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28.11.1997 - 

Terminals, Handhelds und Mini-Notebooks dominieren

Thin Clients waren das Leitthema der Comdex Fall

Auch wenn Bill Gates die Windows-basierten Terminals (WBTs) in seiner Eröffnungsrede nicht erwähnte - die schlanken Rechner waren eines der herausragenden Themen auf der größten nordamerikanischen Computerschau. Mit technischer Hilfe von Citrix und Prologue Software hat der Redmonder Softwarekonzern einen Windows-basierten Terminal-Server gebastelt, der in einer ersten Betaversion (Codename "Hydra") präsentiert wurde. Eine Handvoll ehemaliger Terminalanbieter - Boundless, NCD, Tektronix, Neoware und Wyse - stellten Client-Rechner vor, die mittels dieser Technik auf Windows-Applikationen auf einem Host-Rechner zugreifen sollen. Der "Windows-based Terminal Server" setzt gegenwärtig auf Windows NT 4.0 auf und soll in der Version 5.0 Bestandteil des OS-Kernels werden.

Zum Betatest freigegeben hat auch Citrix seine Software "Picasso". Diese soll die Hydra-Fähigkeiten auf Client-Rechner unter Windows 3.x, DOS, Mac-OS, Unix, OS/2 oder auf Java Virtual Machines (JVMs) ausweiten. Mit Hilfe von Picasso könnten auch Legacy-Applikationen wie Foxpro oder Dbase auf den Terminals abgebildet werden, so das Versprechen.

Die Windows-Terminals arbeiten in der Regel nicht mit Intel-, sondern mit RISC-CPUs unterschiedlicher Hersteller. So verwendet etwa Tektronix den "NEC-R4300"-Prozessor in seiner "Thinstream"-Baureihe. Ebenso wie die Mitbewerber liefert der Hersteller die Rechner zunächst mit Unterstützung des ICA-Protokolls (ICA = Independent Console Architecture) von Citrix aus. Mit der NT-Version 5.0, die laut Bill Gates nun doch erst in der zweiten Jahreshälfte 1998 ausgeliefert wird, soll das Microsoft-Protokoll "T-Share" in Verbindung mit dem Client-Betriebssystem Windows CE 2.0 eingesetzt werden.

Das planen auch andere Anbieter. Network Computing Devices (NCD) sieht sich dabei mit seinen "Thumper"-Terminals in Front. Diese unterstützten schon jetzt Windows CE, während die Konkurrenten bisher nur Absichtserklärungen abgegeben hätten, rührte CEO Bob Gilbertson die Werbetrommel (siehe Interview Seite 8). NCD tanzt außer mit den WBTs noch auf einer zweiten Hochzeit. Als Auftragsfertiger von IBMs "Netstation" ist der Hersteller gleichzeitig im rivalisierenden Lager aktiv. Andererseits erweitern auch Boundless mit seinen "Viewpoint-TC"-Modellen und Wyse mit den "Winterm"-Rechnern nur die bestehende Thin-Client-Produktpalette. Neoware (vormals HDS Network Systems), das die Power-PC-basierte "Neostation 200" vorstellte, war einer der ersten Anbieter von NCs.

Unbeeindruckt von den Marketing-Events um die WBTs zeigte sich IBM. Der Hersteller kündigte mit der "Network Station, Series 1000" eine Java-fähige NC-Variante an, die mit einem schnellen Power-PC-Prozessor ausgestattet ist. Für einen Einzelhandelspreis von unter 1000 Dollar liefert Big Blue die Rechner zusammen mit dem Anwendungspaket "E-Suite" von Lotus aus. Das Bundle enthält unter anderem eine Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und ein Präsentationsprogramm. Zur E-Suite Workplace zählen darüber hinaus etwa E-Mail-, Kalender- und Adreßbuchfunktionen.

IS-Verantwortliche üben bislang allerdings vornehme Zurückhaltung, wenn es darum geht, Desktop-PCs durch NCs zu ersetzen. Keiner der großen Anbieter konnte bislang nennenswerte Stückzahlen verkaufen. Für Compaqs Chef Eckhard Pfeiffer ist denn auch die jüngste Generation von schlanken PCs zu weniger als 1000 Dollar für Unternehmen die interessantere Alternative. Der Technologiewechsel sei in diesem Fall weniger gravierend. Einige Aussteller in Las Vegas propagierten solche Low-cost-Geräte.

Mini-Notebooks und Handhelds nähern sich an

Immer kleiner und schlanker werden sogenannte Ultra-Portables oder Mini-Notebooks. Am unteren Leistungsspektrum verschwimmen die Grenzen zwischen Windows-CE-basierten Handheld-PCs und sehr kleinen Notebooks unter Windows 95. Eine Reihe von Herstellern zeigte solche Produkte. Die Sony Corp. etwa lüftete den Schleier über ihrem Mini-Notebook "Vaio PCG-505". Der Kleinstrechner wiegt bei Abmessungen von 259 x 208 x 23,9 Millimetern gerade einmal 1,35 Kilogramm. Um so beeindruckender ist die Ausstattung: Mit 10,4-Zoll-TFT-Farb-Display, 133-Megahertz-Intel-MMX-CPU, 32 MB RAM und einer 1-GB-Festplatte kann sich der Windows-95-Computer mit so manchem Schwergewicht aus dem Notebook-Segment messen. Der Vaio wird allerdings nicht vor Mitte 1998 international verfügbar sein. In Japan soll der Straßenpreis bei rund 2500 Dollar liegen.

Auch der Sharp-"Mobilon" geht weit über die Funktionen bisher angebotener Minirechner hinaus. Neben einem Farb-Display und einem eingebauten 33,6-KB/s-Modem bietet der Windows-CE-Rechner wahlweise eine digitale Kamera, die Anwendern "multimediale"-E-Mail-Fähigkeiten zur Verfügung stellen soll. Compaq will 1998 ebenfalls auf den Windows-CE-2.0-Zug aufspringen. Der "PC-Companion" aus der "C-Serie" arbeitet mit einem 75-Megahertz Prozessor von MIPS und soll auch Business-Kunden ansprechen. Die Preise liegen je nach dem vom Käufer gewünschten Display voraussichtlich zwischen 500 und 700 Dollar.

Hewlett-Packard möchte sich mit dem "620 LX" ebenfalls in diesem Umfeld positionieren. Ausgestattet mit einem Farb-Display und 16 MB Arbeitsspeicher, soll der Rechner im ersten Quartal 1998 für rund 1000 Dollar über den Ladentisch gehen. Der NEC-Handheld-PC "Mobile Pro", ebenfalls für Windows CE 2.0 konzipiert, soll sich unter anderem durch einen VGA-Anschluß von der Konkurrenz abheben. Präsentationen, die der HPC-Anwender in der Pocket-Version von Microsofts Powerpoint-Software gespeichert hat, lassen sich vor Ort über die VGA-Schnittstelle auf einem herkömmlichen Desktop-Monitor betrachten.

Verhärtet scheinen die Fronten nach wie vor zwischen den Anbietern von wiederbeschreibbaren Digital Versatile Disks (DVDs) zu sein. Ungeachtet des Kompromisses des DVD-Forums, in dem sich mehrere Hersteller zusammengeschlossen haben, präsentierten Sony und Philips auf der Comdex Prototypen ihrer "DVD + RW"-Geräte. Das dabei verwendete Format konkurriert mit der "DVD-RAM"-Spezifikation des DVD-Forums, auf das sich unter anderem auch Toshiba und Hitachi festgelegt hatten. "Es ist schwer vorherzusagen, was passieren wird", kommentierte der Sony-Marketing-Manager Bob DeMoulin, "aber beide Gruppen würden letztlich doch gerne einen Standard für wiederbeschreibbare DVDs sehen." Einige potentielle Käufer auf der Messe zeigten sich bezüglich der Aussichten auf eine Einigung skeptisch und fühlten sich an die Auseinandersetzungen um die Videostandards Beta und VHS erinnert. Die Leistungsdaten von CD- und DVD-Geräten wachsen derweil weiter. Samsung und Toshiba beispielsweise zeigten CD-ROM-Laufwerke mit 32facher Standardgeschwindigkeit. Darüber hinaus konnten Besucher auch die ersten DVD-ROM-Drives mit doppelter Grundgeschwindigkeit bewundern.

Sinn für Feingefühl ließ der kalifornische Anbieter Immersion auf der ansonsten hektischen und lauten Comdex erkennen. Mit der "Feelit Mouse", so der Aussteller, lasse sich Software sinnlich erleben. Ist etwa auf dem Monitor ein aufspringender Ball zu sehen, spürt der Benutzer leichte Vibrationen an der Hand. Besonders eignen soll sich das System für den Publishing-Bereich. Intel und Microsoft unterstützen die sensible Maus, die Mitte 1998 in den Handel kommen soll.

Der Net PC lebt

Der Net PC ist tot - es lebe der Net PC. Nach diesem Motto scheint der amerikanische Ableger des Acer-Konzerns gehandelt zu haben. Nachdem die Nachfrage nach den abgespeckten Desktop-Rechnern bislang kaum meßbar war, machten die Marketiers aus der Not eine Tugend. Der sogenannte Convertible Net PC/Managed PC läßt Administratoren und Benutzern die Wahl: Per Steckmodul mit Disketten- und 24fach-CD-ROM-Laufwerk verwandelt sich der einst karg ausgestattete Net PC in einen vollwertigen "Managed PC". Natürlich entspricht diese Variante des "Acer Power Flex 4000" nicht mehr exakt den Net-PC-Spezifikationen in der Version 1.0 - aber wen kümmert das schon?