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03.06.1994

TK-Netze: Ostdeutschland ist weltweit die Nummer eins

Innerhalb von drei Jahren will die Telekom etwa 1,2 Millionen Haushalte in den neuen Bundeslaendern ueber das Glasfasersystem Opal (Optische Anschlussleitung) versorgen. Lieferprobleme bei verschiedenen Herstellern machten im vergangenen Jahr nur eine Teilrealisierung dieses weltweit modernsten Uebertragungsnetzes moeglich. Bis Ende 1995 soll das Projekt termingerecht abgeschlossen sein. Auftragsvolumen fuer die Uebertragungstechnik: 1,2 Milliarden Mark. In den neuen Laendern laesst die Telekom seit 1993 Glasfaser installieren. Bis 1995 wollen die Bonner dort rund 1,2 Millionen Haushalte mit dem Opal- Glasfasersystem versorgen. Durch den verstaerkten Einsatz dieser Technologie in Verbindung mit der vollstaendigen Digitalisierung der Vermittlungs- und Uebertragungstechnik entsteht das modernste Uebertragungsnetz der Welt."Gewinner auf dem Telekommunikationsmarkt wird der sein, der zuerst neue Produkte anbieten kann, die die zunehmenden Leistungsmoeglichkeiten der TK- Techniken in Form von groesserer Flexibilitaet, hoeherer Intelligenz, mehr Transparenz sowie hoeheren Bandbreiten optimal realisieren und zugleich die mit dem technischen Fortschritt einhergehenden erheblichen Kostenreduzierungen konsequent ausschoepfen", sagte Gerd Tenzer, Vorstandsmitglied der Telekom, anlaesslich der Inbetriebnahme der beiden ersten Opal-Netze in Quedlinburg und Gera vergangenen Herbst.Ziel der Telekom ist ein volldigitales, breitbandiges, variables Transportnetz auf Basis der Glasfaser- und ATM-Technik, in dem die unterschiedlichsten Telekommunikationsdienste unabhaengig von ihrer Bandbreite integriert sein werden.Um die Glasfaser auch im Ortsnetz einsetzen zu koennen, entschlossen sich die Bonner zu einer flexiblen Strategie: Unabhaengig von der Entwicklung und Einfuehrung breitbandiger Dienste werden die Glasfasersysteme im Teilnehmeranschlussbereich anstelle der Kupfertechnik fuer die wirtschaftliche Versorgung der Kunden mit eingefuehrten Services eingesetzt. Die Entkopplung von der Nachfrage nach Breitbanddiensten ermoeglicht es der Telekom, einerseits in den naechsten Jahren auch im Ortsnetz das Kupferkabel durch die Glasfasertechnologie zu ersetzen und andererseits das betrieblich ineffiziente Nebeneinander unterschiedlicher Technologien zeitlich zu verkuerzen, konstatierte Tenzer. Zudem will sich der Telekom- Chef die Option offenhalten, die neuen Glasfasersysteme zu gegebener Zeit auch fuer ein kostenguenstiges Angebot breitbandiger Kommunikationsdienste hochzuruesten. In den alten Bundeslaendern wird sich die Abloesung vorhandener Kupfernetze durch Glasfaseranschlussnetze erheblich schwieriger gestalten, ist aber laut Telekom dennoch notwendig, bevor sich die im Vergleich zu den neuen Laendern besser ausgebauten und leistungsfaehigeren Kupferanschlussnetze zum Engpass entwickeln. Willfried Seibel, von der Telekom-Pressestelle konkretisiert: "Wo Glasfaser aufgrund konkreter Nachfrage wirtschaftlich vertretbar ist, werden wir sie legen. Im uebrigen pruefen wir stets auch bei Ersatzinvestitionen, ob sich der Einsatz der Glasfaser lohnt."Die Forcierung des Glasfaserausbaus im Ortsnetz vor allem in Deutschland-Ost gehoert zum Aufbaukonzept "Telekom 2000" fuer die neuen Bundeslaender. Mit diesem rund 60 Milliarden Mark teuren Aufbauprogramm (siehe CW Nr. 5 vom 4. Februar 1994, Seite 48) sollen bis 1997 unter anderem ueber fuenf Millionen neue Telefonanschluesse und zusaetzlich Kabelfernseh-, Mobilfunk- und die notwendigen Text- und Datenanschluesse aufgebaut werden. Erstmals sind in der Bundesrepublik seit 1993 passive optische Netzwerksysteme (PONs) im Einsatz. In den neuen Bundeslaendern wurden glasfaser-optische Zugangsnetz-Kommunikationssysteme von Siemens, Alcatel SEL und der Bietergemeinschaft Fast sowie von Raynet installiert. Die deutsche Niederlassung in der Grafschaft Gelsdorf der Raynet Corp. aus dem kalifornischen Menlo Park fuehrte die Ingenieurtechnik, Installation und Einschaltung dieser PON-Systeme schluesselfertig aus und war der erste Auftragnehmer von Opal. Passive optische NetzwerksystemeDie PONs bieten den Betreibern einen kostenguenstigen Weg, schon heute Telefon- und Videodienste offerieren zu koennen und parallel dazu ein glasfaseroptisches Netzwerk vorzubereiten, das kuenftige Breitbanddienste bereitstellen kann.Bei diesem Netztyp werden Hunderte von Anrufen ueber glasfaseroptische Kanaele gebuendelt und passiv, das heisst, so die promovierte Elektrotechnikerin Grit Henning von Raynet, ohne dazu teure Elektronik zu benoetigen, an glasfaseroptische Zentralen geleitet, die sich im Nahbereich des Teilnehmers befinden.In Gera und Luebz (Thueringen) installierten die Gelsdorfer die Loop Optical Carrier Systeme (LOC 2i). Ziel dieses Glasfasersystems ist es, bestehende Kupferanschlussnetze zu ersetzen oder zu erweitern, um Schmalband-Fernsprech- und Datenuebertragungsdienste ueber das oeffentliche Vermittlungsnetz an die Teilnehmerendstellen heranzufuehren. Die gemeinsame Nutzung der Verzweigungsfaseroptik und Optoelektronik durch zahlreiche Teilnehmer macht LOC2i gegenueber Kupfernetzen kostengleich.In der gleichnamigen Stadt des Bundeslandes Brandenburg wurde das Videodistributionssystem RVS eingesetzt. Sobald die Telekom hier ihre Vermittlungsstelle installiert, soll das Telefonsystem ingetriert werden. Mit dem Breitbandtransportsystem, das zur heutigen Kabelfernsehumgebung und zu bestehenden Netzen kompatibel ist, koennen Videodienste, so der Hersteller, kostenguenstig verzweigt werden. Die gemeinsame Nutzung faseroptischer Systeme fuer Fernsprech- und Kabelfernsehdienste ermoeglicht es, die Investition fuer die Kabelanlage doppelt auszuschoepfen. Aufgrund der Bandbreitentransparenz des neuen Netzes koennen kuenftige Dienste einfach und ohne in die grundlegende Infrastruktur einzugreifen, installiert werden. Dazu gehoeren das hochaufloesende Fernsehen sowie das interaktive Video (Muenzfernsehen, Videobibliothek und Upstream Video). Bereits jetzt unterstuetzt werden:- AM- Fernsehsendungen (fuer PAL; NTSC; Secam),- FM- und Digital- Hoerfunksendungen,- Bandbreiten von 45 bis 860 Megahertz,- komprimiertes, digitales Fernsehen sowie- Kompatibilitaet zu allen derzeitigen Zugriffsverfahren.RVS soll gegenwaertig einen hochqualitativen Transport von AM-Fernsehbild- und -tonsignalen vom Standort der Kopfstelle bis in das Empfangsgebiet gewaehrleisten. Die Version RVS/ 1310 setzt sich aus einem kaskadierten Fernleitungs- und Verteilungssystem zusammen. Sie verwendet Lasertechnik mit verteilter Rueckkopplung, wobei die elektrische Umwandlung auf der Hub-Ebene stattfindet. Die Version RVS/1550 hingegen besteht aus einem einzelnen faseroptischen Pfad und arbeitet mit faseroptischer Verstaerkung (EDFA - erbiumgedopter Glasfaserverstaerker).Das System besteht aus sechs Hauptelementen:Die Videokopfstelle enthaelt die RTS- (Raynet- Fernleitungssystem) Sender, die je nach Systemwellenlaenge und Systemkonfiguration, die zu den Video-Glasfaserleitungsendgeraeten fuehrenden Glasfaserleitungen ueber eine Entfernung von bis zu 60 Kilometer speisen. Das Video-Glasfaserleitungsendgeraet (Video OLT) enthaelt den RTS-Empfaenger und eine Reihe von RDS-(Raynet- Verteilungssystem)Sendern in der Version RVS/1310 beziehungsweise faseroptische Verstaerker bei RVS/1550. Die passiven Glasfasernetze (PONs) mit den Glasfaserverteilern. Sie verzweigen das Signal an die Glasfasernetzbausteine (ONUs) im Feld. Ein passives Glasfasernetz kann je nach Version acht bis zwoelf beziehungsweise 16 bis 32 Glasfasernetzbausteine bedienen. Die ONUs koennen je nach Konfiguration zehn bis 20 beziehungsweise bis zu 200 Teilnehmer versorgen. Als Miniversion gilt ein Basiseingang in bestehende Hauptantennen-Fernsehsysteme. Die fuenfte Systemkomponente ist das Statusueberwachungssystem. Es verwendet Videoverwaltungsmodule (VAMs), die in ONUs, OLTs und in Kopfstellen untergebracht sind. Zudem ist es fuer die Systemverwaltung und -ueberwachung einschliesslich Lasersicherheitsfunktionen zustaendig.Die sowohl eingebauten als auch verteilten Netzteile werden entsprechend den oertlichen Gegebenheiten individuell gestaltet. Standard- Einmodenfasern transportieren Hoerfunk- und Fernsehkanaele von den RDS-Senden zu den Glasfasernetz-Bausteinen draussen im Feld. Die ONUs sind an der Bordkante oder innerhalb von Wohnhaeusern untergebracht. Sie verbinden die Glasfaserverteilungseinrichtung mit jedem bestehenden Koaxial-Ableitungskabel jedes einzelnen Teilnehmers und stellen einen direkten Anschluss an Mehrfach- Fernsehgeraete und Videorekorder her, ohne dass spezielle Konverter gebraucht werden.Neben Brandenburg, Gera und Luebz gehoeren auch Dresden-Cotta und Hoyerswerda in den Realisierungsabschnitt von Opal, den Raynet durchfuehrte. Im vergangenen Jahr wurden 50000 Anschluesse gelegt, heuer sollen es ueber 100 000 werden.Aufgrund der hohen Anforderungen an die diversen Auftragnehmer traten Lieferschwierigkeiten auf, und konnte nur ein Teil der 93er- Realisierungsphase erfuellt werden. Der Verzug soll in diesem Jahr aufgeholt werden, "verschiedene Auftraege werden umgeschichtet", so Pressemann Seibel. Am Opal '94 sind die Bietergemeinschaften Quante/AT&T, Siemens/PKI, Raynet/Detewe/ Fuba sowie ke Kommunikations-Elektronik beteiligt. Das Auftragsvolumen betraegt 460 Millionen Mark. Die Unternehmen werden laut Telekom 190 Glas- faserprojekte mit insgesamt 500000 Anschluessen abzuwickeln haben, wenn auch nicht mehr schluesselfertig wie 1993. Heuer sind die Firmen nur noch fuer die Lieferung und Montage von Opal zustaendig, die Telekom agiert nach dem Motto "Business as usual". In diesem Jahr realisiert die Telekom eine interessante neue Variante des Glasfasereinsatzes. Dabei ersetzt Opal die sogenannten "Abgesetzten Peripheren Einheiten (APEs) - darunter versteht man zur Vermittlungstechnik gehoerende, an digitale Mutter- Vermittlungsstellen angebundene Einheiten, mit denen die in den neuen Bundeslaendern noch zahlreich vorhandenen alten und kleinen analogen Vermittlungsstellen ersetzt werden sollen.Bei dieser Abloesung ergeben sich Kostenvorteile zugunsten des Glasfasereinsatzes, die von der Telekom entsprechend der Vision "Fibre to the home" (FTTH) fuer die moeglichst durchgehende Implementierung von Opal-Systemen in der Version "Fibre to the building" (FTTB) ausgeschoepft werden. Die Ausschreibung fuer 1995 laeuft. LiteraturGlasfaser bis ins HausFibre to the home, Kongressvortraege, Band 16 in der Reihe "Communications", Springer- Verlag, Berlin/Heidelberg, ISBN: 3-540-53724-4, 92 Mark.Breitbandkommunikation im Glasfasernetz, Telekom- Forschung.Berkom, ISBN:3-7685-2491-4, 98 Mark.Fibre Optic Cables, Siemens AG, ISDN: 3-8009-4127-9, 109 MarkVerbindungstechnik fuer Lichtwellenleiter, DVS Verlag, ISBN: 3-87155-116-3, 48 Mark.CW- Bericht, Andrea Rausch-Dietrich

Die Faseroptiksysteme bestehen aus fuenf Hauptelementen: Glasfaserleitungsendgeraete (OLTs) verbinden das Glasfaser- Verteilungsnetz mit dem oeffentlichen Vermittlungsnetz fuer Fernsprech- und Datenuebertragung. Die passiven Glasfasernetze (PONs) mit ihren Verteilern verknuepfen die Glasfaserleitungsendgeraete mit den einzelnen Bausteinen (ONUs) im Verstaerkerfeld. Letztere stellen jeweils einer Gruppe von Teilnehmern Dienste ueber bestehende Kupferableitungen zur Verfuegung. Das Irides-Betriebs- und Wartungssystem sorgt fuer Service, Netzpruefung, Ueberwachung und Standhaltung. Die eingebauten wie auch die verteilten Netzgeraete koennen den oertlichen Erfordernissen individuell angepasst werden. Standard- Einmodenfasern leiten den Sprach- und Datenverkehr vom Glasfaserleitungsendgeraet (OLT), das sich unmittelbar oder nahe an der Zentrale befindet, zu den im Verstaerkerfeld gelegenen Glasfasernetzbausteinen (ONUs). Diese sind wiederum an der Bordkante oder innerhalb von Gebaeuden installiert und verbinden die Glasfaserverteilungseinrichtung mit den Kupferableitungskabeln eines jeden Teilnehmers. Die fuer jede Dienstart benoetigte Optoelektronik befindet sich in Form von feldersetzbaren Modulen in den Glasfasernetzbausteinen.Gegenwaertig unterstuetzte Dienste sind:- Fernsprechdienst,- analoge Mietleitungen,- kodirektionale, digitale 64-Kbit-Mietleitungen,- B1- (2048 Mbit/s)- Synchrontransport G703/G7094,- digitale Fernleitungen automatischer Nebenstellenanlagen sowie- ISDN-Primaerbereich (30B+D) und -Grundbereich (2B+D).