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29.05.1992 - 

Der Gastkommentar

Tempolimit für Datennetze

Professor Dieter Haupt, Vorstandsvorsitzender des Vereins zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes

Den Niedergang einer Schlüsseltechnologie darf keine Industrienation als unabwendbares Schicksal hinnehmen. Der immer größer werdende Vorsprung der japanischen Halbleiter-Industrie gegenüber der europäischen Konkurrenz ist zu einem vieldiskutierten Thema in der Fach- und Wirtschaftspresse geworden.

Weit weniger publik ist dagegen, daß die Bundesrepublik Deutschland auf dem besten Wege ist, in einer weiteren Schlüsseltechnologie den Anschluß zu verlieren: Auf dem Gebiet der Datenkommunikation, speziell im Weitverkehrsbereich, ist bereits heute ein deutlicher Rückstand gegenüber USA und Japan zu verzeichnen. Die derzeitigen Rahmenbedingungen für die Telekommunikation in Deutschland lassen überdies befürchten, daß sich dieser Rückstand schnell vergrößern wird - mit dramatischen Konsequenzen für Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Volkswirtschaftslehre betrachtet die Verfügbarkeit effizienter Kommunikationsinfrastrukturen schon lange als Produktionsfaktor, der neben den klassischen Faktoren Boden, Arbeit und Kapital immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wenn Unternehmen wie die Volkswagen AG in Wolfsburg laut darüber nachdenken, ihre Telekommunikations-Zentralen in das europäische Ausland zu verlagern, sollten alle Betroffenen und Verantwortlichen alarmiert sein: Es ist allerhöchste Zeit, die Weichen zu stellen für eine Telekommunikations-Infrastruktur, die auch langfristig dem internationalen Vergleich standhalten kann.

Hochgeschwindigkeits-Datennetze mit Durchsatzraten von mehr als 100 Mbit/s sind heute bereits für besondere Anwendungsbereiche notwendig und werden für künftige Anwendungen der Datenkommunikation ständig an Bedeutung gewinnen.

In dem Maße, in dem durch steigende Rechnerleistungen grafische Benutzeroberflächen und neue datenintensive Anwendungen (zum Beispiel Bildverarbeitung, Visualisierung, Multimedia) erschlossen werden, wachsen auch die Anforderungen an die Übertragungsraten der Datennetze. Entwicklung und Erprobung solcher Hochgeschwindigkeitsnetze gehören zu den Aufgaben der Wissenschaft und besonders auch des Vereins zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes (DFN-Verein), der als Selbsthilfeorganisation der Wissenschaft für deren Belange in der rechnerorientierten Datenkommunikation eintritt.

Bereits in diesem Stadium der Entwicklung und Erprobung muß die Wissenschaft in Deutschland erhebliche Wettbewerbsnachteile gegenüber konkurrierenden Nationen hinnehmen: Die nach wie vor existierende Regulierung durch den Bundesminister für Post und Telekommunikation und somit das Leitungsmonopol der Telekom konfrontieren die deutsche Wissenschaft mit Gebühren, die weit über denen anderer Länder liegen und alle Finanzierbarkeitsgrenzen sprengen. Die Situation ist prekär: Die Wissenschaft kann ihren Auftrag gegenüber der Gesellschaft nicht ausreichend erfüllen, weil unzeitgemäße Rahmenbedingungen dies verhindern.

Verglichen mit Japan oder den USA, wo bereits ein 45-Mbit/s-Netz aufgebaut und ständig erweitert wird und eine "Gigabit-Initiative" als nationales Projekt arbeitet, muß die Lage in Deutschland als trostlos bezeichnet werden. Mit vereinzelten und darüber hinaus durch hohe Gebühren stark eingeschränkten Pilotprojekten im Bereich von 34 Mbit/s ist eine realitätsnahe Forschung und Entwicklung bei der Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung nur ansatzweise möglich. Erforderlich sind hier Hochgeschwindigkeitsstrecken von 100 bis 500 Mbit/s, um sowohl Endgeräte und Vermittlungseinrichtungen zu entwickeln als auch praxisnahe Fragen effektiver verteilter DV-Systeme zu erforschen.

Wissenschaft und DFN-Verein sind bereit, ihren Beitrag zur Sicherung des Telekommunikations-Standortes Deutschland zu leisten, das heißt Hochgeschwindigkeits-Technologien zu entwickeln, zu erproben und als Erstnutzer ihre Markterschließung zu fördern. Die diesbezügliche Unterstützung des DFN-Vereins durch den Bundesminister für Forschung und Technologie, die Konferenz der Ministerpräsidenten der Bundesländer, die Kultusministerkonferenz und die Hochschulrektorenkonferenz macht Mut und läßt auf zukünftig bessere Rahmenbedingungen hoffen. Es ist höchste Zeit!