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16.10.1987 - 

Stahlriese durchforstet RZ-Dschungel und beteiligt sich an Iko Software:

Thyssen plant Flurbereinigung der Konzern-DV

STUTTGART/DUISBURG - Die Thyssen AG kauft sich zu 33 Prozent bei dem Stuttgarter Softwarehaus Iko Software Service GmbH (Ikoss) ein. Dem diversifizierten Stahlriesen. der als einer der letzten deutschen Großkonzerne bisher nicht im Computersektor engagiert war, geht es vor allem um Know-how für übertragbare DV-Lösungen. Weiteres Ziel der Duisburger: den Wildwuchs der konzerneigenen Datenverarbeitung zu beschneiden.

Wenn alles nach Plan läuft und der Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft dem Deal zustimmt, übernimmt Thyssen zum 1. Januar den Anteil des Stuttgarter Wirtschaftsprüfers Hans Jörg Stolz an der Ikoss-Gruppe. Gleichzeitig wird das Softwarehaus, das bisher aus mehreren GmbHs sowie der Schweizer Tochter, einer AG, bestand, organisatorisch gestrafft und in einer Gesellschaft zusammengefaßt. Eine Kapitalerhöhung ist nicht verbunden mit dem Einstieg des großen Partners, über dessen Identität die Branche vor der Bekanntgabe tagelang rätselte.

Damit wird der Konzern den gleichen Anteil an dem Softwarehaus halten wie die beiden anderen Gesellschafter Peter Beyer und Ole Brönlund, die gleichzeitig Geschäftsführer der Ikoss sind. Thomas Fischer, in der Geschäftsleitung bisher für das Vertriebsressort zuständig, scheidet aus dem Unternehmen aus: Er wechselt die Seite und geht von der auch im Bankgeschäft aktiven Softwareschmiede zur württembergischen Landesgirokasse.

Der Thyssen AG ist freilich mehr an dem anderen, mit 55 Prozent des Geschäfts stärkeren Standbein der Iko Software Service GmbH gelegen - der Industrieautomation. Zwar haben viele Töchter der traditionsreichen Kohlenpott-Holding eigenes Know-how auf diesem Gebiet, doch dem für die Koordination der Informationstechnik im ganzen Konzern zuständigen Vorstandsmitglied der Thyssen Industrie AG, Claus Hendricks, bereitet die unüberschaubare Fülle verschiedener Hard- und Software-Installationen Kopfzerbrechen: "Wenn man Exoten mal außen vorläßt, haben unsere Gesellschaften mehr als 80 unterschiedliche Hardwaresysteme.'

Um dieses Dickicht nach und nach zu roden, hat der Konzern im vorigen Jahr einen Arbeitskreis für "IKT" (Informations- und Kommunikations-Technik( ins Leben gerufen. Bei ihren Treffen, alle vier bis sechs Wochen, versuchen Hendricks und seine DV-verantwortlichen Kollegen nun Konzepte auszuarbeiten, wie man vorhandenes Know-how besser ausnutzen, Doppelentwicklungen eindämmen und den Informationsfluß optimieren kann. Der DV-Stratege erhofft sich von der Flurbereinigung, wie er sagt, "beträchtliche Rationalisierungsvorteile " .

Allein schafft es Thyssen allerdings nicht, diese Umstrukturierung zu bewältigen und die vielen bislang nicht übertragbaren Individuallösungen breiter nutzbar zu machen. Hendricks räumt freimütig ein, daß Fehler gemacht wurden: "Die Bestandsaufnahme hat deutlich gemacht, daß bei uns ein Bedarf an qualifiziertem Personal für die Entwicklung von Software besteht." Dieser Mangel habe in den diversen Unternehmensbereichen dazu geführt, "daß wir uns in unserem Bemühen, Entwicklungskapazität vom Markt zu beschaffen, stark zersplittert haben".

Ein unabhängiger Partner mußte her. Gleichzeitig suchte Ikoss, in Teilgebieten bereits mit Thyssen im Geschäft, einen Nachfolger für den scheidenden Gesellschafter Stolz. Daß man als Drittel-Partner keinen privaten Anleger hereinnahm, sondern mit dem Industrieriesen das achtgrößte Unternehmen der Republik, begründen die Stuttgarter Softwerker vorsichtig: "Ikoss verspricht sich mit der Erschließung des Konzernmarkts eine Stabilisierung des Automatisierungsgeschäftes, wie es mit dem Schlagwort CIM angesprochen ist. Dieses Geschäft ist derzeit noch ebenso riskant wie technisch anspruchsvoll - und viele leistungsfähige Anbieter dröngen in diesen Markt."

Diese Risiken hofft Geschäftsführer Peter Beyer mit einem starken Partner an der Seite zu minimieren: Mit rund 700 Systementwicklern beschäftigt das Stahl- und Handelsunternehmen bereits doppelt so viele Mitarbeiter im engeren DV-Bereich wie Ikoss im ganzen Betrieb.

Rund 25 Prozent des Ikoss-Umsatzes könnten bald aus dem Thyssen-Geschäft stammen, verlautete auf der gemeinsamen Pressekonferez. Andererseits hütet sich das Stuttgarter Softwarehaus vor einer allzu engen Bindung: Eine höhere Beteiligung komme nicht in Betracht.