Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

29.08.1997 - 

Geräte mit Internet-Anschluß/Digitale Kameras und Kiosksysteme schon in der Anwendung

Tendenz: Einfach zu bedienende Geräte ans Internet hängen

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart hat in seiner Modellfabrik zwei Internet-Kameras im Einsatz, die rund um die Uhr aufnehmen und senden, was dort gerade passiert http://www.fis.iao.fhg.de . Die Stuttgarter Forscher entschieden sich für das "Net Eye 200" des schwedischen Herstellers Axis. Dieses Gerät ist ein Zwitter zwischen einer digitalen Farbkamera und einem Web-Server. Es erzeugt Browser-kompatible Bilder im JPEG-Format und nutzt TCP/IP. Eine der beiden Kameras in der Modellfabrik ist bereits über eine Funkstrecke ans Netz angebunden.

Net Eye ist laut Hersteller schneller und einfacher zu installieren als eine Videokamera mit PC-Anschluß. Die Bilder lassen sich in Web-Seiten integrieren. Sie eignen sich jedoch auch als "Postkarte" für den E-Mail-Versand. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Fernüberwachung.

Der Ingenieur Stephan Wilhelm vom IAO ist mit dem Gerät sehr zufrieden, hat jedoch für die Weiterentwicklung der Kamera viele Ideen an die Herstellerfirma geschickt. Wilhelm findet, daß die Stromversorgung über einen Akku die Funklösung ergänzen sollte. Außerdem wünscht er sich ein robustes, stoß- und spritzwassersicheres Gehäuse für den Fabrikbetrieb. Kombiniert mit Tonübertragung, die bisher noch fehlt, so Wilhelm, könnte das "Netzauge" zur Konferenzübertragung genutzt werden. Außerdem sollte der Kamera-Web-Server einen Sucher erhalten, empfiehlt der Ingenieur. Nach Auskunft von Wilhelm arbeitet das IAO bereits an Konzepten für die Fernwartung von Maschinen über das Internet. Da das ISDN in vielen Ländern nicht zur Verfügung steht, dort jedoch ebenfalls Maschinen stehen, die ferngewartet werden sollten, bietet sich das weltweite Netz als Medium trotz geringer Übertragungsleistung an, erklärt Wilhelm. Tiefer jedoch will sich der Ingenieur nicht in die Karten schauen lassen. Das Berliner Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) setzt nach Auskunft des Informatikers Lutz Nentwig in einem geschichtsträchtigen Projekt auf die Internetkamera. 1998 präsentieren das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn und das Deutsche Historische Museum in Berlin eine virtuelle Ausstellung im Internet. Ein Gang durch die deutsche Geschichte mit historischen Filmaufnahmen wird ergänzt durch Live-Bilder aus den Ausstellungsräumen der beiden Häuser, gesendet per Web-Cam.

Was die Internet-Kameras aufnehmen, kann man schon in näherer Zukunft auf einem normalen Fernsehgerät besichtigen. Künftig wird ein kleines Gerät, die Web-TV-Box, an der Schnittstelle zwischen Internet und TV-Gerät Daten konvertieren. In den USA haben Sony und Philips von der Microsoft-eigenen Firma Web-TV aus Kalifornien die Lizenz für jene Technologie erworben, die digitale Signale aus dem Web in Signale für das Fernsehen umwandelt. Mitsubishi und Fujitsu sind drauf und dran, ebenfalls diese Konvertierungstechnologie einzusetzen.

Wie Kai Barth von Sony in Köln erklärt, liegen zwischen Web und TV "Welten". Bei der Übertragung des bit- und pixelorientierten Internet-Protokolls in das linienorientierte Format des Fernsehens sei die Gefahr groß, daß die Bilder unscharf würden. Außerdem müsse das Fernsehbild vergrößert werden, da die Zuschauer nicht so nahe am Gerät sitzen wie Computerfreunde an ihrem Bildschirm, so Barth. Die Firma Web-TV habe diese Probleme jedoch durch eine beachtliche unternehmerische Leistung in den Griff bekommen, glaubt der Manager für das New Business von Sony. Dennoch geht Barth nicht davon aus, daß die Web-TV-Box bereits 1998 in Deutschland verkauft wird.

Anschluß an das Internet finden künftig auch immer mehr Kiosksysteme, im angelsächsischen Sprachraum bekannt unter den Bezeichnungen "Point of Information" (POI) oder "Point of Sales"(POS). Dabei handelt es sich um PCs mit einem leicht bedienbaren berührungssensitiven Bildschirm. Kiosksysteme lassen sich für Stadtinformationssysteme, die Jobvermittlung, die Buchung von Hotelzimmern sowie die Reservierung von Sitzplätzen in Verkehrsmitteln und bei öffentlichen Veranstaltungen einsetzen. Der Wert dieser Geräte erhöht sich, sobald sie am Netz hängen. Denn dann kann der Service-Provider immer die gerade aktuellen Informationen einspeisen und muß nicht jedes Gerät einzeln vor Ort mit den neuesten Daten füttern.

Das Berliner Fraunhofer-Institut ISST hat für Kiosksysteme das Buchungs- und Reservierungssystem "Gris" entwickelt. Auf dessen Bildschirm erscheinen (als Java-Applets) Querschnitte von Flugzeugen mit den Sitzplätzen, Grundrisse von Hoteletagen mit den einzelnen Zimmern oder die Stuhlreihen von Veranstaltungsräumen. Durch die Einfärbung der Zimmer und Sitze ist erkennbar, ob ein Platz bereits belegt oder noch frei ist. Ein Klick auf freie Hotelzimmer oder Sitzplätze löst eine Buchung oder Reservierung aus.

Diese Anwendung beruht auf einer Multitier-Architektur. Der Web-Browser vor Ort (am Kiosk) erhält von einem dynamischen WWW-Server (Verarbeitungslogik) Daten über die Belegung des Flugzeugs oder Hotels und kann selbst (über Corba) eine Reservierung auf dem Server auslösen, der wiederum im späteren Echtzeitbetrieb dieses Ereignis an einen zentralen Großrechner (Datenhaltung) meldet. Für Jan Gottschick vom ISST besteht die Tendenz, immer noch einfacher zu bedienende Geräte an das Internet zu hängen. Das Telebanking und Teleshopping über das Internet werde sicher einen Aufschwung erleben, sobald die rechtliche Problematik der Datenverschlüsselung endgültig gelöst sei. Solange Transaktionen mit elektronischem Geld noch problematisch sind, bleiben den Automatenherstellern die Hände gebunden.

Angeklickt

Über das Internet kann man heute schon telefonieren. Doch ist das Telefon nicht mehr das einzige Gerät, das - außer dem Computer - vom überlasteten Internet und den schnell wachsenden Intranets akzeptiert wird. Die hiesigen Forschungs- und Pilotprojekte und deren Internet-fähiges Equipment sind vielversprechend.

*Johannes Kelch ist freier Journalist in München.