. Auch die Post tut ihr übriges an der Weiterentwicklung durch das Angebot der neuen Dienste.

Die einzelnen Mittel werden zusammenwachsen. Dies zeigt die Entwicklung auf dem Gebiet der Textverarbeitung in Verbindung mit dem Computer. Allerdings müssen die Fachleute für Organisation und EDV dazulernen und noch mehr zusammenarbeiten.

Sie müssen wissen, was "auf den Leitungen passiert", denn die Kommunikationsmittel bedienen sich alle dieser Leitungen. Die Betriebe wären gut beraten, wenn sie sich bereits heute mit diesen Problemen befaßten und zumindest einen verantwortlichen Koordinator einsetzen würden. Auch in unserem Konzern beschäftigen wir uns inzwischen hiermit.

Wir haben eine Telekopierverbindung mit den Töchtern in Deutschland und zu den wichtigsten Steilen in Europa und Kanada. Im Augenblick wird ein Datenverbund aller Systeme aufgebaut und Textverarbeitung eingesetzt Anfangs sind diese Entwicklungen getrennt voneinander betrieben worden. Jetzt aber ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir auf europäischer Basis eine Koordinierung vorantreiben, um zu vermeiden, daß die einzelnen Systeme auseinander laufen und als Folge ein Zusammenwachsen (Kompatibilität) nur schwer möglich wird. Richtlinien müssen erarbeitet werden, damit unsere einzelnen Gesellschaften in den Ländern abgestimmt die Probleme anpacken können. Nicht zuletzt deshalb, weil hier sehr unterschiedliche Faktoren aufeinander treffen:

- Das Anschwellen der Informationsflut.

- Die Verkürzung von Terminen für die Informationen.

- Der technologische Fortschritt und die Benutzerfreundlichkeit in der Hard- und Software, der Nachrichtentechnik sowie den Methoden.

- Die Schwerfälligkeit in der Organisation.

Eugen Pansow Geschäftsführer der Max Lips GmbH, München

Es wird drei Arten von Kommunikationsmittel geben:

1. Faximily Kommunikation

2. Textkommunikation

3. Kombination aus beidem - also kommunikationsfähigem Textsystem und Telekopierer.

Die EDV- und Textkommunikation wird nicht den Stellenwert erreichen wie die Kommunikationen, die man heute unter "Electronic Mail" versteht. Der Kommunikationsmarkt de r Zukunft wird sein, Telexer abzulösen und durch Bildschirme zu ersetzen. In den Unternehmen wird man erkennen, daß Geräte, wie Telekopierer und Textsysteme notwendig sind, da ohne sie auf Dauer keine erfolgreiche Publikation erreicht werden kann. In großen Unternehmen werden die EDV-Manager den bisherigen Büro-Organisatoren versuchen, "in die Suppe zu spucken". Hier sehe ich eine Gefahr, große EDV-Lösungen aufzubauen, die mit dem Organisator leben und sterben. Sollte der dann kündigen, ist die gesamte Lösung in Frage gestellt.

Ich bin der Meinung, daß eine gute Textverarbeitung und irgendwann eine gute dezentrale EDV ohne eine permanente Fachabteilung auskommen muß. In Zukunft wird der Sachbearbeiter mehr und mehr in die problemlose Texterstellung eingegliedert werden. Der Nachwuchs täte gut daran, nicht die herkömmlichen Programmiersprachen zu lernen, sondern gleich die Fachrichtung "Informatik" einzuschlagen.

Die Kommunikationsmedien im Unternehmen werden ich in drei Stufen entwickeln:

Stufe 1 - Datenverarbeitung und Textverarbeitung werden parallel nebeneinander existieren (Soft- und Hardware).

Stufe 2 - Daten- und Textkommunikation werden integriert (gleiche Hardware - verschiedene Software), das heißt: Der Anwender ruft die jeweils gewünschte Software über sein Kommunikationsmedium ab.

Stufe 3 - Das totale Kommunikations- und Informationssystem. Dieses beinhaltet die gesamten Möglichkeiten der Kommunikation inklusive der Nutzung von Daten-/Textbanksystemen (Office of the future).

Rolf Keiten Leiter des Rechenzentrums Kölnische Lebensversicherung AG, Köln (Univac 90/80, VS9)

Wir alle benötigen Informationen, um unsere Aufgaben sinnvoll und möglichst effektiv erledigen zu können. Um diese Informationen zu erhalten, zu verarbeiten und weiterzugeben, bedarf es einer intensiven Kommunikation.

In der Vergangenheit flossen die Informationen auf Kommunikationswegen, die gegeneinander klar abgrenzbar und daher teilweise isoliert waren. Mit dem verstärkten Einsatz von EDV-Anlagen wurden die benötigten Informationen immer mehr zentralisiert und in einer Form gespeichert, mit der alteingesessene Kommunikationsmittel nichts mehr anfangen konnten. Also wurden die Informationen wieder in allgemein verständliche Formen umgesetzt. Das Ergebnis: Papier und nochmals Papier! Gedruckte Informationen sind gewiß wichtig, aber nicht mehr sinnvoll, wenn sie mit dem "Handwagen" in die Fachabteilung gekarrt werden.

Eine sinnvolle Lösung bringt erst der verstärkte Einsatz von Dialogsystemen. Nun erst ist es möglich, die Informationen direkt dem Nutzer verfügbar zu machen. Die Isoliertheit der Kommunikationswege ist aber damit nicht behoben, sondern um eine neue Variante, den Bildschirm, bereichert worden. Zusätzlich ist die Flut der Informationen, die EDV-mäßig gespeichert sind, so groß geworden daß ein Einschleusen der gespeicherten Daten in den normalen Kommunikationsfluß nahezu unmöglich ist.

Die einzelnen Kommunikationswege müssen verstärkt aufeinander abgestimmt und zusammengeführt werden. Eine Möglichkeit dieser Realisierung bildet der Bildschirmtext. Diesem Medium, in Verbindung mit den Systemen Teletex-Dienst und Faksimile-Dienst (Telefax), wird in Zukunft die dominierende Rolle beim Beschreiten neuer Kommunikationswege zufallen. Hierbei lassen sich nicht nur Kommunikationsprobleme innerhalb einer Unternehmung lösen, sondern darüber hinaus wird der Informationsfluß nach "draußen" schneller und intensiver werden.

Ein weiterer Vorteil bei diesen Systemen liegt darin, daß die herkömmlichen Kommunikationsmittel (Telefon, Fernschreiber oder Fernsehen) zu einen Kommunikationssystem zusammengefaßt werden können. Akzeptanzprobleme, die bei der Einführung neuer Kommunikationstechniken bisher immer wieder auftraten, werden weitgehend vermieden, insbesondere durch den breiten Bekanntheitsgrad der verwendeten Kommunikationsmittel.

Bei der Einrichtung solcher Kommunikationssysteme muß zwangsweise der Datenschutz eine verstärkte Rolle spielen. Nach meiner Ansicht müßte der Gesetzgeber sich schon jetzt mit der Datenschutzgesetzgebung intensiv befassen, damit, wenn der Bildschirmtext wie geplant 1983 eingesetzt wird, entsprechende Gesetzesgrundlagen vorliegen.

In der Zukunft werden also Rechenzentren gegenwärtiger Prägung, von den ganz großen vielleicht abgesehen, immer mehr zu Informationsverarbeitungszentren im Sinne des Wortes werden. Dies stellt an das Management jedoch andere Anforderungen als bisher. Tüftler, die den Bits und Bytes ihrer EDV-Systeme manchmal mehr Aufmerksamkeit schenkten als dem Informationsbedarf ihrer EDV-Benutzer, werden umdenken müssen. Der persönliche Kontakt mit dem EDV-Benutzer muß wiederhergestellt und intensiviert werden, damit der echte Informationsbedarf erkannt und gelöst werden kann.

Also verstärkter Informationsaustausch zwischen Benutzer und EDV, wobei hier die EDV den Anstoß geben müßte, da oft die Akzeptanz der EDV beim Benutzer nicht sehr groß ist. Sehr leicht läßt sich erkennen, wenn Dialogsysteme mit ihren Bildschirmen erstmals Einzug in eine Fachabteilung halten. Sofort taucht das Gespenst der Entlassung auf. Dies liegt darin begründet, daß die Mitarbeiter, die mit diesen Systemen arbeiten müssen, nicht intensiv genug über derartige Systeme informiert worden sind Daß die Publikationsmedien auch eine Mitschuld haben, hat sich ja mittlerweile schon herumgesprochen.

Nun, Probleme bedürfen der Lösung, und die menschliche Sprache als ältestes Kommunikationsmittel ist dazu bestens geeignet.