Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Ein Drittel aller CD-ROMs kommt aus Europa


30.04.1993 - 

Texte mit Bildern und Toenen auf CD-ROM machen Lernen leichter

Mit der Kapazitaet der CD-ROM ist es erstmals moeglich, computerbasierte interaktive Qualifikationen mit Ton, Standbild und Bewegtbild zu versehen. Der Lernende - so sagt eine alte Faustregel - behaelt 30 Prozent von dem, was er sieht; 20 Prozent von dem, was er hoert; 70 Prozent von dem, was er tut, und 90 Prozent von dem, was er hoert, sieht und tut. Die 90-Prozent-Loesung zu tragbaren Kosten ist heute fuer Anwender und Autor oder Verleger nur mit dem Medium CD-ROM zu realisieren.

Die CD-ROM ist aber nicht mehr als ein Medium, mit dem 660 MB Multimedia-Daten auf fuenfzehn Gramm Polycarbonat bereitgestellt werden. Das Medium ist nicht neu, aber die Zahl der installierten Laufwerke ist erst jetzt gross genug, um auch viele Verleger in das Abenteuer des elektronischen Publizierens zu locken.

Weltweit sollen ueber vier Millionen CD-ROM-Laufwerke vorhanden sein, davon eine Million in den EG-Laendern. CD-ROM-Laufwerke werden zunehmend als Standard-Komponente der PC-Peripherie angesehen und auch so vermarktet. Entscheidend dafuer ist der Preisverfall: Kostete ein CD-ROM-Laufwerk 1986 noch rund 10 000 Mark, so sind Laufwerke heute ab 360 Mark erhaeltlich.

Die Zahl am Markt verfuegbarer CD-ROM-Titel waechst laut dem auf der diesjaehrigen CeBIT erstmalig erschienen CD-ROM-Fuehrer´93 (Rossipaul Verlag) um ueber 100 Prozent pro Jahr. Das weltweite Angebot besteht aus mehr als 2500 Titeln. Rund ein Drittel der Anbieter kommen aus den EG-Laendern (vgl. die Abbildung). Obwohl Datenbanken fuer Wirtschafts-, Technik- und Rechtsinformationen ueber 50 Prozent aller CD-ROM-Anwendungen ausmachen, zeigt der Bereich Multimedia 1992 und 1993 die groessten Zuwachsraten.

Das Training mit Multimedia ist schon bei der Fortbildung fuer nur wenige Personen kostenguenstiger und flexibler als eine externe oder interne Schulung mit Trainer. So liegt der Preis fuer einen einmonatigen CD-ROM-Kurs komplett mit Hardware unter den Kosten, die durchschnittlich bei einer externen Schulung von fuenf Mitarbeitern entstehen. Weitere Vorteile sind die Verfuegbarkeit, Wiederholbarkeit und die kuerzere Lerndauer - da bekannte Teile nicht erneut bearbeitet werden muessen - sowie andere Nebeneffekte wie stressfreies Lernen und hoehere Mitarbeitermotivation.

Der kritische Faktor fuer den Erfolg von multimedialer Lernsoftware ist die Qualitaet der interaktiven Benutzeroberflaeche, der Grafiken und der Bilder sowie der Verknuepfung zwischen Audio- und Bildinformation.

Fuer die Speicherung und Wiedergabe von Audioinformationen werden verschiedene Methoden benutzt. Beim sogenannten Mixed-Mode wird der Ton, getrennt von den restlichen Daten, direkt vom CD-ROM- Laufwerk zum Lautsprecher oder Kopfhoerer gebracht. Diese Tonwiedergabe entspricht der Technik bei einer normalen Musik-CD. Im CD-ROM-XA- und im MPC-Format hingegen werden die Audiosignale ueber eine sogenannte Sprachkarte erzeugt und auf der CD-ROM nicht die Toene, sondern die Informationen der jeweiligen Karte fixiert. Diese Methodik soll auch den multimedialen Einsatz ueber LAN und andere Netze ermoeglichen. Die Audiodateien koennen mit einer Tonqualitaet, die dem Mittelwelle-Empfang auf dem Radio entspricht, sehr grosse Tonmengen enthalten. CD-ROM-XA bietet beispielsweise bei dieser Qualitaet die Wiedergabe von 16 Stunden Audioinformation auf einer CD-ROM.

Technik hat grosse Fortschritte gemacht

Viele Anbieter von CD-ROM-Hard- und Software beschaeftigen sich mit der digitalen Speicherung und Wiedergabe von Bewegtbildern. Hard- und Softwareloesungen stehen jedem experimentierfreudigen Entwickler zur Verfuegung. Fuer CD-Verleger ist die noch nicht vorhandene Hardwarebasis wie etwa DVI-Zusatzkarten die Hemmschwelle fuer multimediale Standardanwendungen mit Bewegtbild. Um aber Video und Bildplatte echte Konkurrenz zu machen, muessen die Multimedia-Verleger von morgen dieses letzte Hindernis ueberwinden.

Fuer potentielle CD-Verleger waren die Kosten fuer Entwicklung und Herstellung der CD-ROM-Produkte in den vergangenen Jahren ein riskantes Unterfangen. Noch 1986 war in Europa kein Unternehmen in der Lage, CD-ROMs herzustellen. Heute gibt es eine Reihe konkurrierender Firmen. Aber auch die Technik fuer die Erstellung der CD-ROMs hat groSchritte vollbracht. Besonders bedeutsam ist das Verfahren fuer die direkte Aufzeichnung (Recording) von einzelnen CD-ROMs. Diese Technik wird unter anderem auch fuer Photo-CDs eingesetzt. Neue kostenguenstige Recorder wurden in der Februar-Ausgabe des Byte-Magazins als bahnbrechend fuer die Zukunftsbranche des elektronischen Publizieren bezeichnet.

Aus der Sicht der Anwender raeumt diese neue Moeglichkeit der Einzelerstellung von kundenangepassten Multimedia-Anwendungen moeglicherweise das letzte Hindernis fuer den grossen Durchbruch aus dem Weg. Wie bei der Photo-CD erlaubt diese Technologie die Aufzeichnung in zeitlich getrennten Schritten (Multisession), was ein "Update" der Daten ermoeglicht.

Das neue CD-Medium, CD-R genannt, ist im "Orange Book" standardisiert und auf normalen CD-ROM-Laufwerken abspielbar. Mit einem CD-R-Recorder kann jeder Multimedia-Entwickler zum CD- Verleger werden.

Voraussetzung fuer diese rasante Entwicklung ist die weitere Standardisierung von CD-ROM-Dateien, zur Zeit festgelegt unter ISO 9660. Dieser Standard benoetigt dringend eine Anpassung an MS- Windows NT, OS/2, Unix und Macintosh. Informell bekannt als die Frankfurter Spezifikation soll dieser erweiterte Standard auch das CD-R-Update-Verfahren umfassen und CD-ROM eine neue Dimension geben.

Zurueck zu unserer Faustregel - der Lernende behaelt 70 Prozent von dem, was er tut. Hier werden die Multimedia-Autoren auf die Probe gestellt. Ungeachtet der Technik der Autorensysteme steht und faellt am Ende alles mit der Kreativitaet und Geschicklichkeit des einzelnen Autors. Etwas tun mit Hilfe von PC und Multimedia- Anwendung heisst: Interaktion, Simulation und Perfektion.

Aber, und das weiss jeder, der Fortbildung verantwortet, auch das geniale, perfekte, interaktive multimediale Lernprogramm kann den Menschen nicht voll ersetzen.

*Nils Joergensen beschaeftigt sich seit 1986 mit CD-ROM-Anwendungen aktiv und veroeffentlichte schon 1987 das CD-ROM-basierte Sammelwerk Lernbyte mit 70 interaktiven Lernprogrammen. Er ist Geschaeftsfuehrer der Applied Learning GmbH in Willich.

Abb: Produzierte CD-ROM-Titel

Der Anteil in Europa produzierter CD-ROM-Titel steigt deutlich an. Quelle: CD-ROM Directory/NEC