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14.03.1980 - 

Realtime-System neben und mit der konventionellen DV:

Terminal-Support für Echtzeit-Devisen

MÜNCHEN (je) - Durch die Organisation der anfallenden Datenmengen in Form einer speicherresidenten Datenbank verschafft die EDV-Beratungsorganisation "informatik forum" GmbH, Hauptsitz Aachen, den Geldhändlern in den Devisenabteilungen der Banken den Überblick und die Reaktionsschnelligkeit, die sich auf diesem Spezialmarkt immer schon auszahlte.

Die Aachener entwickelten ein , das die Devisenhändler von den meist relativ langsam arbeitenden Großrechnern einer Bank abkoppelt und das auf gängigen Minicomputern lauffähig ist. Joachim Schöler, Prokurist in der Münchener if-Niederlassung, nennt beispielhaft Rechner von Norsk Data oder Prime. Er beschreibt auch die Hintergründe der Entwicklung dieses Systems:

Der Ausbau des Internationalen Wirtschaftsverkehrs und der Übergang zu flexiblen Wechselkursen führten in den letzten Jahren zu einer Ausweitung der Devisengeschäfte. Der damit verbundene große Informationsbedarf und Kommunikationsaufwand der Devisenabteilungen vieler Geldinstitute und der enge Kontakt zu den Kunden aus Industrie und Handel stellen an die Tätigkeit der Devisenhändler spezielle Anforderungen.

Viele Banken bedienen sich in diesem Bereich noch herkömmlicher Methoden um ihren Informationsbedarf zu decken. In den meisten Fällen werden ihre Händler über die Wirtschaftsdienste mit einer notwendigen Kursinformation versorgt; andererseits dienen die über Telefon erfragten Devisenkurse als Basis zur Kalkulation entsprechender Cross- oder Termin-Kurse. Diese Kalkulation erfolgt üblicherweise über Tischrechner. Weitere den Händler interessierende Informationen kann ein relativ langsames, und auf einem Großrechner installiertes Informationssystem liefern.

Wichtige Informationen über die Situation der Europäischen Währungsschlange, der European Currency Units (ECU) oder der Währungskörbe die, etwa die Intervention einer Staatsbank anzeigen kommen bei der Hektik der Geschäfte meist zu kurz.

Gerade im Devisenhandel wo es auf Schnelligkeit und Überblick über die Marktsituation ankommt, sind die zumeist auf Großrechenanlagen installierten Systeme nicht mehr in der Lage, dem spezifischen Informationsbedürfnis gerecht zu werden.

Ein Real-Time-System, das losgelöst von anderen Aufgaben den speziellen Anforderungen im Devisenhandel Rechnung trägt, und das vor allem den Devisenhändlern die Möglichkeit gibt, sich Jederzeit, insbesondere wenn der Devisenmarkt hektisch ist, die für den Handel notwendigen Informationen zu beschaffen, kann hier Abhilfe schaffen.

Von besonderer Bedeutung ist dabei eine einfache Handhabung des Systems. Die Bedienung darf für den Händler keine zusätzliche Belastung darstellen. Deshalb ist größter Wert auf die ergonomisch günstige Auslegung des Händlerarbeitsplatzes zu legen.

Eine für die Belange des Devisenhandels von der if-GmbH konzipierte Spezial-Tastatur ermöglicht eine schnelle, branchenübliche Devisenkurseingabe (Einhandbedienung) .

Eine Soll- und Ist-Analyse in enger Zusammenarbeit mit dem ersten Kunden zeigte sehr früh die Komplexität des zu realisierenden Systems, unter anderem, daß konventionelle Terminals als Ausrüstung für die Handlerarbeitsplätze nicht in Frage kamen. Gefordert war eine von der übrigen Elektronik getrennte Installation von Tastatur und Monitoren. Der Wunsch, mehrere Bildschirme über ein Händler-Terminal mit unterschiedlicher Information zu versorgen sowie eine verzögerungsfreie Umschaltung der verschiedenen Informationsbilder machten eine Eigenentwicklung des Terminalsystems notwendig.

Weiter ergaben sich in der Konzeptionsphase als Systemanforderungen:

- schnelle Reaktionszeit,

- umfassende Information der Händler entsprechend ihren Aufgabengebieten,

- sinnvolle Gestaltung des Arbeitsplatzes,

- Berücksichtigung möglichst vieler Währungen,

- Bildung beliebiger Cross-Kombinationen in SPOT- und Termin-Kursen,

- Versorgung von Kunden und Zweigstellen mit den Deviseninformationen,

- Anschluß von Wirtschaftsdiensten an das System,

- Datenaustausch mit dem Zentralrechner der Bank,

- statistische Auswertung der Währungssituation,

- Hardcopies sämtlicher Devisenkurse zu jeder beliebigen Zeit,

- Steuerung des Systems durch Parameter, die auch während des Betriebes eingebbar sind,

- Konfiguration der Informationsbilder über den Arbeitsplatz des Händlers.

Die kurze Reaktionszeit zwischen Eingabe und Anzeige der Daten war als wichtigste Anforderung maßgebend für Software-Design, Rechnerauswahl und Gesamtsystemkonzeption .

Die Eingabe eines Kurswertes kann unter bestimmten Umständen bis zu 80 Prozent der gesamten Datenmenge beeinflussen. Eine Aussage, welche Bereiche der "Datenbasis" von einer Änderung betroffen sind, kann im voraus nicht getroffen werden. Es wurden daher die anfallenden Datenmengen in Form einer Datenbank organisiert, welche resident im Speicher abgelegt ist, wodurch die ständige Verfügbarkeit der Daten und eine minimale Zugriffszeit auf Datenelemente gewährleistet ist. Eine weitere Speicher- und Zeitoptimierung wurde dadurch erreicht, daß nur die zur Ausgabe oder Anzeige benötigten Daten berechnet und gespeichert werden.

Die Konzeption der gesamten Software erfolgte streng modular. Über 60 eigenständige Moduln für Input, Verarbeitung, Verwaltung und Output mit klar definierten Schnittstellen vereinfachen die Wartung und die eventuelle spätere Erweiterung des Systems. Die Programmsteuerung erfolgt ausschließlich durch das Real-Time-Betriebssystem. Die Verwendung von Semaphoren - Tools, die das Betriebssystem vorhält - erleichtert die Koordination der verschiedenen Programme. Die Synkronisation der Zugriffe der verschiedenen Moduln auf die Datenbank erforderte einige programmtechnische Zusätze zum Betriebssystem.

Eine Dezentralisierung der Verarbeitung durch die Verwendung von intelligenten Terminals ist die Voraussetzung für das Einhalten der kurzen Reaktionszeiten.

Jeder Händler hat die Möglichkeit den Inhalt der Anzeigebilder selbst festzulegen. Der Rechner schickt alle berechneten und geänderten Daten über eine schnelle Datenleitung. Die Terminals suchen sich aus dem Datenstrom die benötigten Daten und bringen sie zur Anzeige. Der Vorteil dieses Systems ist daß die berechneten Daten nur einmal für sämtliche Terminals gesendet werden müssen, wodurch der Hauptrechner von Verwaltungsarbeiten auf der Outputseite weitgehend freigehalten wird.

Zudem können an diese Datenleitung ohne zusätzliche Beeinflussung des Systemverhaltens weitere Terminals angekettet werden.

Die Schnittstellen zu den Wirtschaftsdiensten (Reuters etc.) werden direkt vom Rechner verwaltet, wobei hier die Reaktionszeit auch nicht das entscheidende Kriterium ist und die Updates mit geringerer Priorität bearbeitet werden können.

Als Basisrechner kommt ein Minicomputer mit 512 K Speicherkapazität zum Einsatz. Ein eigener Arithmetik-Prozessor ermöglicht besonders schnelle Floating-Point-Operationen, was eine Voraussetzung für entsprechend kurze Reaktionszeit ist. Der weitere Ausbau besteht in einer Platte, einem Standard-Terminal als Operator-Konsole, einem Drucker sowie den entsprechenden Interfaces zur Kommunikation mit der Peripherie.

Die Vorgehensweise, Software und Terminalsystem im eigenen Hause zu entwickeln und somit Kommunikationsprobleme verschiedener Abteilungen weitgehend zu vermeiden, erwies sich bei Test und Installation des Gesamtsystems als vorteilhaft.

Nach erfolgter Schulung der Devisenhändler in der Handhabung des Systems und nach einer gewissen Gewöhnungsphase an das neue Arbeitsmittel gab es bei der Einführung keine weiteren Probleme. Insbesondere die Handhabung des neu entwickelten Eingabemediums wurde von den Devisenhändlern schnell akzeptiert.