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29.10.1993

TK-Randbedingungen als Standortparameter Europaeische Industrie versteift sich auf deregulierte TK-Maerkte

FRANKFURT/M. (gh) - Die vollstaendige Liberalisierung des europaeischen TK-Marktes ist nicht mehr nur Steckenpferd visionaerer Ordnungspolitiker, sondern Gegenstand handfester Wirtschaftsinteressen. Grossanwender in Industrie und Handel fordern staerker denn je die Abschaffung der Monopole und die Etablierung eines offenen Wettbewerbs - zum Nutzen eigener Geschaefts- und Standortvorteile.

In Zeiten schlechter Konjunktur geraten die TK und ihre Randbedingungen in Europa zunehmend ins Blickfeld standortpolitischer Betrachtungen. Industrie und Handel klagen nun ein, was die Politiker aus Sicht der Wirtschaft jahrelang verschlafen haben: die Privatisierung der staatlichen PTTs, die Festlegung niedrigerer Tarife beim Telefondienst und der Datenuebertragung sowie die Bereitstellung geeigneter Netz- Infrastrukturen fuer kuenftige dezentrale Unternehmensstrukturen.

Diesen nicht ganz neuen Forderungskatalog stellten nun auch die Teilnehmer einer von der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland veranstalteten Frankfurter Konferenz "Telekom im Umbruch - Internationaler Wettbewerb zum Nutzen des Anwenders" auf. Dabei wurde vor allem eines deutlich: Die Bundesrepublik geraet aus EG-Sicht immer mehr aufs TK-politische Abstellgleis. Gemeint sind die ueberfaellige Privatisierung der Telekom sowie die im internationalen Massstab ueberhoehten Tarife des Bonner Carriers. "Die Politiker unterschaetzen die Ungeduld, die bei den Anwendern herrscht", skizzierte Wolfgang Mudter, Geschaeftsfuehrer der deutschen BT, die Situation hierzulande. Fuer Mudter des Tele- kom- Konkurrenten British Tele- com ist - wie fuer viele andere Experten auch - der Vollzug der Postreform II und die damit einhergehende weitere Liberalisierung unabdingbar, um "den ramponierten Ruf des Standortes Deutschland wieder aufzupolieren".

Mudter weiss, wovon er spricht, denn sein Unternehmen ist der deutschen Telekom in Sachen Privatisierung und Wettbewerbsorientierung rund zehn Jahre voraus - wie ueberhaupt der britische TK-Markt fuer nicht wenige Insider eine Art Vorbildcharakter hat.

Auch die Anwender haben sich, wie es scheint, langsam, aber sicher vom Gaengelband der staatlichen TK-Monopolisten - zumindest emotional - befreit und wuerden lieber heute als morgen in einem deregulierten Markt den Anbieter wechseln. Dies jedenfalls ist das Ergebnis einer von BT in Auftrag gegebenen Umfrage unter 500 europaeischen Entscheidungstraegern in Industrie und Handel, von denen sich immerhin gut zwei Drittel vom Outsourcen des eigenen Kom- munikations- beziehungsweise Netzbetriebs eine notwendige und die eigenen Marktchancen foerdernde Rueckbesinnung auf das eigentliche Core-Business versprechen.

Allzuviel Deregulierung sollte es aber dann doch nicht sein. In Anlehnung an das Modell der weitgehend unabhaengigen britischen Regulierungsbehoerde Oftel gilt es in Expertenkreisen und auch bei den meisten Anwendern als ausgemacht, dass auch zukuenftige offene TK-Maerkte in den jeweiligen Mitgliedstaaten ohne Regulierungsinstanz - sei es zur Vergabe von Lizenzen, Klaerung kartellrechtlicher Fragen oder Ueberwachung von Tarifen - nicht auskommen werden.

Dies allerdings ist fuer die bundesdeutschen Telekom-Kunden momentan mehr als nur Zukunftsmusik. Unabhaengig von der Stagnation in Sachen Postreform II drueckt dort der Schuh vor allem in puncto zu hoher Tarife, die, wie Peter Erbert, Manager Systems & Data Processing bei der Koelner Ford Werke AG, wohl vielen seiner Kollegen aus dem Herzen sprach, "bei der Standortdiskussion ebenso wie die vielleicht zu grosszuegige bundesdeutsche Urlaubsregelung angesprochen werden muessen".