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06.02.1987 - 

Regelmäßige Druckerausfälle machen das Redaktionsleben schwer

Tintenstrahl: Wer rastet der trocknet

MÜNCHEN - Drucker am Arbeitsplatz: Wer sich hier mit diesem Problem, vor allem in Verbindung mit PCs, befassen muß, weiß möglicherweise ein garstig Lied zu singen. Auch die CW-Redaktion machte ihre Erfahrungen. Anken-Frauke Bohnhorst, PC- und Drucker-Anwenderin von Anfang an, berichtet.

Gut ein Jahr ist es her, daß im Zuge einer Reorganisation der redaktionellen Datenverarbeitung an den Arbeitsplätzen der schreibenden Redaktionsmitglieder endgültig Personal Computer installiert werden. In ihrem Gefolge hielten auch Arbeitsplatzdrucker Einzug in die Redaktionsräume: Wenn man schon von der Schreibmaschine entwöhnt werden soll, möchte man wenigstens einmal schwarz auf weiß sehen, welche Ideen man gehabt hat. Manches läßt sich auf Papier ohnehin besser überblicken.

Die Frage nach dem Drucker wurde schnell beantwortet: Leise mußte er sein (zu viele Mitarbeiter fühlten sich vom Geräusch eines Impact-Nadeldruckers an den Zahnarzt erinnert), ein lesbares Schriftbild sollte er auch haben. Kein beherrschendes Kriterium war hingegen die Geschwindigkeit. Der Händler, der einen PC nach dem anderen in die Redaktionsstuben stellte, wußte Rat: Einen Tintenstrahldrucker von Siemens, noch einigermaßen neu auf dem Markt, hatte er im Programm - zu einem vernünftigen Preis. Es hätte auch jedes andere Modell sein können, aber der Händler hatte bis dahin einen guten Service geboten - also her mit den PT88. Über zehn Stück sind es heute - und alle können keine Montagsprodukte sein.

Mal zu zaghaft mal zu stürmisch

Zunächst ließ sich alles gut an: Niemand wollte glauben, daß Drucker so leise sein können - der Siemens-Printer gibt lediglich beim Seitenvorschub ein kaum hörbares Surren und beim automatischen Reinigungsprozeß der Düsen ein mechanisches Seufzen von sich.

In der Anfangsphase bereitete das Gerät die wohl üblichen Anlaufschwierigkeiten: Die Printer waren der Software nicht angepaßt, die Verbindung zwischen Drucker und PC verlangte eine fachgerechte Verkabelung, schließlich mußten die Redaktionsmitglieder mit den notwendigsten Soforthilfe-Maßnahmen für einen Störfall betraut werden.

Erwähnenswerte Anwenderfreundlichkeit läßt sich insbesondere beim Papier-Nachladen feststellen: Sobald das letzte Blatt über die Walzen gezogen wird, pfeift der Drucker alarmierend laut und so lange, bis der Power-Switch gefunden und betätigt wird. Im Gegensatz zu den übrigen Kontrollämpchen und Funktionstasten, die übersichtlich auf dem Gehäusedeckel angeordnet sind, befindet sich der Ein/Aus-Knopf auf der Rückseite des Systems.

Um den besonderen Belangen des Tintenstrahldruckers gerecht zu werden, wurden extra-fusselfreie und saugfähige Endlos-Blätter eingekauft. Diese einzulegen, bedarf nur weniger, unkomplizierter Handgriffe. Viele Möglichkeiten, den Bogen falsch einzuspannen, bieten sich ohnedies nicht. Rollen und Traktor weisen dem Anwender eindeutig den Weg.

Das Schriftbild ist ebenfalls ordentlich - wenn es denn sichtbar wird. So sehr auch die äußere Eleganz des Ausgabegerätes gefällt, die Labilität des Innenlebens ist unerfreulich bis ärgerlich - und so manches Mal dazu angetan, die inzwischen wenigen Kollegen mit ihren tosenden Nadeldruckern zu beneiden.

Vornehmlich in arbeitslosen Nächten neigen die feinen Düsen des Druckkopfes zu Verstopfungen. Das Resultat, unabhängig davon, ob der Drucker ein- oder ausgeschaltet blieb, ist besonders an Montagen kläglich: Jeder ausgedruckten Zeile fehlen ein, zwei oder noch mehr Punkte der Matrix; bevorzugt Ober- und Unterlängen werden abrasiert. Das sei, erklärt der Kundendienst, ein Problem des Druckkopfes, der sich durch größte Empfindlichkeit auszeichne. Sind die Spritzdüsen einmal verklebt, so lassen sie sich zweimal ambulant säubern und präsentieren zumindest kurzzeitig den kompletten Zeichensatz. Einen dritten Reinigungsprozeß verkraftet das Gerät nicht. Siemens behält sich die Wiederinstandsetzung in ihren eigenen Werkshallen vor. Hatte man also zunächst "lediglich" sogenannte Spar-Zeilen hinnehmen müssen, so ist jetzt ein mehrtägiger, völliger Verzicht auf den Drucker unumgänglich. Doch der Händler baut klaglos Ersatzdrucker auf. Andernfalls würde der Anwender wohl gut daran tun, sich eine Schreibmaschine in Reserve zu halten. Dabei ist zu konzedieren, daß die Tintenstrahltechnik nicht trivial ist, gilt es doch, zwei unvereinbare Forderungen zu erfüllen: In der Düse darf die Tinte nicht trocknen, auf dem Papier jedoch muß sie sofort trocken sein.

Hat sich der Printer wieder an den Wochen- beziehungsweise Tagesrhythmus gewöhnt, verschluckt sich das Gerät an den Datenmengen, die es auf das faserfreie Papier zu spritzen gilt. Obgleich der Begriff "Arbeitsplatzdrucker" bereits impliziert, daß das Gerät einsatzfähig und -bereit sein soll, beschränkt sich der PT88 nach spätestens der achten Seite erneut auf halbe Zeilen; dabei gehen beispielsweise einzelne oder mehrere Punktreihen ebenso verloren, wie sich die Zeichen der Interpunktion nicht mehr voneinander unterscheiden. Der teuflische Düsen-Spül-Kreis endet spätestens nach der zweiten Runde mit dem Abtransport in die Siemens-Werkstatt.

Eine andere Fehl-Ausdruck-Variante besteht aus sich regelmäßig wiederholenden Klecksen und einander überlagernden Zeilen. Zwar indiziert dieser "Kartoffeldruck" pralle, zudem nicht verstopfte Tintenpatronen, doch die Qualität des Schriftbilds erhöht sich dadurch nicht. Die Schuld an der Misere trifft - den übersensiblen Druckkopf. Ohne intensive Kundendienstbetreuung würden auch jene Zwischenfälle den Drucker zur Ausmusterung verdammen.

Die Siemens AG, Hersteller des rund 2200 Mark teuren Druckers, sieht die Willkür der Düsen - mal zu zaghaft, mal zu stürmisch - gelassen. Der Elektrokonzern hielte das für "normale" Mängelerscheinungen, teilt unser Händler mit. Jetzt hat er ein Epson-Modell geliefert. Langzeiterfahrungen stehen noch aus.