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22.04.1977

Text- und Datenverarbeitung wachsen zusammen

Jüngste System-Premieren aus der Computer-Industrie signalisieren fürs CeBIT nicht allein neue Produkte. Einige von ihnen werden auch die humanitär geprägte Problematik der Schreibzentralen in ein neues Licht rücken und sie möglicherweise sogar überflüssig machen. Was ist geschehen?

Wie die maschinellen Systeme zur Text- und Datenverarbeitung zusammenwachsen, läßt sich bereits seit mehreren Jahren beobachten, und hiervon wird auch diesmal wieder die Rede sein. Die Computerverwandtschaft hat sich bislang mit gleich oder ähnlich beschaffenen Funktionselementen und deren Programmsteuerung begnügt. Die Textverarbeiter hielten dabei jedoch zumeist an dem Aufbau klassischer Prägung fest. Vorbild der sogenannten Textcomputer blieben die guten alten Schreibautomaten. Die modernsten Textverarbeitungsanlagen waren als Ein-Platz-Geräte oder gar als "geschlossene Boxen" konstruiert. Das wird jetzt anders.

In diesen Wochen griff nämlich das Prinzip des "Distributed Processing", der Trend zu dezentralisierten, arbeitsplatzorientierten Systemen auf die Textverarbeitung über. Gleich bei mehreren Textsystemen findet man einen Trennstrich zwischen zentralen und dezentralen Funktionen.

Dezentralisiert werden kann mit den neuen Systemen nicht mehr allein die Erstellung der Schreibaufträge, sondern auch die Texterfassung. Sie läßt sich etwa mit Hilfe von Magnetkartenschreibern den Sachabteilungen und Sekretariaten durchführen. Die hier erzeugten Magnetkarten aber nehmen ihren Weg zu einer "lupenreinen" Datenverarbeitungsanlage (die sich teilweise auch für Fakturierung und Buchhaltung einsetzen läßt). Gefüttert mit einem Magnetkarten-Stapelleser, setzt der Computer die Textprogramme in fehlerfreie und repräsentativ wirkende Niederschriften um. Das besorgt sein Schnelldrucker mit hoher Leistung auf Endlospapier oder auf Einzelblättern, die aus Blattmagazinen zugeführt werden. All das geschieht zentral für alle diejenigen Abteilungen, welche an ihrem Standort Texterfassung betreiben.

"Keine Domäne der Großen"

Die Wirtschaftlichkeit eines solchen Systems ist keine Domäne der Großunternehmen. Zum Beispiel werden die Texterfassungsplätze in gleicher Gestaltung bereits seit vielen Jahren in kleinen und kleinsten Betrieben benutzt, sofern sie in nennenswertem Umfang Korrespondenz-Niederschriften oder mehrfach zu korrigierende, meist schwierige und umfangreiche Texte zu Papier bringen.

Das gleiche gilt aber auch für den zentralen Computer. Er ist speziell für die Datenverarbeitung in kleinen Unternehmen entwickelt worden und erhielt für Textverarbeitungsaufgaben lediglich ein geeignetes Betriebssystem und einen Magnetkartenleser-Anschluß. Nicht uninteressant sind solche Systeme trotz ihrer Auslegung für kleinere Aufgaben aber trotzdem für größere Anwender, die etwa bereits über ein eigenes Rechenzentrum verfügen. Denn zu ihren Ausrüstungsmöglichkeiten zählen auch Kommunikationseinrichtungen zum Leitungsverbund mit Großrechnern.

"Unmenschliche Schreibzentralen"

Systeme dieser und ähnlicher Art zeigen nun erstmals eine diskutable Alternative zu jenen - aus humanitären Gründen umstrittenen - Schreibzentralen, die einst mit dem Ziel der höheren Produktivität in die gesamte Wirtschaft vorgedrungen sind: Die Konzentration der Textverarbeitung in einen eigenständigen Bereich hat eben mit eigener Dynamik zu höheren Leistungen in einem der teuersten Büroaufgaben-Gebiete geführt. Trotz aller Motivationen, Umgebungs-Verbesserungen und Schulungen hat sich dieses Konzept in aller Regel nur gegen den Widerstand der betroffenen Korrespondenzführenden und Schreiberinnen durchsetzen lassen. Viele falsch geplante organisierte Schreibdienste sind gescheitert. Betriebe, die ein dezentralisiertes Textverarbeitungssystem der hier geschilderten Konzeption einsetzen können, sparen solche kritischen Auseinandersetzungen ein. Sie brauchen keine Schreibzentralen mehr, weil die Textproduktion automatisiert und die Texterfassung innerhalb der Sachabteilung durchgeführt werden kann. Im CeBIT muß die Fachdiskussion mit den Messebesuchern die Reviere abstecken helfen, in denen sich die neue Methode ausbreiten kann.

"Technische Verwandtschaft zum Computer"

Im unentwegten Duell mit den steigenden Korrespondenzkosten - ein Schreibplatz kostet inzwischen weit über 30000 Mark pro Jahr - bewähren sich aber auch Systeme, Methoden und Geräte, die weniger ungewöhnlich wirken. In Hannover werden einige Hersteller aus der mittleren Datentechnik für bekannte Computer mit Magnetplatten-, Floppy Disk und Magnetbandkassetten-Speicherung Betriebssysteme und Anwendungssoftware für die programmierte Textverarbeitung, Massenkorrespondenz und Textbearbeitung vorstellen. Darunter befinden sich nun auch Systeme, die dem Preisniveau der qualifizierten Textverarbeitungsanlagen aus der Schreibmaschinen-Industrie entsprechen. Diese Herstellerschaft rückt ihre Automaten bereits seit vier Jahren in die technische Verwandtschaft mit Computern. Zur Steuerung des Betriebs dienen Mikroprozessoren, zur Programm- und Textspeicherung Halbleiterspeicher, und umfangreiche Textbestände werden auch hier mit Platten- und Bandspeichern bereitgehalten.

"Auch für wenig Text"

Eine wachsende Reihe der Anlagen läßt sich frei programmieren, bezieht logische Programmverzweigungen, Sortier- und Suchfunktionen oder Rechenleistungen ein. Häufiger als im letzten Jahr kommt es zu Konfigurationen mit Bildschirm, schnellen Druckeinheiten, Fernübertragungs-Einheiten und externen Massenspeichern. Ein hoher Anteil dieser Systeme widerlegt die gegenwärtig noch weit verbreitete Meinung, das Zusammenwachsen der Text- und Datenverarbeitung sei schon wegen der Kosten nur für größte Textmengen interessant. Mehrere Anbieter zeigen den Weg, solche Anlagen auch in kleinen Unternehmen wirtschaftlich nutzen zu können: Ihre Systeme eigenen sich sowohl für die Text- als auch für die Datenverarbeitung.

Allerdings setzt das auch voraus, daß diesem Systemtyp planvoll ein Aufgabenfeld mit gemischten Nutzungen geschaffen wir. Nur unter dieser Voraussetzung folgt der Integration die optimale Auslastung und können zweierlei Ausrüstungen mit mehr Personalbesetzung abgelöst werden.

*Herbert F. W. Schramm ist freier EDV-Fachjournalist.