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03.02.1995

Thueringer Krankenhaus will die papierlose Verwaltung

GOTHA (ms) - Krankenhaeuser brauchen Umsatz, wollen sie ueberleben. Mit der seit 1991 geltenden Krankenhausbuchfuehrungsverordnung hat sich auch die Finanzierung geaendert. Das Gothaer Kreiskrankenhaus hat sich auf die neuen Anforderungen eingestellt. Ein Informationssystem regelt nun saemtliche interne Ablaeufe im Hause.

Zu den auffaelligen Staedten im deutschen Osten gehoert Gotha nicht. Die thueringische Kreisstadt machte zu DDR-Zeiten eher einen bescheidenen Eindruck. Gerade gut, um bei einem Urlaub einen Abstecher zu riskieren. Der 55 000 Einwohner zaehlende Ort - bekannt vor allem durch die Herstellung von Atlanten des Hermann Haack Verlages - ist dabei, sich fuer die Zukunft zu ruesten.

Es gehe voran, bestaetigen die Gothaer - und zwar schneller als in der Landeshaupstadt Erfurt. Zustimmung kommt vom DV-Chef und Leiter Rechnungswesen des Kreiskrankenhauses, Frank Wunsch. Das derzeit genutzte Informationssystem des rund 400-Betten-Hauses habe kaum Aehnlichkeit mit der duennen DV-Unterstuetzung frueherer Zeiten, als man nur einen einzigen Robotron-PC fuer die Dokumentation der Roentgenbilder einsetzten konnte. "KIS", die Anwendung der Bremer Boss GmbH - das 1981 gegruendete Unternehmen hat sich auf Krankenhaussoftware spezialisiert -, setze nun andere Massstaebe.

1991 hatte das Gothaer Klinikum mit der Arbeit an seinem neuen DV- Konzept begonnen. Eine zwingende Massnahme, wie Verwaltungsdirektor Walter Ellrich weiss. Die neuen Vorgaben fuer das Gesundheitswesen - laut dem Bundesministerium fuer Gesundheit sind ab 1. Januar naechsten Jahres alle Daten papierlos zu uebertragen - bescherten den Krankenhaeusern auch ein anderes Finanzierungssystem.

Waren zu DDR-Zeiten im Osten die Geldtoepfe der Kreise leer, so musste man auf die naechste Umverteilung der Mittel warten. Will heute ein Klinikum nicht pleite gehen, muss es wirtschaftlich denken und Umsatz machen. Im vergangenen Jahr verbuchten die Gothaer Einnahmen von 53 Millionen Mark: 45 Millionen kamen aus den Pflegesaetzen, der Rest aus Foerdermitteln.

Ellrich und Wunsch sind sich einig: "Ohne unser DV-System waere dieses Haus hier nicht mehr effektiv zu verwalten - wir koennten einpacken."

Beide erinnern sich: Anfang 1991 habe man die geltenden Pflegesaetze fuer die Patienten manuell ermitteln muessen ohne Bettenbelegungs- und Leistungsanalysen. Ergebnis: 5,6 Millionen Mark Verlust. Mit Einfuehrung der Kostenrechnung liess sich dieser Mangel beheben.

Dabei konnten sich die Thueringer zu Beginn nicht sofort fuer einen IT-Anbieter entscheiden. Gelandet sei man schliesslich bei IBM. Der blaue Riese "machte uns den sichersten Eindruck", so Wunsch. Neben einem fuenfjaehrigen Wartungsvertrag habe der Konzern auch Rabatte fuer den Kauf der zwei AS/400 (je 32 MB Hauptspeicher, 6 GB Plattenkapazitaet) sowie der 36 Terminals und PCs gewaehrt.

Mit dem Bremer Softwarepaket - es besteht aus rund 25 Modulen -, das neben der ambulanten und stationaeren Patietenverwaltung auch die gesamte Buchhaltung und Materialwirtschaft realisiert, "sind wir technisch auf dem modernsten Stand", behauptet der Thueringer. Ueber ein LAN (FDDI) sind saemtliche Abteilungen des Krankenhauses vernetzt und haben Zugriff auf die zentral gespeicherte Informationen.

Diesen Vorteil weiss man auch in der Chirurgie zu schaetzen: Die operativen Eingriffe wuerden nicht nur erfasst und dokumentiert, lobt Chefarzt Klaus Bickel. Das System ermittle die Auslastung der Operationssaele und biete je nach Art und Aufwand der Massnahmen eine bestimmte Reihenfolge fuer die Durchfuehrung an. Damit habe auch "das nervige Hin- und Herflitzen zwischen den OPs endlich ein Ende". Die Umstellung auf die Computer war fuer die etwa 80 Mitarbeiter der Klinik nicht gerade ein Spaziergang.

Laut dem Verwaltungschef mussten nicht nur Computerkenntnisse, sondern auch Wissen im Rechnungswesen vermittelt werden. Im laufenden Tagesgeschaeft sei das nur ueber eine "freiwillige Mehrarbeit und Training on the Job vor Ort" moeglich gewesen. Geholfen habe dabei das Patenkrankenhaus in Gelnhausen. Die im Controlling bereits versierten hessischen Kollegen haetten so manchen Tip geben koennen.

Mit der Einfuehrung der IT hat man im Krankenhaus die Investition in die Zukunft - die Installation der DV kostete bisher etwa 800 000 Mark - noch nicht abgeschlossen. Bis Ende des Jahres sollen die Anwendungen erweitert werden, so Informatiker Wunsch. Die Rede ist von einer "Stationskommunikation": der Verwaltung der Patientendaten auf den Stationen selbst.

Auch an Umsiedlung ist gedacht: Dieter Reinholz, Landrat des Kreises Gotha, will einen modernen Gebaeudekomplex im Ort. Mit der derzeitigen Bettenkapazitaet kaeme man auf Dauer nicht sehr weit, heisst es dazu im Landesplanungsausschuss.

Wann der Neubau errichtet werden soll, ist dabei noch nicht klar. Sicher ist eins: Die Gothaer brauchen Gewinn, um ihre Klinik fuehren zu koennen, und da sind sie wohl auf dem richtigen Weg.