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27.01.2009

Test: Das bringt 802.11n in der Praxis

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Auf dem Papier überzeugen die Vorteile der neuen WLANTechnik. Wir überprüften an einem D-Link DIR-855, was 802.11n im Alltag leistet.

WLAN-Router mit integrierter 802.11n-Technik gibt es trotz fehlenden Standards schon eine Weile auf dem Markt. Allerdings hatten die meisten bezahlbaren Modelle bislang den Nachteil, dass sie entweder nur im 2,4-Gigahertz-Bereich oder im 5-Gigahertz-Band funkten. Geräte, die beide Frequenzbänder simultan nutzen, waren teuer. Dass aber WLAN-Router, die parallel das 2,4- und 5-Gigahertz-Band verwenden, kein Luxus sein müssen, zeigt D-Link mit dem DIR-855. Der Router, der zudem über vier Gigabit-Ethernet-Ports verfügt, ist im Internet schon zu Preisen um die 150 Euro zu finden. Neben den heute üblichen Features wartet das Modell noch mit einer Besonderheit auf: Es besitzt auf der Oberseite ein OLED-Display, das über den Gerätestatus informiert. Der User muss also nicht mehr unbedingt am PC an der Admin-Oberfläche sitzen, um das Gerät zu überprüfen, sondern kann dies vor Ort direkt tun. Die Konfiguration Interessant ist dieses Feature auch, wenn der DIR-855 etwa in Zweigstellen oder an anderen Orten eingesetzt wird, wo kein IT-Fachpersonal anwesend ist. Mit wenigen Knopfdrucken kann so auch der Laie die wichtigsten Konfigurationsparameter auslesen und der Support-Hotline mitteilen.

Die Inbetriebnahme unseres Testgeräts verlief eher unspektakulär - allerdings sollte der Benutzer nicht mit der englischen Sprache auf Kriegsfuß stehen. Das beiliegende Handbuch, nur eine PDF-Datei auf CD, ist nämlich nur in Englisch gehalten.Wer bereits öfter mit D-Link-Produkten gearbeitet hat, wird sich auf Anhieb zurechtfinden, während Umsteiger eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigen.

Technische Daten

  • Produkt: D-Link DIR-855, 802.11n Gigabit-Router;

  • Anschlüsse: 1 WAN-Port, 1 USB, 4 x Gigabit Ethernet;

  • WLAN: bis zu 300 Mbit/s;

  • Standards: 802.11n (Draft 2.0), 802.11b/g, 802.11a;

  • Besonderheiten: Parallel-Band-Betrieb, zeitgesteuertes WLAN, Wifi Protect Setup (WPS);

  • WLAN-Sicherheit: WEP, WPA, WPA2, Support für 802.1x-Radius;

  • Quality of Services: StreamEngine und WLAN Intelligent Stream Handling (WISH) als automatische QoS-Technologien, Wireless-Multimedia-(WMM-) Unterstützung;

  • Sicherheit: Stateful Packet Inspection (SPI), NAT-Firewall, MAC/IP/URL-Filter, Domain Blocking, Zugriffssteuerung, Schutz vor DoS-Attacken, IPSec/PPTP/L2TP pass-through;

  • Konfiguration: per Web-Browser;

  • Hersteller: www.dlink.de;

  • Preis: um die 150 Euro (Internet-Händler).

Unter dem Strich hinterlässt die Konfigurationsoberfläche einen zwiespältigen Eindruck. So überrascht sie einerseits mit einer Vielzahl von Parametern zur Feineinstellung, überlässt aber anderseits den Anwender in einigen wichtigen Punkten auf der Suche nach dem passenden Lösungsweg sich selbst. D-Link könnte in etlichen Punkten seine Firmware - unser Gerät verwendete das Release1.12EU -nachbessern. So bietet der DIR-855 zwar die Möglichkeit, am USB-Port einen HSDPA-Stick anzuschließen und das Mobilfunknetz als Backup zu nutzen, die entsprechenden Einstellungen wie APN muss der Anwender aber von Hand vornehmen. In der Firmware sind zwar Einstellungen für Länder wie El Salvador oder Malaysia hinterlegt, aber EU-Staaten wie Deutschland oder Österreich fehlen. In Sachen Wireless LAN gibt es noch einen Punkt zu kritisieren. In der Standardeinstellung nutzt der Access Point nur 20 Megahertz breite Übertragungskanäle. Wer jedoch das volle Potenzial der 802.11n-Technik ausreizen will, muss diesen Wert auf 40 Megahertz einstellen - der entsprechende Hinweis ist leider gut im englischsprachigen Handbuch versteckt.

Nach den Vorarbeiten war es endlich so weit, der DIR-855 konnte seine Leistung zeigen. Dabei musste er sich in durchaus schwierigem Terrain beweisen: in der WLAN-verseuchten Münchner Innenstadt, wo am Teststandort noch 23 andere Access Points im 2,4-Gigahertz-Band durcheinanderfunkten. Und dies, obwohl die Standards nur drei überlappungsfreie Kanäle vorsehen, da es ansonsten zu Interferenzen kommen kann. Eine Herausforderung, die der Access Point mit Bravour meisterte.

iperf

Wer die Übertragungsgeschwindigkeit im eigenen Netz messen will, muss nicht immer gleich zu teurem Mess-Equipment greifen. Gute Erfahrungen haben wir mit dem kostenlosen Tool "iperf" gemacht, mit dem sich der Netzdurchsatz per TCP und UDP messen lässt. Kommandozeilenorientiert wird es auf einem leistungsfähigeren Rechner als Server-Version und auf anderen Rechnern als Client gestartet. Über verschiedene Parameter wie etwa die Paketgröße ist dabei ein Feintuning der Messungen möglich. Zudem können auf dem Server mehrere Instanzen parallel laufen, um etwa Last im Netz zu simulieren. Eine Alternative zu iperf ist das ebenfalls kostenlose NetIO.

rsten Messungen mit einem USB-802.11n-Adapter (D-Link "DWA-160 Wireless N Dualband USB-Stick") an einem Dual-Core-Notebook kamen wir auf eher enttäuschende Werte um die 29 Mbit/s. Allerdings war dies bereits eine deutliche Steigerung im Vergleich zum integrierten 802.11g-WLAN: Dieses lieferte lediglich Transferraten von 11 bis 13 Mbit/s. Deutlich flotter ging es im 5-Gigahertz-Band zur Sache: Aus dem Stand erzielten wir 68 Mbit/s.

Angesichts der Marketing-Aussagen der Hersteller, die Transferraten von bis zu 300 Mbit/s versprechen, waren wir mit den Ergebnissen unzufrieden und bauten einen zweiten Test auf. Diesmal wurde darauf geachtet, dass keine Dect-Basisstation oder ein anderer Access Point in untermittelbarer Nähe des Kandidaten standen. Ebenso wurden die drei Antennen des DIR-588 korrekt ausgerichtet, um die Vorteile der MIMO-Technik zu nutzen. Gleichzeitig erhöhten wir, wie weiter oben angesprochen, die Kanalbandbreite von 20 auf 40 Megahertz. Jetzt konnten wir im 2,4-Gigahertz-Band Geschwindigkeiten von bis zu 75 Mbit/s verbuchen, während im 5-Gigahertz-Bereich um die 80 Mbit/s realisiert wurden.

Positiv fiel bei unserem Test auf, dass die Rückwärtskompatibilität für die 802.11n-Technik kein Thema ist. Selbst ein alter Pocket-PC mit 802.11b-Funktechnik nahm die Verbindung auf, und auch das im Notebook integrierte 802.11g-Modul bereitete keine Schwierigkeiten. Überraschend war, dass ein 802.11n-Adapter von AVM mit Transferraten um die 85 Mbit/s im 2,4-Gigahertz-Band bessere Leistungswerte erzielte als der D-Link-USB-Funkempfänger - und das, obwohl wir von einem Draft-Standard reden, also Interoperabilität keine Selbstverständlichkeit ist. Hier scheint die Industrie, wenn man an die Probleme bei der Einführung von 802.11g denkt, in Sachen Kompatibilität dazugelernt zu haben.

In Sachen Sicherheit ist der DIR-855 auf der Höhe der Zeit. Weder WPA noch WPA2 sind für ihn ein Problem. Ebenso unterstützt er unter dem Begriff "WPA Enterprise" das gerade im professionellen Umfeld mit WLANs gerne verwendete 802.1x-Radius-Verfahren als Schutzmechanismus. Zur einfachen Konfiguration wartet er ferner mit dem Wifi Protected Setup auf. Unterstützt der Client diese Technik ebenfalls, beispielsweise ein Vista-Rechner mit Windows Connect Now 2.0 (WCN 2.0), dann ist ein sicheres WLAN mit wenigen Mausklicks eingerichtet, was dem Administrator sicher die Arbeit erleichtert. Streiten lässt sich dagegen darüber, inwieweit ein anderes WLAN-Feature des DIR-855 sinnvoll ist: die Option der Gastzugänge. Vorsicht Gastzugang Auf den ersten Blick begeisterte uns diese Funktion, konnten wir doch hier einfach sowohl im 2,4- als auch im 5-Gigahertz-Bereich Internet-Zugänge für Gäste einrichten. Zudem verspricht Hersteller D-Link, dass die Gastzugänge logisch vom restlichen Netz getrennt sind, also keinen Zugang zu den internen Netzressourcen haben. Die anfängliche Begeisterung verflog allerdings wieder, als wir uns bewusst machten, dass wir über diese WLAN-Zugänge keine Kontrolle haben, wenn wir sie wirklich ungeschützt für Gäste offen lassen. Angesichts der umstrittenen Störerhaftung für offene WLANs erschien uns dieses Feature doch zu gefährlich, und wir deaktivierten es. OLED-Display

Überzeugt hat uns dagegen das OLED-Display auf der Oberseite des Gerätes als Statusanzeige, zumal dieser Ansatz sicher ausbaufähig ist. Warum zeigt das Modell nur seine Konfigurationsdaten an? Mit einer Änderung in der Firmware müsste es möglich sein, dass bei einer Störung die Servicenummer der IT-Abteilung oder des Systemhauses erscheint. Hier öffnet sich ein Ansatz für neue Services.

Sieht man von den Highlights im WLAN-Bereich ab, offeriert der DIR-855 beim restlichen Netz-Management (Access Control, Content-Filter, NAT etc.) die in dieser Preisklasse übliche Standardkost, die zwar für kleinere Büroumgebungen reicht, aber komplexeren Ansprüchen nicht genügen dürfte.

Fazit

Obwohl noch Draft-Standard, hat die 802.11n-Technik, wie sie im D-Link DIR-855 implementiert ist, ihre Nagelprobe bestanden. Angesichts einer Geschwindigkeitssteigerung um das Sieben- bis Achtfache im Vergleich zu 802.11g und praktischer Vorteile wie Unterstützung des weniger überfüllten 5-Gigahertz-Bandes und der verbesserten Funkausleuchtung dank MIMO sollte bei Neuanschaffungen überlegt werden, ob es sich noch lohnt, Equipment zu kaufen, das nicht den n-Standard beherrscht. Die wenigen Euro, die 802.11n-Geräte mehr kosten, sind die Vorteile wert. o