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08.02.1985 - 

Softwarehaus Danet stellt Unix-Rechenzentrum vor:

Textverarbeitung reduziert Einstiegskosten für Unix

DARMSTADT - Als sich das Darmstädter Softwarehaus Danet 1982 ein neues Rechenzentrum zulegte, wurde dabei ein besonderes Gewicht auf die Textverarbeitung gelegt. Die Gründe: Einerseits macht eine gute TV den Programmierern das Leben wesentlich leichter, zum anderen wird durch die Nutzung der Textverarbeitung in verschiedenen Arbeitsbereichen der Einstieg in die Unix-Welt erschwinglich.

Im Mittelpunkt der Tätigkeit aller Mitarbeiter in einem Softwarehaus steht die Textverarbeitung mit den Aspekten der Dokumentation und Archivierung. Die Entscheidung für ein Werkzeugsystem im Büro muß allerdings immer die gesamten Anforderungen, also auch die des Softwareentwicklers, mit berücksichtigen. Von diesen Prämissen ausgehend, ergibt sich folgende Ausgangssituation bei der Entscheidungsfindung:

- Softwareentwicklungen und damit verbundene Textverarbeitung müssen auf unterschiedlichen Zielsystemen durchgeführt werden.

- Die oft vom Kunden für die Projektlaufzeit zur Verfügung gestellten Zielsysteme können nur über einen begrenzten Zeitpunkt benutzt werden, wodurch spezielle Eigenentwicklungen von Werkzeugen unwirtschaftlich sind.

- Die Zielsysteme verfügen oft nur im beschränkten Umfang über moderne Werkzeuge und Hilfsmittel für das Büro beziehungsweise den Entwickler.

- Die bedingt verfügbaren Textverarbeitungsbausteine auf dem Zielsystem haben unterschiedliche Benutzeroberflächen, wodurch ein laufendes neues Einarbeiten erforderlich ist.

Aufgrund dieser Ausgangssituation stand bei der Danet im Hinblick auf die RZ-Gestaltung die Forderung nach einem integrierten System, das gleichzeitig Büroarbeiten und Softwareentwicklungen unterstützt, im Vordergrund. Weitere Punkte aus dem Pflichtenkatalog: Einerseits mußte die neue Anlage als Front-end-System den Anschluß möglichst vieler unterschiedlicher Zielsysteme erlauben. Dabei konnte es sich um Mikroprozessoren, Arbeitsplatzcomputer und Mainframes handeln. Zum anderen sollten über das System nicht nur die örtlich tätigen Mitarbeiter kommunizieren sondern auch zukünftige Danet-Geschäftsstellen hinsichtlich ihrer Bürokommunikationsfunktionen verknüpft werden.

Zentrale DV bei mehr als 10 Arbeitsplätzen günstiger

Als Folge dieser beiden Anforderungen war natürlich auch eine hohe Verfügbarkeit der Systemleistung gefragt. Als weitere Randbedingung wurde festgelegt, daß ein herstellerneutrales Mehrplatzsystem anderen Alternativen vorzuziehen ist. Das zugrunde liegende Betriebssystem sollte einem gewissen Standard nahekommen, um in der Auswahl von Werkzeugen und Anwenderpaketen freizügig zu sein.

Vereinfacht dargestellt stehen nun zwei alternative Systemlösungen zur Auswahl. Entweder man entscheidet sich für dezentrale Workstations mit lokaler Prozessorkapazität auf Arbeitsplätzcomputer-Basis und zentraler Speicher- sowie Druckerkapazität oder aber für zentrale Intelligenz mit größerer Prozessor-, Speicher- und Druckerkapazität sowie einfachen Bildschirmgeräten am Arbeitsplatz.

Eine überschlägige Kostenkalkulation verschaffte Klarheit. Bei mehr als etwa zehn Arbeitsplätzen stellt die zentrale Lösung die wirtschaftlichere darstellt. Bei eingehender technischer Analyse verfügbarer Lösungen zeigte sich - was auch heute noch gültig ist -, daß eine Integration von Unix-Einplatz-Systemen über LANs nicht unterstützt wird. Beim Vergleich mit Einplatz-Textverarbeitungssystemen, die in der Preisklasse 10000 bis 15000 Mark erhältlich sind, erkennt man deutlich die für eine Integration der Arbeitsplätze in ein Gesamtsystem notwendigen Vernetzungskosten in Höhe von rund 15 000 Mark. Da das System für mindestens 20 Arbeitsplätze ausgelegt werden sollte, kam nur die zentrale Lösung in Betracht. Nach der Entscheidung für die Zentralrechnersysteme auf DEC-VAX-Basis galt es, das Betriebssystem sowie die für eine integrierte Textverarbeitung erforderlichen Bausteine auszuwählen.

Wir waren auf der Suche nach einem Unix-Betriebssystem, das dem Standard III mit Weiterentwicklung zum System V von AT&T entspricht. Alternative dazu wäre aber auch eine UNIX-Oberfläche (Workbench) in Frage gekommen, die unter VMS ablauffähig und mit dem Native Mode kompatibel ist. Letzterer Wunsch kam von den Softwareentwicklern, um auch Programme unter VMS entwickeln und parallel zur Textverarbeitung arbeiten zu können.

Bezüglich der Textverarbeitung waren unter anderen ein leistungsfähiger Texteditor mit "Mehrfenster-Menütechnik" und Terminals mit Funktionstasten und Textbausteinen zur Formatierung von Texten gefordert.

Ferner sollte eine Mailboxfunktion zur Verteilung von Nachrichten zwischen Sachbearbeitern untereinander sowie mit dem Sekretariat integriert werden.

Nach eingehender Analyse vorhandener, am Markt angebotener UNIX-Produkte entschied sich Danet für die folgenden Produkte:

* Betriebssystem Unix IS/3. Es läuft im "Native Mode" auf den meisten DEC-PDP-11- sowie allen VAX-11-Anlagen und wird , gewartet von der Firma Bell Telephone/Antwerpen. Es entspricht im Funktionsumfang dem System III der AT&T. Das auf VMS ablauffähige Produkt IS/WB ist in seinen Leistungen bezüglich der Benutzeroberfläche für die Textverarbeitung kompatibel mit IS/3.

* Das Produkt INed ist ein bildschirmorientierter Texteditor, der praktisch auf jedem Bildschirmgerät mit programmierbarem Cursor abläuft. Wesentliche Merkmale sind eine Mehrfenstertechnik mit simultanem Zugriff auf bis zu elf Dateien mit freier Positionierung von Fenstern und Cursor. In Kombination mit einem speziellen Textverarbeitungsterminal (INext 11) können bis zu 30 Befehle über Funktionstasten ausgeführt werden. Durch Mikroprogramme zur Ausführung der einzelnen Funktionen im INext-Terminal wird das Zentralsystem wesentlich entlastet.

* Das Produkt INword dient zur Formatierung und Ausgabe umfangreicher und stark strukturierter Dokumente, wobei die Formatierung aus Durchsatz- und Antwortzeitgründen von der Texteingabe abgetrennt wird. Beispielsweise ist mit dem Randausgleich automatisch eine Silbentrennung verbunden.

* Das Produkt INmail ist eine elektronische Nachrichtensende- und Empfangsfunktion. Jeder Benutzer des Systems hat eine private Mailbox zum Empfangen von Meldungen anderer Benutzer, die vor dem Zugriff anderer Benutzer geschätzt ist. Vierzehn durch Parameter zu definierende Funktionen stehen zur Verfügung.

Nennenswerte Erfahrungen, die neben den üblichen Problemen bei der Installation neuer Hardware und insbesondere Software auftreten, ergaben sich in verschiedener Hinsicht. So wurden die Auslastungsgrenzen aufgrund eigener Fehleinschätzungen schneller erreicht als geplant. Dieses erforderte bald den Ausbau des Arbeitssystems und wesentliche Erweiterung der Plattenkapazität. Außerdem zogen die Anforderungen an die Archivierung von Text- und Projektbibliotheken schon bald die Installation einer zunächst nicht geplanten Magnetbandstation sowie eine Erweiterung der Plattenspeicherkapazität nach sich.

Die größte Aufregung verursachten jedoch Probleme an der Benutzerschnittstelle, wie beispielsweise Störungen an den Schönschreibdruckern, nicht ausreichende oder mangelhafte Dokumentation für den Benutzer und unklare organisatorische Abwicklung von Pool-Geräten wie beispielsweise Druckerbedienung.

Schließlich und endlich werden anspruchsvolle Werkzeuge und Hilfsmittel, die Unix und die weiteren Textverarbeitungsprodukte bieten, nur von einem Teil der Benutzer akzeptiert und eingesetzt. Eine breitere Nutzung setzt sich nur langsam durch und kann nur durch umfangreiche und regelmäßige Schulung erreicht werden.

Kein TV-Engpaß mehr im Sekretariat

Die Verlagerung von Textverarbeitungsaufgaben aus dem "Engpaß" Sekretariat zum Arbeitsplatz der Mitarbeiter war eine weitgehende organisatorische Veränderung, die mit der Einführung des Systems verbunden war.

Jeder Mitarbeiter kann heute an seinem Arbeitsplatz über das Bildschirmterminal Dokumentationen, Studien oder Briefe erstellen, korrigieren oder anderen Mitarbeitern zusenden. Der Ausdruck wird vom Sekretariat, das auch noch weiterhin Texte nach Vorlagen erstellt, kontrolliert. Dabei machte man insofern positive Erfahrungen, als daß die neuen TV-Möglichkeiten von den Mitarbeitern voll akzeptiert wurden.

Darüber hinaus zeigte sich ein deutlicher Abbau von Spitzenbelastungen im Sekretariat. Leider gab es aber auch eine Kehrseite der Medaille. So war die Verfügbarkeit des Schönschreibdruckers mit Einzelblattführung unbefriedigend und das System verfügt noch nicht über die wünschenswerten Anpassungen an deutsche Verhältnisse (Umlaute, Trennungen). Zudem ist auch die Textverarbeitung von dem Ausfall des Rechners betroffen. Ein weiterer Nachteil: Die Einführung und Durchsetzung organisatorischer Maßnahmen ist durch die Verlagerung von Funktionen an den Arbeitsplatz aller Mitarbeiter schwieriger geworden.

Die Kostenstruktur entspricht vergleichbaren Rechenzentren, wobei die beiden größten Kostenblöcke die Hardware/Software-Abschreibung und die Personalkosten - unterschiedlich aussehen können. Bei unserer Kostenrechnung wurden eine Abschreibung auf 36 Monate und die Personalkostenanteile von Mitarbeitern mit rechenzentrumsbezogenen Aufgaben zugrunde gelegt. Auf dieser Berechnungsbasis ergeben sich bei uns monatlich Gesamtkosten in Höhe von 21500 Mark. Bei einer Umlage auf 15 Arbeitsplätze fallen pro Arbeitsplatz und Monat rund 1500 Mark an. Die monatlichen Mietkosten für Einzelplatzsysteme vergleichbarer Leistung liegen bei etwa 1200 Mark.

Die Analyse des Nutzens ist nur firmenspezifisch zu sehen. Insbesondere muß bei Danet der Einsatz als Werkzeug für die Softwareentwicklung neben der schwerpunktmäßigen Nutzung als Büroarbeitsmittel mit betrachtet werden.

Bei Danet gelten die folgenden Voraussetzungen für eine Nutzenbetrachtung:

- Die Softwareentwicklung für Kunden, die auf UNIX-Systemen basiert, beschäftigt durchschnittlich zehn Mitarbeiter.

- Beim Erstellen und Ändern von System-Dokumentationen und Studien greifen mit unterschiedlicher Intensität 20 bis 25 Mitarbeiter auf das System zu. Hierbei ist die integrierte Textverarbeitung und Kommunikation innerhalb eines Projektteams sowie zwischen Sachbearbeitern und dem Sekretariat von ausschlaggebender Bedeutung.

- Es existieren drei unabhängige Sekretariate, die mit speziellen Textverarbeitungsterminals an das System angeschlossen sind.

- Für den eigenständigen Bereich "Unix-Produkte" wird das System zur Demonstration bei der Vertriebsunterstützung sowie bei der Pflege und Weiterentwicklung eingesetzt.

Bewertet man die Nutzung aus der Sicht externer Projekte und interner Arbeiten und rechnet monatlich etwa 1000 Mark pro Sachbearbeiterterminalnutzung und 1500 Mark pro Textverarbeitungsterminalnutzung in den Sekretariaten hinzu, so ergibt sich ein Gesamtnutzen von ebenfalls 21500 Mark. Die Nutzenbetrachtung ergibt übrigens, daß etwa 50 Prozent der Kosten von der reinen Textverarbeitung abgedeckt werden. Die andere Hälfte muß durch Softwareentwicklungaktivitäten beigetragen werden.

Aus der Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen sind folgende Erkenntnisse abzuleiten:

- Rein rechnerisch ist eine Kostendeckung auch bei der Integration verschiedener Anwendungsfelder in der Anfangsphase schwer zu erreichen. Hierbei muß angemerkt werden, daß insgesamt etwa 40 Mitarbeiter weniger oder mehr das System in seiner Gesamtheit nutzen.

- Für ein Softwarehaus der Größenordnung von Danet im Bereich Darmstadt mit zirka 70 Mitarbeitern ist die Notwendigkeit gegeben, Kosten in erheblichem Umfang Softwareprojekten zuzurechnen.

- Einstiegskosten in neue Märkte (Unix) sowie Produktentwicklung mit Hilfe von UNIX-Werkzeugen können nur durch Integration anderer Anwendungen wie beispielsweise der Textverarbeitung reduziert werden.

Die Kosten/Nutzen-Analyse zeigt darüber hinaus, daß ein wirtschaftlicher Einsatz ausschließlich für den Bürobedarf schwer erreichbar ist. Es müssen andere Arbeitsbereiche, wie beispielsweise die Softwareentwicklung, zur Kostendeckung mit herangezogen werden.

Für eine Grundsatzentscheidung in der Richtung, wie sie Danet mit einem umfassenden und komfortablen UNIX-System getroffen hat, sind eine Reihe von nicht exakt bewerteten Nutzungsfaktoren zu berücksichtigen. Dazu gehören zum Beispiel Produktqualitätsverbesserungen, eine erhöhte Attraktivität des Arbeitsplatze, zusätzliche Vertriebssegmente und ein Know-how-Gewinn mit neuen technologischen Entwicklungen.

Jetzige Systemkonfiguration läßt noch Wünsche offen

Ein weiterer Ausbau des Danet-Rechenzentrums ist geplant, Insbesondere sollen andere Unix-Versionen wie zum Beispiel Berkeley bsd 4.2 beziehungsweise Ultrix von Digital Equipment verfügbar gemacht werden, Hinzu kommt die Forderung nach einer begrenzten Bereitstellung des Betriebssystems VMS auf VAX-Anlagen. Diese Zielvorstellung kann man nur mit Hilfe einer separaten Maschine, die an das Textverarbeitungssystem IS/3 gekoppelt wird, erfüllen. Der Zugang für alle Teilnehmer würde denn über das bestehende IS/3-System erfolgen.

Aus dem Bürobereich gibt es seit langem die Forderung nach Hochleistungsdruckern, die neben grafischen Darstellungen auch verschiedene Drucktypen in unterschiedlicher Größe liefern. Insbesondere kommen diese Forderungen aus dem Management, um Unterlagen für Kundenpräsentationen und Druckvorlagen gestalten zu können. Diskutiert wird der Einsatz von Laserdruckern oder Hochleistungs-Matrixdruckern.

Monatliche Kostenstruktur

monatliche Kosten

Hardware/Software 10000,-DM

Wartung 4500,-DM

Material (Papier, Datenträger etc.) 500,-DM

Installation, Reparatur 500,-DM

Nebenkosten (Energie, Räume etc.) 1500,-DM

Personalkosten 4500,-DM

Gesamtkosten 21500,-DM

Monatlicher Nutzen

Softwareentwicklung extern

* durch externe Softwareprojekte abgedeckt (4 Arbeitsplätze) - 4000,-DM

* durch Qualitäts- und Produktverbesserungen abgedeckt (2 Arbeitsplätze) - 2000,-DM

Softwareentwicklung intern

* Entwicklung eigener Unix-Produkte (2 Arbeitsplätze) - 2000,-DM

Textverarbeitung

* Nutzung durch Verlagerung an den Arbeitsplatz des Sachbearbeiters ermöglicht Einsparung von ca. 1,5 Sekretärinnen - 6000,-DM

* Nutzung von 3 Sekretariaten mit Textsystem (3 Arbeitsplätze a 1500,-DM) - 4500,-DM

Produktvertrieb

* Demonstrationen, Dokumentation, Pflege, Weiterentwicklung (3 Arbeitsplätze) - 3 000,-DM

*Gesamtnutzen - 21500,-DM