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19.03.2004 - 

Weltweit einheitliches ERP-System soll Kosten sparen

Thyssen-Krupp-Sparte ersetzt R/3 durch Oracle

MÜNCHEN (wh) - Im hart umkämpften ERP-Markt kann Oracle einen seltenen Erfolg verbuchen: Die Thyssen-Krupp-Sparte Elevator ersetzt SAP-R/3- und J.D.-Edwards-Installationen durch Oracles "E-Business Suite 11i".

Das weltweit drittgrößte Aufzugsunternehmen erhofft sich einheitlichere Geschäftsprozesse und erhebliche Einsparungen in der IT-Administration. Im Rahmen eines Outsourcing-Vertrags betreibt Oracle die Anwendungen in einem Rechenzentrum in den USA. Für den stufenweisen Rollout in den Landesgesellschaften zeichnet der Consulting-Arm des Softwarekonzerns verantwortlich.

Für SAP bedeutet der Deal eine herbe Niederlage gegen den ärgsten Rivalen. Der Thyssen-Krupp-Konzern zählt zu den Großkunden der Walldorfer. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Aufzugssparte die komplette ERP-Infrastruktur neu ausgeschrieben. Ziel war es, eine weltweit einheitliche Softwarelandschaft zu schaffen. Dass Oracle sich dabei durchsetzte, kam für alle Beteiligten überraschend: In den internationalen Gesellschaften nutzte die Thyssen Krupp Elevator AG bis dato überwiegend ERP-Software der von Peoplesoft aufgekauften Firma J.D. Edwards, am Düsseldorfer Hauptsitz hingegen SAP R/3.

In der ersten Ausschreibungsrunde sei der deutsche Anbieter nicht angefragt worden, berichtet eine SAP-Sprecherin. Nach ihren Angaben hat Thyssen Krupp Elevator noch im vergangenen Jahr auf das R/3-Release 4.6C upgegradet. In den Unternehmensbereichen Produktion und Field Operations nutzten derzeit rund 1500 Anwender die SAP-Software.

"Mir ist kein anderes Projekt dieser Art bekannt", kommentiert Meta-Group-Experte Rüdiger Spies die Entscheidung. Eher schon gebe es einige wenige Fälle, in denen Oracles Anwendungssuite durch SAP-Systeme abgelöst wurde. "Wenn man sich gegen seinen bisherigen Lieferanten entscheidet, mit dem man Erfahrungen und Know-how gesammelt hat, geht das eigentlich nur über den Preis. Niemand wechselt mal eben sein ERP-System." Allein die Implementierung großer Installationen - vom Kickoff bis zum Going Live - nehme durchschnittlich 20 Monate in Anspruch, so der Analyst. Die typische Lebensdauer liegt nach seiner Schätzung zwischen zwölf und 15 Jahren.

Die Entscheidung für Oracle sei "nicht ausschließlich preisgetrieben" gewesen, sagt dagegen Rembert Horstmann, Leiter der Zentralabteilung Kommunikation & Marketing bei Thyssen Krupp Elevator. Im Vergleich zu anderen Konzernbereichen wie etwa Stahl stellten sich höhere Anforderungen an die IT. So sei die Aufzugssparte stark international ausgerichtet und beschäftige weltweit erheblich mehr Servicetechniker. Tatsächlich unterhält Thyssen Krupp Elevator global rund 180 Gesellschaften an mehr als 750 Standorten.

Die von Oracle betriebenen und zur Verfügung gestellten ERP-Anwendungen umfassen unter anderem die Funktionsbereiche Verkauf, Angebotserstellung, Auftragsbearbeitung, Finanzbuchhaltung und Projekt-Controlling. Auch die Vertragsverwaltung und das Service-Management wollen die Nordrhein-Westfalen über das gehostete Programmpaket abwickeln. Laut Oracle verspricht sich Thyssen Krupp Elevator von der Auslagerung "erhebliche Kosteneinsparungen im Bereich der EDV-Administration". Wie genau sie zustande kommen sollen, mochte Sprecher Horstmann indes nicht beantworten. Angaben zum Projektstand werde man erst im vierten Quartal des Jahres machen.

Die zurückhaltende Informationspolitik hat Gründe: Konzernintern hat sich die Entscheidung gegen SAP zum Politikum entwickelt, ist zu hören. Für viele SAP-Experten auf den Gehaltslisten der Düsseldorfer stelle sich die "Existenzfrage". Trotz der internationalen Dimension versuchten die Verantwortlichen, die Angelegenheit wie ein Geheimnis zu hüten. Nicht einmal eine offizielle Pressemitteilung von Oracle, in der R/3 gar nicht erwähnt wird, wollte das Management im Intranet veröffentlicht sehen.

Auf wenig Gegenliebe dürfte die Outsourcing-Partnerschaft auch bei der IT-Tochter Triaton stoßen. Zwar hat Thyssen Krupp kürzlich angekündigt, den Dienstleister für 340 Millionen Euro an Hewlett-Packard (HP) zu verkaufen. Ein siebenjähriger Rahmenvertrag sieht allerdings vor, dass Triaton auch weiterhin IT-Services für die einstige Muttergesellschaft erbringt.

In Walldorf ist man unterdessen um Schadensbegrenzung bemüht. Nach ihrer Kenntnis beträfen die Migrationspläne lediglich den Elevator-Bereich Field Operations, nicht aber die Produktion, betont eine SAP-Sprecherin. "Wir erwarten keine weiteren Ablöseprojekte bei Thyssen Krupp."