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09.01.1976

Terminals oder Satellitenrechner?

Mit Hugo Schwenk, Direktor für Organisation und Datenverarbeitung der PapierwerkeWaldhof-Aschaffenburg (PWA), sprach CW-Chefredakteur Dr. Gerhard Maurer

- Im Konzern der Papierwerke Waldhof-Aschaffenburg sind die 37 Werke und Betriebsstätten teilweise mit Online-Bildschirmterminals mit der Konzernzentrale verbunden, teilweise aber auch wurden und werden Satelliten-Rechner installiert. Sie haben also eine zweigleisige Philosophie in bezug auf Intelligenz vor Ort?

Die zweigleisige Philosophie ergab sich aus der verschiedenartigen Aufgabenstellung einzelner Betriebsstätten. Einerseits haben wir Werke der sogenannten Erzeugungsstufe, in denen Papier produziert wird, andererseits haben wir Werke der sogenannten Verarbeitungsstufe, das ist die dritte Fertigungsstufe mit der Produktion von Papierwaren, Hygieneartikeln, Schreibartikeln und Verpackungen.

Das Anforderungsprofil ist für die Werke der dritten Stufe wesentlich umfangreicher als für die Produzenten der ersten und zweiten Stufe. Bei der Entscheidung spielt auch die Struktur der Verkaufsorganisation eine wesentliche Rolle. Für die erste und zweite Stufe ist die Verkaufsorganisation zentralisiert. Dafür steht der Zentralcomputer mit seiner Datenbank zur Verfügung. In der Endverbraucher-Stufe ist die Verkaufsorganisation im wesentlichen dezentral. Insofern entschieden wir uns für diese Werke und Verkaufsorganisationen für ein eigenes Computersystem, da mit Terminals und den dazugehörigen Druckern diese Aufgaben nicht bewältigt werden können.

- Was sind das für Aufgaben, die allein ein Satelliten-Rechner bewältigen kann?

Bei diesen Werken handelt es sich auch um auftragsgebundene Fertigungen. Dazu brauchen wir Vorkalkulation, Angebotschreibung, Angebotsüberwachung und Kontrolle, Auftragsbestätigung und dann von dort beginnend die Steuerung des Auftrages durch die Produktion mit Fertigungspapieren, Lieferscheinen, Fakturierung und Nachkalkulation. Ferner ein Berichtswesen nach Prioritäten geordnet täglich, wöchentlich, monatlich.

- Stellt sich die Frage, wofür dann noch der Online-Anschluß zum Zentralrechner? Das klingt ja geradezu als ob diese Werke DV-mäßig autonom wären.

Es gibt keinen Online-Anschluß zum Zentralrechner, sondern einen Anschluß auf Anforderung. Das heißt, die großen Datenbanken werden im Zentralrechner geführt und es wird täglich die Kommunikation zwischen den Datenbeständen des Satelliten-Rechners und des Zentralrechners durchgeführt.

- Zu was für Leitungen haben Sie sich bei diesen beiden Konzepten, hie Satelliten-Rechner, dort Online-Terminals entschieden?

Bei der Online-Konzeption sind wir auf festgeschalteten Leitungen, also sogenannten Hauptanschluß für Direktruf übergegangen. Für die Verbindung mit den Kommunikationscomputern - so nennen wir unsere Satelliten - werden wir Wählleitung nutzen, und zwar möglichst nach 22.00 Uhr zur Ausnutzung des sogenannten Mondscheintarifes. Daraus erkennen sie auch gleich, daß eine entscheidende Anforderung an diese Computer die Möglichkeit des automatischen Polling sein mußte. Die Zentrale muß mit diesen Rechnern kommunizieren können, ohne daß Bedienungspersonal an dem Satelliten-Computer erforderlich ist. Wir beginnen mit Wählleitungen, wobei wir völlig offen und frei sind, ob man ständig mit Wählleitung arbeitet oder ob man zu einem späteren Zeitpunkt auf Standleitung, sprich auf Hauptanschluß für Direktruf, übergeht. Dies ist die Frage des anfallenden Datenvolumens.

- Wie sehen die Pläne für die Endausbaustufe dieser beiden Konzepte aus? Wieviel Terminals, wieviel Satelliten-Rechner wird es im PWA-Konzern vermutlich geben?

Diese Frage kann ich zur Zeit nicht definitiv beantworten. Mit der Realisierung der Online-Konzeption sind wir für zwei Produktbereiche, das heißt für zwei selbständige Unternehmenseinheiten bis Ende dieses Jahres fertig. Das werden dann etwa 25 Terminals sein. Ich bin sicher, daß weitere Produktbereiche, die ja hierfür kostendeckend zahlen müssen, in dem Augenblick folgen werden, in dem wir mit unserem Online-Konzept seine Wirtschaftlichkeit und seine sachlichen Vorteile für das Management nachgewiesen haben.

- Und wie wird es bei den Endverbraucher-Artikeln aussehen?

Unser Plan sieht vor, daß in Übereinstimmung mit den Geschäftsführungen der betroffenen Unternehmenseinheiten bis Beginn 1977 fünf Satelliten-Computersysteme installiert werden. Diese Computersysteme sind grundsätzlich vom Typ IBM 3790, deren Konfiguration sich jeweils nach der Aufgabenstellung richtet. Normalerweise hat ein solches System vier bis sechs Bildschirme, einen leistungsfähigen Drucker und eine Hardcopy-Terminal sowie eine Magnetplatteneinheit mit 8 bis 17 Millionen Byte Speicherraum.

- In Ihrem zentralen Rechenzentrum stehen BASF-Platten. Die Datenerfassung ist mit Honeywell-Systemen ausgestattet, der Rechner selbst ist geleast - von Reinrassigkeit also keine Rede. Da überrascht Ihre Entscheidung für die IBM-Satelliten-Rechner.

Diese Entscheidung ist uns verhältnismäßig schwer gefallen. Wir hatten ein klares Anforderungsprofil für diese Rechner erstellt und haben dann auch eine Marktanalyse durchgeführt. An sich müßte ich heute für meinen Bereich ein bis zwei Systemanalytiker ausschließlich für die Verfolgung des Marktes einsetzen. Leider kann ich mir solch einen Luxus aus Kostengründen nicht erlauben. Am Schluß unserer Marktanalyse blieben fünf Firmen übrig. Die Entscheidung fiel dann für IBM, weil IBM - überraschend auch für mich - so preiswert war wie ihre Konkurrenz teilweise preiswerter, und weil ich dann natürlich hinsichtlich der Wartung und der Zurverfügungstellung der Software, vor allen Dingen der entscheidenden Software für die Datenfernübertragung und das automatische Polling das geringste Risiko einging. Diese Entscheidung fiel im zweiten Quartal 1975.

- Wie sind Sie denn mit den Leitungen und dem Angebot der Bundespost zufrieden?

Ich möchte hier an dieser Stelle der Bundespost ein Lob aussprechen - für solch ein Riesenunternehmen ist es ja nicht einfach, in einer völlig neuen Anwendungssparte Fuß zu fassen.

Verhindern nicht zu hohe Leitungsgebühren vielfach sinnvolle Datenfernverarbeitungslösungen?

Diese Verhältnisse waren eine wesentliche Ursache für unsere Entscheidung, Terminal- und Satelliten-Konzeption gleichzeitig zu realisieren, insbesondere die Verbindung zwischen der Zentrale und den Satelliten-Rechnern nach 22.00 Uhr über das automatische Polling und damit der Ausnutzung des Mondscheintarifes durchzuführen. Selbstverständlich bringt dies sowohl technische Probleme in der Zentrale als auch hier wieder die Gefahr, daß die Leitungen nach 22.00 Uhr so stark belastet sind, daß man die Verbindung nicht herstellen kann. Wir müssen jedoch hier Erfahrungen sammeln und werden Ende 1976, wenn fünf solche Systeme installiert sind, wesentlich klarer sehen als heute.