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26.03.1999 - 

Thema der Woche

Thema der Woche CeBIT '99: Zufriedene Gesichter und viele Pinguine

Die Messegesellschaft und das Gros der Aussteller sehen ihre Erwartungen gegenüber der CeBIT ''99 erfüllt. Die Messetrends Internet mit E-Commerce, Supply-Chain-Management, Jahr 2000 und moderne Telekommunikationslösungen im Wireless- und ADSL-Bereich haben eine Vielzahl qualifizierter Besucher nach Hannover gelockt. Für Überraschungen sorgte der Einzug von Linux in kommerzielle Lösungen.

Bei allen positiven Stellungnahmen war die CeBIT überschattet vom Fachkräftemangel in der IT-Branche. In seiner Zwischenbilanz zur Messehalbzeit bezifferte der Bundesverband Informations- und Kommunikationssysteme (BVB) die Lücke auf 25000 IT-Profis pro Jahr. Die praktischen Auswirkungen dieses Negativtrends konnten Messebesucher im Gedränge der öffentlichen Verkehrsmittel am eigenen Leibe erfahren. Die zahlreich angereisten Headhunter stellten schon vor dem Messeeingang die Frage: "Suchen Sie eine neue Herausforderung in einem jungen, dynamischen Team eines zahlungskräftigen Unternehmens?"

In einem sind sich fast alle Aussteller einig: Das IT-Business boomt, und der Marktplatz CeBIT ist den hohen Anforderungen, die Firmen und Aussteller gestellt hatten, gerecht geworden. Durch die Bank schwärmen Firmenvorsitzende und Standleiter von umsatzstarken Abschlüssen zur Messe oder vom regen Interesse versierter Besucher an den Exponaten. Neben der Quantität (siehe Kasten) schien auch die Qualität zu stimmen: Durchweg sehr positiv äußerten sich die Aussteller über ihre Besucher und deren IT-Know-how. "Die ,FeaturitisÈ ist vorbei", sagt Intel-Sprecher Heiner Genzken, "Die Leute wollen wissen, wie sie neue Technologien für ihr Business einsetzen können und nicht mehr, wie Bits und Bytes funktionieren." Gerhard Lau von Bull stellt fest: "Wir Aussteller haben uns dieses Jahr einfach besser vorbereitet." Die Aussage trifft nicht nur auf Bull zu. "Die anwesenden Firmen haben die konjunkturelle Situation noch besser eingeschätzt als im letzten Jahr", lobt Hubert Lange, Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG seine Kunden.

Selbst Alexander Bojanowsky, Geschäftführer des Bundesverbandes Informationstechnik (BVIT) und konstruktiver Kritiker der CeBIT zeigte sich in diesem Jahr mit der Mammutveranstaltung zufrieden: "An den ersten beiden Messetagen war die Qualifikation der Besucher höher als in den Vorjahren." Seiner Meinung nach liegt das auch an den hohen Eintrittspreisen von 60 Mark für die Tageskarte. Allerdings bemängelte Bojanowsky den nach wie vor "problematischen Zugang" zur Messe. "Das Verkehrsleitsystem der Autobahnen hat zwar funktioniert, aber im direkten Messeumfeld kann man die Verkehrssituation nur als Desaster bezeichnen." Darüber beschwert sich auch Wolfgang Bertol, Standleiter von Amdahl: "Kunden, die am Freitag auf die Messe wollten, mußten bis zu 40 Minuten an den Toren warten. Hier ist die Messegesellschaft gefordert, solche Verzögerungen zu vermeiden. Ein Messetag hat nun mal nur neun Stunden."

Viele Besucher konnten zudem kein Taxi bekommen. Nicht nur, daß 900 aktive Droschken nicht genügen, zu allem Überfluß schneidet das neue Verkehrskonzept die Taxen von den bislang nutzbaren Schleichwegen ab, die für den restlichen Verkehr gesperrt blieben. Die Messe AG verspricht Besserung: "Im nächsten Jahr wird es wieder alternative Wege für Taxen geben, und wir werden eine zusätzliche U- und S-Bahn-Anbindung bekommen", sagt Hubert Lange.

Die Stimmen um die Verlagerung des Messezeitraums und der Ruf nach Abschaffung des Wochenendes sind leiser geworden. Vielmehr können einige Unternehmen vom Wochenende profitieren: "Samstag und Sonntag wurden wir vor allem von kleineren Händlern und dem Mittelstand besucht", bestätigt Heiner Genzken. Andere Hersteller nutzten das Wochenende zur Kontaktpflege und sahen sich bei dem Mitbewerb um. Laut Thomas Schüle von HP ist die Zahl der Privatanwender am Wochenende gesunken. Dirk Bilgram von Diamond Multimedia berichtet von einem vergleichs- weise ruhigen Wochenende, das gerade für die Multimedia-Halle 9 ungewöhnlich sei.

Für Kritik sorgten erste Gerüchte um die Teilung der weltgrößten Fachmesse. "Die Messe nähert sich den Grenzen ihrer Infrastruktur", bestätigt Messevorstand Lange gegenüber COMPUTERWOCHE. Es werden verschiedene Überlegungen angestellt. Eine Teilung wäre nur eine von mehreren Optionen. "Es gilt, erst einmal festzustellen, welche Teile man überhaupt abkoppeln könnte." Die zusammenwachsenden Märkte Telekommunikation und IT lassen sich wohl kaum trennen. Lange könnte sich aber vorstellen, Bereiche wie Büro-, Banken- oder computergestützte Fertigungstechnik in eine eigene Messe auszugliedern, die um einige Monate versetzt stattfindet. Eine andere Option sei die Verringerung der Standfläche pro Aussteller. "Die neuen Messehallen eignen sich für zweistöckige Messestände, die weniger Platz brauchen", schlägt Lange vor. Aber auch ein Modell, das die Fläche jedes Ausstellers um fünf Prozent reduziert, sei denkbar. Alexander Bojanowsky bemängelt die fehlende Einbeziehung der Aussteller bei diesen Überlegungen. "Der BVIT vertritt 160 Firmen, die in diesem Jahr 20000 Quadratmeter angemietet haben, und bisher ist die Messeleitung auf unsere Gesprächsangebote noch nicht eingegangen."

Zu den großen Messetrends in diesem Jahr zählte natürlich das Internet; nicht das Netz selbst, sondern vor allem Zugangstechnologien wie ADSL, Inhalte und E-Commerce-Lösungen. Gert Haas von Sun sieht hier eine Chance für lokale Unternehmen: "Amerikaner sehen den deutschen DV-Markt mittlerweile nicht mehr als Kolonialmarkt an, sondern als einen, in dem Software-Know-how entwickelt wird." Beispielhaft hierfür seien neben SAP Firmen wie etwa Intershop, deren Geschäftserfolge mit großem Interesse verfolgt würden. "Hier herrscht Aufbruchstimmung." Neue Märkte eröffnen sich auch für die Telekommunikationsfirmen: "Im letzten Jahr wollte jeder nur billig telefonieren", sagt Thomas Rompczyk von Otelo, "dieses Jahr stehen die Dienste rund um den Internetzugang im Vordergrund."

Der große Gewinner der CeBIT ''99 ist das Open-Source-Betriebssystem Linux. "Wir können uns vor Anfragen nicht mehr retten, sowohl von privaten als auch von geschäftlichen Interessenten", sagt Roland Dyroff, Geschäftsführer des Linux-Distributors Suse GmbH. Der Messestand des Linux-Spezialisten war tagtäglich so belagert, daß sich die Besucher bis über die Gänge hinaus in benachbarten Ständen drängten. Große Unternehmen wie SAP, IBM, Siemens und Compaq hatten in Hannover mit Pressekonferenzen und Demonstrationen untermauert, daß sie es mit dem Linux-Support ihrer Lösungen ernst meinen. Microsoft "schaue sich Linux schon genau an", erklärt selbst Unternehmenssprecher Kurt Braatz. Momentan sehe man das Betriebssystem allerdings noch als von den Medien geschaffenes Phänomen an. Definitiv könne er dementieren, daß Microsoft "Office 2000" auf Linux portieren werde. In Gesprächen mit den Geschäftskunden sei Linux noch kein Thema. Bei SCO sieht man das etwas anders: "Letztes Jahr standen viele Kunden vor der Entscheidung Unix oder NT", sagt Systems Engeneer Martin Batz. "Die meisten Besucher auf unserem Stand fragen sich dieses Jahr aber nur noch, welches Unix sie einsetzen möchten - warten wir ab, was sie im nächsten Jahr implementiert haben."

Die CeBIT 2000 wird im kommenden Jahr aufgrund der Weltausstellung Expo 2000 drei Wochen früher vom 24. Februar bis zum 1. März 2000 stattfinden. Einige Aussteller sind skeptisch "Wir müssen unsere Messevorbereitungen parallel zum Jahresendgeschäft 1999 beginnen, da kommt einiges auf uns zu", kommentiert Georg Lau von Bull. Die Messe AG sieht darin kein Problem und verspricht, wie in jedem Jahr, eine Messe mit weniger organisatorischen Problemen - "The same procedure as last year? The same procedure as every year..

CeBIT ''99 Zahlen und Fakten

In diesem Jahr stellten 7341 Firmen aus 60 Ländern auf nahezu 400000 Quadratmetern Fläche ihre Produkte vor, rund 100 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der deutschen Aussteller ist leicht rückläufig (-20). Dafür waren 120 neue ausländische Unternehmen in den Messehallen vertreten. Mit 509 Firmen führt Taiwan die Riege der Aussteller aus dem Ausland vor den USA (443) an, die nun insgesamt 38,9 Prozent der Präsentatoren ausmachen.

Bereits nach drei Tagen vermeldete die Messegesellschaft 303000 Besucher, 20 Prozent davon aus dem Ausland. Daraufhin korrigierte der Veranstalter die erwartete Gesamtzahl an Messegästen von 650000 nach oben auf 700000. Sollten sich diese Vorhersagen bestätigen würden 20000 Menschen mehr zur größten Messe der Welt anreisen als im letzten Jahr.

Zu den weniger erfreulichen Zahlen zählt die Nummer der messenah geparkten Fahrzeuge, welche die hannoversche Polizei zu Hochzeiten mit 45000 bezifferte und der daraus resultierende Messeabfahrtsstau, der laut Radio FFN kumuliert bis zu 100 Kilometer betrug - auch hier hat die Messe gegenüber dem letzten Jahr zulegen können.