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07.12.1984 - 

Für Computerkünstler soll es bald billigere Geräte geben:

Tintenstrahlplotter machen Grafik-Rennen

MÜNCHEN (CW) - Wer als Computerkünstler up to date sein möchte, dem empfiehlt Herbert W.Franke* den Einsatz eines Tintenstrahlplotters. Durch den weichen Farbauftrag ermöglichten diese Geräte Darstellungen, die sich auf den ersten Blick kaum von Aquarellen unterscheiden ließen. Ein wenig Geduld sollte man als Anwender bei der Auswahl einer passenden Zeichenmaschine aber noch mitbringen:Die Geräte werden besser und billiger.

Hochaufgelöste Grafik, Filmqualität und mehrere Millionen Farbtöne - damit ist ein fortschrittliches Zeichengerät beschrieben, mit dem auch der Künstler die verwegensten Träume realisieren könnte. In Wirklichkeit benützt er immer noch Werkzeuge, die sich von jenen der Steinzeit kaum unterscheiden: Farbstift und Pinsel. Und deshalb besteht für jene, die sich in deutschen Landen an Akademien ausbilden lassen, kaum ein Weg zur Computergrafik, die in den Lehrplänen entsprechender amerikanischer Institute durchaus Berücksichtigung findet.

Wer in der freien oder angewandten Kunst Computer einsetzen will, muß daher Eigeninitiative aufbringen, sich den Zugang zu den Systemen schaffen und sich selbst damit vertraut machen. In den letzten Jahren ist die künstlerisch gestaltete Computergrafik zu einem bedeutenden, auch kommerziell interessanten Faktor geworden. Business-Grafik, computerunterstütztes Design und Film-Animation sind nur einige Schlagworte dazu.

Das war nicht immer so. Die ersten kunstinteressierten Programmierer machten ihre Versuche aus eigenem Antrieb, sowohl von den eigenen Kollegen wie auch von den "echten" Künstlern belächelt. Sie benutzten jene Anlagen, die für alle möglichen anderen Zwecke zur Verfügung standen, für Technik, Wissenschaft und Medizin, und paßten sie ihren Zwecken an.

Bemerkenswerterweise waren unter den drei Pionieren, die 1965 erstmalig mit dem Anspruch von Computerkünstlern an die Öffentlichkeit traten, zwei Deutsche. Die drei großen "N": Frieder Nake, Georg Nees, dazu der Amerikaner A. Michael Noll.

Technik unterstützt die künstlerische Idee

Frieder Nake setzte bei seiner Arbeit unter anderem den Zuse-Graphomaten ein. Dazu spannte er farbige Filzstifte ein und ließ, die Breitseite quer zur Führungsrichtung, kleine Striche ausführen, so daß quadratische Elemente zu Papier gebracht wurden. Auf diese Weise baute er einige seiner frühen Grafiken auf.

Die meisten seiner Kollegen der Anfangszeit hingegen begnügten sich mit Schwarzweißdarstellungen wobei sie ebenso wie Nake mechanische Plotter einsetzten, meist noch recht ungenau arbeitende Flachbrett- oder Trommelgeräte. Und wer keinen Zeichenautomaten besaß setzte dann eben einen Drucker ein - als Bildelemente dienten die verfügbaren Symbole, die, dicht aneinandergereiht, mehr oder weniger dunkle Flächen ergaben.

Alle diese Geräte werden auch heute noch eingesetzt, und die modernen Geräte arbeiten wesentlich schneller und präziser, bieten also Voraussetzungen, die sich die Computergrafiker der ersten Stunde

kaum zu wünschen wagten. Die auf große Papierbogen sauber gesetzte Strichzeichnung entspricht auch heute noch am ehesten dem Aussehen eines grafisch-künstlerischen Blattes. Druckerzeichnungen dagegen werden selten als Kunstwerke konzipiert, eher dienen sie als Planunterlagen für die spätere manuelle Ausführung.

Bei allen mechanisch arbeitenden Ausgabegeräten ergibt sich eine Diskrepanz zwischen der Rechengeschwindigkeit und der Ausführung. Der technische Durchbruch, der die weiten Räume der Computergrafik eröffnete, kam mit den elektronischen Plottern, den Bildschirmgeräten. Während man früher Minuten und auch Stunden auf die erste Probezeichnung warten mußte, so präsentiert sie sich nun in Bruchteilen von Sekunden, und damit ergibt sich eine Arbeitsweise, die dem kreativen Einfall, der Spontanität, noch weitaus mehr Chancen einräumt, als das bei der Arbeit mit den mechanischen Geräten, eingeschlossen das Werkzeug der konventionellen Malerei der Fall war.

Man unterscheidet Vektor- und Rastergrafik. Im ersten Fall bewegt sich der Elekronenstrahl entlang des Striches, den er zeichnet, arbeitet also im üblichen Sinn von Zeichengeräten. Diese Methode wird mehr und mehr durch die nach dem Vorbild der Fernsehröhre arbeitenden Rastergrafik ersetzt; dabei bewegt sich der Elektronenstrahl zeilenweise über die Zeichenfläche, das Bild entsteht durch Helligkeitsmodulation.

Der Einsatz von Bildschirmgeräten hatte eine weitere, nicht vorgesehene Konsequenz: Es bereitete wenig Schwierigkeiten, Kleincomputer so zu konzipieren, daß normale Fernsehempfänger als Ausgabegeräte dienen können. Damit wird dem Amateur Farbgrafik von Fernsehqualität zugänglich, eine Tatsache, die sicher zur weiten Verbreitung und Beliebtheit solcher Anlagen insbesondere bei Jugendlichen geführt hat.

Der professionelle Grafiker ist mit der schlechten Auflösung des Fernsehbildes natürlich nicht zufrieden, und die meisten Computergrafiksysteme bieten ihm schon weitaus bessere Qualität. Wem die handelsüblichen 512 x 512 Bildpunkte zuwenig sind, findet Bildschirme von 750 x 750 Bildpunkten (medium performance). Für Anspruchsvolle gibt es auch die high performance mit 1024 x 1024 Bildpunkten. Im übrigen erwarten Fachleute eine weitere Steigerung des Auflösungsvermögens - was sich wieder in anderen Bereichen, nämlich jenen des Fernsehens, auswirken könnte, die hohe Auflösung ist nämlich Voraussetzung für das auf größere Flächen projizierte Videobild.

Sicher waren es die Erfahrungen die man mit Farbfernsehempfängern hatte, die den Übergang zur Farbgrafik so einfach machten. Dann ist es nur noch der Wechsel von einem Parameter, der die Hell-Dunkel-Werte steuert, zu drei Parametern für Rot, Blau und Grün. Im einfachsten Fall werden nur die Grundfarben gemischt, so daß man sich mit sechs bunten Tönen zufriedengeben muß.

Hochauflösende Systeme arbeiten mit 256 Stufen pro Parameter, was zu rund 16 Millionen Farbtönen führt. In diesem Spielraum bewegt sich das Angebot, und es ist nur noch eine Preisfrage, für welches System sich ein Grafiker oder Designer entscheidet. So einfach die Bildkomposition am Bildschirm auch ist, so ergeben sich doch Probleme bei der Ausgabe.

Das Abfotografieren des gekrümmten Schirms geht nicht ohne Verzerrung vor sich. Will man diese vermeiden, so setzt man ein Hardcopy-Gerät ein; die meisten bestehen aus einer fest montierten, auf eine flache Bildscheibe gerichteten Kamera, die die als Grauwertbilder gebotenen Farbauszüge durch Filter hindurchfotografiert; dadurch erhält man absolut farbgetreue Wiedergabe. Als Ergebnis hält man aber schließlich doch wieder ein Foto in der Hand, demgegenüber die meisten Kunstkritiker skeptisch sind.

Exzellente Grafiken mit dem Ink-Spray-Plotter

Dem künsterisch arbeitenden Computergrafiker scheinen deshalb jene Systeme interessant, mit denen er seine Bilder in einer grafisch ansprechenden Form erhält. Das beste Mittel dazu ist der Ink-Spray-Plotter, das Tintenstrahlgerät. Eines der ersten wurde von der Firma Siemens zur Auswertung von Szinthigrammen eingesetzt. Durch den weichen Farbauftrag auf mattes Papier ergeben sich Darstellungen, die äußerlich nicht von feinen Aquarellen zu unterscheiden sind.

Nachteil der ersten, für die Medizin eingesetzten Version war die Tatsache, daß es neben den drei Grundfarben keine Schwarzkomponente gab, so daß die Farbgestaltung auf Pastelltöne beschränkt war. Bei Siemens soll jedoch ein Vierfarb-Tintenstrahlgerät in Entwicklung sein. In professioneller Ausführung sind Anlagen dieser Art noch teuer, doch hört man, daß demnächst von den Japanern auch billige, selbst für den Amateur erschwingliche Geräte angeboten werden sollen.

Aus Schwanweiß wird Farbenpracht

Farbige Blätter liefern auch die Thermo- und Nadeldrucker, doch wurden sie bisher erst selten für künstlerische Zwecke eingesetzt. Gelegentlich wurden sie dazu verwandt, um bei Messen und Ausstellungen den Besuchern mittels eines relativ preiswerten Verfahrens farbige Grafiken zum Mitnehmen anzubieten.

Genauso, wie die Software auf die verfügbare Hardware bezogen ist, so ergeben sich auch aus den Aufgaben, den Programmen Anforderungen für die Ausstattung. Das gilt beispielsweise für die Bildverarbeitung, wie man sie insbesondere für wissenschaftliche Zwecke einsetzt. Mit dieser Methode erhält man aus flauen Schwarzweißbildern farbenprächtige und scharf gezeichnete Ergebnisse, die sich gut auswerten lassen.

Mit derselben Software ist es aber natürlich auch möglich, vorhandenes Bildmaterial künstlerisch zu verfremden, eine reizvolle Erweiterung der durch den Computer gegebenen Gestaltungsmöglichkeit. Für Bildverarbeitung, auf Englisch "picture processing", benötigt man Digitalisiergeräte, die die Einspeicherung vorgegebener Bilder erlauben. Dazu sind spezielle Abtostgeräte, Scanner, entwickelt worden; universeller einsetzbar ist eine Fernsehkamera mit angeschlossener Digitalisierungseinrichtung.

Künstler partizipieren an Software-Schwemme

Für den Entwurf von Textilmustern werden spezielle Anlagen angeboten, die sogenannten Mustergeneratoren. Sie liefern ihre Ergebnisse in einer Form, von der aus der Übergang zur Steuerung von Web- und Strickmaschinen einfach ist. Wie in den meisten Fällen bedienen sich die Künstler jener Systeme, die für andere Zwecke entwickelt wurden; ein Beispiel ist das insbesondere für die Prozeßüberwachung entwickelte interaktive Bildverarbeitungssystem Signum, München, sowie ein der wissenschaftlichen Fotografie dienendes digitales Bildverarbeitungssystem der Kontron Elektronik Gruppe, Eching.

Mit dem Picture-processing-Verfahren bahnt sich bereits der Schritt zur Software an; hier ist die Situation allerdings weitaus unübersichtlicher als bei der Hardware - es gibt unzählige Programmpakete, die für alle möglichen praktischen Zwecke entworfen wurden, nur nicht für die Kunst. Hier eröffnet sich ein Arbeitsfeld für die Angehörigen jenes neuen Berufs, innerhalb dessen sich computertechnische und künstlerische Aktivitäten überlagern.

*Herbert W. Franke ist Professor für Kybernetische Ästhetik, Schriftsteller und Computergrafiker.