Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Vertriebsvorstand trat Posten "aus gesundheitlichen Gründen" nicht an:

Tewidata versucht sich langsam aufzurappeln

25.01.1985

MÜNCHEN (lo) - Nach einschneidenden Verlusten in den vergangenen zwei Jahren will die Tewidata AG für technisch-wissenschaftliche Datenverarbeitung, München, nun in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Helfen soll ein neues Vertriebsprogramm - und das Unternehmen sucht einen kapitalkräftigen Partner.

"Wir nähern uns einer Grenze, die weiteren Finanzmittelbedarf erfordert", stellt Alleinvorstand Dieter Reichel fest. Er leitet vorübergehend das Unternehmen, nachdem Manfred Schmitz, vorgesehen als Vorstand des Vertriebsbereichs, von seinem Vertrag Abstand genommen hat. "Aus gesundheitlichen Gründen" trat er seinen Posten am 1. Januar nicht an.

Ertragseinbruch nach Börsenzulassung

Markante Abgänge kennzeichnen die jüngste Tewidata-Historie. Ende Oktober 1984 schied "auf eigenen Wunsch im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat" der Gründer des Unternehmens, Peter Dölling, aus. Sein Kommentar: "Dieser Sprachregelung liegt die unterschiedliche Auffassung über die zukünftige Geschäftspolitik zugrunde." Bereits im Mai vergangenen Jahres trat Vorstandsmitglied und Finanzchef Günter Hesse "auf Wunsch des Aufsichtsrates" zurück. Bald nach der Börsenzulassung des Unternehmens 1983 war es zu einem überraschenden Ertragseinbruch gekommen.

Die Tewidata-Aktien teilen sich zu je 50 Prozent in Stammaktien und stimmrechtlose Vorzugsaktien, die mit 202,50 Mark im Juni 1983 ausgegeben wurden. Die Papiere erreichten als Höchstpreis 358 Mark und mußten kräftige Verluste bei einem Tiefstand am 16. Januar 1985 von 41 Mark hinnehmen.

Bislang wurden die Tewidata-Aktien im geregelten Freiverkehr an der hanseatischen Börse Hamburg und in München notiert. Neue Richtlinien verlangen ab 1. Februar in Bayern ein begleitendes Bankinsititut für den geregelten Freiverkehr. Dies kann Tewidata nicht aufweisen. Daher können die Unternehmensanteile in München nur noch im Telefonverkehr gehandelt werden. "Ein Gütesiegel ging verloren", räumte der Vorsitzende des Tewidata-Aufsichtsrates und Frankfurter Rechtsanwalt Walter Schürmann ein.

Nachdem für 1983 ein Verlust von 3,5 Millionen Mark - statt in Aussicht gestellter 1,85 Millionen Mark Gewinn - aufgewiesen wurde, rechnet Reichel für das abgelaufene Jahr mit einem Minus von sechs Millionen Mark. Zunächst war ein ausgeglichenes Ergebnis für 1984 erhofft worden. Eine Anzeige wegen Verlusts der Hälfte des Grundkapitals nach Paragraph 92 des Aktiengesetzes hänge von dem Ergebnis der Wirtschaftsprüfung ab. Zwar konnten Forderungen von sechs auf zwölf Millionen Mark gesenkt werden. Allerdings arbeite Tewidata nach Reichels Angaben mit Bankkrediten von 20 Millionen Mark. Das Grundkapital wurde inzwischen von 6 auf 6,5 Millionen aufgestockt. Als Rücklage stehen 2,7 Millionen Mark in der Bilanz.

Mit voller Kraft soll ein neu erarbeitetes Vertriebsprogramm in die Tat umgesetzt werden. Anpacken sollen dies zehn neue Mitarbeiter einschließlich Vertriebschef. Das Vertriebsnetz wird zudem ausgeweitet. Standardsysteme wie bisher von DEC "mit eigenen Ergänzungen" sieht Reichel als einen der drei Schwerpunkte der Tewidata-Palette. Er zählt weiterhin für die Prozeßdatenverarbeitung die Systeme "Ipas" sowie "Mobil 11 /II" mit den Einsatzgebieten Erfassung, Auswertung und Analyse von Betriebsdaten in Echtzeit. Grafikboards und -Workstations sollen das dritte Standbein werden.

Verlagerung in der Vertriebs- und Produktstruktur

Die Akzente in der Vertriebs- und Produktstruktur sind verlagert worden, so Schürmann. Dazu könnte das OEM-Verhältnis zu Digital Equipment GmbH zählen. Bisher kaufte Tewidata CPU und Lizenz bei DEC beschreibt Dr. Michael Rautenberg. Gehäuse, Power-Supply und teilweise auch die Software übernahm dann Tewidata von günstigen Fremdherstellern. Für OEM-Partner von DEC beständen allerdings bestimmte Verpflichtungen. So sei ein "signifikanter" Added-Value hinzuzufügen. Wenn man etwa einen DEC-Rechner mit der schnelleren Platte eines anderen Herstellers verbinde, bliebe die Frage offen, ob die Auflage dann als erfüllt gälte.

"Geld-plus-Synergie-Effekte" sucht nach Auffassung des Vorstandsvorsitzenden Schürmann die Tewidata. Die Richtung Systemhaus, aber auch Hersteller mit ergänzenden Hardware-Produkten, etwa Telekommunikation, lägen im Blickwinkel. Verhandlungen vor allem' mit zwei Interessenten seien so weit gediehen, daß bereits eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft begonnen habe, die Tewidata zu durchleuchten. Schürmann rechnet allerdings, daß es noch einige Monate dauere, bis man sich "aneinander herangerobbt" habe.

Reichels Pläne sehen für 1985 einen Umsatz von 40 Millionen vor. Vergangenes Jahr lag er bei knapp 39 Millionen. Die Konsolidierung des Unternehmens vorantreiben bedeutet wohl in erster Linie, nach Worten des Aufsichtsratsvorsitzenden, "Knochenarbeit"