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Alternative bei der Datenfernverarbeitung?

Telekopierer contra Telex-Terminals

19.09.1975

Von Herbert F. W. Schramm Exklusiv für CW

Als Rank Xerox vor drei Jahren die ersten Telefonkopierer vorstellte, sah das Marketing für sie eine neue Dimension des Bürokopierens, die sich eher bescheiden ausnimmt. Mit Fernkopien lassen sich lange Postwege vermeiden und wird im Büro eine ähnliche Technik verfügbar, wie sie das seit Jahr und Tag kränkelnde "Bildtelefon" in der graphischen Industrie bietet. Inzwischen ahnen selbst vorsichtige Fachbeobachter, daß dieses jüngste Kommunikationsmittel eine tiefgreifende Wandlung des weltweiten lnformationsaustausches ankündigt.

Mit dem Segen der Post

In verschiedenen Konzernen, speziell im Schiffahrtswesen, hat die Planung internationaler Telekopierer-Netze begonnen. Die Bundespost hat ihre Zurückhaltung - gegenüber den Anträgen auf Zulassung schon im letzten Herbst aufgegeben. Inzwischen können dem öffentlichen Netz die Fernkopierer von Kalle-infotec, 3 M, Olympia und Rank Xerox angeschlossen werden. Die Zulassung für das Agfa-Gevaert-Gerät Citefax 101 und einige ebenfalls neue Modelle der genannten Anbieter ist beantragt. Probleme gibt es lediglich noch bei den akustischen Koppelungen mit Telefonhörern; für sie werden nur dann Sondergenehmigungen erteilt, wenn eine spezifische Anwendung zwingend transportable Geräte vorschreibt. Hauptziel der Telekopierer-Netze ist es, die Unsicherheiten und Arbeitsaufwendungen des Telex-Betriebs auszuschalten. Im Mittelpunkt stehen dabei bislang weniger die formfreien Textübermittlungen und mehr die Arbeitsgebiete der Datenfernübertragung. Die Telekopierer müssen als Alternativen der Fernschreiber, aber auch der Zahlreichen Daten-Terminals gelten, die dem Benutzer keine eigene Verarbeitungsleistung bieten.

Absolute Identität

So arbeiten etwa im internationalen Transportwesen sowohl die Absender als auch die Empfänger mit gleichartigen Transportdokumenten. Im Fernschreibverkehr entnimmt der Sendende die Daten aus diesen Vordrucken, erstellt Lochstreifen und übermittelt die damit erfaßten Daten an seine Agentur oder Niederlassung am Empfangsort. Der Empfänger trägt dann die Daten maschinenschriftlich oder mit Hilfe eines Formatprogramms in einen Vordruck ein, der den gleichen Aufbau wie beim Absender hat. Dadurch ist diese Methode nicht allein mit einem hohen Arbeitsaufwand, sondern auch mit einer Fülle von Fehlerquellen verknüpft. Beides entfällt beim Telekopieren.

Das mit einem sendenden Gerät abgetastete Original wird am Empfangsort mitsamt seinem Formularaufbau reproduziert. Original und Fernkopie sind garantiert identisch.

Kaum stehen die ersten Telekopierer in den Büros, so machen bereits Faustregeln über die Kosten die Runde. Die neue Methode, heißt es, kommt billiger als Fernschreiben, wenn die Übermittlung einer normalen Textseite weniger als drei Minuten dauert. Dieser Vergleich geht jedoch nur von den Postgebühren aus. Im Einzelfall kann es anders aussehen. Insbesondere dann, wenn die Zusatzarbeit der Umwandlung formfreier Daten in formulargebundene Informationen größeres Gewicht besitzt.

Es lohnt sich, zu rechnen

Miete und Wartung für Telekopierer kosten - je nach Modell - monatlich zwischen 190 und 480 Mark. Die Post berechnet außerdem eine Grundgebühr für eine Anschlußdose in Höhe von 3 Mark. Bei Fernschreibern betragen die Miet- und Wartungskosten pro Monat etwa 260 Mark, die Postgebühr 50 Mark. In der Telexmethode besteht jedoch in vielen Unternehmen ein gewisser Zwang, zusätzlich Lochstreifenstanzer und -leser anzuschaffen; nur dann lassen sich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten und damit niedrige Benutzungsgebühren erreichen. Bei Telekopierern sind diese Geräte überflüssig.

Im Telefon-Wählbetrieb sind Übertragungsraten bis 1200 Baud möglich. Die Telekopierer bleiben wegen ihrer eigenen Technik weit unter dieser Leistung. Das Senden einer Seite Text dauert je nach Gerät und Vorlage mindestens 35 Sekunden, zumeist sogar 3, 4 oder 6 Minuten. Bei drei Minuten beträgt die Benutzungsgebühr im Inlands-Fernsprechbetrieb durchschnittlich etwa 3,45 Mark. Im Telex-Betrieb lassen sich pro Minute etwa 400 Zeichen senden. Die Übertragung einer vollen Textseite dauert demnach etwas länger als 6 Minuten, wenn diese Leistung voll ausgenutzt wird. Die Gebühr für diese Zeit beträgt tagsüber 4,19 Mark. Günstiger kommt der Telex-Betrieb im Auslandsverkehr.

Kompatibilität gefragt

Auf eine internationale Verbreitung der Fernkopierer stellen sich die Anbieter der Geräte bereits heute ein. Die Zukunft scheint den kompatiblen Telekopierern zu gehören. Bislang hatten einige Modelle mit Amplituden-, andere mit Frequenz-Modulation gearbeitet. Bei neueren Geräten, etwa beim Olympia DEX 581, läßt sich nun die Betriebsweise umschalten. Ähnliches gilt für die Anpassung der Übertragungsleistungen, die gerätetechnisch von der benutzten Bildauflösung abhängt. Geräte mit engstehenden Auflösungslinien lassen eine weitgehende Rücksichtnahme auf die Eigenschaften der Kopiervorlage und damit eine höhere Kopienqualität zu. Je mehr Auflösungslinien - desto länger dauert aber die Übertragung. Aus diesem Grunde kann bei neueren Modellen die Auflösung und damit auch die Übertragungsdauer in Übereinstimmung zwischen Sende- und Empfangsgerät reguliert werden.

Herbert F. W. Schramm ist freier Fachjournalist.