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06.04.1984 - 

Marktführer macht sich im Datenstationsgeschäft selber Konkurrenz:

Terminalfähiger IBM PC als 3270-Alternative

STUTTGART - Mit der Ankündigung eines neuen Arbeitsplatzrechners, der die Funktionen des 3270-Bildschirmes und des "Personal Computers" (PC) verknüpfen soll, gibt die IBM Deutschland GmbH den Startschuß für die Mikro-Mainframe-Kopplung bei ihren Großkunden. Nachdem der PC-Absatz bisher offensichtlich noch nicht wunschgemäß verlief, wollen die Stuttgarter jetzt zunehmend die Tür zu den Fachbereichen aufstoßen. IBM-Benutzer sind indes angesichts der Announcement-Fülle etwas verwirrt und üben noch Zurückhaltung bei PC-Installationen.

Einschließlich des jetzt vorgestellten Office-Systems "3270-PC" bietet IBM mittlerweile sechs Kleinrechner in zum Teil überlappenden Leistungsklassen an, von denen vier - der PC-XT, der PC-XT/370, der PC-Junior sowie ein PC-Portable - innerhalb der vergangenen sechs Monate in den Markt gedrückt wurden. Überdies senkten die Stuttgarter die Preise für den Personal Computer um bis zu 20 Prozent und für den PC-XT um rund 10 Prozent.

Die DV-Verantwortlichen in den Unternehmen scheinen sich von dieser Art Marketing-Politik bisher nicht beeinflussen zu lassen. "Indem eine Ankündigung die nächste jagt", sagt Christian Sandek, DV-Leiter bei der Preussag AG in Hannover, "wird der Benutzer nur noch mehr verunsichert und weiß kaum noch welches Produkt das für ihn technisch sinnvolle oder das wirtschaftlich optimale darstellt."

Mit der Ankündigung des bereits im Oktober vergangenen Jahres in den USA vorgestellten 3270-PC schlägt IBM jetzt eine neue Marschrichtung ein. Wurde bei den bisherigen PC-Announcements jeweils der Mikrocomputer-Aspekt der Geräte hervorgehoben, so liegt die Betonung jetzt auf den 3270-Fähigkeiten.

Aus einem Marketingpapier der Stuttgarter geht hervor, wie der neue "Terminal-Mikro" im Markt plaziert werden soll: "Die Fähigkeiten des IBM-3270-PC machen ihn zu einem hervorragenden Arbeitsplatz für 3270-Terminalbenutzer, denn erstens kann er in verschiedenen miteinander konkurrierenden Anwendungen interaktiv mit dem zentralen Rechner arbeiten, zweitens können Daten aus unterschiedlichen Quellen benutzt werden und drittens stehen die Funktionen des integrierten IBM PC als ein wirkungsvolles Instrument für die individuelle Datenverarbeitung zur Verfügung." Dies gelte sowohl für die Aufgaben von Führungskräften, sowie von Sachbearbeitern mit büroorientierten Tätigkeiten.

In ihrem Pressetext beschränkt sich die IBM Deutschland GmbH dagegen auf einige wenige anwendungstechnische Informationen. So könne der 3270-PC gleichzeitig bis zu sieben Aufgaben bearbeiten: Vier 3270-spezifische im Dialog mit dem Zentralrechner, eine typische PC-Applikation auf der Grundlage von PC-DOS 2.0 sowie zwei weitere in Form von elektronischen Notizbüchern. Ein Farbbildschirm mit 2000 Zeichen könne Anwendungsdaten in acht Farben teilweise oder vollständig in sieben Fenstern darstellen. Das laut IBM technich auf dem PC basierende System 3270-PC wird in drei Grundversionen angeboten. Jedes Modell verfügt über einen Hauptspeicher von 320 KB, der auf 640 KB erweitert werden kann.

Zudem könne der Benutzer das System je nach Ausführung mit einem oder zwei Diskettenlaufwerken beziehungsweise einem 10-MB-Festplattenspeicher ausrüsten. Der Kaufpreis für den 3270-PC S02 beträgt einschließlich Tastatur 15 200 Mark. In seiner größten Ausbaustufe (SO6) soll der Arbeitsplatzrechner 21 480 Mark kosten. Für die erforderlichen Softwareprodukte, wie das Betriebssystem PC-DOS, das Steuerprogramm und das Dateiübertragungsprogramm verlangen die Stuttgarter weitere 3302 Mark.

Der Thyssengas-DV-Chef Lutz Ockert, ein Kenner der heutigen Mikro-Mainframe-Problematik, sieht in dem 3270-PC-Announcement das Eingeständnis der IBM, daß sie mit ihrer bisherigen Vermarktungsstrategie schief gelegen habe. Indem der Marktführer seinen neuen Arbeitsplatzcomputer primär als 3270-Datenstation apostrophiere, serviere er den DV-Verantwortlichen jetzt die Mikro-Entscheidung quasi auf dem silbernen Tablett. Ein DV-Leiter könne in der heutigen Situation ohne Probleme eine größere Anzahl von Terminals installieren, während ein umfangreicher Mikro-Einsatz in den Unternehmen heftige Diskussionen auslöse. Entschließe er sich für den 3270-PC, so Ockert, bräuchte er weder Strategien noch Konzepte, um sein Management von einer Mikro-Mainframe-Lösung zu überzeugen. Ärgert sich der Duisburger: "IBM schafft mit dem 3270-PC-Announcement wieder einmal, daß der DV-Leiter einfach drauflos kauft, ohne sich über seine Investition Gedanken zu machen."