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24.10.1997 - 

Strategiewechsel oder lediglich Technologie-Akquisition?

Tivoli-Einkauf Unison soll Lücken im Framework stopfen

Dieses Expertenurteil ist für die IBM-Tochter gefährlich. Denn nur durch die Zusatzmodule der rund 350 Entwicklungspartner entfaltet die als Framework konzipierte System-Management-Plattform "TME/10" von Tivoli die gewünschte Funktionsvielfalt. Mit einem von Analystenseite unterstellten Strategiewechsel würde der Anbieter das gegenseitige Abhängigkeitsverhältnis zu den Partnern in eine Konkurrenzsituation verkehren.

"Mit der Unison-Akquisition wollen wir Lücken im Framework stopfen", versuchte Jan Lindelow, President und Chief Operating Officer bei Tivoli, am Rande der Anwenderveranstaltung "Planet Tivoli" in Paris die Wogen zu glätten. "Am Partnermodell wird sich indes nichts ändern." Alles andere wäre verwunderlich, denn das komplexe Thema System-Management in heterogenen und verteilten Umgebungen ist kaum von einem Hersteller allein zu bewältigen.

Die zu beseitigenden Defizite betreffen vor allem das Scheduling, also das automatische Starten von Jobs zu vereinbarten Zeiten, sowie das Output-Management für unterschiedlichste Ausgabegeräte. Mit der Integration der Unison-Lösungen in das Framework stünden, so Lindelow, diese Möglichkeiten auch den Modulen der Drittanbieter zur Verfügung.

Losgelöst von der Partnerfrage ist die Akquisition in jedem Fall eine gegen die Konkurrenz gerichtete Aktion, denn ähnliche Funktionen hat "Unicenter" von Computer Associates (CA) bereits integriert. Überhaupt scheint sich bei Tivoli die Einstellung zu verfestigen, CA sei der einzi- ge ernsthafte Mitbewerber im Markt für das System-Management von heterogenen Umgebungen - das war zumindest am Rande der Anwenderveranstaltung zu erfahren.

CA kommt aus dem Mainframe-Bereich, wo das Unternehmen bereits seit langem System-Management-Möglichkeiten anbietet. Mit Unicenter versucht CA, die angestammte Kundschaft um die Client-Server-Klientel zu erweitern. Eigenen Angaben zufolge erwirtschaftet der Hersteller mit Produkten für das System-Management ein Viertel des rund vier Milliarden Dollar umfassenden Umsatzes. Wieviel Prozent auf Client-Server-Installationen entfallen, ist nicht bekannt.

Tivoli hat seine Wurzeln im Client-Server-Umfeld. 1989 von ehemaligen IBM-Mitarbeitern gegründet, stürzte sich das junge Unternehmen zunächst auf die Entwicklung eines verteilten objektorientierten Frameworks für heterogene Umgebungen. 1991 landete Tivoli einen überraschenden Coup, als die Open Software Foundation (OSF) das Tivoli-Produkt "Wizdom" als objektorientiertes Management-Gerüst für das Distributed Management Enviroment (DME) auswählte.

1994 kehrt Tivoli in seine Wiege zurück, als IBM den IT-Verwaltungs-Spezialisten übernahm. Big Blue übertrug der neuen Tochter sämtliche Verantwortung für das System-Management, eingeschlossen der eigenen Lösungen "Systemview" und "Netview". Vornehmliches Ziel wurde in der Folge, System- und Netview in das objektorientierte Tivoli-Framwork zu integrieren - was nach Ansicht vieler Experten bislang noch nicht zufriedenstellend gelungen ist.

Während sich also CA, ausgehend vom Know-how in der Mainframe-Verwaltung, nach und nach im Client-Server-Umfeld zu orientieren versucht, beschreitet Tivoli mit der Systemview-Integration den umgekehrten Weg. Tivoli reklamiert für sich wie auch CA einen Umsatz von rund einer Milliarde Dollar im Geschäft mit dem System-Management. Gut vertreten ist Tivolis TME vor allem in großen Unternehmen, denn nur die können laut dem Informationsdienst "Computergram" das Geld aufwenden, die schwierige Installation zu bewältigen.

Das soll sich nun ändern. Die IBM-Tochter kündigte eine TME-Version mit dem Codenamen "Boss Man" an, die vor allem den Belangen von mittleren und kleinen Unternehmen entsprechen soll. Die erste Ausführung adressiert die Verwaltung von Intel-Plattformen - nähere Angaben über die Funktionalität sind jedoch noch nicht bekannt. Die weltweite Verfügbarkeit der Lösung versprach das Unternehmen für Ende 1997 oder Anfang 1998.

Ab sofort erhältlich ist dagegen nun das Sicherheits-Management von Tivoli. Laut Hersteller soll die Software sowohl für Mainframes als auch verteilte Plattformen geeignet sein. Der Kern der Verwaltungslösung ist die Komponente "Tivoli Access Control Facility" (TACF), eine Art Middleware, die zwischen den Betriebssystemen wie Unix, Windows NT, Netware oder MVS und den Sicherheitsapplikationen einge- zogen wird. Als weiteres Element kommt die zentrale Konsole des Sicherheitswerkzeugs ins Spiel, das Administratoren die Kontrolle über die Installationen erlaubt und als Integrationsknoten für die Produkte der Tivoli-Partner gilt. Anbieter wie Axent, Check Point, Cybersafe sowie Santix haben sich bereits darauf festgelegt, die Sicherheitslösung zu unterstützen.

Maestro-Anwender in Sorge

Das Sicherheitswerkzeug wie auch die angestrebte Integration der Unison-Lösungen erweitern die Funktionsvielfalt des Frameworks. Während sich also für Anwender von TME/10 die jüngste Akquisition der IBM-Tochter durch weitere Management-Möglichkeiten lohnen könnte, beobachten die heutigen Benutzer der Unison-Lösung "Maestro" den Wechsel des Produktes in fremde Hände mit gemischten Gefühlen. Sie befürchten, daß sich Tivoli zu ihren Ungunsten verändere. Vor allem der Job-Scheduler wird häufig von Fluglinien genutzt, um Daten aus verschiedenen Reservationssystemen zu sammeln und zu konsolidieren. Vergleichbare Funktionen sind von der Vinzant Inc., CA, New Dimension Software Ltd. oder Platinum erhältlich.