Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

30.10.1998 - 

Lösungen zur Integration von Sprache, Daten und Video im Netz

TK-Giganten machen sich in Networking-Gefilden breit

Mit Lucent-Chef Richard Mc- Ginn und Nortel-Boß John Roth waren gleich zwei Vertreter der TK-Branche als Keynote-Sprecher nach Atlanta geladen - ein deutliches Indiz dafür, daß nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch der Veranstalter der Messe die Integration der Sprach- und Datennetze als klaren Trend im Networking ansehen. Beide Companies zeigten sich entschlossen, eine wesentliche Rolle bei der Konvergenz der parallelen Netze zu spielen. Dabei beschränkten sie sich in ihren Vorträgen nicht - wie derzeit häufig in der Diskussion - auf die Migration der Vermittlungstechnik hin zum Internet Protocol (IP), sondern präsentierten konkrete Lösungen zur Integration von Sprache und Daten und zeigten auf, wie Unternehmen von den Netzwerken der Zukunft profitieren können.

Lucent stellte im Rahmen der N+I beispielsweise seine Software-Produktreihe "IP Exchange System" vor, die Telefon- und Faxsysteme mit PCs und Netzequipment verbinden soll. Alle Geräte sind damit in der Lage, über ein einziges IP-Netz zu kommunizieren. "IP Exchangecomm" enthält Software, die das Routing von Anrufen erledigt und Funktionen einer Telefonanlage bereitstellt. Außerdem umfaßt die Lösung den "IP Exchange Adapter", der Telefone und Faxgeräte zu IP-Clients im Netz macht. Optional gibt es ein Telefonie-Gateway, das die Anbindung an das öffentliche Telefonnetz ermöglicht. Lucent plant, diese und weitere Lösungen im Frühjahr 1999 auf den Markt zu bringen.

Rivale Nortel will da nicht nachstehen. Durch die Übernahme von Bay Networks sieht sich die Company in der Lage, ihren Kunden Komplettlösungen für die Integration von Sprache und Daten anzubieten. "Es geht nicht nur darum, Sprache über IP zu transportieren", betonte CEO Roth. Wichtiger sei es, in einem integrierten Netz genau die gleichen Funktionen bereitzustellen, wie sie ein klassischer Sprach-Switch bietet (etwa Rufweiterleitung oder Signalisierung). Das Unternehmen hat daher für 1999 eine neue Server-Plattform angekündigt, die diesem Anspruch gerecht werden soll. Außerdem will Nortel für seine Kunden sogenannte Unified Networks aufbauen, an die sie PCs, Telefone und Server gleichberechtigt anschließen können.

Für Anwender, die angesichts dieser Versprechen enorme zusätzliche Investitionen befürchten, hatte der Nortel-Boß eine gute Nachricht.

Er betonte die Notwendigkeit, die neuen Technologien in die bereits beim Kunden vorhandenen Infrastrukturen zu integrieren. Es sei nicht vertretbar, die Funktionalität bestehender Unternehmensnetze zu unterbrechen und komplett neue Netze aufzubauen.

Neben diesen konkreten Lösungen zur Sprach-Daten-Integration in Unternehmen sprachen beide Firmen auch Themen wie Bandbreitenmangel an. McGinn prophezeite im Rahmen seiner Rede mittelfristig ungeheure Technologiesprünge, die dieses Problem zumindest im Backbone-Bereich entschärfen sollen. Sein Unternehmen werde bis zum Jahr 2002 die Übertragungskapazität von Glasfasern auf 8 Terabit/s erhöhen. Das entspricht nahezu der tausendfachen Kapazität dessen, was heute verfügbar ist. Nortel seinerseits verkündete, den Durchsatz über eine einzelne Glasfaserleitung bis Ende dieses Jahres auf 320 Gbit/s zu steigern. Derzeit ist allerdings noch nicht restlos geklärt, über welches Verfahren Unternehmen Zugang zu diesen Hochgeschwindigkeits-Backbones erhalten sollen.

Nach Meinung von Lucent-CEO McGinn könnten sich Digital-Subscriber-Line-(DSL-)Technologien hier als Standard etablieren. In einigen Jahren werde das auf den traditionellen Kupferleitungen aufsetzende Verfahren von jedem PC unterstützt. Ähnliches gilt seiner Ansicht nach für die unterschiedlichsten Formen der drahtlosen Kommunikation, darunter auch den Mobilfunk. Zumindest im Einzugsgebiet von Großstädten würden sich die derzeit noch langsamen und teuren drahtlosen Übertragungsarten zu allgemein verfügbaren, billigen und breitbandigen Zugangsverfahren entwickeln.

In diesem Punkt stimmt auch Nortel-Chef Roth seinem Kollegen zu, geht aber noch einen Schritt weiter. "Nicht nur die Grenzen zwischen Daten- und Sprachübertragung sowie zwischen drahtloser und leitungsgebundener Kommunikation verschwimmen zusehends, auch die Trennlinien zwischen Unternehmen und Carriern werden unscharf", verkündete der Manager. Er gab sich überzeugt, daß Firmen in absehbarer Zeit TK- und Datenübertragungsdienste in eigener Regie betreiben werden. Die Unternehmen könnten ihre vorhandene Infrastruktur so ausbauen, daß sie mobile wie festleitungsgebundene Daten- und Telefonie-Services über ihr Netz leiten und somit Kosten sparen würden. Verläßt ein Teilnehmer den Wirkungsbereich des Unternehmensnetzes, erfolgt automatisch und für den Anwender unmerklich eine Übergabe des Service an öffentliche Netze.

Fernab der Zukunftsmusik der beiden TK-Player hatten Besucher der Netzwerkmesse in Atlanta Gelegenheit, sich Lösungen anzusehen, die eine Integration von Sprache, Daten und Video in Netzwerken ermöglichen sollen. Quality of Service (QoS) heißt das Zauberwort, das hier die Türen zu Kosteneinsparungen öffnet: Mit der Möglichkeit, auch im IP-Umfeld bestimmten Datentypen feste Dienstequalitäten zuzuordnen, steht und fällt die Konvergenz der Netze.

Dienstequalität für IP-Netze

Netreality etwa präsentierte Version 2.0 seiner Bandbreiten-Management-Lösung "Wanwise". Das Produkt erlaubt laut Hersteller die Zuweisung von festen Bandbreiten für bestimmte Anwendungen und die Priorisierung von Sprachübertragungen. Wanwise kostet rund 3000 Dollar.

Der Anbieter IP Highway hat eine Software entwickelt, die regelbasierte Zuweisung von Dienstequalitäten im lokalen Netz ermöglichen soll. "QoS master" nutzt Standard-IP-Verfahren wie etwa das Reservation Protocol (RSVP) und Common Open Policy Service (Cops), um Sprach-, Daten- und Videoübertragungen bis zum Arbeitsplatz zu ermöglichen. Endstationen, Server oder Anwendungen müssen laut Hersteller nicht modifiziert werden, um das Verfahren nutzen zu können. Die Software läuft unter Windows NT und kostet etwa 20000 Dollar.