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30.03.1979 - 

Erwiderung auf die Ansätze eines neuen Taylorismus: (Teil I)

"Textverarbeitung" neben "Datenverarbeitung"

Nach Hinweis auf diese - im allgemeinen als mangelhaft zu bezeichnende - Quellenbasis muß es angesichts dieses kontroversen Themas gestattet sein, etwas weiter auszuholen, um dann das eingangs erwähnte Konzept zu erläutern, zu analysieren und mit alternativen Strategievorstellungen zu ergänzen. U. Steinhilper, Geschäftsführer der IBM Deutschland und zuständig für den Bereich Textverarbeitung, gilt als "Vater der Textverarbeitung". Während eines USA-Aufenthaltes 1956 kam ihm die Idee, neben den Begriff "Data Processing" den Begriff "Word Processing" zu Stellen. IBM honorierte diesen "Verbesserungsvorschlag" mit einer kleinen Prämie. Seit 1963 spricht man im deutschsprachigen Raum parallel zur "Datenverarbeitung" von der "Textverarbeitung".(vgl. CW Extra 1978).

Dabei ist man sich über den Begriffsumfang keineswegs einig. Soll man einerseits "Vor- und Rüstarbeiten der eigentlichen Textverarbeitung" (also das Diktieren), andererseits "Nacharbeiten der eigentlichen Textverarbeitung" (also das Ablegen) dazu rechnen? Die ANSI-Definition für Word Processing lautet: "Textverarbeitung ist die Übertragung von Ideen und Informationen in eine lesbare Form durch den richtigen Einsatz von Verfahren, Geräten und Personen." (Zitiert nach Steinhilper 1976, 10.) Andere wollen den Begriffsumfang weiter sehen, indem die "textorientierte Informationsverarbeitung" vom Konzipieren und Formulieren eines Textes über das Diktieren zur Fixierung durch das Schreiben bis hin zur Vordruckgestaltung, zur Reproduktion und zum Transport beziehungsweise zur Archivierung von Texten reicht. Auch der VTV trat einst mit der Definition an, alles zwischen Konzipieren und Archivieren sei Textverarbeitung, doch wird er vom AWV immer mehr auf das kleine Feld des Schreibens zurückgedrängt, "vielleicht folgt bald die Selbstauflösung".

Allgemein verbreitet ist es, Textverarbeitung zu gliedern in:

- Textbearbeitung, womit man die mehrfache Überarbeitung individueller Schriftstücke meint, bis sie ihre endgültige Form erreicht haben.

- Programmierte Textverarbeitung, womit man das Erstellen von Texten aus Textbausteinen meint; "Erstellen" beinhaltet dabei sowohl das Kombinieren von Textbausteinen als auch das Einfügen von Variablen.

-Serienbriefe sind gleichlautende Texte, die für verschiedene Empfänger erstellt werden.

Diese Gliederung zeigt, daß es sich nicht um verschiedene Formen der Textverarbeitung, sondern um Textverarbeitungsaufgaben unterschiedlicher Anforderungen handelt, die - im Hinblick auf die Technologieunterstützung - zu unterschiedlichen Automatisierungsgraden führt. Daher ist für unsere Absichten der Begriff "Textverarbeitung" ausreichend, und wir verwenden zur Verdeutlichung der Tatsache, daß dafür Computer als unterstützende Hard- und Softwaretechnologien eingesetzt werden, den Begriff "Computerunterstützte Textverarbeitung".

Mehr in die Methodik investieren

Als zentrale Fragen der Textverarbeitung werden heute - in dieser Reihenfolge - von Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaftlern, Organisationen und so weiter angesehen.

- Wie können Schreiben und Verwalten getrennt werden?

- Wie können zentralisierte Schreib- und Verwaltungssekretariate installiert werden?

- Wie kann man Wirtschaftlichkeitsstreben und Automatisierungsstreben einerseits und Humanisierungsstreben andererseits "unter einen Hut bringen"?

Zunächst, und auch hier vielleicht etwas überdeutlich gezeichnet, was dahintersteckt: Tatsache ist, daß die meisten "Textautomaten" unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten nur dort vertretbar sind, wo ein entsprechendes Mengengerüst an Texten durch die Konzentration des Schreibens hergestellt wird. Dem hinterlegt man ein bestimmtes Verständnis von "Wirtschaftlichkeit" (siehe oben); wahrscheinlich ist, daß auch ohne diese Schreibkonzentration ein Wirtschaftlichkeitseffekt erzielt werden kann, wenn man sich nicht nur auf den Mengenaspekt fixiert, sondern auch die Qualität der Sachbearbeiterunterstützung mit in Rechnung stellt. Der damit geforderte arbeitsplatzbezogene Technologieeinsatz setzt aber voraus, daß man mehr in die Methodik investieren müßte; einfacher ist es; die Schreibkonzentration zu fördern.

Weiter, und dies in der Hauptsache, schließt diese falsche Fragestellung jede Diskussion um alternative Organisationskonzepte aus. Diese Fragestellung zielt nicht auf den Kern des Problems, "weil sie den Berührungspunkt zwischen Sachbearbeitung auf der einen und daraus resultierender Dienstleistungsfunktion auf der anderen Seite nicht berücksichtigen kann".

Die Beantwortung der beiden ersten Fragen ist - geht man einmal von ihrer Zweckmäßigkeit aus - außerordentlich einfach. Sie wird unterstützt von einer ideologischen Verteufelung des Sekretariatsarbeitsplatzes, der als "unorganisierter Mischarbeitsplatz" bezeichnet wird. "Unorganisiert" aus der Sicht einer zentral reglementierten Organisation, "Mischarbeitsplatz" aus der Sicht tayloristischer Prinzipien (4). Nach den Möglichkeiten einer zweckmäßigeren Organisation unter Zuhilfenahme der Potentiale einer Selbstorganisation wird ebensowenig gefragt wie nach den positiven Effekten sinnvoll durchmischter Aufgabeninhalte; man verfolgt eine Art "negativer Arbeitsstrukturierung". Schließlich wird, wie schon erwähnt, von der Sekretariatsfunktion und nicht von der zugrunde liegenden Sachbearbeiterfunktion ausgegangen.

Die Trenn- und Zentralisierungsmethode ist denkbar einfach: Man nehme die "unorganisierten Mischarbeitsplätze" und untersuche ihre Arbeitsinhalte nach drei Gesichtspunkten:

- Welche Tätigkeiten sind Schreibtätigkeiten ?

- Welche Tätigkeiten sind Verwaltungstätigkeiten ?

- Welche "Resttätigkeiten" verbleiben?

Schreibtätigkeiten sind zentralen Schreibsekretariaten, Verwaltungstätigkeiten zentralen Verwaltungssekretariaten zuzuordnen. Die Resttätigkeiten werden an die Sachbearbeiter zurückdelegiert.

Es fällt auf, daß sich die dafür einschlägige Literatur (Steinhilper 1976) mit den Konsequenzen dieser Organisationsstrategie zwar in bezug auf die Schreib- und Verwaltungssekretariate und die dort tätigen Personen, nicht jedoch in bezug auf die Sachbearbeiterplätze auseinandersetzt. Als "Vorteile von Textverarbeitungszentralen" werden

beispielsweise genannt:

- Abwechslung durch vielseitigen Schreibstoff,

- Arbeitsplatzgestaltung besser,

- Teambewußtsein wird entwickelt,

- echte Leistungserfassung. .

"Ergonomie" ist nicht gleich "Humanisierung"

Daß damit jedenfalls dem Humanisierungsziel nicht oder nur graduell genügt wird, wird oft verkannt, insbesondere deshalb, weil man von einer Gleichsetzung von Ergonomie und Humanisierung ausgeht. Unbestritten ist, daß man ergonomisch in der Tat einiges getan hat; dies kann aber nicht als ein diesem Organisationskonzept immanentes Charakteristikum angesehen; werden, so daß die Ergonomie auch bei anderen Konzepten "stimmen" kann. Bestritten werden muß, ob die Arbeitsbeziehungen verbessert werden. Statt von "Teams" muß wohl eher von direkter persönlicher Aufsicht über ein Kollektiv einzeln tätiger Spezialarbeiterinnen gesprochen werden; zu wechselnden und zahlreichen Auftraggebern bestehen entindividualisierte indirekte, diffuse Beziehungen; der Informationsfluß ist personenunabhängig. Als "Reparaturmaßnahmen" werden folgende Kompensationstrategien vorgeschlagen:

- Ständige Kontrolle der Arbeitsbedingungen unter dem Gesichtspunkt auch längerfristiger Erträglichkeit und Zumutbarkeit;

- Arbeits- und Akkordgestaltung unter Mitwirkung der betroffenen sowie Berücksichtigung der vorliegenden Erfahrungen;

- Anreize für psycho-physische Ausgleichsaktivitäten, um die Auswirkungen einseitiger Beanspruchung zu mindern.

"Wird nicht in dieser Weise verfahren, trägt die Einrichtung zentraler Schreibbüros nicht nur nichts zur Humanisierung der Arbeit bei, sondern fördert eine inhumane Konditionierung für spezielle Höchstleistungen im Sinne eines überholten Taylorismus."

*Auszug aus: Arbeitsbericht Nr.11, Institut für Fertigungswirtschaft und Betriebsinformatik der Universität Linz.