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08.02.1985

Textverarbeitung: Die "Klassiker" sind nicht totzukriegen

Mit der herkömmliche Textverarbeitung und dem Mikrocomputer ist es ähnlich wie mit den Autos: Läßt sich der Kombi durch einen Sportwagen ersetzen, ohne daß dabei die Transportmöglichkeiten schlechter werden? Diese Frage von Max Gegenfurtner verdeutlicht die Problematik. Die Hamburger Unternehmensberaterin Barbara Jürgensen bricht eine Lanze für die "Klassiker": Vielschreiber brauchten auch heute noch dringend ein deduziertes System, da es bedienungsfreundlicher sei als ein Mikro. Jürgen Westernhagen, Alcan Aluminium GmbH, geht davon aus, daß sich der Mikrocomputer lediglich dafür eignet die individuelle Daten- und Textverarbeitung mit "überschaubaren" Datenvolumina zu unterstützen - für weitergehende Anwendungen sei er nicht geeignet.

Max Gegenfurtner Geschäftsführer des i.f.t., Institut für Textverarbeitung Rolf Schreiber GmbH, Leinfelden-Echterdingen

Vor zwei bis drei Jahren wäre die Antwort darauf, wo dedizierte Textsysteme gegenüber dem Mikrocomputer im Vorteil sind, leichter, eindeutiger und trotzdem vielfältiger geworden. Läßt diese Frage aber unter Umständen einen Vergleich mit dem Automobil zu? So versuche ich einen Einstieg in dieses Thema: Gibt es einen Bereich, in dem der Kombi von einem Sportwagen ersetzt werden kann? Ohne dabei die Transportmöglichkeiten zu verschlechtern? Sicher eine etwas hinkende Gegenüberstellung, das gebe ich zu. Trifft es aber nicht doch ein wenig die Grundproblematik?

Die Entwicklung der Textprogramme für Mikrocomputer zeigt von Quartal zu Quartal, von Messe zu Messe, eine permanente Verbesserung der Bedienerfreundlichkeit. Und das ist nach meiner Beobachtung des Marktes ein wesentlicher Punkt: der Komfort für den Anwender. Hier zeigen sich in der Praxis doch noch erhebliche Unterschiede zwischen den Mikros und den dedizierten Textsystemen.

Am Anfang ist generell festzustellen, wer das Gerät mit Text bedienen soll. Ganz wichtig wird aber schon die Frage danach, was geschrieben werden soll und wer schreibt.

Das sind bei Mikros in vielen Fällen die Chefs, die Abteilungsleiter, die Sachbearbeiter, ganz selten die Sekretärinnen und noch seltener die Schreibkräfte. Das liegt daran, daß die Mikros meist für ganz andere Aufgaben als zum Schreiben angeschafft werden. Hier kommen die oft arbeitsintensiven Rechen- und Statistikaufgaben zur Lösung. Hier werden die Grafikfunktionen als wertvolle Hilfe zur Darstellung von Werten genutzt. Und wenn dann noch Zeit bleibt, wird auch "Text" gefahren. Meistens sind es die typischen Aufgaben zum Schreiben von Werbebriefen mit Zusammenmischen von Anschriften, das Schreiben von gespeicherten Briefen mit individuellen Einfügungen, und bedingt das Zusammenstellen von Vorgängen aus Textbausteinen.

Was wird geschrieben? Das sind die speziellen Aufgaben des Schreibens. Und hier die meist sehr individuelle Diktatkorrespondenz und vor allem auch die Autorenkorrektur bei Berichten, Protokollen oder Verträgen. Wo es um viel Text geht, der über die Tastatur eingegeben werden muß, also nicht als schon gespeicherter Text abzurufen ist, kommt es auf die Schnelligkeit an. Dabei darf nicht seitens des Systems oder des Programms gebremst werden. Hier zeigt sich am "Handling", wie gut oder schlecht das geht.

Konsequenz: Die dedizierten Textsysteme werden überall dort noch sinnvoll eingesetzt werden, wo wendige Schreiberinnen (ganz selten Schreiber) viel Text individuell erstmalig schreiben, also an typischen Schreib- oder Sekretariatsplätzen. Auch in Schreibbüros werden noch Textsysteme gegenüber Mikros ihre Vorteile halten können.

Hier wird sich in vielen Fällen die Frage ergeben können, ob nicht auch Textsysteme, Textbearbeitungsgeräte ohne Bildschirm, für den speziellen Zweck sich gut eignen. Mindestvoraussetzung ist aber in jedem Fall ein externer Speicher.

Bei echten Mehrplatzsystemen für Textverarbeitung, wo es um zentrale Speicherung der Texte und Anschriften geht, sind zur Zeit die am Markt etablierten Textautomaten bezüglich ihres Komforts und ihrer Funktionalität überlegen.

Wie lange sich die Unterschiede gravierend halten werden, läßt sich nicht einfach beantworten. Entscheidend aber für den Anwender ist immer, daß er für seine Aufgaben und damit für seine Mitarbeiter die richtige Lösung sucht. Finden kann er diese nur durch Vergleichen und zwar nach vergleichbaren Vorgaben.

Jürgen Westernhagen, Systems Engineer, Bereich Fertigung/Materialwirtschaft, Alcan Aluminiumwerke GmbH, Göttingen

Sowohl im persönlichen Bereich als auch in der Arbeitswelt hat sich der Mikrocomputer behaupten können. Diese Entwicklung hat sicherlich dazu geführt, daß auch ein Teil der bisher mit "klassischen" Methoden durchgeführten Textverarbeitung vom Mikrocomputer übernommen wurde.

An dieser Stelle scheint mit eine Begriffsdefinition angebracht: Unter "klassischer Textverarbeitung" soll die Textverarbeitung auf dedizierten Textsystemen oder mittels entsprechender Software auf einem Großrechner verstanden werden. Aber auch Speicherschreibmaschinen und ähnliche Hilfsmittel sind in diesen Bereich einzuordnen. Unter den Begriff Mikrocomputer fallen kapazitätsmäßig begrenzte Computer in einer Größenordnung, wie sie auch im privaten Bereich Verwendung finden.

Aus dem breiten Anwendungsspektrum der Textverarbeitung ist dieser vom Mikrocomputer abgedeckte Bereich aber nur ein geringer Teil. Es gibt nämlich Anwendungen, die nach wie vor von der klassischen Textverarbeitung beherrscht werden:

- Das abzuspeichernde Datenvolumen übersteigt die Möglichkeiten des Mikrocomputers. Dies ist beispielsweise bei der Ablage von Massendokumenten der Fall.

- Eine größere Anzahl von Benutzern arbeitet an den gleichen Dokumenten beziehungsweise innerhalb einer abgegrenzten Organisation nach gleichen Verfahren. Beispiele hierfür sind die Bearbeitung von größeren Dokumenten durch mehrere Personen oder die Erstellung von Korrespondenz in Schreibbüros.

- Es Müssen Texte und Daten gemischt werden, das heißt, in Dokumente sollen Massendaten des Großrechners eingefügt werden. Ein Beispiel ist hier das Anschreiben an Kunden, wobei die Kundendaten aus einer Kundendatenbank kommen.

- Besonders komfortable Möglichkeiten der Textverarbeitung werden benötigt, die in der Regel auf Mikrocomputer noch nicht geboten sind, beispielsweise Rechtschreibprüfung und Silbentrennung.

- An den Ausdruck der Dokumente werden hinsichtlich Qualität und Flexibilität erhöhte Anforderungen gestellt. An Mikrocomputer angeschlossene Drucker sind damit in der Regel Überfordert. Verschiedene Schrifttypen und -größen können hier ebenso Probleme verursachen wie ein einwandfreies Druckbild.

- Nur "normale" Anforderungen werden an die Textverarbeitung gestellt. Ein Mikrocomputer könnte sie zwar übernehmen, aber zusätzliche Funktionen wie Teletex oder Tabellenkalkulation sind nicht erforderlich. Solche Anwendungen fallen beispielsweise in einem Sekretariat an, wo normale Korrespondenz erledigt wird.

Diese Beispiele machen deutlich, daß die "klassischen" Textverarbeitung auch künftig ihre Berechtigung haben wird, selbst wenn die Möglichkeiten des Mikrocomputers weiter zunehmen. Der Mikrocomputer verfolgt meiner Ansicht nach das Ziel, die individuelle Daten- und Textverarbeitung mit "überschaubaren" Datenvolumina zu unterstützen - für weitergehende Anwendungen ist er nicht konzipiert.

Barbara Jürgensen, Unternehmensberaterin, Hamburg

Veranstaltungen über "Programmierte Textverarbeitung" begannen noch vor wenigen Jahren mit der Frage: "Textverarbeitung ja oder nein?" oder "Brauchen wir überhaupt Textverarbeitung?". Die Zuhörer, die damals schon wußten, daß die "Programmierte Textverarbeitung" mehr war als das gelegentliche Briefeschreibern in Homecomputerqualität, konnten sich bei dieser Fragestellung ein Lachen nur selten verkneifen. Heute geht es in vielen Unternehmen nicht mehr um die Frage: "Brauchen wir überhaupt Textverarbeitung?", sondern "wann" oder besser noch "wie" fangen wir schon möglichst bald damit an? Dabei gibt es dann meist sofort ein unüberwindliches Problem: Wie kann man alle Wünsche nach Individualität, Qualität und Anwendung der "textproduzierenden Zunft" in einem Betrieb unter einen Hut bringen? Bei Einführung Programmierter Textverarbeitung (PTV)" scheiden sich die Geister. Trouble ist angesagt. Das reicht von vorläufig überhaupt nicht' bis hin zu dem Rezept, man werde nun ganz listig die Technik von links überholen: "Wir nehmen die Bürokommunikation von übermorgen, die Programmierte Textverarbeitung" von morgen und kochen damit ein Konzept für heute". Auch wenn man es umgekehrt macht : Dieses Menü führt garantiert zur Magenverstimmung.

Die Textverarbeiter" wurden und werden mitsamt ihrer PTV von so manchem Datenverarbeitend als leicht meschugge "Exoten" belächelt. Nun ist PTV plötzlich "in", weil die Mikrocomputer-Industrie die Programmierte Textverarbeitung für sich entdeckt hat. Bürokommunikation heißt das neue Schlagwort einfallsreicher Werbestrategen. Endlich wissen wir es alle: Kommunikation und Information im Büro ist meist gesprochene oder geschriebene Textinformation. Je schneller die Textverarbeitung über Sachverhalte informiert, je flüssiger läuft die Büroarbeit ab. Nachdem die Hard- und Softwareanbieter im Mikrocomputerbereich sich diese Erkenntnis zu eigen gemacht haben, wird die vorher vielgeschmähte PTV als ein wichtiger Teil der Bürokommunikation endlich anerkannt.

Warum, so fragt man sich, gibt es immer noch Probleme mit der Textverarbeitung? An den Segnungen der Mikroelektronik kann es doch nicht mehr liegen. Fast alle Geräte können doch viel mehr, als ein normaler Betrieb jemals in der Anwendung benötigt. Warum also wechseln die künftigen Anwender nicht mit fliegenden Fahnen zur vehement angepriesenen Bürokommunikation über? Vielleicht haben die Anbieter bei all den propagierten Möglichkeiten schlicht vergessen, an die Menschen zu denken, die damit umgehen sollen.

Gerade im Bereich "Text" sind die Anforderungen, Meinungen, Wünsche und auch Hemmnisse so unterschiedlich, wie selbst. Jeder Mensch, und hier wiederum ganz besonders der Büromensch, legt den allergrößten Wert auf Textindividualität in seinem Arbeitsbereich. Text, Sprache, Bild und Daten, wie soll er dieses verwirrende Angebot für sich am besten nutzen? Schließlich sind fast alle Interessenten Elektronik-Laien. Zusätzlich kommt diesem Problem noch ein anderes hinzu: Was soll angeschafft werden? Dediziertest Textsystem oder Mikrocomputer mit Standardsoftware "Textverarbeitung"? Oder besser eine Speicherschreibmaschine, vielleicht mit Bildschirm? Teletext? Bildschirmtext? Datenfernübertragung? Netzwerke? Soll man damit beginnen oder besser noch nicht? Der interessierte "Büromensch" steht den Möglichkeiten einigermaßen ratlos gegenüber. Die Büroelektronik soll seinen individuellen Wünschen in hohem Maße gerecht werden. Zweifel, daß dies in allen Fällen gelingt, hält er deshalb für angebracht. Denn vieles, was heute von den Herstellern propagiert wird, ist noch reine Zukunftsmusik.

Bleiben wir also bei dem, was heute ist: Alle namhaften Unternehmen, die es noch vor wenigen Jahren ablehnten, über Mikros laut nachzudenken, sind mittlerweile draufgekommen, daß die Mikrocomputerei auch im Bereich der Textverarbeitung Sinn macht, sofern es sich um Arbeitsplätze mit Mischfunktion handelt. Es scheint so, als ob beide Systeme Textsystem und Mikrocomputer heute gut nebeneinander bestehen können. Nicht zuletzt aus den obengenannten Gründen haben wir es heute im Bereich der "Programmierten Textverarbeitung" mit zwei Arten von Büroelektronik zu tun: den dedizierten Textsystemen und den Mikrocomputern.

Die komfortablen Textsysteme haben auch heute noch ihren Platz, nicht zuletzt deshalb, weil sie für "Vielschreiber" unentbehrlich sind. In der einfachen Handhabung sind sie den Mikrocomputern weit überlegen. Viele Wünsche an die Textverarbeitung können eben nur von guten Textsystemen zufriedenstellend gelöst werden. Das mag in einigen Jahren anders sein. Zur Zeit ist gute Textverarbeitungssoftware für Mikrocomputer noch die Ausnahme von der Regel. Hier kann man den Softwareentwicklern nur raten, sich an der Software für Textsysteme zu orientieren. Sachbearbeiter und Schreibkräfte haben sehr individuelle Vorstellung davon, wie ein Schriftstück auszusehen hat. Flexibilität und leichte Handhabung sollten daher selbstverständlich werden.

Allzu leicht wird nämlich von den Softwareentwicklern vergessen, daß nicht sie den ganzen Tag mit der Textverarbeitungssoftware umgehen müssen, sondern die Schreibkraft an ihrem Schreibarbeitsplatz. Hard- und Software ist für die Frauen tägliches Handwerkszeug und keine technische Spielerei. Je leichter dieses Handwerkszeug funktioniert, je eher wird sie es akzeptieren. "Maus- und Window-Technik" oder Tast-Bildschirme begeistern eher Männer als Frauen. Schließlich geht es bei der Arbeit nicht um Spielereien, sondern darum, sehr oft sehr schwierige Texte auf Papier zu bringen - und das wiederum möglichst einfach und schnell.