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24.08.2006

Test: Tablet-PC der reinen Lehre

Mit pfiffigen Details begeistert der "LE1600" von Motion Computing. Allerdings lässt sich der Hersteller seinen Einfallsreichtum teuer bezahlen.

Von CW-Redakteur Jürgen Hill

Hier lesen Sie …

Fazit

Features wie Tastatur, die als Display-Schutz dient, oder der superflache Akku sowie der Anyview-Bildschirm begeisterten die Redaktionskollegen sofort. Sind das doch pfiffige Detaillösungen, wie sie klassische Notebooks oft vermissen lassen. Die Begeisterung legte sich jedoch meist schnell, wenn der Systempreis von rund 3000 Euro für unsere Testkonfiguration genannt wurde. Ein Betrag, den mancher IT-Entscheider nur dann ausgeben dürfte, wenn seine Mitarbeiter im Außendienst wirklich auf die Stifteingabe angewiesen sind.

Für Freiberufler relativiert sich dagegen der hohe Anschaffungspreis, wenn man eine zweite Nutzung in die Kaufentscheidung einbezieht: Mit einem DVB-T-Adapter für 60 Euro wird der LE 1600 zum kompakten Zweitfernseher für unterwegs. Oder er dient im Auto oder bei sonstigen Freizeitaktivitäten mit einem der optional erhältlichen Befestigungskits als GPS-Navigationssystem, das mit einem relativ großen Bildschirm aufwartet.

Stärken und Schwächen

-- Pfiffige Detaillösungen;

- lange Akkulaufzeit;

- robuste Display-Oberfläche;

- leistungsfähige Handschriftenerkennung.

- Für die Größe relativ hohes Gewicht;

- nicht mehr zeitgemäßer Prozessor;

- hoher Systempreis.

Steckbrief

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

575413: Subnotebook P1510 im Test;

576225: Was ein Business-Notebook ausmacht;

574926: Kliniken digitalisieren ihre Patienten;

568317: Kostenlose Goodies für den Tablet-PC.

CW-TV

Zwei Filmbeiträge zum getesteten LE 1600 sowie dem erwähnten Lifebook P1510 von Fujitsu-Siemens finden Sie auf COMPUTERWOCHE-TV unter

http://www.computer woche.de/tv/:

"LE 1600 - Tablet-PC reinsten Wassers" und "Mischung aus Laptop und Tablet-PC".

Alles, was gut und teuer ist, hat Hersteller Motion Computing in seinem LE 1600 verbaut. Damit ist das Modell nicht nur für Außendienstler, Sachverständige oder Ärzte auf Visite interessant, die auf eine Bedienung per Stift angewiesen sind, sondern auch für Geschäftsleute, die eine Alternative zum heutigen Notebook-Einerlei suchen. Im Gegensatz zu dem früher von der computerwoche getesteten Lifebook "P1510" von Fujitsu-Siemens handelt es sich beim LE 1600 um ein reines Tablet-PC-Modell - neudeutsch auch als Slate bezeichnet.

Wer nun mit Schrecken daran denkt, sich über eine winzige Bildschirmtastatur bei Windows XP anmelden zu müssen, der kann sich entspannen. Der Zugang ist problemlos über einen integrierten Fingerabdrucksensor möglich. Der gleiche Sensor kann danach auch zum Scrollen in Texten oder Internet-Seiten verwendet werden. Damit später die Anmeldung per Fingerabdruck nicht zum Geduldsspiel wird, sollte der Anwender beim Erfassen seiner Fingerabdrücke mit der beiliegenden Software "Omnipass" eine gewisse Sorgfalt walten lassen. Zwar kann er jeden Finger verwenden, wichtig ist aber, beim Erfassen der Abdrücke den jeweiligen Finger in einer möglichst natürlichen Haltung über den Sensor zu ziehen.

Technische Ausstattung

Doch der Reihe nach. Herzstück unseres Testmodells ist ein 1,5 Gigahertz schneller Centrino-Chip von Intel, dem 512 MB RAM zur Seite stehen. Als Massenspeicher verbaute Motion eine 30-GB-Festplatte. Wem dies nicht genügt, der kann das Modell auch mit größeren Harddisks ordern. Nach außen zeigt sich der Tablet-PC mit integriertem WLAN, Bluetooth, Infrarotschnittstelle und LAN-Anschluss mit Gigabit Ethernet kommunikativ. Ferner gibt es einen Slot für SD-Speicherkarten sowie einen PC-Card-Bus. Auffallend sind ferner noch die drei in der Gehäuseoberseite eingelassenen Mikrofone. Damit eignet sich der LE 1600 nicht nur zum Aufzeichnen von Besprechungen, sondern angesichts seiner Kommunikationsschnittstellen auch als Collaboration-Plattform zum standortübergreifenden Arbeiten. Verpackt hat Motion diese Hightech-Sammlung in einem Gehäuse, dessen Oberschale aus einer Kohlefasermischung besteht, während für die untere Hälfte eine Magnesiumlegierung verwendet wird. Das Modell liegt angenehm in der Hand.

Gemessen an der überschaubaren Größe von rund 30 mal 24 Zentimetern wirkt das Gerät relativ schwer. Motion gibt ein Gewicht von rund 1,4 Kilogramm an. Dazu trägt die massive Glasscheibe bei, mit der Motion das Display seines Tablet-PC statt mit den sonst üblichen kratzempfindlichen Kunstofffolien schützt. Diese Oberfläche vermittelt zudem den Eindruck, als würde der LE 1600 unterwegs auch einmal einen Missbrauch als Vesperbrett verkraften (Etwaige Versuche geschehen auf eigene Verantwortung, Anmerkung der Redaktion).

Die Glasscheibe hat noch einen anderen Grund: Im Gegensatz zum Fujitsu-Lifebook verwendet Motion beim LE 1600 keinen einfachen Touchscreen, sondern einen aktiven Digitizer. Dieser arbeitet anders als klassische Touchscreens berührungsunabhängig mit einem elektromagnetischen Feld. Auf diese Weise können härtere Display-Oberflächen eingesetzt werden, die Stöße besser verkraften.

Allerdings ist es anfangs gewöhnungsbedürftig, dass der Digitizer bereits reagiert, wenn sich der Stift noch zwei bis drei Zentimeter über der Benutzeroberfläche befindet. Zudem sollten vergessliche Zeitgenossen den Digitizer-Stift unbedingt mit der beiliegenden "Hundeleine" - einer dünnen Schnur - am Tablet-PC befestigen. Im Unterschied zu Touchscreens funktioniert die Digitizer-Technik nur mit dem Spezialstift - und Ersatz kommt teuer, denn in ihm ist Elektronik verbaut. Sollte der Stift einmal nicht funktionieren, so muss der Anwender nicht gleich mit einem Defekt rechnen: Häufig ist nur die Knopfbatterie leer.

Digitizer versus Touchscreen

Abschließend fällt es schwer, die verwendete Digitizer-Technik zu bewerten: Für sie spricht die größere Robustheit, gegen sie der im Vergleich zum klassischen Touchscreen höhere Preis und die komplexere Technik. IT-Entscheider sollten ihre Kaufentscheidung davon abhängig machen, unter welchen Umständen das Gerät eingesetzt werden soll. Motion offeriert den LE 1600 mittlerweile auch als "LE 1600 TS" mit Touchscreen.

Brilliantes Display

Auf eine andere Zusatzoption sollte der Benutzer keinesfalls verzichten: das "View Anywhere Display". Der LCD-Bildschirm, der sich hinter diesem Namen verbirgt, ist ein echtes Highlight, lässt er sich doch noch aus Blickwinkeln von über 160 Grad ab- lesen. Ferner kann das Display in hellen Umgebungen deutlich besser abgelesen werden als herkömmliche Flachbildschirme. Glaubt man dem Hersteller, so wartet die View-Anywhere-Technik im Sonnenlicht mit einem um 225 Prozent höheren Kontrastverhältnis auf. Mehr als an diesen theoretischen Zahlen zeigten sich die Vorteile im vierwöchigen Praxistest. In kleineren Besprechungen konnten alle Teilnehmer das Display des in der Mitte liegenden Tablet-PC gut ablesen, ohne dass etwa der Raum verdunkelt werden musste.

Nachdem der Tester seine anfängliche Skepsis gegenüber dem Tablet-PC überwunden hatte, eroberte sich der LE 1600 schnell den Status eines täglichen Begleiters im Redaktionsalltag, der klassische journalistische Arbeitsmittel wie Notizblock und Diktiergerät verdrängte. Zumal sich die Bedenken des Autors, dass das Gerät mit der verbauten 1,5-Gigahertz-CPU etwas schwach auf der Brust sein könnte, nicht bewahrheiteten. So ließen sich typische Office-Applikationen wie Word, Excel oder Powerpoint jederzeit flüssig und ohne lange Wartezeiten verwenden. Selbst die Handschrifterkennung, bei manchen Modellen der ersten Tablet-PC-Generation ein Problem, funktionierte, ohne dass der Benutzer das Gerät langwierig trainieren musste. Interessanterweise kam Windows XP Tablet-PC Edition mit einer individuell ausgeprägten Sauklaue besser zurecht als mit einer Schönschrift.

Pfiffige Akkulösung

Das Gerät hielt mit einer Akkuladung problemlos einen Arbeitstag durch, ohne dass eine Steckdose aufgesucht werden musste. Der Fairness halber muss jedoch erwähnt werden, dass diese Laufzeit nur mit dem optional erhältlichen Zusatzakku erreicht wurde. In Kombination aus Standard- (38,5 Wattstunden) und Zusatzakku (40 Wattstunden) ergibt sich so eine Kapazität von 78,5 Wattstunden. Allerdings ist der Begriff Zusatzakku bei Motion im Vergleich zu anderen Herstellern etwas irreführend:

Der nur 4,5 Millimeter dicke Akku wird auf der Unterseite des Gerätes angeclipst. Dank der flachen Bauweise steht an dem Gerät nichts über, und der optionale Energiespender integriert sich nahtlos in das Gehäuse. Eine pfiffige Lösung, an der sich andere Hersteller, deren optionale Kraftpakete teilweise zwei bis drei Zentimeter über das Gehäuse hinausragen, ein Beispiel nehmen könnten.

Ausgeklügelte Zusatztastatur

Ein weiteres Meisterstück in Sachen Usability, das vor allem den Journalisten als Vielschreiber begeisterte, liefert Motion mit der "konvertierbaren Tastatur". Unterwegs wird die etwa fünf Millimeter dicke Tastatur umgedreht auf die Oberseite des Tablet-PC gesteckt und dient als Display-Schutz. Soll das Gerät als normaler Tablet-PC verwendet werden, lässt sich die Snap-in-Tastatur auf der Unterseite des Gerätes verstauen. Will der Anwender mit der Tastatur arbeiten, so ist sie mit wenigen Handgriffen einsatzbereit. Hierzu muss der Benutzer lediglich die Tastatur auf die Arbeitsfläche legen und eine Metallhalterung ausklappen, in die der Tablet-PC eingerastet wird. Danach steht dem User die typische Notebook-Tastatur mit kleiner eingebauter Maus zur Verfügung. Positiv fällt beim Arbeiten mit der Tastatur auf, dass alle Anschlüsse wie etwa USB und SD-Slot sich an der Seite befinden, gut zu erreichen sind und nicht wie bei den Docking-Stationen anderer Hersteller teilweise verdeckt werden. Überarbeiten sollte Motion allerdings die Befestigungsmechanismen für das Einrasten des Tablet-PC zum Schreiben und das Abnehmen der Tastatur, wenn sie als Display-Schutz verwendet wird. Allerdings dürfte es für den Hersteller hier schwer sein, einen Kompromiss aus Leichtgängigkeit und sicherer Befestigung zu finden.

Eine Kleinigkeit, die der Begeisterung jedoch keinen Abbruch tat. Dazu ist schon eher der Systempreis von über 3000 Euro geeignet.