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04.02.1994

TK-Experten fordern "Deutsche Netz AG" Telekom-Konkurrenz ruestet sich zum Angriff auf das Netzmonopol

BAD HOMBURG (CW) - Energieversorger und Bundesbahn als kuenftige Betreiber von TK-Netzen in Deutschland - kein futuristisches Szenario, seit beispielsweise RWE, Mannesmann und Deutsche Bank im November 1993 ihr Joint-venture ankuendigten.

Corporate Networks und die Frage, wie bei einer Privatisierung der Telekom beziehungsweise vollstaendigen Liberalisierung des TK- Marktes andere Anbieter flaechendeckende Netze zeit- und kostensparend aufbauen koennen, standen im Mittelpunkt einer Konferenz des Euroforums in Bad Homburg.

"Auch in anderen Laendern konnte man sich anfangs private Netzbetreiber als Alternative zum urspruenglichen Monopolisten nicht vorstellen", hielt etwa Candace Johnson, Vorsitzende des Verbandes der Telekommunikationsnetz- und Mehrwertdiensteanbieter (VTM), den Bedenkentraegern und Anhaengern alter Monopolstrukturen entgegen. Energieversorger und Bahnen koennten beispielsweise in Zukunft mit Satelliten- und Kabelnetzbetreibern kooperieren. Die VTM-Chefin regte in diesem Zusammenhang die Gruendung einer "Deutsche Netz AG" als unternehmerische Plattform fuer entsprechende Aktivitaeten an.

Der VTM praesentierte bei dieser Gelegenheit erstmals die Ergebnisse einer von ihm in Auftrag gegebenen Studie ueber die "Leistungsguete und das Preis-Leistungs-Verhaeltnis der Monopoluebertragungswege der Telekom".

Dem Bonner Postunternehmen wird darin zwar im wesentlichen bescheinigt, dass es die Vorgaben des Bundespostministeriums einhaelt, andererseits sind aber die vom Regulierer festgesetzten neun Ausfalltage pro Mietleitung und Jahr "genauso wenig wirklichkeitsnah wie die Mietpreise, die teilweise 600 Prozent ueber denen im Ausland liegen", wie Unternehmensberater Juergen Melzer als Verfasser der Studie feststellte. Grund genug fuer den VTM, wie viele andere Experten eine Abschaffung des Netzmonopols der Telekom zu fordern.

Auch beim Bayerischen Rundfunk (BR) geht eine Studie der Frage nach, wie ein kuenftiges Netz-Management ohne Telekom aussehen koennte. "Unsere Uebertragungskosten werden bis 1995 weiter ansteigen, obwohl sie durch Digitalisierung und Datenkompression eigentlich eher fallen muessten", brachte Frank Mueller-Roemer, Technischer Direktor des Muenchner Funkhauses, das Problem vieler Anwender auf den Punkt - sprich die hohen Mietleitungskosten der Telekom. Der BR-Verantwortliche liess zumindest keinen Zweifel daran, dass er sich auch mit alternativen Betreibern und deren Angebot anfreunden koennte: "Die Stromunternehmen verfuegen ueber unglaublich sichere Netze", gab der frustrierte Telekom-Grosskunde zu bedenken.

Fuer Ex-Postminister Christian Schwarz-Schilling ist es unabdingbar, dass eine Deutsche Netz AG "jede Art von TK- Dienstleistungen anbieten darf". Hinzu kommt fuer den streitbaren TK-Experten die dringend notwendige Umwandlung der Telekom in eine Aktiengesellschaft.

Da jedoch liegt der Hase im Pfeffer. Noch ringen die politischen Gremien in Bonn um den naechsten Schritt der Postprivatisierung.

"Das derzeitige Kompromisspapier zur Postreform II ist unzureichend", machte Schwarz-Schilling unmissverstaendlich deutlich. Er mahnte daher im Einklang mit vielen anderen TK- Fachleuten nicht nur eine schnelle politische Entscheidung bis zur Parlaments-Sommerpause an. Vielmehr muesse auch ein "stimmiges Gesetzeswerk" dafuer sorgen, dass die Postreform II nicht "in einer betrieblichen Katastrophe fuer die Telekom und einer volkswirtschaftlichen Katastrophe fuer die Entwicklung der deutschen TK-Industrie" endet.