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Thema der Woche


08.01.1999 - 

Thema der Woche Ausblick: 1999 im Zeichen der DV-Konsolidierung

Client-Server hat sich als Standardtechnik der Datenverarbeitung durchgesetzt, insofern verspricht 1999 eher eine Verschnaufpause, in der eine Konsolidierung des Back-Office- Bereiches stattfindet. Experimente gibt es allenfalls auf Abteilungsebene, sei es mit Java, Internet-Anwendungen oder Front- Office-Lösungen. CW-Redakteure blicken in die Zukunft.

IT-Arbeitsmarkt

Die wichtige Frage in diesem Jahr lautet, ob das große Interesse der Arbeitgeber an IT-Experten anhält. Gegen Ende des vergangenen Jahres zeigte sich ein leichtes Abflachen des Nachfragewachstums, von 60 Prozent im Sommer auf 50 Prozent im Frühherbst und 45 Prozent im Winter. Hinzu kommt, daß die Firmen Alternativen entwickeln; sie investieren in Qualifizierung, kooperieren mit dem Arbeitsamt, ziehen sich Quereinsteiger heran und bilden IT- Lehrlinge aus.

Branchenexperten meinen aber, daß solche Maßnahmen bei weitem nicht ausreichen und darum von einer Entspannung auf dem IT- Arbeitsmarkt keine Rede sein kann. Die Marktforscher von IDC glauben gar, daß auch nach der Jahr-2000-Umstellung und Euro- Einführung 500000 IT-Stellen in Europa unbesetzt bleiben.

Mit welchen Versprechungen locken Firmen künftige Mitarbeiter, und wie können sie diese halten? Im Vorteil sind auf jeden Fall die Betriebe, die sich nicht erst seit gestern Personal-Marketing auf die Fahnen schreiben, die ein gutes Image im Markt aufgebaut haben, interessante Produkte entwickeln und obendrein international aktiv sind.

Im stark mittelständisch geprägten IT-Trainingsmarkt wird es Experten zufolge in den nächsten Jahren zu einer Konsolidierung kommen: Trainingsfirmen werden von US-Anbietern aufgekauft, Kooperationen vereinbart und Anbieter in AGs umgewandelt. Auf jeden Fall aber wird der Markt weiter wachsen, Optimisten zufolge sogar zweistellig. Insbesondere das Online-Training wird sich durchsetzen.

Die Anwender werden auch weiterhin sehr stark in Informationstechnik investieren. Damit die Mitarbeiter die Systeme akzeptieren und effektiv mit ihnen arbeiten, müssen die Beschäftigten begleitet werden - durch Training, Coaching oder Betreuung. Mit Sicherheit wird die Experimentierfreude in Sachen Web-gestütztes Training zunehmen.

Was wird aus Microsoft?

Im Prozeß des US-Justizministeriums und von 19 US-Bundesstaaten gegen Microsoft haben bis zur Weihnachtspause elf der insgesamt 24 Zeugen im Distriktgericht von Washington ihre Aussagen gemacht. Wenn am 4. Januar 1999 das Verfahren wieder aufgenommen wird, steht noch die Vernehmung des Wirtschaftsprofessors Franklin Fisher vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) an. Danach wird Microsoft seine zwölf Fürsprecher vor die Schranken des Gerichts rufen.

Bislang darf die Justizbehörde mit dem Ergebnis der Verhandlungsführung und mit Chefankläger David Boies zufrieden sein. Immer wieder ist es ihm gelungen, Belege für Microsofts ausgesprochen kompromißlose Geschäftspraktiken zu präsentieren.

Viele Prozeßbeobachter rechnen aber damit, daß Microsofts Verhandlungsstrategie gar nicht darauf abzielt, Richter Jackson für ein halbwegs vorteilhaftes Urteil zu erwärmen. Die Gates- Company, so die Experten, setzt ihre Hoffnungen auf ein Appellationsverfahren. Diese Berufung nämlich würde vor dem US Court of Appeals im Distrikt Columbia abgehalten. Und mit den dortigen Richtern hat Microsoft im Juni 1998 bereits gute Erfahrungen gemacht. Seinerzeit hatten die Richter eine einstweilige Verfügung gegen Microsoft abgeschmettert.

Es könnte aber auch ganz anders kommen. Es gibt nämlich in der US- Rechtsprechung ein Schlupfloch, das Microsoft einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Sollte die Gates-Company nach einem verlorenen Klageverfahren in die Berufung gehen, könnte ein Richter auf Antrag der Gegenseite entscheiden, daß das Verfahren von großem öffentlichen Interesse ist. In diesem Fall würde ein von Microsoft eingelegtes Rechtsmittel direkt an den obersten US- Gerichtshof, den Supreme Court, weitergereicht. Und hier dürfte der Fall Microsoft nicht mehr nur in den vergleichsweise engen Grenzen technologischer Argumentationen verhandelt werden.

Hoffnungsträger Rezentralisierung

1998 war nicht das Jahr der Mainframe-Renaissance. Und auch 1999 ist nicht zu erwarten, daß die Big Irons in der Unternehmens-DV wieder das Zepter in die Hand nehmen und dezentrale Server im großen Stil ablösen. Trotzdem werden auch im neuen Jahr etliche IT-Verantwortliche versuchen, Rechen- und Speicherressourcen zusammenzufassen, um damit Kosten zu sparen und die Verwaltung heterogener DV-Landschaften besser in den Griff zu bekommen.

Rezentralisierung, Server- und Speicherkonsolidierung sind die Schlagworte, mit denen nicht nur Hardwarehersteller Kunden locken wollen. Aus naheliegenden Gründen hat etwa die IBM eine Geschäftseinheit "Server Consolidation" gegründet. Branchenexperten weisen in langen Studien auf die Vorzüge konsolidierter IT-Umgebungen hin.

Anders als noch vor einigen Jahren bedarf es für Rezentralisierungsvorhaben nicht mehr eines Großrechners in der Größe eines Kleiderschranks. Selbst die IBM, deren Geschäft noch immer in hohem Maße vom Mainframe-Geschäft abhängt, positioniert neuerdings neben der RS/6000 auch die klassische Midrange-Maschine AS/400 als Konsolidierungsplattform. Die Mittelklasserechner werden zu diesem Zweck 1999 unter anderem mit Funktionen zur logischen Partitionierung ausgestattet. Die Konkurrenten aus dem Unix-Lager stehen diesen Bemühungen nicht nach. Mit sogenannten Hybrid-Servern - Rechnern, auf denen mehrere unterschiedliche Betriebssystem-Instanzen simultan laufen können - ließen sich künftig selbst Anwendungen aus verschiedenen DV-Welten zusammenführen. Für die Konsolidierung von NT-basierten Systemen stehen 1999 eine Reihe von Acht-Wege-Servern mit Intel-Prozessoren zur Auswahl.

In die gleiche Richtung zielen die Hersteller mächtiger Storage- Subsysteme. Voraussetzung für eine Zentralisierung von Speicherressourcen ist die Entkoppelung von Server- und Storage- Hardware. Geht es nach dem Willen der Hersteller, so sollen Anwender künftig Systeme zur Datenhaltung in ein spezielles Netz auslagern (Storage Area Network = SAN). Fast alle etablierten Anbieter werden 1999 auf den SAN-Zug aufspringen - mit teilweise sehr unterschiedlichen Konzepten. Auch neue Teilnehmer im Speichergeschäft versuchen, sich eine Scheibe vom Umsatzkuchen abzuschneiden. Die SAN-Allianz von 3Com, Legato und MTI liefert dafür ein Beispiel.

Etlichen Vorhersagen zum Trotz werden die Rezentralisierungstendenzen andererseits den zunächst vielgepriesenen Thin Clients wohl auch 1999 nicht zum Durchbruch verhelfen. Das gilt für Windows-based Terminals (WBTs) oder Netzwerk-Computer (NCs) gleichermaßen. Die PC-Hersteller scheinen die Lektion gelernt zu haben und arbeiten mittlerweile ernsthaft daran, die Verwaltbarkeit der Desktops zu verbessern und damit Betriebskosten zu senken (siehe Seite 23). Auf der Prioritätenliste vieler DV-Leiter dürfte die Frage nach der richtigen Client-Architektur 1999 ohnehin weit unten stehen. Schließlich sind bis zum Jahrtausendwechsel noch einige Umstellungsarbeiten zu leisten.

Eingestellt oder auf Eis gelegt

The same procedure as every year: Auch 1999 werden die Hersteller wieder vieles entwickeln und ankündigen, was den Anwendern sonstwo vorbeigeht. Und die IT-Manager werden sich mit Problemen herumschlagen, die nach Ansicht der IT-Industrie längst gelöst sein sollten ... halt! Irgend etwas ist diesmal anders. Was war es doch? Das heißersehnte Data-Warehouse, die Einführung eines veritablen Supply-Chain-Management-Systems, die längst überfällige Formulierung einer E-Commerce-Strategie? Nein, es gibt Wichtigeres! Schließlich sind es nur noch 360 Tage bis zum 31. Dezember 1999.

Im vergangenen Jahr haben endlich auch viele deutsche Unternehmen festgestellt, daß der Jahrtausendwechsel an ihren Systemen möglicherweise doch nicht so spurlos vorübergehen könnte, wie sie gehofft hatten. Viele bereits in Angriff genommene IT-Projekte wurden daraufhin eingestellt beziehungsweise auf Eis gelegt. Mögen auch die Marktauguren predigen, eigentlich sei ohnehin schon alles zu spät: Den Unternehmen bleibt keine Wahl, als zu retten, was zu retten ist, umzustellen, was umzustellen geht, und zu ersetzen, was sich kurzfristig ersetzen läßt.

Ein beliebtes Hausmittel gegen akute Jahr-2000-Phobie ist die möglichst schnelle Einführung einer betriebswirtschaftlichen Standardsoftware, beispielsweise R/3 von SAP. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, "Accelerated SAP", kurz "Asap", einen glänzenden Erfolg zu prophezeihen. Die Alternative heißt Outsourcing. Damit läßt sich sogar die Verantwortung für die SAP-Einführung abgeben. Allerdings ist diese Medizin erfahrungsgemäß nicht frei von Nebenwirkungen.

Wie auch immer: Jahr-2000-Projekte und damit in Verbindung stehende Aktivitäten werden einen großen Teil der Ressourcen binden - sogar in den Unternehmen, die rechtzeitig mit den Umstellungen begonnen haben. Denn der Aufwand für die abschließenden Tests wird im allgemeinen unterschätzt.

Aber immerhin gibt es Licht am Ende des Tunnels. Fest steht: Nahezu alle Jahr-2000-Projekte werden in den kommenden zwölf Monaten beendet - so oder so. Und dann gibt es auch wieder genug ausgebildetes Personal für all die schönen Data-Warehouse-, Supply-Chain-Management- und E-Commerce-Vorhaben.

Der TK-Markt setzt Akzente

Der Blick in die Glaskugel verspricht im Bereich Communications für 1999 keine Sensationen. Sicher scheint jedoch, daß der Branche ein Jahr der Konsolidierung bevorsteht. Dies dürfte insbesondere für zwei Marktsegmente gelten, nämlich die Telekommunikation sowie die Sprach-Daten-Integration.

Der 1998 durch die Liberalisierung des TK-Marktes ausgelöste Preissturz von bis zu 70 Prozent wird sich in diesem Jahr fortsetzen, allerdings auf weit geringerem Niveau. Da die Anbieter nicht grenzenlos an der Tarifschraube drehen können, sind sie genötigt, sich neben dem Preis durch besondere Dienste zu unterscheiden. Jetzt ist also die Phantasie der Provider gefragt. In Sachen Service-Angebot gilt es nun, wie schon vor der Liberalisierung versprochen, Farbe zu bekennen. Insgesamt dürfte der Wettbewerb einige Anbieter zur Aufgabe beziehungsweise zur Fusion mit anderen Carriern zwingen.

Mit Spannung wird natürlich auch die Entscheidung der Regulierungsbehörde über die Monats- und Anschlußgebühr für die letzte Meile erwartet, die Ende April fallen soll. Auf eine neue Form des Wettbewerbs sowie der Angebotsstruktur müssen sich 1999 auch die Hersteller von TK-Equipment einstellen. Ihre leitungsvermittelnde Technik für Sprachnetze ist auf dem absteigenden Ast und erhält durch die paketorientierte IP-Technik aus dem Lager der Netzwerker Konkurrenz. Der Vorteil: Sprache und Daten können über ein Netz betrieben werden. Der Nachteil: Die Sprachqualität ist noch nicht ausreichend gesichert. Dennoch gehört dieser Technologie die Zukunft und wird den 1998 begonnenen Konzentrationsprozeß zwischen beiden Lagern verstärken.

Aber auch in anderen Bereichen schlägt für viele Anbieter und Standards 1999 die Stunde der Wahrheit. Für Novell gilt es zum Beispiel, seinen Verzeichnisdienst Novell Directory Services weiter zu pushen, um den Fuß in der Tür der Unternehmen zu behalten.

Spannend wird es auch für die Betreiber von Satellitendiensten. Nach Iridium wollen weitere Konsortien an den Start gehen. Doch die Chancen stehen schlecht, denn mit dem kommenden internationalen Mobilfunkstandard Universal Mobile Telecommunications System droht Gefahr. Eng dürfte es auch für den Token Ring werden. Die 100-Mbit-Version hat bisher nicht eingeschlagen, über eine Gigabit-Variante wird zwar nachgedacht, sie ist aber nicht in Sicht.

Interessant dürfte auch sein, welche Akzeptanz einige neue Technologien am Markt finden. Zum Beispiel die Zugangstechnik ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line), die jetzt von der Telekom angeboten wird.

Jahr der Web-Shops

Nachdem sich die Marktforscher 1998 mit Prognosen über die Umsatzentwicklung im E-Commerce gegenseitig übertrumpften, nimmt der elektronische Handel 1999 langsam Gestalt an. Angesichts der Vielzahl neuer Web-Aktivisten dürfen sich die Betreiber von Web- Shops auf steigende Einnahmen freuen. Die Liberalisierung der Telekommunikation beschert den Anwendern in Deutschland auch günstigere Web-Zugänge - zur Freude der Surfer, doch zum Schaden vor allem kleinerer Provider, die dem Preisverfall nicht standhalten können.

Web-Site-Betreiber werden ihre Bemühungen verstärken, die Besucher aus dem Internet an sich zu binden. Personalisierung, also das Zuschneiden von Inhalten auf die Interessen des einzelnen Surfers, heißt eines der Zauberworte.

Der Begriff "Portal" konnte mühelos den Titel Internet-Wort des vergangenen Jahres ergattern, und die Einstiegsseiten ins Web werden auch 1999 nicht an Bedeutung verlieren. Dazu beitragen wird America Online, das Ende 1998 Netscape und damit dessen Web-Site "Netcenter" kaufte. Die Übernahme beeinflußt auch das Kräfteverhältnis im Browser-Markt, denn die Strategen von Netscape hatten den Web-Client mit einem Portal zu einer Einheit verwoben. Hier trifft das Gespann AOL/Netscape auf den Marketing-Giganten Microsoft, der mit seinem "Internet Explorer" und dem Portal Msn.com den gleichen Weg beschreitet. Yahoo ist der dritte Platzhirsch im Portal-Business. Andere Player, wie Excite, Lycos und Infoseek, werden wohl ihr Glück in Nischenmärkten suchen müssen. Die Zielgruppe für Inhalte sind aber nicht mehr nur PC- Besitzer. Erstmals dürften 1999 Informationsanbieter dazu übergehen, Content auch für die Nutzer von Palmtops, intelligenten Handys und Set-top-Boxen anzubieten.

Mit weniger Getöse, aber viel nachhaltiger setzt sich der Siegeszug der Web-Technik in der IT-Infrastruktur der Firmen fort. Die DV-Abteilungen müssen dem Wunsch nachkommen, die Anwendungen mit dem Internet zu verdrahten. Galt es bisher, Informationen über hauseigene Netze zu verteilen, sollen zukünftig Geschäftsprozesse mittels Web- und Applikations-Servern in Intranets, Extranets und das Internet eingebunden werden. Java sowie die Extensible Markup Language (XML) werden dabei eine tragende Rolle spielen. Generell läßt sich für 1999 prognostizieren: Infrastruktur und Standards sind vorhanden, nun folgen die Anwendungen.

Lösungen statt Technik

Die Hersteller waren selten so innovationsfreudig wie derzeit, doch die Anwender werden sich auch in diesem Jahr bei der Einführung neuer Techniken zurückhalten. Zu den wenigen Infrastruktur-Lösungen, für die sich Unternehmen 1999 erwärmen dürften, gehören Applikations-Server. Als Bindeglied zwischen Unternehmens-DV und Front-end-Geräten stellen sie eine unerläßliche Middleware für diejenigen Anwender, die im Internet Geschäfte machen wollen.

Bei den konkurrierenden Komponenten-Konzepten von Microsoft (Active X, COM, COM+ etc.) und Sun (Javabeans, Enterprise Javabeans) in Kombination mit dem Konsortialstandard Common Object Request Broker Architecture (Corba) ist eine Aufteilung der Anwendungsbereiche zu erwarten. Da der Siegeszug Microsofts in Richtung Unternehmens-DV wegen Schwierigkeiten zum Beispiel mit dem eigentlich für 1999 angekündigten Windows 2000 etwas gebremst ist, scheint es unwahrscheinlich, daß die vielen COM-Komponenten über Desktops und Abteilungs-Server hinaus Bedeutung erlangen. Das gibt Java- und Corba-Objekten Zeit, sich in heterogenen Umgebungen zu etablieren.

Außer dem Freeware-Unix Linux werden Betriebssysteme 1999 kaum Schlagzeilen machen. Das liegt auch daran, daß die nächste wichtige NT-Version ebenso auf das kommende Jahrtausend verschoben wurde wie der Intel-Chip für 64-Bit-Unix-Derivate.

Out sind die einst als unternehmensstrategisch geltenden Datenbanksysteme. Wenn die Mitbewerber dennoch vor Microsofts "SQL Server 7" zittern, dann liegt das weniger an den eher mittelmäßigen Funktionen als an dessen kundenraubenden Niedrigpreisen. Generell sind sich die Produkte viel zu ähnlich geworden, als daß sich der Aufwand für den Umstieg lohnen würde.

Allerdings erwarten die Hersteller auch im Anwendungssegment eine gewisse Stagnation. Speziell im Markt für Enterprise Resource Planning (ERP) sollen die Umsatzzuwächse dieses Jahres mehr von Dienstleistungen als vom Lizenzgeschäft getragen werden. Die Entscheidung für eine betriebswirtschaftliche Standardsoftware ist in vielen Unternehmen gefallen. Jetzt gilt es, mit einem "Fein- Tuning" der Stangenware individuelle Geschäftsprozesse abzubilden. Wer mit seiner ERP-Modernisierung in Rückstand geraten ist, dem soll in diesem Jahr eine Outsourcing-Offensive nahezu aller großen Hersteller Abhilfe versprechen.

Derweil bereitet die Softwarebranche ihr Anschlußgeschäft vor. Wettbewerbsvorteile verspricht jetzt nicht mehr der standardisierte ERP-Backbone, sondern das Front-Office. Geschäftsmodelle haben sich künftig stärker am Kunden zu orientieren, und dafür braucht man den Herstellern zufolge Sales Force Automation (SFA) und Data-Warehousing, um nur zwei Beispiele zu nennen. Die zum Überleben benötigten Rationalisierungseffekte kommen von ausgefeilten Planungs-Tools für Logistikketten (Supply Chain Management = SCM) und von Workflow- beziehungsweise Dokumenten-Management-Systemen für die automatisierte Vorgangsbearbeitung. Die Hersteller stehen mit Lösungen in den Startlöchern - ob die Anwender den Evaluierungsprojekten auch Installationen in nennenswertem Umfang folgen lassen, mag zumindest für SCM und Workflow in diesem Jahr noch bezweifelt werden.