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16.01.1976 - 

Itertext 75, Friedrichshafen:

Textverarbeitung wird zur DV-Aufgabe

FRIEDRICHSHAFEN - Eine "sehr schnelle Evolution" auf dem Gebiet der computerunterstützten Textverarbeitung erwartet Prof. Dr. H. L. Müller-Lutz, für Betriebsorganisation und Datenverarbeitung zuständiges Vorstandsmitglied der Allianz Versicherungs AG, München: "Eine Kombination von. Text- und Datenverarbeitung bietet sich schon deshalb an, weil in den auf Computerseite entstehenden Datenbanken umfangreiche Textangaben wie Adressen oder Produktbeschreibungen gespeichert sind und außerdem in ein Datenbanksystem ausgesprochene Textdateien eingebaut werden können" , erklärte Müller-Lutz beim Kongreß "Intertext 75" in Friedrichshafen.

Spezialkenntnisse erforderlich

Die Verschmelzung von TV und DV sollte nach Meinung von Müller-Lutz allerdings weder ein Fachmann für das eine noch für das andere Gebiet, sondern ein Betriebsorganisator mit Spezialkenntnissen übernehmen. "So verlockend eine möglichst weitgehende Übernahme der Textverarbeitung auf den Computer auch erscheinen mag - man muß bedenken, daß damit ein sehr hoher Integrationsgrad erreicht wird, man könnte beinahe sagen, ein zu hoher Integrationsgrad.

Die Elastizität wird dadurch eingeschränkt, überdurchschnittlich schnelle Abwicklungszeiten werden mit langen Vorbereitungs- und Änderungszeiten erkauft", warnte Müller-Lutz und verwies auf Groß-/Kleinschreibung, Zeilenausgleich und Silbentrennung, die bei der konventionellen Textverarbeitung selbstverständlich seien, für die DV aber zusätzliche Schwierigkeiten brächten.

Bildschirm am besten

Organisatorisch wäre es - so Müller-Lutz - am günstigsten, wenn der Sachbearbeiter direkt über Bildschirm das Ausdrucken eines Computerbriefes auslöst, der dann sofort über die Postbearbeitungsstraße des Betriebes an den Empfänger weitergehen kann - vorausgesetzt, der Betrieb entschließt sich zur maschinellen Unterschrift. Durchsicht und Unterschrift des Briefes durch den Sachbearbeiter bringe nämlich nicht nur Wege-Warte- und Bearbeitungszeiten, sondern führe auch zur Gefahr neuer Engpässe und Rückstände.

Totale Reorganisation nötig

Als Voraussetzung für die computerunterstützt Korrespondenzabwicklung nannte Udo Hermannstorfer (Gäufelden) die totale Reorganisation des Diktierens und Schreibens und ein durchrationalisiertes Vordruckwesen. Hermannstorfer kritisierte, daß Textverarbeitungssysteme bisher immer nur als Standardsysteme in "Einheitsblöcken" zu haben und nicht variabel genug seien. "Dazu kommt, daß die Speichereinheiten im höchsten Maß inkompatibel sind. Wir haben es erst 1975 soweit gebracht, daß wenigstens Magnetkarten einer Maschine für eine andere verwendet werden können."

Die wichtigsten TV-Probleme

Als wichtigste Probleme nannte Hermannstorfer:

1. Relativ langsame Ausgabe. der Druckwerke herkömmlicher Schreibautomaten.

2. Speicherbegrenzung bei den Textverarbeitungssystemen: "Wenn wir in der Textverarbeitung von 10 Million Zeichen sprechen, dann ist das für uns schon eine unvorstellbare Menge. Für ein größeres DV-System sind 10 MB überhaupt kein Problem.

3. Datenbanken: "Es geht um die Mitbenutzung von Daten, die bereits im Unternehmen in irgendeiner Form vorhanden sind und ihrer weiteren Nutzung harren. Es gibt zwar Verbindungsmöglichkeiten zwischen Speicherschreibmaschinen und EDV-Anlage, aber es ist viel leichter, dort etwas reinzukriegen als etwas rauszukriegen, und die Problematik eines sinnvollen Einsatzes steht noch ganz am Anfang."

Angst vor Prioritäten-Listen

Hermannstorfer trat ebenso wie Müller-Lutz für den Bildschirm ein ("Er wird in Zukunft unumstritten das Eingabe-Medium sein") und beklagte das Fehlen von Hardware, die den speziellen Bedürfnissen der Textverarbeitung gerecht wird.

Für individuell diktierte Texte und deren Korrekturen wird sich nach Meinung von Hermannstorfer spezialisierte Hardware vom Schreibautomatentyp her durchsetzen - für die "anlaßgesteuerte Textverarbeitung" werden Großsysteme dominieren, da ja die Datenbewegungen, die die Texte automatisch auslösen, bereits im System stattfinden. - py