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01.04.1994

Teure Tarifstrukturen in den D-Netzen schrecken Kunden ab Mobilfunk: Preiskrieg ruiniert Service-Providern das Geschaeft

HANNOVER (pg) - Im Mobilfunk funkt's gewaltig. Der Boom des letzten Jahres, der Preiskampf unter den Service-Providern, erste Akquisitionen und mit "e plus" ein neuer Netzbetreiber haben das Mobilfunk-Karussell in Gang gebracht. Die Prognose fuer 1994: Die Reihen der Diensteanbieter werden sich lichten, die Services zunehmen und die Tarife vermutlich fallen.

Zum Kopf-an-Kopf-Rennen ist es zwischen den beiden Netzbetreibern von D1 und D2 gekommen. Sowohl die Telekom-Tochter Detemobil (D1) als auch die Mannesmann Mobilfunk GmbH (D2) melden derzeit je 570000 Teilnehmer fuer ihr Netz. Ende 1993 hatten die Bonner mit 480000 Kunden in ihrem D1-Netz noch einen Rueckstand gegenueber der Konkurrenz aus Duesseldorf.

Identisch ist in etwa auch das Forecast der beiden Carrier fuer 1994. Der designierte Geschaeftsfuehrer der Detemobil, Lothar Hunsel, rechnet bis Ende 1994 insgesamt mit rund 900000 Teilnehmern in D1 - eine Groessenordnung, die auch Vertriebschef Juergen von Kuczkowski fuer D2 nannte. Hunsel, der sein Amt am 1. April antritt, will mit der Telekom-Tochter ab 1995 Gewinn erzielen. Allerdings ist in diese Kalkulation auch das analoge C- Netz mit derzeit 780000 Nutzer einbezogen. Mit dem D1-Netz setzte die Detemobil vergangenes Jahr rund 700 Millionen Mark um und blieb damit 200 Millionen Mark hinter den Einnahmen der Mannesmann Mobilfunk GmbH zurueck.

Mit dem neuen Netzbetreiber e plus wirft jedoch ein Konkurrent seinen Schatten voraus, der in Kuerze in den Ring des digitalen Mobilfunks steigen wird. Herbert Brenke, Vorsitzender der Geschaeftsfuehrung, kuendigte in Hannover den Start des E-Netzes fuer Ende Mai 1994 in Berlin an. Brenke machte anlaesslich der Praesentation von e plus auf der CeBIT auch die ehrgeizigen Ziele des Unternehmens klar. E plus, so der Manager, wolle von den acht bis zehn Millionen Teilnehmern in zellularen Mobilfunknetzen, die bis zum Jahr 2000 prognostiziert werden, mindestens ein Drittel fuer sein Netz verbuchen.

Das Konsortium, bestehend aus den Hauptgesellschaftern Thyssen, Veba, Bell South und Vodafone, hatte im Fruehjahr 1993 die dritte Lizenz fuer den Betrieb eines digitalen Mobilfunknetzes in Deutschland erhalten. Es sendet auf der Frequenz von 1800 MHz mit dem Standard DCS. Brenke betonte in diesem Zusammenhang, dass der Uebergang von e plus in alle Telefonnetze gewaehrleistet sei.

Nach der Hauptstadt Berlin soll im Osten Dresden und dann bis zum Herbst die wichtigsten Staedte im Westen Deutschlands erschlossen werden. Bis Ende 1994 strebt e plus bereits 30 Prozent Flaechendeckung an. 1997 sollen 98 Prozent der Deutschen das Netz nutzen koennen, das in der Endausbaustufe 5000 bis 6000 Basissatationen umfassen wird. Zur Zeit sind rund 700 dieser Stationen in Bau.

Insgesamt betraegt das Investi- tionsvolumen der Duesseldorfer rund vier Milliarden Mark. Noch in diesem Jahr visiert e plus laut Brenke knapp 35000 Kunden an, die einen Umsatz von 30 bis 40 Millionen Mark in die Kassen bringen sollen. Ausserdem wurden mit Service-Providern schon Vor- oder Endvertraege in Hoehe von 1,7 Milliarden Mark abgeschlossen.

Stichwort Provider: e plus wird im Gegensatz zu den D- Netzbetreibern keinen Direktvertrieb aufbauen, mit der e plus Service GmbH aber ein eigenes Unternehmen zur Vermarktung von Dienstleistungen ins Rennen schicken. In diesem Bereich tobt seit Mitte letzten Jahres ein Preiskampf, der unterdessen die ersten Opfer gefordert und zu neuen Konstellationen gefuehrt hat.

Vorausgesetzt, das Kartellamt gibt seinen Segen, entsteht mit der Uebernahme von Bosch Telecom durch die Daimler-Tochter Debitel ein Anbieter, der 230000 Kunden betreut. Damit wuerde Debitel den bislang groessten Service-Provider D2 ueberfluegeln.

Fuer Schlagzeilen sorgte ferner die Fusion zwischen den Mobilfunk- Dienstleistern Martin Dawes und Proficom, die einen Bestand von jeweils rund 45000 Verbrauchern in die Ehe einbringen. An der neuen Gesellschaft, die voraussichtlich "Cellway" heissen wird, haelt die Martin Dawes Telecommunications Europe mit dem Hauptgesellschafter France Telecom, 75 Prozent der Anteile, die Proficom-Mutter MAN Hoesch Teleservice GmbH 25 Prozent.

In Sachen Akquisition duerfte damit aber noch laengst nicht das letzte Wort gesprochen sein. Brancheninsider glauben, dass in Kuerze die BMW-Company Axicon sowie Unicom, TGM und Mobilcom den Besitzer wechseln werden. Insbesondere dem Service-Provider Dekratel wird ein grosses Interesse an Axicon oder Unicom nachgesagt.

Der Grund: 60 Prozent des Koelner Dienstleisters hat Cofira inne, eine Tochter des franzoesischen Mobilfunk-Netzbetreibers SFR. Nachdem France Telecom mit Martin Dawes und dem Proficom-Deal im deutschen Markt staerker Fuss gefasst hat, duerfte sich auch das Interesse von SFR am Geschaeft hierzulande erhoehen. Ausserdem wuerde Unicom wegen seiner Kunden- und Vertriebsstruktur gut ins Dekratel-Konzept passen.

Mit Axicon soll darueber hinaus auch Service-Provider Martin Dawes liebaeugeln. Die BMW-Truppe wuerde sich zwar in puncto Vertriebsorganisation nicht optimal mit der Martin-Dawes- Philosophie ergaenzen, aber durch den Standort Muenchen die benoetigte Manpower liefern. Axicon-Chef Friedrich Bruckmeyer dementierte in Hannover allerdings Verhandlungen dieser Art, sagte aber: "Die Konzentrationswelle wird weitergehen."

Bruckmeyer uebte ferner deutliche Kritik an der Branche. Die Service-Provider haetten sich, so der Manager, auf einen Preiskampf eingelassen und ueberboeten sich gegenseitig beim Haendlerbonus. Tatsaechlich hat der Mobilfunk-Boom 1993 einen Kostenverfall bei Endgeraeten ausgeloest, fuer den vor allem grosse Vertriebsorganisationen wie Metro verantwortlich gemacht werden. Der Vorwurf: Diese Anbieter nutzen ihre Provisionen, um den Geraeteabsatz zu subventionieren. In die Kritik sind in diesem Zusammenhang auch die sogenannten Koppelgeschaefte geraten. Darunter wird der Verkauf eines Endgeraetes zu geringem Preis bei Abschluss eines D-Netz-Teilnehmervertrages verstanden.

Obwohl 60 Prozent der Teilnehmer in D1 und D2 im vergangenen Jahr durch Service-Provider akquiriert wurden, zwingen sinkende Margen die Branche zum Umdenken. "Die Dienstleistung wird zum entscheidenden Massstab werden", weist Joachim Dreyer, Vorsitzender der Geschaeftsfuehrung Debitel, den Weg. Als Beispiel nannte er in diesem Zusammenhang die sekundengenaue Abrechnung, die von den Netzbetreibern noch nicht realisiert wird.

Eine Chance im Mobilfunkgeschaeft wird kuenftig also nur noch der haben, der massgeschneiderte Services moeglichst guenstig anbietet. In der Tarifstruktur des Marktes, fuer die er die Netzbetreiber verantwortlich macht, sieht Dreyer ein weiteres Problem. "Die teuren Tarife fuer Nahgespraeche schmerzen", monierte Dreyer die hohen Gebuehren. Sie wuerden private Anwender abschrecken, bei den Professionals, so der Debitel-Vorstand, sei jedoch weitgehend ein Saettigungsgrad erreicht.

Nach der Preisreduzierung bei Endgeraeten muesste nun eine Tarifsenkung fuer den naechsten Schub im Mobilfunk sorgen. Als nicht realistisch bezeichnete dagegen D2-Vertreter Kuczkowski in Hannover Gebuehrensenkungen im Netz der Mannesmaenner. Es werde in diesem Jahr, so der Vertriebschef, keine Regionaltarife geben.