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17.10.1980 - 

Informationsmangel des Mittelstandes nicht zu entschuldigen:

Teure EDV vorzeitig in Pension geschickt

Obwohl negative Beispiele überwiegen, kauft der Mittelstand Anlagen zur Datenverarbeitung. Immer geht es nach dem Motto: Die EDV wird unsere Probleme schon lösen - der Verkäufer kann doch so unrecht nicht haben.

Wenn man davon ausgeht, daß die Anschaffung einer EDV-Anlage im Grunde genommen nur eine Zielvorstellung verfolgt - nämlich schneller, besser und billiger zu arbeiten - ist die Leichtfertigkeit und das blinde Vertrauen der Unternehmer in den Vertriebsbeauftragten nicht zu verstehen. Wo bleibt zum Beispiel das gesunde Mißtrauen, das Abwägen der Vor- und Nachteile von EDV-Einsatz überhaupt und den unterschiedlichen Möglichkeiten. Wo bleibt das Befragen von benachbarten Firmen nach ihren Erfahrungen, das sonst den Unternehmer der Klein- und Mittelbetriebe nachgesagt wird, wenn auf einer Reise eine zufällige Bekanntschaft zwischen Unternehmer und Computerverkäufer bereits zu einem Abschluß führt. Führt ein solches Verhalten nicht genau zu dem unglücklichen Ende, wo viele andere derartiger Vorhaben auch endeten, wie der Fall Blickle in Albstadt zeigt.

Faszination aus dem Drucker

Der Hersteller von Sportbekleidung, ein typischer Vertreter des Mittelstandes wurde durch Verkaufsgespräche und Vorführungen von der sogenannten Leistungsfähigkeit der Computer überzeugt. Er sagte selbst: "Wenn man das so sieht, wie die Rechnungen so aus dem Drucker sausen, sieht man erst mal, was wir so alles falsch machen." Anlage (Hardware) und Standardprogramme (Software) wurden gekauft. Nach kurzer Einarbeitung sollte alles laufen.

Es kam alles ganz anders. Alleingelassen mit den Problemen der Gerätetechnik, den Programmen und der nicht erfolgten organisatorischen Anpassung, wurde ersteinmal personell aufgestockt. Als das Durcheinander seinen Höhepunkt erreicht hatte und nichts mehr lief, entschied der Unternehmer richtig, um zu retten, was noch zu retten war. Die EDV wurde vorzeitig pensioniert, die Arbeit wieder manuell durchgeführt. Alle konnten wieder ruhig schlafen.

Wissen schützt vor Ärger

Nach einem längeren klärenden Gespräch meinte Blickle wörtlich, "hätte ich das nur vorher gewußt, wäre mir dieser Ärger erspart geblieben".

Taucht die Frage auf: Hätte sich dieser Unternehmer den Traum von der EDV-Lösung durch ein klärendes Fachgespräch mit einem erfahrenen Organisationsfachmann zerstören lassen? Sicherlich nicht. Wie sonst erleiden nach Aussage von Blickle viele seiner Kollegen das gleiche Schicksal.

Dazu folgender Fall aus Dillenburg, einem bekannten Unternehmen der Automobilzulieferindustrie, ebenfalls nach der Größe des Betriebes typisch für den Mittelstand. Es wäre richtig, zum besseren Verständnis den Teilnehmerkreis kurz zu schildern. Neu in der Konstellation der Gesprächspartner war die Zusammenarbeit zwischen EDV-Verkäufer und Organisations-fachmann. Erstaunen darüber auf der Seite des Teams, das sich aus Unternehmer und zwei Topmanagern zusammensetzt.

Das Gespräch bewegte sich, wie zu erwarten, am Anfang nur über den Einsatz der EDV. Lange Zeit kein Wort über Organisation.

EDV nur noch nachrangig

Großes Erstaunen, als nach geraumer Zeit die EDV im Gespräch nur noch nachrangig erwähnt wurde. Es wurde akzeptiert, daß das organisatorische Umfeld zunächst bereinigt werden muß und daß die Verarbeitung von Daten für den Computer konsequente Vorbereitungen erfordert. Nicht nur das, auch nach Einführung der EDV sind strenge Maßstäbe an Unterweisungen und Einschulungen zu richten. Das alles kann ein Computerverkäufer nicht. Davon ist auch innerhalb von Verkaufsgesprächen herkömmlicher Art nicht die Rede.

Was dieser Fall aussagen sollte zeigte sich abschließend deutlich mit dem Schlußsatz des Unternehmers. Er sagte: "Da viele Computerverkäufer wissen, daß wir noch keine EDV haben, sind oft solche Leute hier. Bisher haben die noch nie über das organisatorische Umfeld gesprochen."Besteht nicht auch seitens der Unternehmer die heimliche Neigung, den Computerverkäufern eher zu glauben, weil sich das, was sie reden, leichter anhört und (zumindest am Anfang) weniger kostet.

Misere des Mittelstandes

Aus den wenigen Fällen, die sich beliebig erweitern ließen, geht stellvertretend für die Misere des Mittelstandes hervor, daß hier eindeutig ein Informationsmangel herrscht, der sich durch nichts entschuldigen läßt. Es ist an der Zeit, daß verantwortliche Institutionen durch Lehrgänge oder Informationsschriften permanente Aufklärungsarbeit leisten.

*Karl Heinz Schubäus ist Unternehmensberater in Petersberg bei Fulda.