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22.07.1977

Testdaten für die Fachabteilung?

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die man in der heutigen Zeit wohl nicht mehr diskutieren sollte: Beim Test von neuentwickelten Anwendungsprogrammen ist die Mitwirkung der Fachabteilung von großer Bedeutung. Da das "Know-how" in den Fachabteilungen steckt, können die Benutzer geeignete Testdaten zusammenstellen und - basierend auf ihren fachlichen Erfahrungen - möglicherweise auftretende Sonderfälle, Extremwerte und Fehler erkennen und gleich bereinigen. Erst nach sorgfältiger Überprüfung der Testergebnisse wird das Programm freigegeben. Oder etwa nicht? Gibt es doch noch Unternehmen, für die diese Selbstverständlichkeit nicht selbstverständlich ist, weil Datenverarbeiter und "Datenverbraucher" sich nicht an einen Tisch setzen wollen? CW befragte vier DV-Spezialisten. hö.

Siegfried Stemper, Leiter der administrativen EDV Uhde GmbH, Dortmund

Die Frage, ob vor Programmfreigabe eine Überprüfung der Testergebnisse durch die Fachabteilung erfolgt ist nicht generell und nicht mit ja oder nein zu beantworten. Die Überprüfung neuer Programmsysteme erfolgt unserer Meinung nach am besten dadurch daß echt damit gearbeitet wird. Aus diesem Grund realisieren wir die neuen Verfahren - soweit es irgendwie möglich ist - in Stufen, das heißt, als Vorstufe der vollen Realisierung des neuen Systems halten wir zunächst das vorige Verfahren zumindest in Teilbereichen als Alternative offen. Natürlich müssen dann spezielle Programme zur Vereinigung von Daten aus altem und neuem System zur Verfügung stehen.

In einigen Fällen, und zwar dann, wenn ein Mitarbeiter der Fachabteilung voll in das Projektteam integriert ist, hat dieser Mitarbeiter auch die Aufgabe bereits in der Entwicklungsphase die Zwischenergebnisse zu prüfen. Aber auch dann verfolgen wir zusätzlich das Prinzip der vorgenannten stufenweisen Implementierung.

Ergänzend sei noch gesagt, daß das Format von Eingabe-Masken, Ausgabe-Masken und Listbildern immer in Zusammenarbeit festgelegt wird.

Winfried Bersin, Abteilungsdirektor EDV, Karstadt AG, Essen

Wir unterscheiden zwischen einer Programm(modul)freigabe und einer Lauffreigabe.

Zunächst zur Programmfreigabe:

Jedes Programm erfüllt als Modul - in der Regel als Bestandteil einer komplexen Ablaufstruktur - eine klar definierte Funktion. Die Funktion eines Moduls wird für sich allein getestet. Die für den Modultest erforderlichen Testdaten werden in Zusammenarbeit mit der Fachabteilung erstellt. Hierbei kann es sich um eine gezielte Auswahl vorhandener Praxisfälle oder um eine gezielte Auswahl vorhandener Praxisfälle oder um eine Konstruktion problemabdeckender Testfälle handeln. Die physische Erstellung dieser Testfälle erfolgt mit Testdatengeneratoren oder Hilfsprogrammen, die vorhandene Daten gezielt absammeln und/oder modifizieren. Falls möglich, werden die Testergebnisse (möglichst) benutzerfreundlich in Form von Berichten aufbereitet.

Nun zur Lauffreigabe:

Nach erfolgreichem Funktionstest der einzelnen Programm-Module wird ein Ablauftest zur Kontrolle aller systeminternen Schnittstellen durchgeführt Hierzu wird in Zusammenarbeit mit der Fachabteilung eine Testbetriebsstelle aufgebaut, die die wesentlichen Vorfallarten repräsentiert. Nach einem Zufallsalgorithmus werden Regelfälle selektiert, die gezielt um Sonderfälle erweitert werden. Die Ergebnisse der Testbetriebsstelle werden von der Fachabteilung überprüft. Falls der vom System erzeugte Output für eine Überprüfung nicht ausreicht, werden zusätzliche Kontrollberichte generiert.

Bei Parallelläufen erfolgt die Überprüfung der Ergebnisse weitgehend maschinell. Nach dem "Placet" der Fachabteilung wird der Ablauf in die Praxis übernommen. Dies gilt für die Ersteinführung eines Ablaufes und in noch stärkerem Maße für nachträgliche Änderungen/Erweiterungen.

Nach der Systemeinführung ist die Fachabteilung für Wartung und sachliche Vollständigkeit der Testbetriebsstelle verantwortlich. Bei Anwendungssystemen mit weitreichenden Auswirkungen erfolgt vor dem Praxislauf ein Kontrollauf mit den Daten der Testbetriebsstelle. Nach Überprüfung dieser Ergebnisse wird der Startschuß für die Praxisverarbeitung gegeben.

Lorenz Schadhauser, Oberverwaltungsdirektor und Leiter der DV, Landeshauptstadt München

Die wichtigste Voraussetzung zur Beantwortung einer solchen Frage ist ohne Zweifel der gute Kontakt mit den Fachabteilungen. Dies gilt für alle Unternehmen, die Datenverarbeitung einsetzen, und war auch bei uns der Grundstein für eine reibungslose Zusammenarbeit. Das erkannte sogar unser Oberbürgermeister bei seiner Rede anläßlich der Einweihung unseres neuen Rechenzentrums: "Die Datenverarbeitung der Stadt München hat Amtsstufen und öffentliche Einrichtungen nicht erobert, sondern überzeugt." Ein Zusammentreffen mit den jeweiligen Fachabteilungen sollte also nicht erst in der letzten Stufe, unmittelbar vor Programmfreigabe stattfinden, sondern bereits in den Anfängen einer Projektrealisierung.

Bei uns wird die Überprüfung der Testergebnisse vor Programmfreigabe seit dem 3. 12. 1976 durch ein Gesetz geregelt, das alle Kommunen in Bayern befolgen müssen. Die Paragraphen 41 und 62 der "Kommunalen Haushaltsverordnung" betreffen alle Verfahren zur Ermittlung von Ansprüchen oder Zahlungsverpflichtungen oder zur Speicherführung im Haushaltswesen. Nach Bekanntgabe dieses Gesetzes habe ich an alle Projektteams die Weisung erteilt, daß eine Nichtbeachtung aus irgendwelchen Gründen wie zum Beispiel Arbeitsüberlastung als Gesetzesverstoß zu werten ist.

Neue Arbeiten - auch innerhalb bereits begonnener - dürfen erst in Angriff genommen werden, wenn die gesetzlichen Auflagen bestimmt sind. Zu diesem Zweck gibt es spezielle Freigabe-Erklärungen, die von der entsprechenden Fachdienststelle bestätigt werden müssen. Für Programme, die von diesem Gesetz nicht betroffen sind, wird ein ähnliches Verfahren derzeit entwickelt.

Manfred Vaupel, Leiter des Bereiches Informationssysteme, SKF Kugellagerfabriken GmbH, Schweinfurt

Die Arbeiten kurz vor Einführung eines Projektes haben vielfältige Formen und reichen - je nach Schwierigkeitsgrad des Projektes - von einfachen Debugging-Tests bis zu umfangreichen Parallelläufen. Besonders in den letzten Fällen sitzen Datenverarbeiter und Fachabteilung auf Vorschlag der Datenverarbeitung zusammen und beurteilen die Richtigkeit der Ergebnisse. Nach Korrektur von eventuellen Fehlern wird eingeführt. Die Richtlinie unseres Hauses zur Planung, Durchführung und Kontrolle der Datenverarbeitung enthält allerdings keinen besonders herausgehobenen Projektabschnitt "Überprüfen der Testergebnisse durch die Fachabteilung". Wir gehen davon aus, daß sich die Datenverarbeiter und die Fachabteilung während der Systemanalyse genau absprechen und vereinbaren, wie die Leistung eines Projektes aussehen muß. Diese Zusammenarbeit ist gut eingespielt, jeder kennt seinen Part. Damit wird auch die Voraussetzung geschaffen, die notwendige Leistung in der Programmierung zu treffen. Wir halten es nicht für richtig und nicht für logisch, in die Projektdurchführung einen Höhepunkt "Fachabteilungstest" einzubauen, bei dem die Fachabteilung etwa das Recht hat, ein Projekt zurückzuweisen. Ein solcher Höhepunkt und ein solches Recht hat im Hintergrund sonst die Denkweise >Konfrontation zwischen Fachabteilung und Datenverarbeitung<: "Mal sehen, ob die Datenverarbeiter tatsächlich genau gearbeitet haben. " Wir meinen daß der bessere Hintergrund ist, eine zweckmäßige und gute Zusammenarbeit über alle Projektphasen zu organisieren. Dann werden auch die letzten Tests vor Einführung eine normale Arbeit, die, wo notwendig, zwischen Datenverarbeitung und Fachabteilung gemeinsam geleistet wird.