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18.09.1987 - 

Kein Käufer für Wiener Terminaldistributionsfirma zu finden:

Televideo-lmporteuer geht baden

18.09.1987

WIEN (CWÖ) - Der Generaldistributor des amerikanischen Terminal- und PC-Herstellers Televideo Systems. die Microsystems DV-Systeme Ges. m. b. H. in Wien-Aspern. ist pleite. Alle Versuche des Geschäftsführers, einen österreichischen Geldgeber zu finden. waren fehlgeschlagen.

Microsystems wurde 1980 gegründet und war seit 1982 Generalimporteur von Televideo-Systems Inc., Sunnyvale/USA. In den ersten Jahren waren Televideo-Personal-Computer und -Netzwerke den Konkurrenzprodukten technologisch und auch preislich überlegen und erfuhren einen dementsprechend hohen Aufschwung am amerikanischen aber auch am österreichischen Computermarkt. Dann jedoch kam es zu einigen strategischen Fehlern der Amerikaner und in der Folge zu massiven Geschäftseinbrüchen. "Ich habe das Malheur kommen sehen", sagt Geschäftsführer G. Dörfler. "Ein Hauptfehler war der zu späte Umstieg auf die 16-Bit-Rechner. Außerdem wollte Televideo bei den Kompatiblen nicht billiger sein, sondern technologisch ausgereifter. Damit sind sie aber am amerikanischen Markt eingefahren."

In Österreich hatte Microsystems mittlerweile schon eine Menge in Expansion investiert. Der Mitarbeiterstand wurde auf 24 aufgestockt, und hohe Mittel wurden in den werbemäßigen Aufbau der Marke Televideo i n Österreich investiert.

Als dann der US-Dollar im Jahr 1984 bis auf 24 Schilling anstieg, verteuerten sich die Importe dermaßen daß ein gewinnbringender Verkauf über die langfristig aufgebaute Händlerschaft praktisch nicht mehr möglich war.

Der Flop im PC-Markt brachte Televideo einen Verlust von 60 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 1984/85. "Die sind nur deshalb nicht eingegangen, weil nach der Börseneinführung 1983 Erlöse aus dem Aktienverkauf in Höhe von 100 Millionen Dollar vorlagen", sagt Dörfler.

Andere weniger potente Partner, zum Beispiel die österreichische Vertretung, mußten daran glauben."

Dörfler versuchte, Microsystems über seine zweite Firma, den IBM-Partner BCS, aufzufangen, aber außer Spesen scheint nichts gewesen zu sein. Dörfler: "Ich habe auch hier ein paar Hackln ins Kreuz gekriegt. Die viereinhalb Millionen Zuschuß aus Familienkapital können wir einstweilen in den Rauchfang schreiben."

1985 gab es konkrete Pläne der Televideo-Europazentrale, die Österreich-Vertretung zu übernehmen. Die kommerzielle Leitung in den USA winkte jedoch im Ietzten Moment ab. Sie wollte nicht in Europa investieren. Den letzten Versuch einer Rettung gab es im heurigen Frühjahr. Ein großer österreichischer Privatbetrieb zeigte Interesse an Dörfler und seinen Kunden. Mit den Banken war bereits ein stiller Ausgleich mit einer Quote von 31 Prozent abgesprochen, da legte sich jedoch ein großer Lieferant quer.

Die etwa 1000 Televideo-Systeme und 100 installierten Netze stehen jedoch nicht unbetreut da. Mit ihrer Abfindung gründeten ehemalige Microsystems-Mitarbeiter eine neue Firma mit dem Namen "Support". Vom Konkursverwalter wurden die Ersatzteile gekauft, so daß bis jetzt kein Tag vergangen sei, an dem Televideo-Kunden unversorgt geblieben wären.

Vom Konkurs der Microsystems unberührt bleibt der Vertrieb von Televideo-Terminals über die Wiener Firma Rekirsch.