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04.11.1994

Thueringer sind erfolgreich: Preis auch fuer Optima und ASI

Zum dritten Mal praemierte das Wirtschaftsmagazin "Forbes" gemeinsam mit den Consultern Heidrick & Struggles International unternehmerische Leistungen in den neuen Bundeslaendern. Zu den sieben Preistraegern des "Aufschwung '94" gehoeren die Optima Buerotechnik GmbH aus Erfurt und die Aquarius Robotron Systems GmbH (ARS) aus Soemmerda.

Seit 1992 werden drei Messingdreiecke, die den Aufstieg symbolisieren sollen, von dem Business-Journal "Forbes" (herausgegeben von Burda und Forbes) und der Personalberatung Heidrick & Struggles International (unter anderem bekannt durch das Gerstner-Headhunting fuer IBM) verliehen.

Fuer deren Vertreter, Chefredakteur Manfred Schumacher und Managing-Partner Deutschland Dieter Frisee, steht "Aufschwung '94" fuer Ansporn und Anerkennung. Und zwar, so Frisee, "fuer das einzige, was wirklich wichtig ist, bei dem, was hier im Osten passiert: Fuer die unternehmerische Leistung und den Aufbau einer neuen und gesunden Wirtschaftsstruktur".

Dass vor allem der Mittelstand eine tragende Rolle fuer den Aufschwung Ost spiele, betonte Hans-Dietrich Genscher, Bundesminister a.D. und Schirmherr der Initiative, in seiner Rede im Hallenser Stadthaus. Unternehmerische Konzeption, deren Realisierung, der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplaetzen sowie das wirtschaftliche Ergebnis waren die Beurteilungskriterien, nach denen die Kandidatenvorschlaege bewertet wurden. Juroren aus Wirtschaft und Politik hatten 200 Projekte zu sichten.

Unter den sieben Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen konnte ein fuenfkoepfiges Management-Team einen der Preise in Halle entgegennehmen: Praemiert wurde die Optima Bueromaschinen GmbH aus Erfurt. Gemeinsam mit den Kollegen Hartmut Freier, Hans Merz, Harald Mueller und Dieter Sturm ist Rolf Plessmann gleichberechtigter Gesellschafter des Thueringer Unternehmens. Die schwierige Eigenkapitalsituation des als MBO 1992 aus dem VEB Robotron Optima privatisierten Betriebes machte fuenf Geschaeftsfuehrer notwendig: Sie tragen 96 Prozent der Beteiligung; die restlichen vier Prozent haelt ein sechster Gesellschafter aus den alten Bundeslaendern. Angesichts der Aufgabe, einen Betrieb von oben nach unten aufzubauen, "mussten wir", so Plessmann, " immer wieder nivellieren".

Mit 370 Mitarbeitern im uebernommenen Kerngeschaeft (ehemals hatte die Robotron Optima 6200 Beschaeftigte) konnte 1992 ein Umsatz von 21 Millionen Mark erzielt werden.

Die Strategie der glorreichen Fuenf: effiziente Technologiegestaltung, Reduktion der 450 bis dato produzierten Einzelteile auf 270 und Konzentration des Absatzes auf westeuropaeische Maerkte und das Inland.

Mit neuen Ideen konnte die Optima Marktluecken schliessen. Ausserdem: Die Erfurter fertigen als einziger deutscher Schreibmaschinenhersteller im eigenen Land. Mit der Qualitaet "made in Germany" sieht sich Plessmann im Vorteil.

Im Unterschied zu anderen Wettbewerbern, die ihre Werkbaenke in Fernost aufstellen, fertige er lieber am heimischen Herd. Die kurzen Dispositionsfristen "ueber die enge Liierung mit dem Fachhandel" seien ein weiteres Plus, meint Plessmann, der im Wechsel mit seinen Kollegen den Sitz des Vorstands einnimmt.

Hatte man nach der Wende das Geschaeft mit den ehemaligen RGW- Partnern ausser acht gelassen, so sind die Thueringer mittlerweile in Polen Marktfuehrer und auch in Ungarn, der Slowakei sowie Bulgarien vertreten.

Gute Chancen fuer die Erfurter

Zu ihren Hits gehoeren die bilingualen Schreibmaschinen, die ueber eine zweisprachige Tastatur verfuegen: Gefragt sind bei den Kunden vor allem Arabisch/Englisch beziehungsweise Franzoesisch und Kyrillisch/Lateinisch.

Insgesamt gibt es in der Modellpalette der Schreibmaschinenbauer 118 Varianten. Renner ist im Low-cost-Bereich die "SPN 10" - eine portable Schreibmaschine fuer unter 200 Mark.

Es geht auch komfortabler: So wie bei der "Gutenberg" oder mit der "Typeartist", die in Buchdruckqualitaet schreibt und je nach Ausstattung mit Mikroprozessoren (32 KB) bestueckt ist; die "Meditype"-Modelle der Thueringer verfuegen sogar ueber einen Chipkartenleser.

Die Taktik der Erfurter, gezielt "nur den, der nur schreiben will" anzuvisieren und nicht den Computer-Freak oder Notebook-Fan, scheint sich als richtig zu erweisen: 1993 nahmen die 320 Beschaeftigten der Firma ueber 28 Millionen ein. Dieses Jahr wird sich der Umsatz laut der Geschaeftsfuehrung mit 326 Mitarbeitern auf 34 Millionen Mark erhoehen.

An neuen Wuerfen wird gebastelt, denn die Auszeichnung ist fuer die Erfurter nicht nur eine moralische Anerkennung ihrer Leistungen, sondern auch eine "riesengrosse, vertrauensbildende Ehre". Den Aufschwung-Preis haetten die beiden Macher der Aquarius Robotron Systems GmbH (ARS) auch schon vergangenes Jahr verdient gehabt. Winfried Hoffmann und sein taiwanischer Partner Tony Liu katapultierten ihren Umsatz von 1990 (37 Millionen Mark) bis 1993 auf 235 Millionen Mark.

Doch das ficht die beiden Manager nicht an, "denn Umsatz ist nur eine Messgroesse fuer die Beurteilung unternehmerischer Leistung, und die Einweihung des Soemmerdaer Werks, ein reales Zeichen fuer den aktiven Aufschwung Ost, fiel erst in die zweite Haelfte des letzten Jahres".

Mit strategischen Allianzen zwischen ARS und IBM, Intel oder Microsoft gelang es Hoffmann, dem Mann fuers Marketing, und Liu, dem Mann fuers Tuefteln, ein Mass an Kontinuitaet zu erreichen, das die 280 Mitarbeiter in Soemmerda ruhig schlafen laesst. Microsoft liefert Betriebssysteme und weitere Software, von Intel bekommen die ASI-Leute Prozessoren, und IBM schickt Festplatten plus Prozessoren (Blue Lightning).

Die Komponenten werden im Werk verarbeitet, aber auch an Grosskunden weiterverkauft. Mit der Telekom konnte ein Vertrag ueber die Lieferung von 20 000 Computern unter Dach und Fach gebracht werden. Volumen des Auftrags, der ueber 18 Monate laeuft: 60 Millionen Mark.

Damit ARS fuer kuenftige Investitionen ausreichend gewappnet ist, ist seit September die Thueringische Industriebeteiligungsgesellschaft (TIB) mit 20 Millionen Mark am Computerbauer beteiligt. Die TIB will mit ihrem Engagement das Soemmerdaer Unternehmen bei seiner Expansion begleiten.

Dieses Jahr sollen es 350 Millionen Mark sein, die Hoffmann und Liu mit ihren Rechnern und Green-Motherboards erzielen wollen. Hoffmann: "Das sprunghafte Wachstum hat viel Kraft gefordert und Probleme gebracht, die ein mittelstaendisches Unternehmen fast ueberfordern. Doch die Marktentwicklung ist guenstig, und wir befinden uns klar im Aufwind." Der Manager sieht in dem Preis eine "weitere, wertvolle Anerkennung der unternehmerischen Leistung, die die Bereitschaft zum Risiko und die Loesung aller beim Aufbau einer Firma auftretenden Aufgaben einschliesst".

So war es auch vor einem Jahr bei einem anderen Unternehmen aus Thueringen: Fuer die Thesys GmbH, einen der Preistraeger von 1993, hat die Praemierung "auf jeden Fall einen Imagesprung gebracht", so Marketing-Chef Hans Detlev Boesch.

Zu der Jury, die sich laut den Initiatoren durch ihr grosses Engagement fuer die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Bundeslaendern auszeichnet, gehoerten dieses Jahr auch Dietmar Hopp, Vorsitzender des Vorstands der SAP AG, und Rudolf Gallist, Leiter der Geschaeftsfuehrung der Microsoft GmbH.

Andrea Rausch-Dietrich