Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.03.1976

Tendenz: Überwiegend freundlich

Als ich l967 als RKW-Mitarbeiter vor einigen Vollversammlungen der Industrie und Handelskammer die Anregung gab, statt der eigenen EDV-Anlage doch den Service eines gewerblichen Rechenzentrums zu nutzen, haben mich die weniger Wohlerzogenen schlicht für verrückt erklärt.

Dennoch erlebte gerade in 1967 der von den Computer Herstellern mit liebevoller Sorgfalt gepflegte Weingarten der wertvollen Reben "PRESTIGE" und "EUPHORIE" einen folgenschweren Kälteeinbruch.

In dieser Zeit wurde manchem Unternehmer klar, daß auch die EDV unter betriebswirtschaftlichen, sprich wirtschaftlichen, Gesichtspunkten beurteilbar ist. Die Einsicht griff Platz, daß das Preisleistungsverhältnis, der Wirkungsgrad einer solchen Anlage, um so günstiger sein mußte, je größer sie gewählt wird.

"Management by Erleichterungen"

So wäre zumindest wörtlich der Begriff " Facilities-Management" auszulegen, der heute immer wieder ins Gespräch kommt und beispielsweise in den USA in steigendem Maße vierstellige Millionenumsätze kennzeichnet. Überwiegend Service-Rechenzentren, aber auch Beratungs- und Software-Unternehmen und "reinrassige" .

Facilities-Management-Firmen bieten die im Prinzip einfache Dienstleistung der Übernahme des gesamten Rechenzentrums eines Mandanten, einschließlich Personal, Software, Räumlichkeiten usw. zu einem festen Preis der sich üblicherweise an den im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses geltenden Hardware-Kosten orientiert.

Facilities-Management bietet beiden Vertragspartnern nur Vorteile: Der Mandant und bisherige Eigner eines betriebsinternen Rechenzentrums hat sich nicht mehr mit Personalproblemen wie Fluktuation, Schulung, Kompetenzabgrenzung etc. und Fragen der Kapazitätsauslastung, der ständigen Anpassung bei Hardware und Software und der Programmpflege herumzuschlagen; er erhält die im Vertrag genau beschriebene Auswertung analog zu den EDV-Leistungen, die sein betriebsinternes Rechenzentrum bisher lieferte. Gegenüber seinen bisherigen EDV-Aufwendungen für diese Leistungen kann er eine Ersparnis von ca. 30 bis 50 Prozent erwarten.

RZ-Pleiten

Auch diese gibt es. Nach meiner Schätzung sind in den letzten zwei Jahren von den Rechenzentren, deren durchschnittliche Jahresumsätze unter einer Million lagen, 15 bis zu 20 Prozent in die Knie gegangen. Sie fusionierten, meldeten Konkurs an oder liquidierten ganz einfach.

Sieht man von denjenigen ab, die sich auf fußkranke Branchen, wie Bauwirtschaft, Textil, KFZ-Handel spezialisiert hatten, so sind die Gründe in drei Ursachen zu sehen: a) mangelnde Eigenkapitaldecke b) veraltete Anlagen, ungepflegte Software, c) mangelnde Managementqualifikation.

Am grundsoliden Gedanken der Datenverarbeitung außer Haus hat dies nicht gerüttelt, im Gegenteil, der Selektionsprozeß bewirkte zum Beispiel 1975, daß die kerngesunden kleinen Rechenzentren Bemerkenswerte Umsatzzuwächse erfuhren.

Unzureichende Förderung

Noch allzusehr ist heute das [Augenmerk der Publizität und der öffentlichen Hand auf die stattliche Anzahl von rund 36 000 Eigeninstallationen gerichtet, viel zu wenig bekannt ist, daß rein zahlenmäßig mehr als 90 Prozent aller EDV-Anwender von den Service-Rechenzentren bedient werden. Hierin in dem großen Mandantenstamm, wird die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der gewerblichen Rechenzentren deutlich. Offenbar jedoch nicht allen. Das BMFT fördert im wesentlichen nach dem Gießkannenprinzip mit der Ausnahme, daß bei dem großen Elektrokonzern in München die Tülle für einen kräftigen Schluck entfernt wird.

Dem VDRZ: wurde bedeutet, daß, für institutionelle Förderungen auch über Projekte zum Beispiel Marktforschung in Richtung eigene Anlage oder Service-RZ , TP-Lösungen in Kleinverbundsystemen oder ähnliche kein Geld zur Verfügung steht.

Datenfernverarbeitung

Um die Datenfernverarbeitung werden die Servicerechenzentren nicht herumkommen, wollen sie auch künftig eine echte Alternative zum "Heimcomputer" bieten. Hier stehen sich jedoch die Interessen der Bundespost und die der Rechenzentren entgegen. Während die Rechenzentren in dem TP-Verhalten der Post eine Pfründe vermuten, weisen die zuständigen Postmänner auf den Misch-Kalkulationscharakter ihrer Behörde hin und darauf, daß die immensen Gewinne aus dem Telefon- und Datenverkehr sie in die Lage versetzen, ihrer Verpflichtung nachzukommen, den Briefzusteller auf entfernteste Alm zu schicken.

Das Orakel der zuständigen Propheten räumt dem Dienstleistungszweig für das letzte Quartal dieses Jahrhunderts, das rein arithmetisch ein weiteres Jahrtausend der Menschheitsgeschichte beschließen wird, die größten Expansionschancen ein. Die Service-Rechenzentren werden in gleichem Maße daran teilhaben wie die Ernüchterung im Computerbereich, der Abbau des Prestigedenkens und der Zwang zum wirtschaftlichen Handeln anhalten und selbstverständlich werden.