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23.06.2000 - 

Dritte Anwendermesse Planet Tivoli

Tivoli weitet sein Angebot für Internet-Service-Provider aus

MADRID (jha) - Auf seiner dritten europäischen Anwenderkonferenz nahm sich der System-Management-Spezialist Tivoli Systems Inc. den Trendthemen der Zeit an. Lösungen für Service-Provider, und das Management von mobilen Endgeräten wurde in eine Strategie für E- und Mobile-Commerce eingebettet.

In seiner Eröffnungsrede beschwor Tivoli-CEO Jan Lindelow die Metapher des "Big Picture". Eine Management-Umgebung, so die Quintessenz seiner Ausführungen, müsse den Administratoren den Blick auf sämtliche Applikationen, Lieferketten und Endgeräte einräumen. Voraussetzung für derartige Anforderungen sei es, die zugrunde liegende IT-Infrastruktur in den Griff zu bekommen. Dabei tun sich für die Anwender jedoch neue Schwierigkeiten auf, denn nicht immer befinden sich die genutzten Netze und Endgeräte, über die Partner, Kunden und Mitarbeiter mit den Unternehmen in Kontakt treten, in der Obhut der hauseigenen IT-Abteilung.

Dennoch müssen sie ihren Kommunikationspartnern vertretbare Dienstegüten anbieten, und zwar Service Level Agreements (SLAs), die der Sicht des Kunden auf die IT-Leistung Rechnung tragen. Insbesondere die vielen entstehenden Breitbanddienste forcieren die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, etwa das Supply Chain Management via Internet und das "pervasive Computing" (ständiger Zugriff auf IT-gestützte Informationen) mittels mobiler Endgeräte wie PDAs und Handies.

Lindelows Mannen präsentierten auf der in Madrid veranstalteten europäischen Hausmesse natürlich entsprechende Lösungen für derartige Herausforderungen. So ergänzt Tivoli beispielsweise seine Service-Provider-Lösungen um die Werkzeuge "Tivoli Personalized Services Manager" und "Tivoli Internet Services Manager". Ersteres Tool soll den Anforderungen an die Dienstleister Rechnung tragen, ihren Kunden jederzeit und ortsunabhängig Zugriff auf Services einzuräumen. Als Endgeräte hat Tivoli PDAs, Web- und Bildschirmtelefone sowie Smartphones im Auge. Neben der Verwaltung dieser Geräte beinhaltet der Personal Services Manager das Abonnenten- und Beschaffungs-Management und liefert den Dienstleistern ein Werkzeug zur Kontrolle der persönlichen Services.

Als Untermenge des Personal Services Managers bietet Tivoli Internet-Service-Providern mit Internet-Zugangs- und Web-Hosting-Produkten das Tool Internet-Services-Manager an. Er umfaßt außer der Verwaltung der Endgeräte die gleichen Verwaltungsdiziplinen. Beide Lösungen sollen Anfang Juli verfügbar sein, die Lizenzkosten orientieren sich an der Abonnentenzahl der Dienstleister.

Dem immer wieder geäußerten Vorwurf, die Tivoli-Produktpalette sei teuer und schwer zu beherrschen, trat CEO Lindelow einmal mehr entgegen. Schon auf der letztjährigen Anwenderkonferenz verwies er darauf, dass seine Entwickler die Installations- und Konfigurationsroutinen überarbeitet und vereinfacht hätten. Zudem sucht die IBM-Tochter schon seit geraumer Zeit mit einem vorkonfigurierten Paket den Weg in die kleineren und mittleren Unternehmen. Auf der diesjährigen Konferenz versprach er, die Preispolitik zu überarbeiten, ohne jedoch Details zu nennen. Die Erfahrungen zeigen allerdings auch, dass die Lizenzkosten bei großen Tivoli-Projekten gegenüber den Einführungskosten das kleinere Übel darstellen.

Der Vorteil des Tivoli-Frameworks ist nach wie vor, dass es Plattform-übergreifend arbeitet und daher vor allem in großen Unternehmen zum Zuge kommt. Diese Trumpfkarte spielte der Anbieter wiederum mit dem neuen Produkt "Tivoli Data Exchange" aus. Tivoli greift dazu auf einer Enterprise Integration Software von Commercequest zurück, die im Zusammenspiel mit den hauseigenen Management-Tools den Datentransfer über alle Plattformen und Protokolle hinweg sicherstellen soll. Dabei kommt auch IBM Middleware MQ Series zum Einsatz, die die verbindungslose Vermittlung von Informationen zwischen den Kommunikationsendpunkten ermöglicht.

Ein absolutes Modethema greift Tivoli mit eine Erweiterung des "Tivoli Secureway Policy Director" auf. Dieses Sicherheitsprodukt wurde dahingehend ausgebaut, dass es Zugriffsrechte für Endgeräte verwaltet und definiert, die über das Wireless Access Protocol (WAP) auf Applikationen und Daten zugreifen. Ergänzend dazu lassen sich mittels "Tivoli Secureway Privacy Manager" persönliche Daten der Kunden mit WAP-Geräten vor Fremdzugriffen schützen. Tivoli betonte in diesem Zusammenhang, keine Sicherheitsverfahren wie Verschlüsselung und Authentifizierung anbieten zu wollen, dieses Feld überlässt man den Partnern. Der Fokus der IBM-Tochter bleibt die Zugangskontrolle und das Single-Sign-on.

Damit springt Tivoli auf einen Zug auf, dem die Marktbeobachter des Tivoli-Mutterkonzerns enorme Wachstumsraten prognostizieren. Dem Markt für Pervasive Computing schreiben die Big-Blue-Analysten in den kommenden Jahren Zuwachsraten von 18 Prozent pro Jahr zu. Übertroffen wird dieses Segment vom Network-Computing- beziehungsweise Internet-Markt, der pro Jahr um 20 Prozent wachsen soll.

Getrieben wird diese Entwicklung vornehmlich vom Angebot an breitbandigen Datendiensten, die den Trend zum elektronischen Handel stärken werden. David Murphy, Senior Vice President, Corporate Development, sieht als vorläufigen Endpunkt dieser Entwicklung eine Electronic Community in verschiedenen Branchen entstehen, die als virtuelle Marktplätze dienen. Wichtige Vorraussetzung dafür sind jedoch eine hohe Verfügbarkeit ("Besser als das Telefon, bei dem der Wählton verfügbar ist, sobald man den Hörer abnimmt"), garantierte Sicherheit, leistungsfähige Speichersysteme ("Storagetank") sowie eine funktionierende Definition und Kontrolle von Service Level Agreements.

Als Zukunftsszenario schilderte Murphy seine Vision vom elektronischen Haushalt, im Tivoli-Jargon "e-Home" genannt. Via vernetztem Fernsehgerät und mobilen Endgeräten ließen sich Einkäufe erledigen, im Idealfall meldet sich sogar der Kühlschrank selbsttätig, wenn die Vorräte ausgehen. Andere Business-to-Consumer-(B2C-)Lösungen könnten beispielsweise elektronische Marktplätze für Finanzdienstleister zum Ziel haben, in denen die Banken ihre Angebote zur Verfügung stellen und die Kunden mit Hilfe jeglicher Endgeräte auf die Services zugreifen können. Die elektronischen Marktplätze im B2B- (Business-to-Business) und B2C-Umfeld sind laut Murphy der logische Schritt von den derzeit marktbeherrschenden Geschäftstransaktionen via Internet hin zu einer effektiveren Nutzung des Webs.

Abb: Breitbandige Zugangstechniken forcieren neue Geschäftsmodelle für Haushalte. Quelle: Tivoli