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10.12.1976 - 

Ballast oder lebensnotwendig?

Testdokumentation darf nicht verstauben

"Die Dokumentation von Programm- und Systemeinführungstests wird oft als unnötiger Ballast und typischer Auswuchs übertriebener Bürokratie empfunden" hat Manfred Bochum (Vockenhausen) beobachtet. Als hauptberuflicher EDV-Revisor glaubt er: "Die Testunterlagen gehören nicht in die hinterste Ecke des Archivs, sondern können - sofern sie richtig erstellt wurden - für die Produktivität des Systems lebensnotwendig sein."

Die Testunterlagen sind System- und Programmdokumentationen und tragen dazu bei, den Nachweis für die Beachtung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung im Sinne der Gesetze zu bringen. Außerdem dienen sie dem Prüfer als Grundlage und Hilfsmittel, im Rahmen von Systemprüfungen Arbeitsabläufe sachgerecht zu rekonstruieren.

Sie erleichtern das Auffinden von Mängeln und die Analyse ihrer Ursachen während der späteren Produktion. Eingehende Prüfungen und Untersuchungen können sich dann weitgehend auf die nicht getesteten oder nicht nachgewiesenermaßen getesteten Situationen beschränken.

Der Nachweis dokumentiert grundsätzlich die - Durchführung des Tests und die erzielten Ergebnisse. Der Test sollte von neutraler Stelle, auf keinen Fall vom Programmierer durchgeführt werden. Dabei sind nicht mehr verwendete aber duplizierte Originaldaten als plausible Daten anzusehen und eignen sich somit nicht zum erfolgreichen Test.

Anforderungen an Testunterlagen und Testdaten

Die Gesamtheit der Testunterlagen sollte folgende Eigenschaften haben:

- Sie sollten vollständig sein. Die Testqualität hängt entscheidend von oder Vollständigkeit der Testdaten ab.

- Sie sollten aussagekräftig sein. Die Wirkung muß eindeutig erkennbar sein.

- Schwachstellen sollten genannt sein. Auf Fehlermöglichkeiten sollte

hingewiesen werden.

- Situationen, die zwar erkannt, jedoch nicht ausgetestet wurden, sollten beschrieben sein.

Die Testdaten sollten folgende Eigenschaften haben:

- So wenig wie möglich. Qualität geht vor Quantität.

- Repräsentativ und so verschieden wie möglich - ein überschaubares Testvolumen steigert den Kontrollwert.

- Das logische Verhalten in der Normalsituation und Extremsituation muß erkannt sein.

- Im übrigen können Testprotokollprogramme feststellen, ob und wie alle Programmroutinen im Testlauf angesprochen wurden.

Dokumentation in 6 Teilen

Die Testdokumentation sollte aus folgenden Unterlagen bestehen:

- Quellprogrammliste der jeweiligen Version

- Testdaten, die alle Varianten abdecken - es genügt ihre Auflistung oder ein evtl. Dateidump.

- Auswertung der Testergebnisse (mit dem Input abgestimmt)

- Protokoll der Durchführung des Endtests

- Protokoll der Programmfreigabe

- Speicherauszug (wenn erforderlich)

Dasselbe trifft für Programmänderungen zu, soweit sie den Datenfluß und Systemablauf beeinflussen. Andere Änderungen sollten mindestens in einem Protokoll als Anlage zur Quellprogrammliste detailliert dokumentiert sein.

Nachweis der Systemeigenschaften

Aus den Testunterlagen sollten vor allem folgende Eigenschaften des gesamten Systems (Software und Hardware) erkennbar sein:

- Tatsächlicher Leistungsumfang (Ist-Leistung laut Testergebnis)

- Zielerreichung (Gegenüberstellung Soll-Ist)

- Ablaufsicherheit (Wirkung der automatischen Kontrollen bei Input, Output, Steuerung und Datenveränderung, korrekter Datenfluß)

- Zugriffsicherheit (Identitätskontrollen)

- Gewährleistung einer gesicherten Folgeverarbeitung

- Belastbarkeit (Standhaftigkeit in Extremsituationen und die erforderlichen Reaktionen des Systems)

- Einsatzbereitschaft und Anwendungsfreundlichkeit

- Schwächen, die zwar erkannt, aber nicht behoben wurden

- Änderungen bzw. Modifizierungen gemäß Aufgabenstellung

- Zufriedenstellende Gesamtproblemlösung

- Optimales Zusammenspiel der Komponenten Software und Hardware

Check von der Freigabe

Die Testunterlagen dienen der Entscheidungsfindung des Projektleiters. Die Entscheidung über die Freigabe des Systems zum Produktionseinsatz kann niemals dem Programmierer oder gar dem Anwender überlassen werden. Der verantwortliche Projektleiter muß folgende Fragen beantworten:

- Sind Ergänzungen oder Berichtigungen notwendig? Sind sie entscheidend für den Einsatz bzw. die Freigabe?

- Ist der Einsatz wirtschaftlich vertretbar?

- Wurden die entsprechenden Vorschriften und Gesetze beachtet?

- Sind alle erkannten Unsicherheitsfaktoren beseitigt? Oder ist ihre Beseitigung geplant?

Zum Schluß eine Beurteilung

Allein die sinnvoll gestalteten Testunterlagen müssen ausreichen, um diese Fragen beantworten zu können. Sie können außerdem Aufschluß über Zeitvergleiche, Datendurchsatz oder das Gesamtverhalten des Systems geben und bilden eine Basis für den Soll-Ist-Vergleich und die Gegenüberstellung der verursachten Kosten mit dem erwarteten Ertrag bzw. Nutzen.

Projektleiter, Auftraggeber, Anwender und Revision sollten das Testprotokoll (Freigabeprotokoll) durch Beurteilungen aus ihrer Sicht ergänzen.