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20.05.1977

Teures Tuning - trotz billiger Hardware?

Diese Frage stellen wir provokativ vier Anwendern von Großrechnern, die es eigentlich wissen müßten: Alle vier waren auf der 3. Tagung der European Computer Measurement Association (Ecoma) in Hamburg (3. bis 5.5.) mit eigenen Referaten vertreten. Für sie steht fest, daß Tuning auch in der heutigen Zeit des Hardware-Preisverfalls eine wichtige Rolle spielt. Sind diese Aussagen repräsentativ? Viele "Tuning-Muffel" werden die sinkenden Hardware-Preise sicher als Rechtfertigung für ihr Anti-Verhalten vorschieben. Für das Gros der Anwender aus dem "mittleren Bereich der oberen Datenverarbeitung" (Ecoma-Spruch) wird Tuning jedoch ein "Muß" bleiben. Die Zahl der Ecoma-Mitglieder stieg bereits im ersten Jahr von 80 auf 200. hö

Egbert Elsholz, wissenschaftlicher Angestellter, Arbeitsgruppe Rechnerverbund, Hahn-Meitner-Institut, Berlin

Die veränderten Preise der Hardware bewirken, daß zunehmend komplexere und damit immer schwerer zu durchschauende Maschinen gebaut werden. Daraus folgt, daß Hilfsmittel eingesetzt werden müssen, die das Innenleben eines Rechners wieder durchsichtiger werden lassen. Diese Hilfsmittel sind Hardware- oder Software-Monitore. Um bessere Ergebnisse zu erzielen, empfiehlt es sich, beide gemeinsam einzusetzen, um die Vorteile der beiden Systeme voll auszuschöpfen. Jedoch ist bei Anlagen mit ständig wechselnder Belastung ein flexibles Überwachungssystem notwendig, das besser durch einen Software-Monitor realisiert wird. Neben der möglicherweise notwendigen Anpassung der Hardware an eine veränderte Belastung helfen Monitore auch, Daten zu sammeln, zum Beispiel über die Arbeitsweise der Benutzer oder über die Verwendung der Software an einer Installation. Daneben werden solche Informationen gebraucht für die Validationsphase im Rahmen einer Simulation von Rechnern oder Rechner-Netzen. Da die erwähnten Anwendungsgebiete nicht ohne Monitore - welcher Art auch immer - existieren können, wird die Frage nach der Rentabilität sinnlos. Es ist im Gegenteil festzustellen, daß der Einsatz von Großrechenanlagen nicht ohne Monitore betrieben werden kann.

Gerhard Köstner, Systemprogrammierer, 1. Österreichische Sparkasse, Wien

Ist Software-Tuning heute - rentabel? Diese Frage kann nur so verstanden werden, daß es offenbar Meinungen gibt, die wegen der heute weit günstigeren Preis/Leistungsverhältnisse vernünftige Verbesserungsmaßnahmen von vornherein als unnötig und unwirtschaftlich abtun. Projiziert man den Kern des Problems auf eine einfache Frage: Wären Sie einverstanden, daß Ihr Auto auf einmal 50 Liter pro 100 Kilometer benötigt, selbst wenn der Treibstoff nur ein Viertel des heutigen Preises kosten würde? Tuning ist also sehr wohl eine ökonomische Herausforderung. Der entscheidende Punkt der Optimierungsmaßnahmen ist die bei uns im Haus praktizierte Kosten/Nutzenrechnung. Wenn die fehlt, kann man nämlich wirklich nicht sagen, ob Tuning rentabel ist oder nicht. Man weiß dann nur, daß zum Beispiel ein bestimmtes Programm jetzt einige Minuten kürzer läuft als vorher. Eine derartige Kosten/Nutzen-Rechnung kann natürlich auch aufzeigen, daß ein geringer Kapitaleinsatz auf der Hardware-Seite eine Leistungssteigerung hervorruft, deren Kosten nur durch einen hohen und entsprechend teueren Manpower-Einsatz erreichbar wäre.

Die Formulierung der eingangs gestellten Frage zielt meiner Meinung nach in eine falsche Richtung: Die Rentabilität von Tuning-Maßnahmen ist nämlich nicht von den Zykluszeiten brandneuer Modelle abhängig, sondern von wirtschaftlichen Überlegungen des Anwenders.

Horst W. Morscheck, Leiter der Abteilung Planung DV-Systeme und Fernmeldeeinrichtungen, Deutsche Lufthansa AG, Frankfurt

Die Deutsche Lufthansa betreibt mehrere Großanlagen, die mit einem weltweiten Datenübertragungsnetz verbunden sind. Die Auswahl der Rechner und die Auslegung des gesamten Systems richten sich, wie in jedem Unternehmen, nach den betrieblichen Erfordernissen wobei in unserem Fall speziell den Eigenarten des Produktes (nicht lagerfähige Transportleistung) und seiner Vermarktung sowie dem Flugbetrieb, als dem eigentlichen Produktionsmittel, besondere Bedeutung zukommt. Soweit nicht operationelle Faktoren bestimmte Problemlösungen erzielen, zum Beispiel kurze Antwortzeiten oder die Inanspruchnahme teuerer Übertragungswege, richtet sich die Einführung neuer oder die Erweiterung bestehender EDV-Aufgaben ausschließlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

Die sich hauptsächlich vollziehenden Verbilligungen aus den Bereichen der Zentraleinheit und der Plattensysteme betrachten wir als willkommene Gelegenheit, Kosten zu senken und solche Projekte zu realisieren die bislang die Hürde der Wirtschaftlichkeit nicht überwinden konnten.

Tuning-Maßnahmen auf dem Gebiet der Software - angefangen bei den Subsystemen bis hin zu Anwendungsprogrammen - bleiben insoweit von der Verbilligung unberührt, als dies häufig der einzige Weg ist, operationelle Anforderungen zu entwickeln.

Im übrigen betrachten wir jedwede Programmentwicklung (Erstellung oder Änderung) als Projekt, das individuell seine Wirtschaftlichkeit beweisen muß. Hier wird sich die Schwelle, etwas zu tun oder zu lassen, entsprechend den Hardwarekosten anteilig verschieben.

Selbst bei einer weiteren, drastischen Verbilligung der Hardware besteht für uns kein Anlaß, von Tuning-Maßnahmen aus wirtschaftlichen Gründen abzulassen, da für diesen Fall den Betriebskosten zunehmend größere Bedeutung beizumessen sein wird.

Franz Kaltseis, Dipl.-Ing. Systemtechnologie, Voest-Alpine AG, Linz

Trotz des günstigeren Hardware-Preis-Leistungsverhältnisses wird auch in Zukunft ein System-Tuning erforderlich sein. Billige und leistungsfähige Hardware ermöglicht den Einsatz komplexer Software-Systeme. Im allgemeinen benötigen komplexe Systeme jedoch mehr Hardware-Leistung zur Bewältigung derselben Aufgabe. Für den Anwender in der Fachabteilung wird sich deshalb das Preis/Leistungsverhältnis trotz Hardware-Preisverfall nicht erheblich verändern. Außerdem tendieren komplexe Systeme zu stark unterschiedlichem Leistungsverhalten. Die Leistungslücke zwischen (möglicher) guter und schlechter Performance wird also immer größer, was wiederum mehr Tuning verlangt.

Software-Tuning selbst darf - gemessen an den erbrachten Leistungen - nicht teuer sein, es kann durch systematisches Vorgehen verbilligt werden:

- Kosten/Nutzen-Analyse der möglichen Tuning-Projekte

- Auswahl der Projekte gemäß der kürzesten Amortisierungszeit

- Einhalten der Tuning-Philosophie: Messen - Engpaß feststellen - Engpaß beseitigen - messen

- Kosten/Nutzen-Kontrolle Lohnenswerte Software-Tuning-Objekte sind:

- Betriebssysteme, deren Ressourcenbedarf immer mehr den der Applikationssysteme übertreffen (und damit ein immer größeres Stück Kuchen vom "Preisverfall" verschlingen).

- Komplexe Software-Systeme, die wie die Betriebssysteme als Black-Box geliefert werden - mit der dem Benutzer überlassenen Auswahl der optimalen Parameter (Generierung, Richtlinien zur Verwendung des Produkts).

- Wie für die Software, so behält Tuning auch für die immer leistungsfähigere Hardware seine Gültigkeit: Die im Preis-Leistungsverhältnis versteckte Nennleistung einer Maschine steht dem Benutzer anfangs nur auf dem Papier zur Verfügung. Voll ausgenützt im Rahmen des gesamten. Hardwaresystems kann sie erst durch entsprechendes Tuning werden.

Als Beispiel für Software-Tuning sei das bei der Voest-Alpine eingesetzte Programmsystem Mark 4 herangezogen (25 Prozent der Workload):

Die ständig steigende Anzahl und Komplexität der Anwendungen verursachte eine immer aufwendigere Mark-4-Katalogverwaltung.

Durch eine simple Aufteilung in voneinander unabhängige Teilsysteme mit eigenem Katalog konnte die Katalogverwaltung um 65 Prozent reduziert werden:

Monatlicher Nutzen etwa 20000 Mark bei einem einmaligen Aufwand von nur einem Mannmonat.

Natürlich hat sich auch das Tuning an die sich ändernden Hardware- und Software-Technologien anzupassen. Die Optimierung herkömmlicher Problemprogramme wird mehr den Optimizing-Compilern sowie Pre- und Post-Prozessoren überlassen werden, solange ein solches Programm nicht vom Accounting als eines der Meistverbraucher (Hitliste) aufgezeigt wird. Ebenso wird die Messung von billigen Mikroprozessoren für den Benutzer bedeutungslos bleiben.

Dafür treten aber Neuanwendungen auf: - Netzwerk- und Datenbank-Tuning.

Insgesamt wird System-Tuning für das kostenbewußte EDV-Management auch weiterhin eine günstige Investition bleiben.